
Archiv: internationale News Januar - März 2001
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Am 29. März 2001 hat das Oberste Gericht von Hiroshima ein Urteil aus dem Jahr 1998 aufgehoben, dass drei koreanischen ehemaligen Zwangsprostituierten Entschädigungszahlungen zugestanden hatte. Damit ist die bisher einzige Entscheidung gekippt, die den als "Trostfrauen" bekannt gewordenen Koreanerinnen Entschädigungszahlungen zugestanden hätte. Das Gericht folgte mit seinem Urteil der Sicht des japanischen Staates, wonach einzelne Kriegsopfer derartige Entschädigungsklagen nicht gegen einen Staat einreichen können. Vielmehr müssten dafür bilaterale Verträge zwischen den ehemals verfeindeten Staaten abgeschlossen werden. In dem Urteil von 1998 wurde der japanische Staat zur Zahlung von 300.000 Yen (knapp DM 5.400) je Klägerin verurteilt. Gegen dieses Urteil hatten der japanische Staat und die drei Klägerinnen Berufung eingelegt. Die drei Frauen waren eigenen Angaben zufolge zwischen 1937 und 1940 in Bordellen in Taiwan und Schanghai zu Sexdiensten für japanische Soldaten gezwungen worden. Neben der Entschädigung hatten sie auch eine offizielle Entschuldigung Tokios verlangt, die das Gericht jedoch nicht für notwendig hielt. Bereits drei Tage zuvor hatte ein Tokioter Bezirksgericht eine Entschädigungsklage von Südkoreanerinnen abgewiesen, die ebenfalls von der japanischen Armee als Sex-Sklavinnen missbraucht oder als Zwangsrekrutinnen eingezogen worden waren. Etwa zehn weitere Klagen sind derzeit noch bei japanischen Gerichten anhängig. Nach Schätzungen zwangen japanische Militärangehörige während des Zweiten Weltkriegs rund 200.000 junge Frauen zur Prostitution. Die meisten Opfer waren Koreanerinnen. frauennews-Special-Thema: Zwangsprostitution als Kriegsmittel Der Vatikan bestätigte offiziell die Existenz sexueller Gewalt durch männliche Kirchenamtsinhaber an Ordensschwestern, besonders in Afrika. Italienischen Zeitungsberichten zufolge soll es sich um "hunderte Fälle" handeln. Bereits Mitte der 90er Jahre hatten Nonnen aus Schwarzafrika den Vatikan davon unterrichtet, dass Priester Ordensschwestern zum Sex zwingen. Statt Ächtung und Bestrafung der katholischen Amtsträger wurden diese bei Bekanntwerden derartiger Vorkommnisse lediglich in andere Pfarreien versetzt. Die Opfer mussten dagegen sofort ihre Koffer packen. Nach Angaben der Zeitung "National Catholic Reporter" handelt es sich bei der sexuellen Ausbeutung von Nonnen nicht um Einzelfälle. Die sexuellen Übergriffe seien ein ernstes Problem, besonders in Afrika, aber auch in anderen Teilen der so genannten "Dritten Welt". Die Nonne und Ärztin Maura O'Donohue berichtete bereits 1995 von einer afrikanischen Ordensgemeinschaft, in der 29 Nonnen schwanger geworden seien. Als die Oberin sich beim zuständigen Bischof beschwerte, sei sie entlassen worden. Teilweise seien die Opfer zur Abtreibung gezwungen worden - oder dazu, die Pille zu nehmen. Andere Priester hätten sich Sex mit dem Hinweis verschafft, dass sie sich bei "anderen Frauen" mit Aids infizieren könnten. Ordensschwestern und Nonnen gelten in Afrika dagegen als "Aids-frei". Die internationale Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" fordert ein Umdenken in der katholischen Kirche. Strukturelle Reformen seien längst überfällig, da die bisherigen "frauenverachtend und frauenfeindlich" seien, so Sprecherin Elfriede Harth in einem Schreiben. Es sei dringend geboten, den Frauen in der Kirche