Archiv: internationale News Januar - März 2000




17. März 2000, Oslo: Neue norwegische Regierung mit acht Frauen
Der neue norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg hat sein sozialdemokratisches Kabinett vorgestellt. Dem Kabinett gehören acht Frauen und elf Männer an. Außenminister wird der frühere Regierungschef Thorbjörn Jagland.


14. März 2000, Damaskus: Syrisches Kabinett vereidigt
Im Kampf gegen Korruption und Stagnation hat Syriens Staatschef Hafis el Assad ein neues Reformkabinett vereidigt. 23 der insgesamt 37 MinisterInnen, darunter auch Regierungschef Mohammed Mustafa Miro, sind neu im Kabinett. Der Frauenanteil liegt mit 3 Ministerinnenposten von insgesamt 37 AmtsinhaberInnen bei acht Prozent.


12. März 2000, Rom: Papst legt Schuldbekenntnis ab
Johannes Paul II. hat als erster Papst ein umfassendes Schuldbekenntnis ("Mea Culpa") für das Verhalten von Christen abgegeben: für Gewalt in Religionskriegen, für Inquisition, Antisemitismus und Versäumnisse in der Zeit des Nationalsozialismus. Allerdings ging Johannes Paul nicht ausdrücklich auf das öffentliche "Schweigen" des Vatikans zum Holocaust ein. Zum Jahrhunderte alten Antisemitismus in der Kirche sagte er: "Wir sind zutiefst betrübt über das Verhalten aller, die im Laufe der Geschichte deine Söhne und Töchter leiden ließen. Wir bitten um Verzeihung...".
Der Papst ging auch auf die Verletzung der Würde der Frau, Diskriminierung und Rassismus ein: "Auch die Christen haben sich schuldig gemacht, indem sie Menschen ausgrenzten und ihnen Zugänge verwehrten. Sie haben Diskriminierungen zugelassen auf Grund von unterschiedlicher Rasse und Hautfarbe."
Allerdings sprach Johannes Paul nicht von der Schuld der Institution Kirche, sondern von Verfehlungen einzelner "Söhne der Kirche". Mit dem Eingeständnis der Schuld habe die Kirche kein "Urteil über die subjektive Verantwortung der Brüder in der Vergangenheit" formulieren wollen. Es gehe um Vergebung und Aussöhnung als Schritt zum wirklichen Frieden. Nie mehr dürfe es Gewalt und Unterdrückung geben.
Die feierliche Vergebungsbitte, die der Papst gegen erheblichen innerkirchlichen Widerstand durchgesetzt hatte, gilt als ein Höhepunkt im Heiligen Jahr. Theologisch gesehen wurde das Reuebekenntnis vor Gott abgelegt. "Die Kirche und die Schuld der Vergangenheit - Erinnern um zu versöhnen", lautet der Titel des Dokuments für das "Mea Culpa" des Papstes. Drei Jahre lang haben daran sieben internationale Theologen unter Leitung des deutschen Kardinals Joseph Ratzinger gearbeitet.
International wird das Mea Culpa als Meilenstein der Geschichte und "historische Dimension", aber auch als vertane Chance bewertet. So wurde kritisiert, dass sich nicht bei den Opfern entschuldigt wurde sondern bei "Gott".
1992 rehabilitierte der Papst den als Ketzer verurteilten Gelehrten Galileo Galilei (1564-1642). Anfang 1998 wurde in Rom das Dokument "Wir erinnern: Nachdenken über die Shoah" veröffentlicht. Hierrin gestand der Vatikan erstmals offiziell ein, dass sich ein Teil der KatholikInnen nicht entschieden genug gegen die Verfolgung von Jüdinnen und Juden gewandt hat.


12. März 2000, Rabat: Demonstrationen für und gegen Frauenrechte
Das Reformvorhaben des sozialistischen Ministerpräsidenten Abderrahman Youssoufi, Frauen stärker in das Wirtschaftsleben zu integrieren, wurde von einer Demonstration von etwa 100.000 Menschen in der Hauptstadt Rabat unterstützt. Das Vorhaben der Regierung sieht weiter vor, das Mindestalter für Eheschließungen von 15 auf 18 Jahre anzuheben und die Polygamie in dem moslemischen Land abzuschaffen.
In der Wirtschaftsmetropole Casablanca folgten 300.000 Menschen dem Aufruf islamistischer Organisationen zu einer Protestkundgebung gegen diese Reform. Die Islamisten meinen in den Reformplänen ein "Produkt des Westens" und einen Verstoß gegen das islamische Recht ("Scharia") zu sehen.


