Archiv: internationale News Januar - März 2003




28. März 2003, Florida: Kriegsgegnerin Sarandon ausgeladen
Die bekannte Schauspielerin und Kriegsgegnerin Susan Sarandon (56) ist von den Veranstaltern einer Wohltätigkeitsveranstaltung auf Grund ihrer Anti-Kriegsaktivitäten auf Druck von einigen geladenen Gästen als angekündigte Sprecherin wieder ausgeladen worden. 
Sarandon sollte am 11. April in Tampa, Florida, bei einer Spendenaktion des Wohltätigkeitsverbandes United Way mitwirken und über die Rolle von Frauen in Gemeinden und Führungspositionen sprechen. 
Der Verband wollte der Schauspielerin keine "politische Plattform" bieten und lud sie aus, womit auch die Veranstaltung selbst hinfällig wurde.
Sarandon hatte bei der kürzlichen Oscar-Verleihung ihre Hand demonstrativ zum Friedenszeichen erhoben. Zuvor hatte sie bereits lautstark gegen den Irak-Krieg protestiert und an Protestaktionen der Gruppe "Artists United to Win Without War" teilgenommen, die von zahlreichen Hollywood-KollegInnen (Jessica Lange u. a. ) unterstützt wird.
Sarandons Schwägerin, die dem Frauenverband von United Way angehört, kündigte aus Protest gegen die Ausladung des Hollywoodstars ihre Mitgliedschaft. Sie bedauerte es, dass sich die Organisation der "Zensur" und dem "politischen Druck" beuge.


26. März 2003, Kandahar: Tausend Afghaninnen picknicken demonstrativ im Freien
Am 26. März 2003 haben mehrere tausend Frauen nahe der ehemaligen Taliban- Hochburg Kandahar im Süden Afghanistans eine alte, seit 25 Jahren unterbrochene Tradition aufleben lassen. Sie versammelten sich zu einem öffentlichen Picknick in Baba Saab, dem landschaftlich schön gelegenen Schrein eines moslemischen Ortsheiligen. Männer waren ausgeschlossen. Für viele der teilnehmenden Mädchen und Frauen war das Picknick ein beeindruckendes Erlebnis.


 10. März 2003, London: Umfrage: Zwei Drittel der britischen Frauen gegen Irakkrieg
Zwei Drittel der britischen Frauen (66 Prozent) sind gegen einen Irakkrieg. Das geht aus einer am 10. März veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor. Demnach unterstützen nur ein Viertel der britischen Frauen (25 Prozent) einen Krieg gegen Irak. Bei den britischen Männern liegt der Anteil der Kriegsgegner mit 49 Prozent dagegen nur leicht über dem der Kriegsbefürworter mit 46 Prozent. Insgesamt lehnen somit 57 Prozent der erwachsenen Bevölkerung den Krieg ab. Für einen Krieg sind 36 Prozent. Falls der Irakkrieg ohne UN-Mandat geführt werden sollte, wären allerdings nur 26 Prozent dafür und 65 Prozent dagegen. Die repräsentative Umfrage erfolgte im Auftrag des Fernsehsenders ITV1.


09. März 2003, Washington: Frauen demonstrieren in Washington gegen möglichen Irak-Krieg
Mehrere tausend KriegsgegnerInnen, die meisten von ihnen Frauen, haben am Wochenende in Washington und anderen US- Städten gegen einen möglichen Irak-Krieg demonstriert. Dem Aufruf der Organisation "CodePink for Peace" waren in Washington am Frauentag auch bekannte Autorinnen und Künstlerinnen gefolgt. Darunter war die Schriftstellerin Alice Walker, die mit 26 anderen Demonstranten festgenommen wurde, als sie vor dem Weißen Haus eine Sperrlinie der Polizei überschritten. Am folgenden Tag setzten KriegsgegnerInnen ihre gewaltlosen Proteste fort.


08. März 2003, Teheran: Erste Demonstration zum Weltfrauentag in Iran seit 1979
Zum ersten Mal seit der Islamischen Revolution von 1979 sind in Iran wieder Demonstrantinnen zum Weltfrauentag auf die Straße gegangen. Mehr als 300 Iranerinnen und etwa 50 Männer forderten bei ihrer Kundgebung am Frauentag im Zentrum der Hauptstadt Teheran mehr Rechte für Frauen ein. Unter anderem kritisierten sie das unterschiedliche Strafmaß bei der Ermordung von Frauen und von Männern sowie die Nachteile für Frauen im iranischen Scheidungs- und im Erbrecht. Zugleich protestierten sie gegen einen drohenden Krieg in Irak. Es war damit die erste nicht-staatliche Anti-Kriegs-Demonstration des Landes.


