
Vom MAI zum GATS 2000 -
Lebensfeindliche neoliberale Weltwirtschaft und die Folgen für
Frauen
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Vom MAI
zum GATS 2000 Lebensfeindliche neoliberale Weltwirtschaft Der Weltfrauenmarsch hat aus gutem Grund die beiden Themen "gegen die wachsende Armut auf der Welt" und "gegen Gewalt" gewählt. Die vielzitierte wirtschaftliche Globalisierung, deren Grundlage der Neoliberalismus ist, zieht immer mehr Menschen in die Armut (im letzten Jahr gab es 20 Mio. Menschen mehr ohne Erwerbstätigkeit) und ist ein moderner Kolonialismus. Wirtschaftliche Interessens-Zusammenschlüsse wie die NAFTA (Nordamerikanisches Freihandelsabkommen), die EU (Europäische Union) oder auf Weltebene die WTO (Welthandelsorganisation) und die Weltbank haben nichts anderes zum Ziel, als durch eine weltweite, totale Liberalisierung den maximalen Profit für zu erzielen, von dem insbesondere die hauptsächlich in der EU oder in den USA ansässigen Transnationalen Konzerne (TNCs) Vorteile erzielen. Viele mögen das MAI, das Multilaterale Abkommen für Investitionen, schon vergessen haben. Hier noch einmal zur Erinnerung, was das MAI u. a. ist/war: MAI eine antidemokratische Wirtschafts-Verfassung Die WTO nennt das MAI in ihren Papieren "die Verfassung einer einheitlichen Weltwirtschaft". Was von den OECD-Staaten verharmlosend als "eine weitere Liberalisierung des Marktzuganges, ein umfassender Investitionsschutz sowie ein wirksamer Mechanismus zur Streitschlichtung" beschrieben wird, ist von seiner Planung her ein rechtlich bindendes Handelsabkommen für die Weltwirtschaft und vor allem für die Nationalstaaten, was zu einer wirtschaftlichen und politischen Weltherrschaft der TNCs führt. Es ist eine "Verfassung für eine globale Wirtschaft" nach rein ökonomisch ausgerichteten Interessen der TNCs und Banken, welches in der Konsequenz die Selbstbestimmungsrechte, die politische Handlungsfreiheit und alle bisher erreichten Umwelt- oder Arbeitsschutzbestimmungen zunichte macht. Die Sozialstaaten werden demontiert, die Ökologie missachtet, auf Demokratie und Menschenrechte wird keine Rücksicht genommen. Ich gehe im Folgenden noch etwas näher auf einige Klauseln ein, da sie im neuen GATS-Verhandlungstext in gleicher oder ähnlicher Form wieder auftauchen. Allerdings stehen die Verhandlungen, die seit dem Jahr 2000 geführt werden, noch am Anfang. Einige Beispiele aus dem MAI-Verhandlungstext:
Das Europäische Parlament hatte sich geweigert, diesem Handelsentwurf zuzustimmen. Weltweit gab es durch NROs (Nicht-Regierungsorganisationen) einen breiten Widerstand gegen die Vertragsannahme. Als auch Frankreich mit der neugewählten Jospin-Regierung ausscherte (allerdings eher, weil die Franzosen befürchteten, dass bei Zustandekommen des MAIs Hollywood die nationalen Subventionen für die französische Filmförderung als Meistbietende einkassieren könnte), war das MAI erst einmal gekippt. Nun taucht es in veränderter Form wieder auf: GATS Allgemeines Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen Das GATS (Nachfolgerin des GATT) ist seit dem 1. Januar 1995 in Kraft (beschlossen durch die sog. "Uruguay-Runde"). Die WTO beschreibt das GATS als die erste Sammlung globaler, rechtsverbindlicher Regeln für den internationalen Handel mit Dienstleistungen. Sie selbst betrachtet es auch als das erste multilaterale Abkommen über Investitionen. GATS verpflichtet die Mitgliedsländer der WTO zur Beteiligung an weiteren Verhandlungen für die progressive Liberalisierung ihrer Dienstleistungsmärkte. Bestandteile des Vertrags sind wie im MAI - beispielsweise die "Meistbegünstigungsklausel" oder die Verpflichtung zur Schlichtung durch internationale Gremien, die nicht Bestandteil der Justizsysteme der Nationalstaaten ist. GATS 2000 Die Uruguay-Runde beschloss 1995 in Marrakesch, die Verhandlungen nach fünf Jahren Vorlaufzeit im Allgemeinen Rat der WTO weiter zu entwickeln. Dieser entschied am 7. Februar 2000, dass die neuen Verhandlungen im "Rat für den Handel im Dienstleistungsbereich" stattfinden sollten. Trotz des spektakulären Scheiterns der WTO-Ministerrunde in Seattle 1999 wird das zentrale Anliegen, die totale Liberalisierung des Handels mit Dienstleistungen durchzusetzen, mit der Begründung fortgeführt, dass die nationalen Dienstleistungsmärkte im Vergleich zu den Gütermärkten wesentlich stärker geschützt seien und deshalb Handel und Investitionen behinderten. Am 22.02.01 war eine kleine Notiz in der "Welt" zu lesen: "Berlin will Liberalisierungen in der EU vorantreiben." Im weiteren Text ist zu lesen, dass laut eines Sprechers des Wirtschaftsministeriums "die Bundesregierung mit Terminvorgaben für die vollständige Öffnung bisher beschränkt zugänglicher Märkte in der EU die Liberalisierung vorantreiben will" und weiter "die treibende Kraft in Europa in Sachen Liberalisierung sein will". Die zukünftig handelbaren Dienstleistungen werden im GATS in folgende Klassifikationen eingeteilt:
