
Archiv: nationale News Juli - September 2000
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Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ermittelte, dass die tatsächliche Arbeitszeit-Differenz der Erwerbstätigen zwischen Ost- und Westdeutschland über drei Stunden pro Woche beträgt. Während die Erwerbstätigen zwischen Hamburg und München im April 1999 im Durchschnitt 35,6 Stunden an ihren Arbeitzplätzen waren, waren es die Berufstätigen in Ostdeutschland 39 Stunden. Westdeutsche Männer arbeiten mit 40,5 Stunden nur 1,5 Stunden kürzer als ostdeutsche. Bei den Frauen beträgt die Differenz gut 6,5 Stunden, was damit begründet wird, dass von den weiblichen Erwerbstätigen in den so genannten alten Bundesländern 42 Prozent über eine Teilzeitstelle verfügten - fast doppelt so viele wie im Osten. Abenteurer und Autor Rüdiger Nehberg will mit dem neu gegründeten Verein "Target" ("Ziel") den Kampf gegen Genitalverstümmelung an Mädchen und Frauen aufnehmen. Dazu will Nehberg in der islamischen Welt FürstreiterInnen finden und mit bereits existierenden Frauenrechtsorganisationen, wie TERRE DES FEMMES und (I)NTAKT, zusammenarbeiten. Die grausame Verstümmelung der weiblichen Genitalien ist ein Martyrium, das bei den Mädchen und Frauen lebenslange Behinderungen zur Folge hat: das Urinieren dauert bis zu einer halben Stunde und die Menstruation bis zu zehn Tagen. Das Blut kann nicht abfließen, es gerinnt und riecht nach Verwesung. Bei Geburten wird die Scheide der verstümmelten Frau jedes Mal aufgeschnitten und wieder zugenäht. Der 65jährige Nehberg hat sich zuvor erfolgreich über 20 Jahre lang für die Rechte und den Schutz der brasilianischen Yanomami-IndianerInnen engagiert. Eine Untersuchung des Instituts für Haushalts- und Konsumökonomik der Universität Stuttgart/Hohenheim für die Zeitschrift "Marie Claire" belegt riesige Unterschiede bezüglich des Einkommens zwischen den Geschlechtern in den "alten" Bundesländern. Eine Frau verdient in ihrem Berufsleben bei gleicher Qualifikation einen finanziellen Wert zwischen einer Eigentumswohnung bis zu einer Villa weniger als ein Mann. So belegt die Studie, dass eine alleinstehende Frau mit mittlerem Einkommen rund 224.000 Mark weniger besitzt als ein Mann mit gleicher Ausbildung. Bei einer Managerin könne der Unterschied auf bis zu 1,7 Millionen Mark zu einem vergleichbaren Manager wachsen. Im Rahmen der Studie wurden die Lebensläufe von 2.880 berufstätigen Frauen und Männern in den alten Bundesländern analysiert. Sportlerinnen, Patientinnen und deren Angehörige machten am 13. August auf das Thema Brustkrebs mit einem Lauf aufmerksam. Der wahlweise zwei oder fünf Kilometer lange Parcours führte am Mainufer in Frankfurt entlang. Mit dem Erlös aus der jeweiligen Startgebühr sollen Aufklärungsprogramme unterstützt und Forschungsprojekte gefördert werden. Beim "Race for the Cure" in den USA beteiligen sich jährlich mehr als 600.000 TeilnehmerInnen an über 100 Rennen dieser Art. Die Rennen werden von der "Susan G. Komen Breast Cancer Foundation" veranstaltet, einer der wichtigsten Krebshilfeorganisationen der USA, die seit 1999 auch in Deutschland ansässig ist. Die Komen-Foundation mit Sitz in Kronberg rechnete im ersten Jahr mit bis zu 2.000 Teilnehmerinnen. Angemeldet hatte sich u. a. die Siebenkampf- Weltmeisterin Sabine Braun, deren Schwester und Mutter an Brustkrebs starben. Gemäss einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts, die vom Auftraggeber DW-tv veröffentlicht wurde, ist der Rechtsextremismus nach Ansicht von 80 Prozent der Deutschen eine zunehmende Gefahr für die Bundesrepublik. Der Umfrage zufolge sehen Frauen (87 Prozent) die Gefahr eines zunehmenden Rechtsradikalismus deutlich stärker als Männer (73 Prozent). 