11. März 2000, Frankfurt: 73 Millionen Mädchen ohne Schulbildung
Rund 73 Millionen Mädchen und jungen Frauen auf der Welt wird nach Angaben von UN-Generalsekretär Kofi Annan das Recht auf Bildung verweigert. In einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Rundschau" beklagt Annan: "Für Millionen Eltern bedeutet die Ausbildung einer Tochter eine Verschwendung von Zeit und Geld".
Den Mädchen werde damit ein Recht verweigert, das in internationalen Vereinbarungen wie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes verankert sei.


09. März 2000, Stockholm: Familienstress begünstigt Herzinfarkte
Einer schwedischen Studie zufolge führt Stress in der Familie eher zu Herzinfarkten bei Frauen als Stress bei der Arbeit. Prof. Kristina Orth-Gomer vom Karolinska Institut in Stockholm erklärte dies zum Ergebnis einer Untersuchung mit 584 Frauen seit 1991, von denen die Hälfte bereits einen Infarkt erlitten hatte. Die Ursachen seien vornehmlich Krankheit in der Familie, Drogensucht und insbesondere Alkoholabhängigkeit Angehöriger. Aber auch Gewalttätigkeit anderer sowie Ehebruch durch den Mann zählten dazu. Generelle Beziehungsprobleme wirkten ebenfalls Infarkt fördernd, oft sogar stärker als Scheidung oder Trennung.
Mit einem achtfach erhöhtem Risiko als besonders gefährdet seien Frauen, die familiäre Probleme haben und damit "nur schlecht umgehen können". Zu dem gebe es einen Zusammenhang zwischen Beziehungsproblemen und einer ungesunden Lebensweise mit Rauchen, fetter Kost sowie Bewegungsmangel.
Für das Gesundheitswesen erwartet die schwedische Ärztin spürbare Kosteneinsparungen, wenn es gelingt, Frauen den Zusammenhang zwischen "einer besseren Lebensqualität auch zu Hause und dem Infarktrisiko zu verdeutlichen".
Bis auf zwei waren alle der seit 1991 untersuchten und befragten Frauen im Alter zwischen 30 und 65 Jahren berufstätig, wie dies bei der großen Mehrheit der Schwedinnen üblich ist.


09. März 2000, Neu Delhi: Bevormundung bei Bekleidung
Nach fundamentalistischen Hindus machen nun auch fundamentalistische Moslems indischen Studentinnen Kleidervorschriften. Islamische Studentengruppen in Kanpur im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh schrieben jungen Frauen vor, sich künftig zu verschleiern, wenn sie zur Hochschule gehen. Außerdem dürften sie keinen Lippenstift tragen. Das berichtete die Zeitung "Asian Age".
Die fundamentalistische Hindu-Studentenorganisation ABVP hatte ebenfalls in Kanpur Studentinnen verboten, Jeans oder Röcke zu tragen.


08. März 2000, Paris: Vertrauen auch für eine Präsidentin
Neun von zehn Französinnen und Franzosen würden auch einer Staatspräsidentin vertrauen. Frauen und Männer sind in etwa gleich bereit, einer Frau an der Spitze ihres Staates Vertrauen entgegen zu bringen. Dies ergab eine Umfrage des CSA-Instituts, die zum Weltfrauentag von der Pariser Wirtschaftszeitung "La Tribune" am Mittwoch veröffentlicht worden ist.


08. März 2000, Berlin: UNICEF fordert Hilfe für misshandelte Frauen
Das UN-Kinderhilfswerk (UNICEF) fordert die Unterstützung von Mädchen und Frauen in aller Welt. "Die Diskriminierung und Vernachlässigung von Mädchen und Frauen zu verhindern, bedeutet in vielen Ländern, ihr Leben zu retten", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von UNICEF und des deutschen Entwicklungsministeriums.
In Südostasien sterben jährlich etwa eine Million Mädchen, weil sie schlechter ernährt und schlechter medizinisch versorgt werden als Jungen. Die hohe Sterblichkeit der Mädchen habe dazu geführt, dass von ihnen weltweit 60 bis 100 Millionen "fehlen".
In Indien werden jährlich etwa 5.000 Frauen wegen ihrer Mitgift ermordet.
Eine weitere brutale Form von (Männer)Gewalt sind Säure-Attentate. 1998 haben Männer in Bangladesch 200 Mädchen und Frauen mit Batteriesäure überschüttet. Die Säure fügt den Opfern schwere Verbrennungen zu und entstellt ihre Gesichter und Körper. Die Säureattacken wendeten Männer an, wenn sie von Frauen als Partner nicht akzeptiert wurden, sowie bei Auseinandersetzungen um Land oder Mitgift.