08. März 2003, Seoul/ Bangkok: Tausende Asiatinnen demonstrierten am Internationalen Frauentag
Tausende Asiatinnen haben am Internationalen Frauentag für ihre Gleichberechtigung in den von Männern dominierten Gesellschaften demonstriert. In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul gingen am Frauentag  rund 5.000 Menschen auf die Straße und protestierten gegen das traditionelle System, nach dem nur Männer einer Familie vorstehen dürfen.
In der thailändischen Hauptstadt Bangkok wollten tausend Frauen vor den Regierungssitz ziehen und Ministerpräsident Thaksin Shinawatra eine Petition für bessere Arbeitsbedingingen überreichen.
Bei Demonstrationen in den Hauptstädten Ost- und Südostasiens wurde auch gegen einen Irak-Krieg mobil gemacht. In Taiwan machten Demonstrantinnen auf die Folgen eines Krieges für Frauen und Kinder aufmerksam.


08. März 2003, Kabul: Erster afghanischer Radiosender für Frauen startet Programm
Zum Internationalen Frauentag hat in Afghanistan der erste Radiosender für Frauen sein Programm aufgenommen. Die in der Hauptstadt Kabul ansässige "Stimme der afghanischen Frauen" schickte am Frauentag ihre erste Sendung über den Äther. Unter der Führung der afghanischen Starjournalistin Dschamila Mudschahed soll der Sender täglich einige Stunden vor allem über Erziehungsfragen und Themen des Alltags berichten. Mudschahed war nach dem Sturz der Taliban- Herrschaft 2001 die erste Journalistin, die wieder im afghanischen Fernsehen zu sehen war. Sie wird den Radiosender mit fünf freien Journalistinnen betreiben. Gesponsort wird das Programm von der französischen Nichtregierungsorganisation Aina und der UN-Wissenschafts- und Kulturorganisation UNESCO.



08. März 2003, Warschau: Polnische Feministinnen verbrennen Gesetzestext zu Abtreibungen
Zum Internationalen Frauentag haben polnische Feministinnen den Gesetzestext zum extrem restriktiven Abtreibungsrecht ihres Landes verbrannt. Unter dem Motto "Unsere Körper, unser Leben, unsere Rechte" versammelten sich am Frauentag in der Warschauer Innenstadt etwa tausend Frauen, um für die Besserstellung der Frauen in der von der Katholischen Kirche geprägten polnischen Gesellschaft zu demonstrieren. Die Frauen protestierten gegen "jede Form der Diskriminierung von Frauen, wie Gewalt, Sexismus, Diskriminierung am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit sowie das Anti- Abtreibungsgesetz".


08. März 2003, Moskau: Alle 40 Minuten wird eine Russin von ihrem Partner getötet
In Russland wird durchschnittlich alle 40 Minuten eine Frau von ihrem Ehemann oder Partner getötet. Etwa 14.000 Russinnen sterben jedes Jahr durch Gewalt in der Ehe, wie die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) unter Berufung auf Daten des russischen Innenministeriums mitteilte. Damit würden jedes Jahr dreimal so viele Frauen zu Hause getötet, wie russische Soldaten seit 1999 im Tschetschenien-Krieg gefallen seien. Jeden Tag würden etwa 36.000 Russinnen von ihrem Partner verprügelt.


07. März 2003, Moskau: Umfrage: Russen sehen Frauen in klassischen Rollen
Laut der veröffentlichten Umfrage des Instituts Romir sollen Frauen nach Auffassung einer Mehrheit der Russen klassische Rollen in der Gesellschaft einnehmen: 40 Prozent der russischen Bürger seien der Ansicht, Frauen solle in erster Linie die Rolle als Mutter zufallen. Für 23 Prozent der Befragten sollen Frauen vor allem als "lebenslange Begleitung" des Mannes dienen. Weitere 15 Prozent der Russen glauben, Frauen sollten den Haushalt führen.
Nur 15 Prozent meinen, in der Geschäftswelt sollten Frauen führend sein.


07. März 2003, New York: Geburten häufigste Todesursache für Frauen in Entwicklungsländern
Jeden Tag sterben weltweit 1.400 Frauen und Mädchen im Kindbett. 
"99 Prozent dieser Opfer sind in Entwicklungsländern zu verzeichnen. Damit ist dies dort die häufigste Todesursache von Frauen", erklärte die Direktorin des UN- Kinderhilfswerks (UNICEF), Carol Bellamy, zum Weltfrauentag am 8. März. Bellamy wertete diese Zahlen als "beschämendes Symbol für die Diskriminierung und Gleichgültigkeit gegenüber Frauen und ihren Rechten".
Die stellvertretende UN-Generalsekretärin Louise Fréchette rief dazu auf, die weltweite Bildungssituation der Frauen zu verbessern. "Wir müssen uns vor allem um die Mädchen kümmern. Sie stellen die Mehrheit der Kinder ohne Schulausbildung", sagte Fréchette. Etwa 500 Millionen und damit zwei Drittel aller Analphabeten seien Frauen.
Die stellvertretende UN-Generalsekretärin forderte die Staatengemeinschaft zudem auf, Frauen ins Zentrum des weltweiten Kampfes gegen Aids zu stellen. "Die Hälfte der HIV-Infizierten sind Frauen, in Afrika liegt ihr Anteil bei 58 Prozent", sagte Fréchette. Es müsse dafür gesorgt werden, dass Mädchen und Frauen in der ganzen Welt die Fähigkeit, Möglichkeit und das Selbstbewusstsein erhielten, sich vor dem Virus zu schützen.
Generell solle ein gesellschaftlicher Veränderungsprozess in Gang gesetzt werden, an dessen Ende Frauen mehr Kontrolle über ihre Entscheidungen haben, erklärte Fréchette. "Alle Arbeitsbereiche - von der Landwirtschaft über Gesundheit bis hin zum Umweltschutz - müssen die Entwicklung der Frauen im Blick haben", forderte die stellvertretende UN-Generalsekretärin. "Wenn es Frauen besser geht, sind die Effekte klar sichtbar", sagte sie. "Familienmitglieder sind gesünder, und besser ernährt. Ihre Einkommen und Ersparnisse steigen." Was für Familien gelte, sei langfristig auch für Gemeinschaften und am Ende auch für Staaten richtig.