nicht länger die volle Gleichberechtigung abzusprechen, heisst es weiter. "Solange die Kirche Frauen von der Würde des Amtes ausschließt, sündigt sie, indem sie jeder Diskriminierung von Frauen theologische Rechtfertigung liefert." Die Kirchenvolksbewegung forderte die Verantwortlichen im Vatikan und in den jeweiligen Ortskirchen auf, den Opfern zumindest materiell und finanziell Wiedergutmachung zu leisten. Die internationale Bewegung "Wir sind Kirche" (IMWAC) entstand 1996 in Rom aus dem Zusammenschluss von nationalen Initiativen, die das Kirchenvolksbegehren in ihren Ländern initiiert hatten. Darin wurden unter anderem eine Abschaffung des Zölibats und die Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche gefordert. Mehrere hundert Frauen haben am 20. März 2001 aus Protest gegen das militärische Vorgehen Russlands gegen ihr Land eine wichtige Bundesstraße in Tschetschenien besetzt. Auf Spruchbändern verlangten sie ein Ende der russischen "Morde" und "Folterlager" in der nach Unabhängigkeit strebenden Republik. In der Hauptstadt Grosny waren zuvor die Leichen von zehn Zivilisten entdeckt worden. Für die Morde an den Menschen machten sich die russische Armee und die tschetschenischen Kämpfer gegenseitig verantwortlich. Die russische Armee war im Oktober 1999 erneut in die Kaukasusrepublik einmarschiert und kämpft seither gegen die Rebellen. Mehr als eine halbe Million Frauen strömten am Abend des 09. März 2001 (Ortszeit) in das Zentrum der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá und feierten männerfreie Straßen, Cafes und Restaurants, während die Männer zusahen, bis zur Sperrzeit um 19 Uhr aus der Öffentlichkeit zu verschwinden. Die Eroberung der Nacht verdankten die Frauen dem seit Januar 2001 amtierenden Bürgermeister Antanas Mockus. Er verhängte eine Ausgangssperre für Männer, um zum "Nachdenken über häusliche und städtische Gewalt" anzuregen. Speziell in der Sieben-Millionen-Metropole starben laut amtlichen Angaben in den vergangenen fünf Jahren 21.284 Menschen eines gewaltsamen Todes; 40 Prozent der Frauen Bogotá`s wurden im Jahr 2000 von ihren Ehemännern oder Gefährten geschlagen. Die Zeitschrift "Globe and Mail" berichtete am 09. März 2001, dass die Frauen bei der kanadischen Marine nun auch auf U-Booten als Besatzung zugelassen werden. Die kanadische Menschenrechtskommission hatte 1989 angeordnet, alle Bereiche des Militärs innerhalb von zehn Jahren für Frauen zu öffnen. In Norwegen, Schweden und Australien gehören Frauen schon seit längerem zur Besatzung von U-Booten. Daniel arap Moi, der Präsident Kenias, beleidigte ausgerechnet bei der Eröffnung eines Frauenseminars in der Hauptstadt Nairobi die Frauen, indem er "ihre kleinen weiblichen Hirne" verantwortlich machte für ihre spezifischen Probleme. Vor Hunderten von Frauen verkündigte er: "Ihr Frauen könntet mehr erreichen, ihr könntet mehr besitzen. Aber weil ihr so kleine Hirne habt, könnt ihr niemals bekommen, was ihr anstrebt." Sämtliche Frauengruppen des Landes und zahlreiche Kirchenvertreter forderten eine öffentliche Entschuldigung von ihm. Zum Internationalen Frauentag bescherte der deutsch-französische Kulturkanal ARTE seinen ZuschauerInnen einen Themenabend zum Penis und anderen "männlichen Attributen". Während es aus Deutschland kaum empörte Reaktionen von Frauen dazu gab, protestierten die Feministinnen in Frankreich in den Medien. Die Organisation SOS-Sexisme bezeichnete die Programmauswahl als eine "Beleidigung für alle