08. März 2000, Genf: Frauenmarsch gegen Gewalt an Frauen
Rund 2.000 Frauen, Kinder und Männer haben in Genf mit Spruchbändern und Sprechchören am Start des Weltfrauenmarsches 2000 teilgenommen. Sie prangerten vor allem die Gewalt gegen Mädchen und Frauen an. "Männer haben Angst, dass Frauen über sie lachen - Frauen haben Angst, dass Männer sie töten", hieß es unter anderem auf Transparenten.
Die Frauenmarsch-Demonstrantinnen forderten auf Postkarten konkrete Maßnahmen zur Ausrottung der Armut sowie die gerechte Verteilung der Reichtümer. Vor dem Sitz der Welthandelsorganisation (WTO) protestierten die Frauen gegen den "Ausschluss der Hälfte der Menschheit" aus der Weltwirtschaft.
Der Marsch wurde in mehr als 150 Ländern begonnen und wird symbolisch am 17. Oktober 2000 in New York mit einer riesigen Kundgebung beendet.


08. März 2000, Algier: 2.0000 Frauen fordern ihre Rechte in Algerien
Frauen in Algerien haben aus Anlass des Internationalen Frauentages gleiche Rechte für Frauen und Männer in der algerischen Gesellschaft gefordert. Auf einer Veranstaltung mit mehr als 2 000 Teilnehmerinnen rief die algerische Frauenrechtlerin Khalida Messaoudi in Algier dazu auf, "das Schweigen zu brechen" und "aktiv gegen die Verletzung von Frauenrechten durch die Islamisten" zu kämpfen.
In ihrer Rede erinnerte Messaoudi an die Leiden der Frauen während des seit sieben Jahren anhaltenden Terrorismus islamistischer Extremisten. "Tausende Frauen wurden verschleppt, vergewaltigt und ermordet", sagte sie.
An dem Treffen in Algier nahmen auch Vertreterinnen von Frauen-Organisationen aus Europa, Iran und Afghanistan teil.
frauennews-Special-Thema: Situation der Frauen in Algerien


07. März 2000, New York/Paris/Rom: "Frauen bauen Brücken"
Frauen sind nach Worten von UN- Generalsekretär Kofi Annan im allgemeinen bessere Friedenshüterinnen und - kämpferinnen als Männer. In einer Erklärung zum Internationalen Frauentag hob Annan in New York hervor, dass "Frauen dazu neigen, Brücken und nicht Mauern zu bauen".
Die Direktorin des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Carol Bellamy, kritisierte Gewaltakte gegen Frauen und Mädchen, die angeblich das Ansehen ihrer Familien reinhielten. Es sei ein Verbrechen, dass Männer für diese Taten nicht oder viel zu milde bestraft und oft sogar noch offen bewundert würden.
In Bangladesch seien die Attacken auf Frauen mit ätzender Säure zwischen 1996 und 1998 auf das Vierfache angestiegen, und in Pakistan, Jordanien, den palästinensischen Autonomiegebieten seien Gewaltakte gegen Frauen üblich, durch die angeblich der Ruf ihrer Familien reingehalten würde.
Die Direktorin des UN-Bevölkerungsprogramms UNFPA, Nafis Sadik, appellierte zum Weltfrauentag an Ehemänner, Väter, Politiker und Arbeitgeber in aller Welt, das Streben von Frauen nach gleichen Rechten zu unterstützen.
UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura ermunterte dazu, Frauen im 21. Jahrhundert an Führungs- und Entscheidungsprozessen "voll zu beteiligen". Im 20. Jahrhundert seien Frauen erstmals in größerer Zahl in die Öffentlichkeit vorgestoßen, als Wählerinnen, (bezahlte, d. R.) Arbeitskräfte und Beamtinnen, sagte Matsuura. Jetzt sei es an der Zeit, ihre Fähigkeiten anzuerkennen und sie gleichermaßen in die Positionen zu lassen, die bisher ihren männlichen Kollegen vorbehalten waren.