06. März 2003, Paris: Frauen mit Brust-Implantaten neigen offenbar öfter zum Selbstmord
Frauen, die sich Implantate in die Brust einsetzen lassen, unterliegen offenbar einem höheren Selbstmord-Risiko. Nach einer umfangreichen Studie hatten schwedische Frauen, die zwischen 1965 und 1993 künstlich ihre Brust vergrößern ließen, eine drei Mal höhere Selbstmordrate als jene, die sich mit ihrem natürlichen Busen zufrieden gaben. Die Autoren der Studie, die in der jüngsten Ausgabe des "British Medical Journal"
(Bd. 326, S. 527) veröffentlicht wird, gehen davon aus, dass dies keine medizinischen, sondern psychologische Ursachen hat. Sie empfehlen daher vor Brust-Vergrößerungen intensive psychologische Betreuung.
Der für die Untersuchung verantwortliche Epidemiologe Olof Nyrén vom Karolinska Institut in Stockholm stufte das Ergebnis als "erwartungsgemäß" ein. "Es ist unter Psychiatern wie unter Schönheitschirurgen bekannt, dass Patienten, die ihren Körper verändern wollen, oft psychische Probleme haben", sagte er der Stockholmer Zeitung "Dagens Nyheter". Frauen mit Brustimplantaten hätten generell ein "etwas ausschweifenderes Leben", meinte Nyrén weiter und nannte dabei einen stärkeren Anteil an Raucherinnen sowie eine höhere Zahl von Sexualpartnern.
Die Ärzte am Karolinska Institut hatten in schwedischen Krankenhäusern gesammelte Daten von über 3000 Frauen untersucht, die sich hier zwischen 1965 und 1993 ausschließlich aus kosmetischen Gründen die Brüste vergrößern ließen. Dabei stellten sie 15 Selbstmorde fest. Der Durchschnitt bei vergleichbaren Frauen ohne Brustvergrößerung liege bei 5,2. 
Nyrén kritisierte eine zunehmende Bereitschaft von Chirurgen, sich ausschließlich nach den Wünschen der Patientinnen zu richten.
Einen direkten kausalen (ursächlichen) Zusammenhang zwischen dem chirurgischen Eingriff und dem Freitod habe man nicht feststellen können, hieß es im "British Medical Journal". Auch für die in der Debatte um das Für und Wider von Silikonbusen behauptete Störung des Immunsystems habe es in der Untersuchung keine Belege gegeben.


06. März 2003, Genf: Rotes Kreuz fordert besseren Schutz von Frauen in Konflikten
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat einen besseren Schutz von Frauen in Kriegen und Konflikten verlangt. Die inakzeptable Spirale hin zu einem "totalen Krieg", bei dem nicht mehr zwischen Kämpfern und ZivilistInnen unterschieden werde, müsse gestoppt werden, sagte Charlotte Lindsey. 
Der Bericht des IKRK "Frauen und Krieg" wurde anlässlich des Internationalen Frauentages vorgestellt. Darin wird verlangt, dass zum Schutz der Frauen bereits bestehende Bestimmungen aus dem humanitären Völkerrecht sowie der Menschenrechts- und Flüchtlingskonvention eingehalten werden. Danach sind unter anderem Vergewaltigungen und die Anwendung sexueller Gewalt untersagt. Dies müsse auch in die nationalen Gesetzgebungen und die Vorschriften für Waffenträger aufgenommen werden.
Das IKRK fordert weiterhin, dass inhaftierte Frauen vor inhumanem oder herabwürdigendem Verhalten geschützt werden. Frauen sollten dabei unter angemessenen Bedingungen separat von Männern untergebracht und von ausgebildetem weiblichen Personal bewacht werden.
Das Internationale Rote Kreuz bedauert in dem Bericht, dass humanitären Organisationen oft der Zutritt zu jenen Gebieten untersagt werde, in denen es zu den größten Misshandlungen komme.