Frauen". Auch die Vereinigung "Chiennes de Garde", ("Wachhündinnen"), die unter anderem gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ankämpft, protestierte. Florence Montreynaud, Begründerin der Organisation, äusserte in einem offenen Brief an den Sender, sie sei "schockiert". Ein Tag im Jahr, einer von 365, sei der Situation der Frauen in der Welt gewidmet. Anstatt sich mit der Gewalt gegen Frauen zu befassen, verstärke der Kulturkanal diese Gewalt mit seiner "Missachtung". ARTE hatte in seinem Frauentags-Programm u. a. den Film "Schwanz, ich liebe Dich" sowie Beiträge zu den Themen Beschneidung, Schnurrbart und Impotenz. Eine Umfrage der Frauen-Website "newwoman" ergab, dass nur jede 100. Frau mit ihrer Figur rundum zufrieden sei. Fast 80 Prozent machen sich jeden Tag Gedanken über ihre Figur, ein Drittel ist ständig auf Diät. 80 Prozent glauben, dass Männer dünne Frauen attraktiver finden. 85 Prozent sagten, die Wahrscheinlichkeit, von anderen Frauen kritisiert zu werden, sei viel größer, als von einem Mann auf den eigenen Körperumfang hingewiesen zu werden. 60 Prozent unterstützten die These "Dünnere Frauen haben besseren Sex", und 58 Prozent hielten dünne Frauen für erfolgreicher. Mehr als zwei Drittel waren außerdem davon überzeugt, dass ihre Lebensqualität "beträchtlich" zunehmen würde, wenn sie zufriedener mit ihrem Körper wären. Fast alle Frauen wollten dünner werden - völlig unabhängig von ihrem jeweiligen Gewicht. Auch 78 Prozent der Frauen mit Normalgewicht wären gern schlanker. An der Umfrage sollen sich über 3.000 Frauen beteiligt haben. Kommentar von Lorraine Eames, Chefredakteurin der Frauen-Website: "Es wäre mal an der Zeit, dass wir uns selbst einen Gefallen tun und den unerreichbaren Traum vom perfekten Körper aufgeben." VertreterInnen von rund 20 afrikanischen Staaten haben am 20. Februar in der nigerianischen Hauptstadt Abuja eine fünftägige Konferenz zur Verhinderung von Menschenhandel eröffnet. AfrikanerInnen seien noch heute die häufigsten Opfer moderner Sklaverei, kritisierte der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo bei der Konferenzeröffnung. Insbesondere Frauen und Kinder zählten zu den Opfern des weltweiten Menschenhandels. Der illegale Verkauf von Frauen zum Zweck der Prostitution sei ein alltägliches Geschäft in Nigeria. Erstmals seit der Wiedervereinigung Jemens vor mehr als zehn Jahren haben die WählerInnen des vorderasiatischen Landes am 20. Februar über ihre KommunalvertreterInnen abgestimmt. Mit der Kommunalwahl soll das 17,7 Millionen EinwohnerInnen zählende Land dezentralisiert werden. Für die 7.032 Sitze bewarben sich mehr als 23.000 Kandidaten, unter ihnen lediglich 120 Frauen. In Brasilien ist ein Mann nach einem Vergewaltigungsversuch von einer aufgebrachten Frauengruppe fast zu Tode geprügelt worden. Laut Medienberichten soll ein 22-Jähriger im Staat Sao Paulo versucht haben, ein junges Mädchen zu vergewaltigen. Aus diesem Grund hätten zahlreiche Nachbarinnen den Mann zu einem verlassenen Grundstück geschleppt und dort krankenhausreif geschlagen. Nach Angaben des Bevölkerungsfonds (UNFPA) der Vereinten Nationen (UN) sterben weltweit jedes Jahr etwa 514.000 schwangere Mädchen und Frauen. Fast 20 Millionen Frauen litten unter Schwangerschaftskomplikationen. Besonders betroffen seien Frauen in Entwicklungsländern. Laut dem UNFPA-"Müttersterblichkeitsbericht" für 1998 und 1999 leiden insgesamt 300 Millionen Frauen an Infektionen oder langwierigen