23. Februar 2000, London: Trotz gleicher Qualifikation weniger Lohn
In einer Studie der "London School of Economics" wurden die Gehälter von gleichqualifizierten kinderlose Frauen und Männer verglichen. Das Ergebnis ergab, dass Frauen in Grossbritanien in ihrem Berufsleben durchschnittlich 750.000 Mark weniger verdienen als Männer. Hat eine Frau ein Kind oder mehrere zu versorgen, so verdient sie noch weniger. Eine Verkäuferin beispielsweise, die mit 23 Jahren Mutter wird, verdient im Leben 1,49 Millionen Mark weniger als ein kinderloser Mann.


21. Februar 2000, Bern: Erstmals Frau als Priesterin in der Schweiz
Denise Wyss wurde zur Priesterin der Christkatholischen Kirche geweiht. Damit steht mit der 35jährigen erstmals in der Schweiz eine Priesterin am Altar. Die Christkatholische Kirche der Schweiz hat rund 14.000 Mitglieder.


12. Februar 2000, Paris: Flugpionierin Jacqueline Auriol verstorben
Die französische Fliegerin Jacqueline Auriol ist gestern im Alter von 82 Jahren in Paris gestorben. Jacqueline Auriol, Schwiegertochter des früheren französischen Staatspräsidenten Vincent Auriol, war seit 1947 ambitionierte Pilotin. Im Juli 1949 stürzte sie mit ihrem Flugzeug in die Seine und musste fast eineinhalb Jahre in Kliniken verbringen. Danach begab sie sich mit verstärktem Elan in die Fliegerei. Als einer der ersten Versuchsfliegerinnen gelangten ihr bis 1964 sieben Geschwindigkeitsweltrekorde. Auriols grösste Konkurrentin war die amerikanische Pilotin Jacqueline Cochran. Als Auriol deren Geschwindigkeits-Weltrekord für Frauen 1955 mit einem Düsenjäger vom Typ "Mystere IV" und 1.200 Kilometern pro Stunde übertraf, erhielt sie den Titel "schnellste Frau der Welt".
Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac würdigte Auriol in einem Schreiben an ihre beiden Söhne und erklärte, ihr Name werde in die Geschichte der Fliegerei und der astronautischen Forschung eingehen.


10. Februar 2000, Algier: Frauenmarsch gegen Amnestie verhindert
Rund 500 Menschen, in der Mehrzahl Frauen, demonstrierten gegen die Amnestie für Mitglieder der algerischen Terror-Organisation "Armee des Islamischen Heils" (AIS).
Die DemonstrantInnen durchbrachen dabei drei Polizei- Sperren und wurden erst 800 Meter vor dem Präsidenten-Palais gestoppt. Mehrere TeilnehmerInnen der Protestaktion verletzten sich, als sie versuchten, über die Mannschaftswagen der Sicherheitskräfte zu klettern.
Die DemonstrantInnen waren einem Aufruf der Vereinigung der Opfer des Terrorismus gefolgt. Mehrere Vereinigungen von Opfern des islamistischen Terrors fordern die juristische Verfolgung der Verantwortlichen der Massaker an der Zivilbevölkerung sowie umfangreichere materielle Hilfe für die Opfer.
Der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika hatte Mitte Januar eine Amnestie für Mitglieder der algerischen Terror-Organisation Armee des Islamischen Heils (AIS) erlassen, die später noch auf andere Islamisten-Gruppierungen erweitert worden war.
Seit 1991 herrscht in Algerien ein Bürgerkrieg, in dem hauptsächlich Frauen und Kinder auf brutalste Weise ermordet wurden.
frauennews-Special-Thema: Situation der Frauen in Algerien