06. März 2003, Paris. Studie sieht "Männer am Rande des Nervenzusammenbruches"
Eine sozialwissenschaftliche Studie des französischen CCA- Instituts im Auftrag der Pariser Frauenzeitschrift "Elle" kommt zu dem Schluß, dass viele Männer Schwierigkeiten mit ihrer Männerrolle haben. Sie fühlten sich nach drei Jahrzehnten weiblicher Emanzipation abgewertet und von dem dumpfen Gefühl verängstigt, "vom Aussterben bedroht zu sein". Jüngere Männer fühlten sich feminisiert, die mittleren Jahrgänge hätten resigniert oder seien verbittert, die Reiferen seien hilflos und sähen sich als überflüssig an. Zwischen den Geschlechtern seien "Neuverhandlungen" nötig, heißt es in der Studie. 
Interessant sei, dass Frauen oft als aggressiv empfunden würden und ihre neue  Unabhängigkeit als eine Form von Gewalt von den Männern betrachtet wird. 
Die Studie stammt von dem Soziologen Robert Ebguy.


06. März 2003, Damaskus: Regierungskoalition in Syrien gewinnt erwartungsgemäß Parlamentswahl
In Syrien hat die von der Baath-Partei angeführte Regierungskoalition erwartungsgemäß die Parlamentswahl gewonnen. Alle 167 KandidatInnen der insgesamt sieben Koalitionsparteien seien gewählt worden. Die übrigen 83 Sitze im Parlament seien an unabhängige KandidatInnen gegangen. In der Volksvertretung sitzen 30 Frauen.
Die Wahlbeteiligung lag bei 63,45 Prozent.


05. März 2003: Jungen erhalten oft mehr Taschengeld als Mädchen
Nach einer europaweiten Umfrage des Fernsehsenders Fox Kids zufolge erhalten Jungen in vielen Ländern oft mehr Taschengeld als Mädchen. Die Differenz reiche von 8 Prozent in England bis zu 21 Prozent in Italien. Ausnahmen seien lediglich Schweden und Frankreich, wo die Mädchen mit dem wöchentlichen Taschengeldbudget vor den Jungen lägen. 
Im Durchschnitt erhalten die Kids in Europa 3,50 Euro pro Woche. Das meiste Taschengeld rücken norwegische Eltern mit 4,83 beziehungsweise 4,65 Euro heraus. Spanische Kinder seien dagegen die "ärmsten". Sie bekommen nur 2,62 beziehungsweise 2,49 Euro. Deutsche Kids "kassieren" durchschnittlich 3,43 Euro pro Woche und liegen damit im europäischen Mittelfeld.
Der Sender Fox Kids hat für die Umfrage über 6.400 Mädchen und Jungen im Alter von 6 bis 14 Jahren in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Italien, Spanien, Schweden und Dänemark sowie in Norwegen und Deutschland befragt.


06. März 2003, Addis Abeba: 30 000 Frauen in Afrika sterben jährlich bei Abtreibungen
Rund 30.000 Frauen pro Jahr sterben in Afrika, weil an ihnen unsichere Abtreibungen vorgenommen werden. Auf einer von den Vereinten Nationen unterstützten Konferenz über Risiken der illegalen Abtreibung plädierten am 05. März 2003 in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba rund 100 VertreterInnen 13 afrikanischer Staaten dafür, Abtreibungen durch Legalisierung sicherer für die Frauen zu machen.
Auf dem Treffen berieten an zwei Tagen MinisterInnen, MedizinerInnen, RechtsexpertInnen, WissenschaftlerInnen und Vertreterinnen von Frauengruppen über Wege zu sichereren Abtreibungsgesetzen und -praktiken auf dem Kontinent. Die derzeitige Rechtslage in den meisten Ländern, die zahlreiche Frauen zu nicht fachgerechten Praktiken dränge, unqualifiziertes Personal und mangelnde Hygiene seien Gründe dafür, dass tausende Frauen bei dem Versuch sterben, eine ungewollte Schwangerschaft zu beenden.
Bis zu fünf Millionen Afrikanerinnen unterzögen sich jedes Jahr einer medizinisch unsauberen Abtreibung, erklärte die ghanaische Politikerin Eunice Brookman Amissah. Jeden Tag stürben daran rund hundert Frauen. "Allein ein einziger solcher Tod ist eine Tragödie", sagte die ehemalige Gesundheitsministerin Ghanas. "Doch es wäre unverantwortlich diese Situation so weiterlaufen zu lassen." Seit die UN-Frauen-Konferenz in Peking 1994 unsichere Abtreibungspraktiken thematisiert habe, hätten viele afrikanische Länder immerhin große Anstrengungen etwa zur Einrichtung von Nachsorgestationen für
betroffene Frauen gemacht.
Nach Informationen der UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) überleben jährlich weltweit rund 70 000 Frauen dilettantische Abtreibungen nicht. Millionen Frauen trügen Gesundheitsschäden davon.


04. März 2003, Nairobi: Human Rights Watch: Tradition verletzt Rechte von Frauen in Kenia
Tradition und mangelnde Rechtssicherheit verletzen das Recht kenianischer Frauen auf Besitz, Erbe und die Kontrolle über Eigentum. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, der in Kenias Hauptstadt Nairobi vorgestellt wurde.
Viele Frauen verlieren demnach ihr Dach über dem Kopf, weil Angehörige sie bei einer Scheidung oder nach dem Tod des Ehemannes von dessen Haus und Land verstoßen. Andere würden zu riskanten sexuellen Praktiken im Tausch gegen das Recht gezwungen, ihr Eigentum zu behalten.
"Die Verletzung der Eigentumsrechte von Frauen ist nicht nur diskriminierend, sie kann sich auch als tödlich erweisen", sagte die Exekutivdirektorin der Frauenrechtsabteilung von Human Rights Watch, Lashawn Jefferson. "Frauen werden Armut, Obdachlosigkeit, Gewalt und Krankheiten wie AIDS ausgesetzt." 
Die Organisation forderte die kenianische Regierung auf, legale Reformen einzuführen und Programme zur Vermeidung solcher Rechtsverletzungen einzusetzen.