Besonderheiten des GATS 2000 Die Meistbegünstigungsklausel ist bereits in den GATT-Bestimmungen enthalten, war Bestandteil des MAI und jetzt bereits fester Bestandteil des GATS. Jedoch gehen die Forderungen insbesondere der USA wesentlich weiter:
Über die "modes" konnte in Nizza bisher noch eine Einstimmigkeit erzielt werden, jedoch laufen die Verhandlungen weiter und werden sicherlich auch im "Allgemeinen Rat der WTO" sowie in Göteborg im Juni und auf dem G8-Gipfel im Juli in Genua auf der Agenda stehen. Besondere politische Brisanz national wie international Das GATS 2000 hat ebenso wie das MAI eine besondere politische Brisanz. Ziel der Verhandlungen ist, Handelshemmnisse, die den "freien" Markt behindern, komplett aufzuheben. Entgegen des traditionellen Handelns mit Gütern, der nur durch Zollmassnahmen oder Sonderabkommen reguliert wurde, geht es beim Handel mit Dienstleistungen um die Aufhebungen innerstaatlicher Regelungen. Dies betrifft Gesetze, Verordnungen, Verwaltungsrichtlinien, Normen und Standards auf kommunaler, regionaler und Bundesebene und enthebt die Nationalstaaten ihrer Regelungshoheit. Es geht auch darum, dass die Grundversorgung von Menschen mit "Basic Needs" (Grundbedürfnissen) nicht mehr gewährleistet ist, weil es zur Handelsware gemacht wird: Ernährung, Zugang zu Wasser, Gesundheit, Bildung, Mobilität, Kommunikation, Einhaltung der Menschenrechte etc. Überdies wird nach wie vor die Asymmetrie zwischen
den Ländern des Nordens und des Südens zu Ungunsten des
Süden weiter verschärft, da die Wettbewerbsfähigkeit
der reichen OECD-Länder ärmeren Ländern keine reelle
Chance lässt. Die Länder des Südens können
überwiegend nur mit Agrargütern handeln, während die
OECD-Länder ihren Export hauptsächlich aus
Dienstleistungen bestreiten. Von allen Menschen, die in der Produktion von Nahrungsmitteln arbeiten, sind ca. 80 % Frauen. Es trifft daher besonders Frauen, wenn sie keinen gesicherten Zugang zu (sauberem) Wasser und zu einer sauberen Umwelt haben. Vor allem in den Ländern des Nordens gehen Frauen ihrer Erwerbstätigkeit überwiegend im Dienstleistungsbereich nach, meist in unterbezahlten Jobs (z. B. in sozialen Berufen) mit oft schlechten Arbeitsbedingungen. Privatisierung und Deregulierung werden zu noch schlechteren Löhnen und Arbeitsbedingungen führen, was es wiederum für Frauen finanziell noch schwerer machen wird, den nötigen Zugang zu Bildung und Gesundheit zu erhalten. Es ist zu befürchten, dass (insbesondere) bei Frauen die Armut beschleunigt zunimmt und sie vermehrt in den informellen Sektor abgedrängt werden, zumal die durch Privatisierung und Deregulierung hervorgerufene internationale Migration weiblich ist. Aktionen weltweit angesagt Anlässlich des EU-Ministerrats in Göteborg und des
bevorstehenden G-8-Gipfels in Genua werden sich auch die
Frauen des europäischen Weltfrauenmarsch-Komitees
einfinden (15. 17. Juni bzw. 15./16. Juni 2001;
Ansprechpartnerinnen: Agnes Korn, Monika Christann,
Britta Brandau) und gegen die menschenverachtende
neoliberale Politik protestieren. Eine der Forderungen
aus der internationalen und europäischen Plattform ist
die Einführung der "Tobin"-Tax, einer Steuer,
die auf internationale Kapitaltransfers erhoben werden
soll, welche seit der Uruguay-Runde ungehindert und vor
allem unkontrolliert über den Globus fliessen können,
so dass ganze Nationalstaaten in Existenzkrisen gestürzt
werden können, wie es vor zwei Jahren mit Thailand
passierte, das kurz vor dem Bankrott stand. Zur Zeit sind
Länder wie Malaysia und die Türkei in einer Krise; es
geht um ihre Existenz. Unsere Aktionen und unsere Politik
können nicht mehr auf Deutschland beschränkt sein; sie
müssen den globalen Blick haben und sich zwingend mit
denen vernetzen, die für eine soziale und
menschenfreundliche Gesellschaft und für eine gesunde
Umwelt kämpfen. |
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