09. Februar 2000, Tokio: Erste Gouverneurin in Japan
Fusae Ota, 48-Jährige ehemalige Spitzenbeamtin aus dem einflussreichen Handelsministerium wurde kürzlich zur ersten Gouverneurin Japans gewählt. In ihrer Funktion steht sie Japans zweitgrösster Provinz Osaka vor.
Eine (noch) unüberwindbare Hürde stellte im Anschluss an die Wahl eine uralte japanische Tradition dar. Beim Frühjahrsturnier der Sumo-Ringer wird normalerweise der Siegerpokal durch den amtierenden Gouverneur überreicht - wenn dieser männlich ist. Einer Gouverneurin dagegen ist es nicht gestattet auch nur einen Zeh in den "heiligen Ring" zu setzen. Auch Otas Hinweis, dass mensch doch schließlich im 21. Jahrhundert lebe, hat die männlichen Sumo-Funktionäre von dem Frauen-Verbot nicht abgebracht.
Bereits 1990 kam die erste weibliche Regierungssprecherin Japans nicht gegen diese "Tradition" an.


08. Februar 2000, London: Lesbische und schwule Beziehungen "nicht gleichwertig"
Lesbische und schwule Beziehungen dürfen im britischen Schulunterricht weiterhin nicht gleichwertig neben heterosexuellen Beziehungen dargestellt werden. Die geplante Aufhebung des Diskriminierungsparagrafen 28 scheiterte in einer Abstimmung mit 210 gegen 165 Stimmen im britischen Oberhaus. Das 1988 unter der konservativen Premierministerin Margaret Thatcher erlassene Gesetz verbietet es Schulen und Stadtverwaltungen, homosexuelle und heterosexuelle Beziehungen auf eine Stufe zu stellen. Homosexuellenverbände werten das Ergebnis als "Votum für fortgesetzte Zensur und Homophobie an unseren Schulen".
Blair, der den Paragrafen für "nicht mehr zeitgemäß" hält, stiess in den vergangenen Wochen auf großen Widerstand. Konservative Boulevardzeitungen führten "aus Sorge um unsere Kinder" eine Kampagne gegen die Regierungsinitiative. Der katholische Kardinal Thomas Winning verglich die "militante homosexuelle Lobby" sogar mit der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Auch Jonathan Sacks, der oberste britische Rabbi, warnte, Homosexualität sei "moralisch keineswegs gleichwertig".


08. Februar 2000, Ankara: Sexualkundeunterricht in der Türkei
Schülerinnen und Schüler in der Türkei sollen demnächst Sexualkunde-Unterricht erhalten. Neben der sexuellen Aufklärung erhalten die Jugendlichen auch Informationen über Geschlechtskrankheiten und die Fortpflanzung. Mädchen und Jungen sollen in getrennten Kursen unterrichtet werden. Das Projekt startet in Istanbul.


08. Februar 2000, Nairobi: Scharia-Einführung mit Folgen
Mitte Januar 2000 ist im nigerianischen Bundesstaat Zamfara das islamische Recht eingeführt worden. Andere Bundesstaaten wollen dem Beispiel folgen. Steinigungen und Amputationen von Gliedmaßen gehören nun zur Strafverfolgung. In Bussen müssen sich weibliche Fahrgäste nach ganz hinten setzen. Die vorderen Reihen sind für Männer.
Der Bundesstaat Zamfara wird von Gouverneur Ahmed Sani geführt. Mit der Scharia will er gegen Kriminalität, Korruption und Prostitution vorgehen. Sanis Ehefrau kündigte eine 250 Dollar- Prämie für Prostituierte an, die ihre Tätigkeit sofort beendeten. Diese Summe ist höher als der mehrmonatige Verdienst einer Hausangestellten in Nigeria.


07. Februar 2000, Helsinki: Frau wird Finnlands Staatsoberhaupt
Tarja Halonen, Sozialdemokratin, gewann am 06. Februar die PräsidentInnenwahl in Finnland. Die 56-Jährige ist damit Finnlands erstes weibliches Staatsoberhaupt. Seit 1995 war Tarja Halonen finnische Außenministerin.
In einer Stichwahl unterlag ihr der 45jährige Liberale Esko Aho von der Zentrums- Partei. Ihm fehlten 103.000 Stimmen von den 4,2 Millionen wahlberechtigten Finninnen und Finnen. Aho hatte im Endspurt des Wahlkampfes die EU sowie Finnlands Regierung wegen der Sanktionen gegen Österreich kritisiert.
Nach einer vom Reichstag in Helsinki beschlossenen Verfassungsänderung werden dem Staatsoberhaupt Finnlands ab 1. März 2000 wesentliche politische Kompetenzen beschnitten. Davon betroffen ist die Mitwirkung an der Außenpolitik und bei der Regierungsbildung.