Erkrankungen. In Entwicklungsländern entspreche dies einem Viertel der erwachsenen weiblichen Bevölkerung. Dem Bericht zufolge wird die Gesundheit schwangerer Frauen häufig vernachlässigt. Dies führe zu zunehmender Isolation aus Gesellschaft und Familie. Zudem steige das Risiko von Kindern kranker Mütter, unterversorgt zu werden oder zu sterben. Nach UNFPA-Angaben verlieren jährlich mindestens eine Million Kinder ihre Mütter. Die Kinder seien dann einem drei- bis zehnmal höheren Sterberisiko in den folgenden zwei Jahren ausgesetzt als Kinder mit beiden Elternteilen. Lara Dutta, die indische Miss Universum 2000, ist von den Vereinten Nationen als "Botschafterin des guten Willens" für den UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) nominiert worden. Sie wird eine Kampagne gegen Aids und für den Zugang von Frauen zur Gesundheitsvorsorge starten. Die Kampagne "Von Angesicht zu Angesicht" soll zeigen, Millionen von Frauen und Jugendlichen in den Entwicklungsländern keinen Zugang zu Verhütungsmitteln hätten. Lara Dutta trägt ihren "Titel" bis Mai 2001. Anschliessend will sie in den USA Journalismus studieren. Bei den Parlamentswahlen im Fürstentum Liechtenstein gewann die oppositionelle "Fortschrittliche Bürgerpartei". Sie erzielte nach offiziellen Angaben 49,9 Prozent der Stimmen und kommt damit auf 13 der 25 Sitze im Parlament. Insgesamt standen 21 Kandidatinnen und 41 Kandidaten im 30.000 EinwohnerInnen zählenden Fürstentum zur Wahl. Der exklusive "Circulo del Liceo" (Liceo-Kreis) in Barcelona, der älteste Privatclub Spaniens, steht 153 Jahre nach seiner Gründung künftig auch Frauen offen. In einer hitzigen achtstündigen Versammlung votierte etwas mehr als die Hälfte der anwesenden Männer für eine entsprechende Satzungsänderung: Der Begriff "Männer" wurde in den Statuten durch "Personen" ersetzt. Eine kleine Gruppe von Mitgliedern kündigte allerdings eine Klage vor Gericht an, um die Aufnahme von Frauen doch noch zu verhindern. Andere schlugen die aus Barcelona stammende Sopranistin Montserrat Caballe als erstes weibliches Mitglied vor. Der "Circulo" wurde Ende 1847 nach dem Vorbild britischer Privatclubs ins Leben gerufen und ist Treffpunkt von einflussreichen Unternehmern, Politikern, Ärzten und Architekten. Die Aufnahmegebühr beträgt fast 10.000 Mark. Die Zahl der Mitglieder ist auf 1.300 begrenzt. Die Delegierte der spanischen Regierung in Barcelona, Julia Garcia-Valdecasas, sprach von einem "großen Tag" für die Frauen. Die bekannte Schriftstellerin Rosa Regas kritisierte hingegen, dass fast 300 der Mitglieder gegen die Änderung votierten: "Wir leben in einer rückschrittlichen Gesellschaft; das Großbürgertum ist immer noch im Zeitalter des Höhlenmenschen." Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hat eine drastische Zunahme des Handels mit Frauen aus Kirgisien beklagt. Betroffen seien 1999 rund 4.000 Frauen aus Kirgisien gewesen, von denen die meisten letztendlich in der Prostitution endeten. Nach einer hochgerechneten Befragung von 100 Opfern würden zwei Drittel der Frauen und Mädchen zu unbezahlten Liebesdiensten gezwungen, knapp die Hälfte zudem zu ungeschütztem Sex. Zu den Hauptzielländern zählten Deutschland, die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland, Kasachstan, die Türkei und China. Doch auch andere Länder spielten im Sex-Menschenhandel eine Rolle. Die IOM stützt ihre Angaben auf Statistiken und Informationen der Regierungen sowie Medienberichte. Der Handel mit Frauen