18 Prozent der Befragten sahen keine Gefahr, weitere zwei Prozent hatten keine Meinung oder äußerten sich nicht. frauennews-Special-Thema: Mädchen und Frauen im Rechtsextremismus (Stand: 1999) Das Ergebnis einer Studie von ForscherInnen der Universität Bielefeld ergab, das Frauen und Kinder bei einer Scheidung oft die Benachteiligten sind und zunehmend in die Sozialhilfe abrutschen. Nach einer Scheidung steht einer Frau durchschnittlich 44 Prozent weniger Geld zur Verfügung als in der Zeit der Ehe. Männer hätten dagegen nur Einbußen von sieben Prozent. Es entstehe "immer häufiger eine Sozialhilfebedürftigkeit von Frauen und Kindern", bilanziert die Studie. Selbst wenn korrekte Unterhaltsregelungen getroffen wurden, reiche das Geld oft nicht aus. Die öffentliche Hand gebe inzwischen rund ein Drittel des Sozialhilfebudgets für alleinerziehende Mütter und ihre Kinder aus. Die Studie war vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegeben worden. Wie der Deutsche Werberat am 03. August 2000 mitteilte, hätten sich 21 Prozent aller im ersten Halbjahr 2000 eingegangenen Beschwerden auf Werbekampagnen von Internet- Firmen bezogen. Nach Angaben des Werberates sind das im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als doppelt so viele. Insgesamt verzeichnete die Bonner Schiedsstelle 299 Beschwerden, die sich auf über 151 Werbemaßnahmen bezogen. Das sind 25 Prozent mehr als in der ersten Hälfte 1999. Viele solcher Unternehmen versuchen mit provokativen Bildmotiven die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. So hat u. a. ein Internet- Reiseunternehmen mit der Abbildung eines halb nackten Mannes geworben, der mit zwei wenig bekleideten asiatischen Frauen im Bett lag. Der Werbetext lautete: "Manchmal bereuen wir, dass wir so günstige Flüge vermitteln. Sie sagen uns, was Sie zahlen wollen. Wir besorgen's Ihnen". Um solche "die Menschenwürde verletzenden Entgleisungen" künftig zu vermeiden, empfiehlt der Werberat den Firmen deshalb, ihre Kampagnen professionellen WerberInnen zu überlassen. Unter den beurteilten Werbemaßnahmen war auch die umstrittene Plakatwerbung des Musiksenders VIVA, auf dem ein Mädchen in anzüglicher Pose den Betrachter auffordert: "Kauf mich!". Nach zahlreichen Protesten aus der Bevölkerung hatte der Sender das Plakat zurückgezogen. Uneinsichtig zeigte sich dagegen die zum italienischen Benetton-Konzern gehörende Firma "Sisley". Sie hatte sich geweigert, eine frauenfeindliche Werbung zurückzunehmen und kassierte darauf eine "öffentliche Rüge" des Werberates. Am häufigsten seien Werbespots im Fernsehen und in Zeitschriften kritisiert worden. Anzeigen in Zeitungen spielten dagegen eine untergeordnete Rolle. Das Meinungsforschungsinstitut INRA hat im Auftrag der Zeitschrift "Vital" eine Umfrage unter 345 Frauen zwischen 18 und 59 Jahren bezüglich deren Sexualleben durchgeführt. Dem Ergebnis nach träumen 39 Prozent der Frauen von einem Mann, der weiß, was sie sich beim Sex wünschen. Jede zweite Frau im Alter zwischen 18 und 34 Jahren wolle gern mehr darüber erfahren, wie Sex fantasievoller und aufregender werden kann, hieß es in der Studie. Jede fünfte (21 Prozent) wünscht sich öfter und mehr Sex. Jede zehnte befragte Frau unter 34 Jahren gab an, nur selten Lust auf Sex zu haben. Bei den über 55-jährigen Frauen gab dies fast jede dritte an. Relative Einigkeit herrschte quer durch alle Altersgruppen bei der Frage, ob Sex gleich Lebensenergie sei. 62 Prozent beantworteten diese Frage mit einem Nein. Jede elfte Frau war der