06. Februar 2000, New York: Hillary Clinton kandidiert für US-Senat
Die amerikanische First Lady Hillary Clinton erklärte offiziell ihre Kandidatur für den US-Senat. Sie wird bei der Wahl im November für die Demokraten antreten. Es ist das erste Mal in der Geschichte der USA, dass eine Präsidentengattin sich um ein solches Amt bewirbt.
Clinton gestand ein, dass sie in New York neu sei. Sie habe sich aber jahrelang in den ganzen USA für Familien eingesetzt und kenne die Probleme der Menschen. Hillary Clinton erklärte sich in ihrer Rede zu einer "neuen Demokratin" und distanzierte sich damit von ihrem für viele New Yorker zu liberalen Image. Sie sprach sich für die Todesstrafe aus. Zugleich kündigte sie mehrere Bildungsinitiativen an. Unter anderem will sie erreichen, dass jedes Klassenzimmer in New York an das Internet angeschlossen wird. Des weiteren wolle sie sich für gleiche Bezahlung von Männern und Frauen im Beruf einsetzen.
Gegner Hillary Clintons ist der republikanische New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani. Für den Wahlkampf stehen H. Clinton derzeit 8,1 Millionen Dollar zur Verfügung, Guiliani sammelte bisher über 11,5 Millionen Dollar. Für Clinton machen sich viele Prominente stark, wie Michael Douglas, Barbara Streisand, Steven Spielberg und Andre Agassi. Giuliani kann dagegen auf Banker und Immobilienmogule setzen, die von dem Aufschwung New Yorks in seiner Amtszeit profitierten.


04. Februar 2000, Luxemburg: Anspruch für Schwangere auf Stelle
Schwangeren Frauen darf nicht unter Berufung auf nationale Mutterschutzgesetze die Einstellung auf unbefristete Stellen verweigert werden. Dies entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg (AZ: C-207/98).


31. Januar 2000, Wien: Verschlechterungen für Frauen prophezeit
Peter Pilz, Grünen-Abgeordneter im österreichischen Nationalrat, geht davon aus, dass mit einer Beteiligung des Rechtspopulisten Jörg Haider an der österreichischen Regierung kurzfristig starke Verschlechterungen" in Fragen der Familien-, Frauen- und Sicherheitspolitik" zu erwarten seien.
Die politische Achse der Republik habe sich in den vergangenen Jahren in der Frage der Menschenrechte schon weit nach rechts verschoben.
Siehe auch frauennews-Site: Gegen-Rechts-Bewegung


19. Januar 2000, Neuss: Zu wenig Frauen in Top-Positionen
Eine von der Paketzustellfirma UPS als Auftraggeberin erstellte Studie ergab, dass kaum Frauen in den Führungsetagen großer Unternehmen arbeiten. Das ergab eine Umfrage unter 1.500 europäischen Top-ManagerInnen.
Der Studie nach gelangte in nur etwa jedem vierten deutschen Unternehmen eine Frau ins Topmanagment. In etwa jedem zehnten deutschen Unternehmen arbeiten zwei Frauen im Topmanagment.
Nur in Großbritannien und Belgien wurden überhaupt Unternehmen gefunden, die im höheren Management ebenso viele Frauen wie Männer beschäftigen. In keinem der befragten Unternehmen waren Managerinnen in der Überzahl.
Die für den so genannten Europe Business Monitor im Herbst 1999 befragten Unternehmen hatten einen durchschnittlichen Jahresumsatz von drei Milliarden DM und im Durchschnitt 3.500 MitarbeiterInnen. In Deutschland wurden ManagerInnen von 252 Unternehmen telefonisch befragt.


18. Januar 2000, Maputo: Drei Frauen in neuem Kabinett
Der Präsident der südostafrikanischen Republik Mosambik will Frauen zu größerer Macht verhelfen. Joaquim Chissano hat den Kampf für die Gleichberechtigung der Frau zu einem Ziel seiner zweiten Amtszeit erklärt. Frauen müssten Seite an Seite mit den Männern bei der politischen Entscheidungsfindung mitwirken. Chissano nahm in seine neue Regierung drei Frauen auf. Luisa Diogo wurde Ministerin für Planung und Finanzen. Lidia Brito wurde Ministerin für Erziehung, Wissenschaft und Technologie und Virginia Matabele ist neue Ministerin für Frauen und Soziales. Insgesamt sind elf neue MinisterInnen im Kabinett.