habe sich zu einem lukrativen Geschäft entwickelt. Ein Grund dafür sieht die UN- Organisation in der Armut der kirgisischen Bevölkerung. Die 17-jährige Bariya Ibrahim Magazu, die durch die Vergewaltigung durch drei Bauern aus ihrer Nachbarschaft schwanger geworden ist, wurde am 19. Januar 2001 im Norden Nigerias mit 100 Peitschenhieben bestraft, weil "Sex vor der Ehe" gemäss der islamischen Sharia verboten ist. Als ihre Schwangerschaft nicht länger zu verbergen war, zeigte ein Polizist sie an. Da die mutmaßlichen Vergewaltiger die Tat vor Gericht leugneten, sollte das Mädchen 80 weitere Peitschenhiebe wegen "angeblicher Verleumdung" kriegen. Die Gesamtstrafe sollte am 27. Januar 2001, zwei Wochen nach der Entbindung des vergewaltigten, schwangeren Mädchens vollstreckt werden. Um den Druck auf die offiziellen nigerianischen Behörden durch die internationale Protestwelle zahlreicher Menschenrechtsorganisationen nicht noch grösser werden zu lassen, wurde der Vollstreckungstermin vorgezogen. Die Einführung des islamischen Rechtssystems in acht Provinzen Nigerias hat deren Alltagsleben erheblich verändert: Peitschenhiebe oder Amputationen sind seitdem gängige Strafen, die Prostituierten aus den Stadtbildern verschwunden, Alkohol schwer zu erwerben. Jungen und Mädchen besuchen getrennte Schulen. Frauen müssen sich verschleiern und dürfen nur noch in den hinteren Reihen von öffentlichen Bussen sitzen oder mit eigens eingerichteten Frauenbussen oder -taxen fahren. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat der republikanische neue US-Präsident George W. Bush Gelder für internationale Familienplanungsorganisationen gestrichen, die Abtreibungen vornehmen oder Frauen zu diesem Thema beraten. Mit der Unterzeichnung einer entsprechenden Verfügung hob der Republikaner eine Entscheidung seines Vorgängers Bill Clinton auf und kehrte zu der Politik zurück, die bereits sein Vater George Bush als Präsident vertreten hatte. Frauenorganisationen und BefürworterInnen des Rechts auf Selbstbestimmung der Frau reagierten empört auf die Streichung der Finanzen. Sie wiesen darauf hin, dass sich Bush im Wahlkampf als moderater Politiker dargestellt habe. Nun zeige er nur kurz nach der Amtsübernahme am 20. Januar sein "wahres Gesicht". Auch die EU verurteilte die Entscheidung Bushs scharf. Die griechische EU-Kommissarin Anna Diamantopoulu sagte zum Abschluss eines informellen EU-Sozialministerrates im schwedischen Norrköping, Bush habe mit "einer einzigen kleinen Entscheidung an einem einzigen Tag die Arbeit von vielen Jahren wieder ausradiert". Bush fällte seine Entscheidung am 28. Jahrestag des Urteils des Obersten Gerichts zur Legalisierung von Abtreibungen in den USA. Die 38-jährige Deutsche Jutta Kleinschmidt hat als erste Frau die Ralley Paris-Dakar gewonnen. Die Physik-Diplomingenieurin erreichte im letzten Jahr den dritten Platz bei dieser Ralley. 1992 bestritt die damalige BMW-Angestellte mit einem privaten Motorrad ihre erste Dakar-Ralley. Die 23. Auflage dieses Marathonspektakels wurde am "grünen Tisch" entschieden. Der als exzentrisch bekannte Jean-Louis Schlesser aus Frankreich wurde für unsportliche Gemeinheiten während der Rallye mit Zeitpunkten hart bestraft. Die 45-jährige Ann Bancroft und die 47-jährige Liv Arnesen sind bei ihrem Versuch, die Antarktis auf Skiern zu durchqueren, am 16. Januar am Südpol eingetroffen. Sie haben seit November nach Angaben ihrer Expeditions-Website in 64 Tagen rund 2.080 Kilometer