Meinung, es sei höchste Zeit für ein "Viagra für Frauen". Mehrfachnennungen waren möglich. frauennews-Special-Thema: Sexualität von Frauen Nach dem Eingeständnis der katholischen Kirche in Deutschland zur Beschäftigung von NS-ZwangsarbeiterInnen sucht ihr Sozialverband Caritas jetzt via Internet nach Betroffenen. Auf Deutsch, Englisch, Polnisch und Russisch bittet der Deutsche Caritasverband im World Wide Web um Informationen über den Einsatz von ZwangsarbeiterInnen in seinen Einrichtungen. Er will so Betroffene auch in ihren Herkunfts- und Heimatländern erreichen. Internetadresse: www.caritas.de Nicht zuletzt wegen der vielen eingegangenen Beschwerden beim Deutschen Werberat und beim Musik-Kanal VIVA wurde das beanstandete aktuelle Plakatmotiv von VIVA vom Markt zurückgezogen. Das Motiv des Plakats war eine junge Frau mit Blick auf ihren Slip und dem Slogan "Kauf mich!". frauennews-Special-Thema: Frauenfeindliche Werbung Am 15. Juli 2000 startete in Deutschland die erste "Internationale Frauenuniversität" (ifu). An dem Projekt nehmen rund 900 Studentinnen und 200 Dozentinnen aus 115 Ländern teil. 100 Tage lang werden die Nachwuchswissenschaftlerinnen der verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen ein fächerübergreifendes Studium in den sechs Projektbereichen Arbeit, Information, Körper, Migration, Stadt und Wasser absolvieren. Drängende gesellschaftliche Fragen sollen so auf wissenschaftlichem Niveau interdisziplinär und aus Sicht der Frauen bearbeitet werden. Neben der Universität Hannover engagieren sich auch die Hochschulen Hamburg, Kassel und Suderburg in Niedersachsen. "Wir haben einen Stein ins Wasser fallen lassen, der nun Kreise zieht", sagt ifu-Initiatorin Ayla Neusel. Bei der Forschung durch Frauen ist Deutschland ein Entwicklungsland: der Anteil von Frauen in Spitzenpositionen liegt bei knapp fünf Prozent. Erfahrungen an Frauenuniversitäten in aller Welt zeigen, dass Absolventinnen von Frauenuniversitäten häufiger in führende Positionen kommen. Die ifu-Studienplätze wurden vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) weltweit öffentlich ausgeschrieben. Die Teilnehmerinnen und Initiatorinnen hoffen im Anschluss auf die Fortführung des Projekts als "Virtuelle Frauenuniversität". Linktipp: (Virtuelle) Internationale Frauenuniversität: www.vifu.de Nach Aussage des bayerischen Sozialministeriums hat sich in den vergangenen Jahren der Mädchen- und Frauenhandel fast verzehnfacht. Immer mehr ausländische Frauen werden von MenschenhändlerInnen unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und zur Prostitution gezwungen. Nach jüngsten Zahlen der Kriminalstatistik seien 1998 in Deutschland 1.265 Fälle bekannt geworden, vor neun Jahren seien es 174 Fälle gewesen. Die Dunkelziffer ist enorm hoch, da die Opfer sich selten an die Polizei wenden. Im Bereich der Europäischen Union sollen nach Schätzungen rund eine halbe Million Frauen betroffen sein. Der Großteil von ihnen stammt aus Osteuropa. Das Bundesfamilienministerium hat das Verbot eines Geschichtslehrbuchs der Waldorf-Schulen beantragt. In dem Buch "Atlantis und die Rätsel der Eiszeitkunst" heisst es unter anderem: "Der Keim zum Genie ist der arischen Rasse bereits in ihre atlantische Wiege gelegt", "heutige Neger" dagegen seien kindlich und ein "nachahmendes Wesen geblieben". Der "aussterbende Indianer" sei im Denken "greisenhaft". Es ist nicht das erste Mal, dass die Waldorf-Pädagogik bezüglich einer rassistischen Philosophie kritisiert werden musste. Christina Rau, Ehepartnerin des amtierenden deutschen Bundespräsidenten, hat vier Frauen aus Srebrenica in Berlin empfangen. Anlass war