18. Januar 2000, Paris: Sicherheitschefin für Premierminister
Die 32jährige Sophie Hatt ist seit einigen Tagen für die Sicherheit des französischen Premierministers Lionel Jospin zuständig. Sie wurde zur Chefin des Sicherheitsstabes des Regierungschefs ernannt. Die Mutter eines sieben Wochen alten Babys leitet eine Gruppe von 28 BeamtInnen, in der bereits zwei Frauen ihren Dienst tun.
Der Ehemann von Sophie Hatt arbeitet als Polizeikommissar.


18. Januar 2000, London: Managerin gewann Klage gegen Bank
Die 32jährige Investmentbankerin Kay Swinburne gewann ihre Klage wegen sexueller Diskriminierung gegen die Deutsche Bank. Die RichterInnen folgten der Darstellung Swinburns, ihr damaliger Chef habe sie aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt, ihren Arbeitsvertrag verletzt und sie zur Aufgabe ihres Postens in der Londoner City gedrängt. Die Höhe des Schadenersatzes (eventuell in Millionenhöhe) soll im März festgelegt werden.
Die Deutsche Bank reagierte "enttäuscht" auf das Urteil. Nach eingehender interner Untersuchung seien disziplinarische Schritte gegen Swinburnes Chef ergriffen worden. Die Deutsche Bank habe sich bei der Managerin entschuldigt und ihr eine Entschädigung angeboten.
Swinburne hatte bis vor einem Jahr als eine von sechs Frauen einen der 100 leitenden Posten bei der Investmenttochter der Deutschen Bank inne. Dem Urteil zufolge hatte Swinburnes Chef Hugh Tidbury eine Beförderung der Klägerin blockiert und die Autorität der Pharma-Expertin vor ihren MitarbeiterInnen untergraben. So habe Tidbury demnach angedeutet, sie sei mit einem Kunden ins Bett gegangen.
Die 32-Jährige war eigenen Angaben zufolge aus der Deutschen Bank ausgeschieden, als sie das Gefühl hatte, ihre Beschwerden würden monatelang nicht ernst genommen. Als der Prozeß ins Rollen kam, habe sich die Bank aggressiv verteidigt.
Seit ihrem Ausstieg aus der Deutschen Bank vor einem Jahr hat die Bankmanagerin nicht mehr gearbeitet.


13. Januar 2000, London: "Inquisitions-Methoden" beim Vatikan?
Lavinia Byrne, eine in Großbritannien sehr bekannte katholische Ordensschwester, ist nach eigenen Angaben aus ihrer Kongregation ausgetreten, weil sie den "inquisitionsähnlichen" Druck des Vatikans wegen ihres Engagements für Frauen im Priesteramt nicht mehr ertragen konnte. Nach Presseberichten wurde Lavinia Byrne 18 Monate lang von hohen römischen Würdenträgern gedrängt, sich öffentlich hinter die päpstliche Politik zu stellen, die eine Priesterweihe für Frauen ablehnt.
Als Byrne vor sieben Jahren ein Buch mit dem Titel "Frauen vor dem Altar" veröffentlichte, entzündete sich der Zwist mit dem Papst. Der Vatikan untersagte die Verbreitung des Werkes, in dem Byrne zahlreiche Argumente für Frauen als Priesterinnen anführt. Die verantwortlichen Stellen gingen sogar so weit, für die USA bestimmte Buchexemplare verbrennen zu lassen, sagte Byrne. Die 52jährige Theologie- Lehrerin und Autorin mehrerer Bücher findet die Techniken der Verantwortlichen des Vatikan mittelalterlich: "Sie verhalten sich wie die heilige Inquisition. Ich fühle mich verfolgt."
Trotz des Austritts will Lavinia Byrne treues und engagiertes Mitglied der katholischen Kirche bleiben. Die Nonne war im Alter von 17 Jahren in das "Institut der gesegneten Jungfrau Maria" eingetreten.