zurückgelegt. Sie müssen noch rund 1.440 Kilometer schaffen, ehe sie am Ziel sind. Die US-Amerikanerin Bancroft und die Norwegerin Arnesen waren am 13. November von Kapstadt aus gestartet. Sie ziehen jede einen 114 Kilogramm schweren Schlitten mit Ausrüstung und Lebensmitteln hinter sich her. Das Streckenpensum der beiden liegt je nach Witterung zwischen vier und über hundert Kilometern täglich. Die Bedingungen in der Antarktis sind äußerst hart. Die Durchschnittstemperatur beträgt bei starken Winden im Schnitt minus 34 Grad. Die Frauen hoffen, dass sie die Antarktis in rund 100 Tagen durchmessen können. Beide sind erfahrene Polarexpertinnen: Bancroft war bereits am Nord- und am Südpol. Arnesen fuhr auf Skiern zum Südpol. Frauen in den ehemals kommunistischen Staaten Ost- und Mitteleuropas sind wegen höherer Arbeitslosigkeit und niedrigeren Gehältern die Verliererinnen des politischen Wechsels. Eine Vertreterin der europäischen Wirtschaftskommission der UN sprach vor JournalistInnen in Warschau von der "allgemeinen Tendenz einer Begrenzung des Arbeitsmarktes für Frauen". Die Beschäftigung von Frauen sei vor allem dort zurückgegangen, wo die Gehälter stabil blieben oder anstiegen. Bei der Analyse der Auswirkungen des Wandels auf dem Arbeitsmarkt sind deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern zu erkennen, sagte auch Annette Dixon, eine Expertin der Weltbank. Einerseits seien vor allem schlechtbezahlte Berufsfelder wie das Gesundheitswesen von Frauen dominiert, und ausserdem erschweren fehlende rechtliche Grundlagen die Arbeitssuche von Frauen. So seien beispielsweise in Polen auch Stellenausschreibungen erlaubt, die sich ausschließlich an Männer oder bestimmte Altersgruppen richten. In Polen hat die Arbeitslosenquote Ende 2000 erstmals die 15-Prozent-Grenze erreicht. Insgesamt waren im Dezember 2,7 Millionen Menschen ohne Arbeit, darunter fast 1,5 Millionen Frauen. Die "Elitereiter" der Spanischen Hofreitschule in Wien wehren sich gegen Pläne, künftig auch Frauen auf den legendären Lipizzaner-Pferden reiten zu lassen. Sie sehen "die Erhaltung einer jahrhundertealten Tradition" gefährdet. Als Reiter seien seit Gründung der Hofreitschule vor 430 Jahren nur Männer zugelassen, die Uniformen der derzeit elf Reiter und fünf männlichen Auszubildenden hätten sich seit 300 Jahren nicht verändert. Selbst bei den Pferden ist das männliche Geschlecht unter sich. Grund für die Panik der "Elitereiter" sind die Ideen des neuen Geschäftsführers Gerd Prechtl. Er hatte die Öffnung der Hofreitschule für Frauen angeregt. Die Spanische Hofreitschule ist 2000 vom österreichischen Staat ausgegliedert worden. Sie soll künftig als privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen Gewinne abwerfen. Die fünf männlichen Richter des Verfassungsgerichts von Kuwait wiesen am 16. Januar 2001 eine Klage gegen das bislang geltende Wahlgesetz ab, dass Frauen von einer Teilnahme an der Wahlen grundsätzlich ausschließt. Bereits im Juli 200 hatte das Gericht das Frauen-Wahlrecht für verfassungswidrig erklärt. Die kuwaitische Verfassung garantiert zwar die "Gleichheit der Geschlechter", jedoch haben nur Männer politische Rechte. Die Klage eingereicht hatte im Jahr 2000 die Anwältin Kowther al Joan für den Geschäftsmann Adnan al Isa. Die Anwältin kündigte an, dass sie weiter für das Frauenwahlrecht kämpfen werde. "Die Verfassung gibt uns das Recht dazu." Sie werde innerhalb der nächsten zwei Wochen eine eigene Klage erheben und