03. März 2003, Maskat: Erstmals Ministerin in Oman benannt
Zum ersten Mal in der Geschichte des arabischen Staates Oman ist eine Frau auf einen MinisterInnenposten berufen worden. Sultan Kabus ernannte Aischa bint Chalfan bin Dschamil El Sijabi zur Leiterin des öffentlichen Amtes für Handwerkskunst. Sie ist damit einem Minister gleich gestellt. Das konservative Sultanat hatte 1994 als erste Golf-Monarchie das Wahlrecht für Frauen eingeführt und ihnen auch erlaubt zu kandidieren. Katar zog daraufhin mit einem Wahlrecht für Frauen auf Lokalebene nach.


02. März 2003, Jerusalem: "Haaretz": Kindergeld für Muslime mit mehreren Frauen reduziert
Die neue israelische Regierung erwägt die Kürzung der Sozialleistungen für israelisch- arabische Muslime, die mit mehr als einer Frau zusammen leben und Kinder haben. Nach Zeitungsberichten soll damit verhindert werden, dass diese Männer bei der Zahlung von Kindergeld besser gestellt sind, als jüdische Israelis. Nach den islamischen Glaubensregeln dürfen Muslime bis zu vier Frauen heiraten, dies widerspricht jedoch israelischen Gesetzen.
Obwohl die Männer sich vor einer neuen Eheschließung offiziell von ihrer jeweiligen Ehefrau scheiden lassen, leben sie de facto meist mit ihren verschiedenen Partnerinnen zusammen, die für jedes Kind ihrer zahlreichen Nachkommenschaft entsprechendes Kindergeld beziehen. Wie viele arabische Israelis von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, ist nicht bekannt.


01. März 2003, Washington: Russisches Popduo Tatu überrumpelt US- Fernsehen mit Kriegsprotest
Laut den Berichten russischer Medien protestierte das russische Popduo Tatu ("All The Things She Said") mit einem schrillen Protest gegen die US- Vorbereitungen auf einen Krieg im Irak. Beim Auftritt einer NBC-Talk-Show  zeigten sich die beiden angeblich lesbischen Sängerinnen mit einem obszönen russischen Fluch in Kyrillisch auf den Shirts, der sich in abgemilderter Form mit "Zum Teufel mit dem Krieg" übersetzen lässt. 
Die beiden Sängerinnen Julia und Lena waren vor ihrem Auftritt gewarnt worden. "Keine Zungenküsse auf der Bühne und kein Wort über den Irak", hieß es. Doch die Schülerinnen fanden einen Ausweg, um ihren Protest gegen die Kriegspläne auszudrücken. Mit spürbarer Schadenfreude druckten russische Zeitungen ein Foto des ahnungslosen Moderators Jay Leno mit den beiden Mädchen und deren derber Friedensbotschaft auf den Hemden.
Erst nach den Anrufen begeisterter russischer FernsehzuschauerInnen in den USA sei der Sender den Mädchen auf die Schliche gekommen.


22. Februar 2003, Managua: Entscheidung für Abtreibung bei neunjährigem Mädchen
Das neunjährige Mädchen aus Nicaragua, das nach einer Vergewaltigung schwanger geworden war, hat in einer Privatklinik in Managua ihr Baby abtreiben lassen. Das teilte die Leiterin einer Organisation mit, die die Eltern der Neunjährigen beraten hatte. Vor allem die katholische Kirche kritisierte diese Entscheidung.


20. Februar 2003, Rom: Chancengleichheit beim Zugang zu öffentlichen Ämtern und Funktionen kommt in die Verfassung
Das Recht auf gleiche Chancen bei der Bewerbung um öffentliche Ämter soll in Italien per Verfassung gesichert werden. Die zweite Kammer des italienischen Parlaments verabschiedete am 20. Februar 2003 ein entsprechendes Gesetz. Nach dem geänderten Artikel 51 muss "die Republik mit angemessenen Mitteln die Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern fördern". Auf den Weg gebracht wurde das Gesetz im August 2001 von der Regierung von Silvio Berlusconi. Es ist die zweite Verfassungsreform dieser Regierung. Im Juli 2002 verabschiedete das Parlament ein Gesetz, das die Rückkehr der nach dem Zweiten Weltkrieg ins Exil getriebenen italienischen Königsfamilie erlaubte.