11. Januar 2000, Brasilia: Gratis Kondome für Frauen
Ab Mitte Januar verteilen brasilianische Gesundheitsbehörden und NGO`s kostenlos zwei Millionen Kondome für Frauen. Ziel der Aktion ist es, Frauen eine gewisse Unabhängigkeit im Kampf gegen Geschlechtskrankenheiten zu verschaffen. Zielgruppe sind überwiegend Prostituierte, HIV-Kranke und Überlebende von Gewaltanwendungen.


07. Januar 2000, Nairobi: Scheidung zwischen zwei Kenianerinnen
Gemäß einer Meldung der Zeitung "Kenya Times" entschied ein kenianisches Gericht, dass sich eine 80jährige Kenianerin von ihrer Ehegattin wegen "Grausamkeit und Gewalt" scheiden lassen kann.
Nyoero Ongori gehört zur Volksgruppe der Kisii, deren Traditionen die Heirat zwischen Frauen aus wirtschaftlichen Gründen erlauben. Eine Witwe ohne männliche Nachkommen soll so die Möglichkeit bekommen, einen Erben zu erhalten. Denn nach der Tradition der Kisii können nur Söhne das Vermögen ihrer Familie erben. Töchter dagegen werden als Familienbesitz betrachtet. Eine Witwe, die keine Kinder mehr gebären kann, darf eine junge Frau heiraten, damit diese ihr einen Sohn überlässt. Nyoero Ongori hat mehrere Töchter, aber keinen Sohn. Sie entschloss sich deshalb vor acht Jahren eine Frau zu heiraten. Diese jedoch sei gewalttätig und gebar noch keinen Sohn.


06. Januar 2000, Paris: "Pille danach" an Frankreichs Schulen
Die "Pille danach" ist seit heute an allen französischen Schulen erhältlich. Schülerinnen, die eine Schwangerschaft befürchten, können die Pille von der Schul- Krankenschwester erhalten. Krankenschwestern gibt es an den meisten französischen Schulen. Sie werden die betroffenen Schülerinnen beraten sowie Kontakt mit den Eltern aufnehmen, wenn die Schülerinnen dies wünschen.
Nach einer Umfrage der Zeitung "Journal du Dimanche" hatten sich im Dezember 1999 66 Prozent der Französinnen und Franzosen für die Ausgabe der "Pille danach" an den Schulen ausgesprochen. Katholische und konservative Kreise kritisierten die Entscheidung der Schulministerin Segolene Royal.
Seit dem Juni 1999 gibt es die "Pille danach" auch rezeptfrei in den französischen Apotheken zu kaufen.
In Frankreich werden jedes Jahr etwa 10.000 Mädchen unerwünscht schwanger. Etwa zwei Drittel dieser Schwangerschaften werden mit einer Abtreibung beendet. Die "Pille danach" muss spätestens 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden, eine zweite Pille zwölf Stunden später. Die "Pille danach" ist nicht identisch mit der so genannten Abtreibungspille Mifegyne (RU-486).


05. Januar 2000, London: Erste Britinnen zu Fuß zum Südpol
Erstmals erreichten zwei Frauen zu Fuß den Südpol. Nach einem Fußmarsch von mehr als 1.000 Kilometern erreichten die Britinnen Catharine Hartley (34) und Fiona Thornewill (33) den Südpol. Die beiden Frauen wurden auf ihrer zweimonatigen Expedition von Thornewills Ehemann, Mike, begleitet. Das Trio hatte zu einem ursprünglich neunköpfigen Team gehört, das Ende letzten Jahres zu der Expedition aufgebrochen war. Blair gratulierte dem Team zu einem "wundervollen Start in das neue Millennium".
Die Route der Teilnehmerinnen ist hier nachzulesen.


04. Januar 2000, Kamerun: Wahl der "Mutter 2000"
Die 52jährige Anne Oyoa ist in Kamerun zur "Mutter des Jahres 2000" ernannt worden, weil sie 18 Kinder allein großzieht. Sie wurde vom Sozialministerium unter mehr als 200 Kandidatinnen ausgewählt, die alle mehr als zehn Kinder haben. Neben ihrer Arbeit als Mutter bewirtschaftet Anne Oyoa in Akono 70 Kilometer südlich der Hauptstadt Jaunde auch noch ihre eigenen Felder.
Auf den zweiten Platz des Wettbewerbes kamen drei Frauen, die alle 16 Kinder haben.







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