diese selbst vor Gericht vertreten. Bereits 1985 hatten mehrere Parlamentsabgeordnete eine Initiative für das Frauenwahlrecht gestartet. Damals hatte das Religionsministerium den Vorstoß mit einer so genannten Fatwa, einem islamischen Rechtsspruch, gestoppt. Im Mai 1999 hatte der Emir von Kuwait den Frauen in einem Dekret das aktive und passive Wahlrecht eingeräumt. Das von konservativen Moslems dominierte (Männer-)Parlament lehnte jedoch im Juli 2000 das Dekret und einen entsprechenden Gesetzentwurf ab. Seitdem haben Frauen mehrmals versucht, das Wahlgesetz vor Gericht anzufechten. Dabei sind sie bislang immer am Verfassungsgericht gescheitert. Jetzt kündigten liberale Abgeordnete eine neue Gesetzesinitiative für dieses Jahr an. Sie müssen dabei aber mit starkem Widerstand islamistischer und Stammespolitiker rechnen, die über die Mehrheit im Parlament verfügen. Frauenrechtlerinnen in Kuwait argumentieren, die Verfassung des vergleichsweise liberalen Öl-Emirats sehe die Gleichberechtigung von Mann und Frau und damit auch das Frauenwahlrecht vor. Wenn im Februar 2001 die Registrierung für die Parlamentswahlen im Jahr 2003 beginnt, wollen sie erneut ihre Aufnahme in die Wählerverzeichnisse beantragen. In Kanada haben zwei homosexuelle Paare eine Gesetzeslücke ausgenutzt und ganz legal geheiratet. Die 43-jährige Elaine und die 38-jährige Anne Vautour sowie ein Männerpaar gaben sich am 14. Januar 2001 in einer Kirche in Toronto das Ja-Wort - und hoffen nun, dass die Regierung des Bundesstaates Ontario ihre Ehen faktisch anerkennt. Getreu befolgten die beiden Paare das Ehegesetz von Ontario: Danach dürfen die Kirchen zwei Volljährige trauen, wenn das Aufgebot an den drei vorangegangenen Sonntagen vor der Hochzeit verlesen wurde und niemand Einspruch dagegen erhebt. Da das der Fall war, erklärte der Pastor die beiden Frauen und die beiden Männer jeweils als "gesetzmäßig verheiratet" und unterschrieb die Heiratsurkunden auf dem Altar. Ein Vertreter der Provinzregierung kündigte dagegen an, die beiden gleichgeschlechtlichen Ehen nicht anzuerkennen, da das Bundesgesetz gleichgeschlechtliche Ehen nicht zulasse. Der Anwalt der Kirche, in der die beiden Paare getraut wurden, beabsichtigt, die Anerkennung der Ehen per Gericht durchzusetzen. Die Kirche sei bereit, bis vor das Verfassungsgericht zu ziehen. Der Streit könnte mehrere Jahre dauern. Zu der möglicherweise wegweisenden Doppelhochzeit waren Hunderte von Gästen und zahlreiche ReporterInnen gekommen. Die Hochzeitsgäste in der Kirche feierten die Eheschließungen mit donnerndem Applaus. Vor der Kirche protestierten einige als Teufel verkleidete Menschen gegen die Trauungszeremonie. Biljana Plavsic (70), die frühere Präsidentin der bosnischen Serbenrepublik, wird für den Tod von Tausenden von Moslems, KroatInnen und anderen nicht-serbischen BewohnerInnen Bosniens verantwortlich gemacht. Laut Anklage seien die Opfer den so genannten "ethnischen Säuberungen" zum Opfer gefallen, mit denen die "Serbische Demokratische Partei" von Bosnien- Herzegowina (SDS) ein "Groß-Serbien" errichten wollte. Plavsic war nach Angaben der AnklägerInnen von früh an ein führendes Mitglied dieser Partei. In ihren verschiedenen Führungsfunktionen habe sich Plavsic zudem der gezielten Vertreibung, Verfolgung und Misshandlung von vielen Menschen schuldig gemacht. Sie sei für die Taten zusammen mit dem noch flüchtigen Serbenführer Radovan Karadzic und dem bereits inhaftierten Momcilo Krajisnik