19. Februar 2003, Managua: Schwangeres neunjähriges Mädchen als "Politikum"
Die aus einer Vergewaltigung resultierende Schwangerschaft eines neunjährigen Mädchens beschäftigt die politische Öffentlichkeit in  Nicaragua. In der Diskussion um das Für und Wider einer Abtreibung legte eine Ärztekommission am Mittwoch ein Gutachten vor: Sowohl bei einer Abtreibung als auch im Falle der Fortsetzung der Schwangerschaft bestehe "höchstes Risiko" für das Überleben des bereits in der 15. Woche schwangeren Mädchens. Die Eltern des Mädchens sollten entscheiden, ob sie die Abtreibung wünschten. Während Menschenrechtsgruppen und Feministinnen fordern, die Neunjährige nach Kuba oder in die USA auszufliegen, wo eine bessere medizinische Versorgung gewährleistet sei, versuchen konservative Gruppen und der mächtige Erzbischof von Managua, Kardinal Miguel Obando y Bravo, eine Abtreibung zu verhindern. Obwohl Abtreibung nach einer Vergewaltigung in Nicaragua legal ist.
Das Mädchen wurde im Nachbarland Costa Rica vergewaltigt, wo ihre 25 und 28 Jahre alten Eltern als LandarbeiterInnen tätig waren. Der Täter wurde festgenommen.


19. Februar 2003, Peking: Frauen sollen an fremden Herd
Um der steigenden Arbeitslosigkeit zu begegnen, möchte die chinesische Regierung Millionen von Frauen die Lohnarbeit in fremden Haushalten schmackhaft machen. Mehr als sechs Millionen arbeitslose Frauen sollen bis 2005 im Bereich "gemeinschaftlicher Dienste" eingesetzt werden. Dies ist eine Umschreibung für Tätigkeiten als Haushaltshilfen, Kindermädchen oder Dienstbotinnen, die in China traditionell als entwürdigend gelten. Die Chinesische Frauenvereinigung werde in Beratungsgesprächen, Vorträgen und mit Telefonhotlines für derartige Tätigkeiten werben. Interessentinnen sollen in speziellen Schulungen für ihre künftigen Aufgaben vorbereitet werden.


19. Februar 2003, Sao Paulo: Über zehn Prozent von 200 untersuchten Models unterernährt
Regina Celia Denadai Madeira, Wissenschaftlerin von der Bundesuniversität Sao Paulo, hat in einer Untersuchung das Ernährungsverhalten von mehr 200 Models erforscht. Der Studie nach wiesen 34 Prozent der untersuchten Models in Bezug zu ihrer Körpergröße ein unterdurchschnittliches Gewicht auf. Weitere 12 Prozent der untersuchten Frauen waren so unterernährt, dass ihre Gesundheit in Gefahr war, weil ihr Körper nicht genug Fett hatte.


18. Februar 2003, Neu Delhi: Frauen mit Fahrradpumpen sterilisiert
Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "The Week" zufolge werden in Gesundheitszentren im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh bei der Sterilisationen von Frauen statt moderner Sauggeräte Fahrradpumpen  eingesetzt. Laut "The Week" arbeiten die staatlich finanzierten Gesundheitszentren "ohne Vorschriften". Das nationale Menschenrechtskomitee forderte eine Untersuchung der "sehr ernsten Vorwürfe".


18. Februar 2003, Mexico-Stadt: Wieder drei ermordete Frauen in mexikanischer Grenzstadt gefunden
In der nordmexikanischen Grenzstadt Ciudad Juàrez, die in den vergangenen Jahren mit einer Mordserie an jungen Frauen Schlagzeilen machte, sind abermals drei Frauenleichen gefunden worden. Nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft seien die Frauen
schon vor mehreren Monaten ermordet worden. In Ciudad Juàrez, einer Millionenstadt an der Grenze zu den USA, sind in den vergangenen zehn Jahren mehr als 90 Frauen Opfer von grauenhaften Sexualverbrechen geworden. Kein einziger Fall wurde endgültig aufgeklärt.


12. Februar 2003, Brasilia: Frauen extrem von Kürzungen betroffen
Das geplante Programm zur Sanierung der maroden brasilianischen Wirtschaft sieht entgegen der Ankündigung der sozialistischen Regierung drastische Kürzungen im Sozialsektor vor. Nach Analyse des Sparplans berichteten Medien, die Ausgaben im Sozialsektor sollten um 5,1 Milliarden Real (1,6 Mrd Euro) gekürzt werden. Am schlimmsten betroffen seien die Ministerien für Städte und für Frauen, deren Etat um 85 Prozent bzw. 83 Prozent verringert werden solle.
Die Zeitung "O Globo" errechnete auch die Kürzungen für die Ministerien für Agrarentwicklung (35 Prozent), Arbeit (33 Prozent), Soziale Förderung (20 Prozent), Gesundheit (6,49 Prozent) und Bildung (4,73 Prozent). Sogar die Mittel für das Programm zur Bekämpfung des Hungers würden um 1,94 Prozent gekürzt.
Bei der Ankündigung des Programms zur Sanierung der Finanzen, das Ausgabenkürzungen in Höhe von 14 Milliarden Real (gut vier Mrd Euro) vorsieht, hatte die Regierung erst kürzlich versichert, der Sozialsektor sei von den Streichungen ausgenommen. Mit dem erwarteten Haushaltsüberschuss will das Land seine Auslandsschulden abtragen. Kritik an den Sparplänen hat die Regierung zurückgewiesen. Die Maßnahmen seien notwendig, um die von steigender Inflation und einem Währungsverfall gebeutelten Wirtschaft zu stabilisieren.


