Jugend ohne Gott?
von Tanja Höyns





Vier Mädchen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren haben den Girl`s Day in der frauenredaktion.de - der Redaktion von frauennews - verbracht.

Nebenstehender Beitrag ist von Tanja, 16 Jahre alt.  

 

Jugend ohne Gott? Das fragte sich Ödön von Horváth schon 1937 zu Zeiten des Nationalsozialismus in seinem gleichnamigen Buch, in dem ein Lehrer aus seiner Sicht den militanten Wahn und den Rassenhass beschreibt. Doch sollte man meinen, dass dieses Thema ein für allemal aus den Köpfen der Jugendlichen vertrieben sein sollte. Doch man irre sich nicht!

Selbst in Tostedt, einer Gemeinde in Norddeutschland mit 20.000 Einwohnern, gibt es seit den letzten 3 Jahren eine Zunahme von rechten Gruppen, die auf öffentlichen Veranstaltungen auf sich aufmerksam machen. Es bilden sich Vereine, die regen Zulauf von Jugendlichen haben und immer mehr Zuspruch, auch von Außenstehenden, erhalten. Dieser Problematik hat Tostedt in den letzen Jahren ins Auge gesehen: ein funktionierendes Jugendzentrum, kirchliche Jugendarbeit, ein Forum für Zivilcourage, ein Bürgerfest usw. Doch trügt der Schein?

Der Samtgemeinderat der Gemeinde Tostedt hat die Zuschüsse für die Jugendarbeit massiv gekürzt, da im Haushalt des Jahres 2003 ein Loch von 500.000 € besteht. Die Arbeit mit der Jugend funktioniert gut, aber nicht ohne das nötige Geld für Betreuer, Freizeiten, Material etc.

Bei der Jugendausschusssitzung am 11. März 2003 war die engagierte Jugend dabei, erreichte aber nicht mehr, als dass die Sitzung in einen grösseren Saal verlegt wurde, da nicht alle Zuschauer Platz hatten. Die jungen Anwesenden kamen auch nicht zu Wort, obwohl sie die Hauptbeteiligten waren. Der Rat entschied über ihre Köpfe, die Zuschüsse wurden gekürzt, Stellen gestrichen. Das bedeutet das sofortige Aus für viele Aktivitäten und akute Zurückschrauben an der Häufigkeit von z.B. Gruppenstunden, welche Jugendlichen und Kindern Werte vermittelten und ihnen half, mit ihren Problemen klar zu kommen. Außerdem wurden sie sinnvoll beschäftigt und lernten sich z.B. gegen die Meinung nationalsozialistisch Denkender mit Argumenten entgegen zu setzen.

Also war wohl alles umsonst, die Jugendarbeit ist eingeschränkt, und wir sind enttäuscht über die Niederlage bei der Sitzung. Wir möchten unserer Meinung freien Lauf lassen, und sehnen uns nach einer Gemeinschaft. Doch was für eine Gemeinschaft bleibt übrig? Eine Gemeinschaft, welche Wut herauslässt und gegen die derzeitige Regierungsform ankämpft sowie gegen Menschenrechte verstösst: Die rechte Szene, die an der Zahl der Neubegeisterten nicht klagen kann. Tostedt marschiert auf, doch in die falsche Richtung, in die Vergangenheit.

Deshalb sollten wir uns die Frage stellen, ob wir jetzt in die Jugend investieren oder an ihr sparen und somit die Generation ohne Zukunft heranwachsen lassen.


Tanja Höyns

(Mitglied in der evangelischen Jugend und des Verbands christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, sowie Kontakt zum Forum für Zivilcourage)

Website des Forums für Zivilcourage: http://www.Tostedt-gegen–rechts.de

     
   

© Tanja Höyns, 08. Mai 2003










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