verantwortlich, der auch zur bosnischen Serbenführung gehört. Plavsic hat sich am 10.01.2001 dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gestellt. Chefanklägerin in Den Haag in diesem Fall ist Carla del Ponte. Neben Karadzic ist weiter flüchtig der bosnisch-serbische General Ratko Mladic. Als Kriegsverbrecher angeklagt ist auch der jugoslawische Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic. Plavsic soll derweil als Beschuldigte in den Zellen der Haftanstalt in Den Haag - Scheveningen untergebracht sein. Der zukünftige USA-Präsident George W. Bush hat in sein Kabinett überwiegend Mitglieder des konservativeren Flügels berufen. Von den 15 Kabinettsposten gingen vier an Frauen. Zwei Minister sind Schwarze. Ein Minister ist gebürtiger Kubaner. Von den Frauen soll Gale Norton (46) zukünftige US-Innenministerin werden und Christine Todd Whitman (54) soll das Ressort Umwelt übernehmen. Die Anwältin Ann Veneman (51) wird die erste Frau an der Spitze des US-Landwirtschaftsministerium. Ministerin für Arbeit wird Linda Chavez (53). Sie machte sich bereits als Menschenrechts- Aktivistin einen Namen und arbeitete bereits für die Reagan- Administration. Sie ist eine frühere Vorsitzende der US- Menschenrechtskommission. Die männlichen Ministeranwärter sind zwischen 48 und 69 Jahre alt. Der 58-jährige John Ashcroft, ein konservativer Senator aus Missouri, ist ein Favorit der religiösen Rechten. Er lehnt Abtreibungen entschieden ab. Alle KandidatInnen muss nun der US-amerikanische Senat bestätigen. Seit fast drei Wochen kämpfen über tausend polnische Krankenschwestern für bessere Löhne. Die Krankenschwestern verlangen eine Erhöhung ihrer Gehälter um 500 Zloty (etwa 250 Mark) und damit die Angleichung auf das Durchschnittseinkommen von 1.400 Zloty. Mit oft auch nur 800 Zloty (etwa 400 Mark) Nettogehalt lasse sich das Leben in der teuren polnischen Hauptstadt nicht bestreiten. Die polnische Regierung hat kurz vor Jahreswechsel ein neues Gesetz beschlossen, dass im staatlichen Gesundheitswesen eine Erhöhung der Gehälter um 200 Zloty vorsieht. Diese Summe bezeichnete Gewerkschaftschefin Bozena Banachowicz als nicht ausreichend. Laut Angaben des Berufsverbands der Krankenschwestern und Hebammen streiken die Frauen in vielen Kliniken. Viele dieser Frauen befinden sich im Hungerstreik. Die Frauen besetzten in ihrem Arbeitskampf diverse Einrichtungen des staatlichen Gesundheitswesens, so auch 17 Tage lang das Gesundheitsministerium in Warschau. Etwa 1.500 Krankenschwestern legten im Dezember 2000 mit einer Demonstration mehrere Stunden lang den Verkehr in der Warschauer Innenstadt lahm. Unterstützt von mehreren Dutzend Bergleuten, die sich mit dem Protest solidarisiert hatten, drangen einige Frauen in den Regierungssitz ein. Auch in anderen Landesteilen demonstrierten Schwestern für eine Lohnanhebung. Die Öffentlichkeit steht hinter den Frauen. In einer Repräsentativumfrage bezeichneten 85 Prozent der befragten Polinnen und Polen den Protest der Krankenschwestern als gerechtfertigt. Speziell zu Weihnachten organisierten SymphatisantInnen und Angehörige Unterstützung für die protestierenden Frauen in den besetzten Korridorren des Gesundheitsministerium: es gab ein Weihnachtsbäumchen, geweihte Oblaten und landestypische Weihnachtsgerichte. In Wroclaw zogen Krankenschwestern und ihre Familien an Heiligabend in einem Schweigemarsch zur Mitternachtsmesse in die Kathedrale. |
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