der fünfjährige Jahrestag des Massakers in der Moslem-Enklave Srebrenica. Am 11. Juli 1995 waren serbische Truppen in die UN-Schutzzone einmarschiert und erschossen unter den Augen niederländischer Blauhelm- Soldaten die BewohnerInnen. Frauen und Kinder wurden deportiert, die Männer wurden abgeführt. Seither gelten 8.000 Bosnier und 600 Bosnierinnen vermisst. Bis heute wurden aus Massengräbern etwa 5.000 Tote exhumiert. Christina Rau erkundigte sich bei den vier Frauen über ihre Lebenssituation und die Belastungen der Frauen. Viele der Frauen aus Srebrenica leiden noch immer unter den Ereignissen von 1995. In der BRD hat sich die Zahl der habilitierten Akademikerinnen seit 1992 verdoppelt. 1999 erbrachten 340 Frauen den Nachweis der wissenschaftlichen Lehrbefähigung. Dies waren 16 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Frauenanteil stieg damit 1999 bundesweit auf 17,7 Prozent. Bundesweit schlossen im letzten Jahr 1.926 WissenschaftlerInnen ihr Habilitationsverfahren erfolgreich ab. Das Durchschnittsalter der neu habilitierten AkademikerInnen betrug unverändert knapp 40 Jahre. (Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden) Trotz mehrerer Beschwerden gegen das aktuelle Plakatmotiv des Musikkanals "VIVA" kann der Deutsche Werberat keine Frauenfeindlichkeit in der Abbildung erkennen. Das beanstandete Plakat wirbt mit einer jungen Frau mit Blick auf ihren Slip und dem Slogan "Kauf mich!". Das eigentliche zu bewerbende Objekt sind jedoch VIVA-Aktien an der Börse. frauennews-Special-Thema: Frauenfeindliche Werbung Die erste bundesdeutsche Frauenmesse für Informationstechnologie "Digitelle" wurde am 08. Juli erfolgreich beendet. In Hamburg vereinte die Kombination von Kongress und Messe an zwei Veranstaltungstagen rund 3.000 Frauen unter dem Motto "Frauen machen Neue Medien". frauennews-Special-Thema: Frauenmessen Der deutsche Bundestag hat dem Gesetzentwurf zur Neuregelung von "Erziehungsgeld" und "Erziehungsurlaub" zugestimmt. Die Neuregelung steht für eine modernere Familienpolitik als die vorherige. Verbessert wurden einige Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Mütter und Väter und die finanzielle Situation von (heterosexuellen) Familien. Erstmals können Mütter und Väter bei unveränderter Dauer des Erziehungsurlaubs von 3 Jahren gleichzeitig Erziehungsurlaub nehmen. Zu dem können sie während des Erziehungsurlaubs bis zu 30 Wochenstunden pro Elternteil arbeiten. Dieses Recht auf Teilzeitarbeit während des Erziehungsurlaubs gilt in Betrieben mit mindestens 15 Beschäftigten und erfasst damit etwa 75 Prozent der Beschäftigten. Mehr Flexibilität erhalten Eltern durch das Angebot, mit Zustimmung der ArbeitgeberInnen ein Jahr des "Erziehungsurlaubs" zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes zu nehmen, um so beispielsweise das erste Schuljahr begleiten zu können. Zukünftig erhalten mehr Eltern Erziehungsgeld. Die seit 1986 unveränderten Einkommensgrenzen wurden um etwa 10 Prozent erhöht, der Kinderzuschlag für jedes weitere Kind um 14 Prozent aufgestockt. Der Kinderzuschlag wird 2002 und 2003 weiter ansteigen. Eine wichtige familienpolitische Neuerung ist außerdem das Budget-Angebot, wonach Eltern, die nur ein Jahr statt zwei Jahre Erziehungsgeld in Anspruch nehmen, künftig statt maximal 600 Mark bis zu 900 Mark erhalten. Der Begriff "Erziehungsurlaub" wird durch den Begriff "Elternzeit" ersetzt. Das Gesetz tritt ab 1. Januar 2001 in Kraft und gilt für alle Kinder, die ab diesem Zeitpunkt geboren werden. frauennews-Service: Genauer Gesetzestext im frauennews-Messageboard. |
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