11. Februar 2003, Tiflis: Minenarbeiterinnen streiken für Lohn
Nach einem Bericht des georgischen Fernsehens streiken seit mehreren Tagen im Chiaturmargantsa-Erzbergwerk in Zentralgeorgien mehr als 19  georgische Bergarbeiterinnen im Alter um die 50 Jahre und einige wenige ihrer Kollegen mit einem Hungerstreik in 1.200 Metern Tiefe für ihren ausstehenden Lohn. Zwei der mehr als 20 Beteiligten hätten bereits ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Die Frauen wollen das Bergwerk nicht verlassen, bis ihre Forderungen erfüllt seien, so die Äußerungen der streikenden Frauen im Fernsehen. Dem Medienbericht nach arbeiten in dem Bergwerk insgesamt 1.000 Menschen für einen Monatslohn von umgerechnet 28 Euro.


06. Februar 2003, Addis Abeba: Weltweit bis 130 Millionen Frauen genitalverstümmelt
Ein sofortiges Ende der Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen hat das UN- Kinderhilfswerk UNICEF gefordert. Carol Bellamy,  UNICEF-Exekutivdirektorin, erklärte auf der Konferenz des "Inter- afrikanischen Komitees für traditionelle Praktiken" in Addis Abeba, die Existenz bis zu 130 Millionen genitalverstümmelter Frauen weltweit zeige, dass die Regierungen der Welt es versäumt hätten, ihnen den versprochenen Schutz zu gewähren. Die Weltgemeinschaft müsse ihre Verpflichtung einlösen, die Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen bis 2010 zu beenden, sagte sie. Zusammen mit diesem Aufruf proklamierte die Konferenz in der äthiopischen Hauptstadt einen "Internationalen Tag gegen weibliche Beschneidung".
Jedes Jahr werden rund zwei Millionen Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt. Diese Praxis ist nicht nur eine Verletzung ihrer Rechte, sondern hat auch ernste Konsequenzen für ihre Gesundheit.
UNICEF fordere daher unter anderem ein gesetzlich verankertes Verbot der Verstümmelung.


05. Februar 2003, Bagdad: US-amerikanische "Frauen für den Frieden" protestierten in Bagdad gegen das Kriegstreiben der USA
Die US-amerikanische Initiative "Frauen für den Frieden" hat in Bagdad am 05. Februar 2003 kurz vor dem Auftritt von US- Außenminister Colin Powell vor den Vereinten Nationen gegen einen Irak-Krieg protestiert. Vor dem irakischen Informationsministerium entfalteten die zehn in Rosa gekleideten Frauen Transparente mit Aufschriften wie "Kein Blut für irakisches Öl". Die Frauen wehren sich dagegen, dass ihrer Ansicht nach die USA-Regierung unschuldige Menschen des Öls wegen umbringen will.
Die USA-Sektion von "Frauen für den Frieden" wurde Mitte 2002 gegründet und demonstriert seither unter dem Motto "Pink Alert" (Alarmstufe Rosa) regelmäßig vor dem Weißen Haus in Washington. Mitglieder der Frauengruppe halten sich seit dem Anfang Februar auch im Irak auf und führten dort bereits mehrere Aktionen auf öffentlichen Plätzen, in Schulen und Kinderheimen durch.



05. Februar 2003, New York: Internationaler Strafgerichtshof wählt sechs Richterinnen
Im neuen Internationalen Strafgerichtshof (ICC) mit Sitz in Den Haag werden zukünftig mindestens sechs Richterinnen Recht sprechen. Beim ersten Wahlgang für die insgesamt 18 RichterInnenposten bekamen in New York sechs Frauen und ein Mann die erforderliche Stimmenzahl. Die Frauen stammen aus Irland, Mali, Brasilien, Ghana, Costa Rica und Südafrika. Der Mann aus Südkorea. Noch elf weitere Posten werden bis zum 11.03.2003 besetzt werden.
Das neu gewählte Gericht verfolgt dann ab Frühjahr Fälle wie Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es wird von 85 Staaten unterstützt, darunter auch von Deutschland. Die USA sind gegen das ICC und haben mit einigen Staaten Abkommen
geschlossen, um einer eventuellen strafrechtlichen Verfolgung von US-Militärs vorzubeugen.


03. Februar 2003, Washington: Unter den toten AstronautInnen der "Columbia" waren auch zwei Frauen
Beim Absturz der Raumfähre "Columbia" sind alle sieben Astronautinnen und Astronauten tödlich verunglückt. Die fünf Männer und zwei Frauen starben beim Landungsflug der Raumfähre nach über 15 Tagen im All.
Die 41jährige Kalpana C. Chawla stammte aus Indien, wo sie auch studierte. Sie promovierte anschließend in den USA an der Colorado- Universität. Chawla arbeitete für die NASA und hatte vor der "Columbia"- Mission mehr als 375 Stunden Erfahrung im All.
Laurel Clark, die US-Navy-Ärztin war zum ersten Mal an Bord einer Raumfähre. Die 41jährige hatte Medizin an der Universität in Wisconsin studiert und war Mutter eines Kindes. Ihre Aufgabe an Bord waren  biologische Experimente. 


31. Januar 2003, Brüssel: Belgien erlaubt die gesetzliche Heirat von lesbischen und schwulen Menschen  
Das belgische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, dass gleichgeschlechtlichen Paaren künftig die Eheschließung erlaubt. Das Gesetz wurde mit den Stimmen der Regierungskoalition aus Liberalen, SozialistInnen und Grünen mehrheitlich beschlossen. Für das Gesetz stimmten 91 Abgeordnete. 22 ParlamentarierInnen votierten dagegen, neun enthielten sich.
Belgien ist damit - nach den Niederlanden - weltweit das zweite Land, in dem heterosexuelle und homosexuelle Paare gesetzlich in diesem Punkt gleichgestellt sind. Das Gesetz tritt vier Monate nach Veröffentlichung im belgischen Amtsblatt in Kraft. Falls einer der Ehepartner/innen Ausländer/in ist, könne sie/er die belgische Staatsbürgerschaft erlangen. Ein Adoptionsrecht steht den Homosexellenpaaren jedoch immer noch nicht zu.


30. Januar 2003, Kabul: Mädchen in afghanischer Schulpolitik benachteiligt
Da der Gouverneur der westlichen Provinz Herat, Ismail Khan, Anfang Januar verboten hat, dass Mädchen von Männern unterrichtet werden dürfen, entstehen den Mädchen wesentliche Nachteile. Besonders die Schülerinnen auf dem Land sind betroffen, da hier die Zahl der Lehrerinnen kleiner ist. Zudem fehlt es an Frauen, die spezielle Fächer wie Englisch oder Computeranwendungen unterrichten können.
Unter der Herrschaft der Taliban durften Mädchen gar nicht zur Schule gehen.


27. Januar 2003, Rom: Vatikan bestätigt Exkommunikation von Priesterinnen
Der Vatikan hat am 27.01.2003 die Exkommunikation von sieben Frauen bestätigt, die sich im vergangenen Sommer zu Priesterinnen weihen ließen. Damit sind sie aus der katholischen Glaubensgemeinschaft für immer ausgeschlossen. Die eine US-amerikanische, vier deutschen und zwei österreichischen Frauen hatten am 29. Juni 2002 auf einem Donauschiff in Österreich durch den von Rom nicht anerkannten Bischof Romulo Antonio Braschi die Priesterweihe empfangen.
Unmittelbar nach der Weihe der Frauen hatte der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger, Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, den Frauen mit der Exkommunikation gedroht, falls sie nicht Reue zeigten. Als die Priesterinnen seiner Aufforderung nicht folgten, verkündete Ratzinger die Exkommunikation. Eine dagegen eingebrachte Berufung lehnte der Vatikan jetzt ab. Nach katholischem Recht ist das Priesteramt ausnahmslos Männern vorbehalten.



25. Januar 2003, Kabul: Erste Führerscheinprüfung für Frauen in Afghanistan seit 14 Jahren
Erstmals seit 14 Jahren haben in
Afghanistan wieder Frauen eine Führerscheinprüfung abgelegt. Von den 28 Bewerberinnen bestanden am Samstag zwölf die theoretische und drei auf Anhieb auch die praktische Prüfung. 


24. Januar 2003, Kairo: Erstmals Frau als Richterin in Ägypten
Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hat erstmals eine Frau zur Richterin ernannt. Tahani el Gabali arbeitet ab sofort als Richterin am Obersten Verfassungsgericht. Gleichzeitig vergab der Präsident zwei weitere Posten am Gericht an Frauen. "Dies ist ein historischer Wendepunkt für die Frauen Ägyptens", zitierten die Kairoer Tageszeitungen am Freitag die Generalsekretärin der Nationalen Frauenrats, Farchonda Hassan.
Zahlreiche konservative ägyptische Richter und islamische Religionsgelehrte hatten sich gegen die Ernennung einer Frau zur Richterin gesträubt. In einigen arabischen Ländern gibt es bereits Frauen in Richterroben. In Staaten wie Saudi-Arabien ist dies gegenwärtig noch undenkbar.


23. Januar 2003, Dhaka: Moslemfanatiker in Bangladesch verhindern Frauenfußballspiel
Moslemfanatiker in Bangladesch haben mit Gewalt ein Frauenfußballspiel verhindert. Die Behörden sagten aus Angst vor Ausschreitungen das Freundschaftsspiel zwischen den Nationalteams Bangladeschs und Indiens ab. Anhänger der Partei Islamallianz und die Studentenorganisation der Jamaat-i-Islami hatten gewaltsam gegen das geplante Spiel in Netrokona im Norden des Landes protestiert und gedroht, das Stadion zu stürmen. Islamische Geistliche verboten mit einer "Fatwa" (religiöses Urteil), dass Frauen in Sportkleidung vor männlichem Publikum spielen. Die Jamaat-i-Islami und die Islamallianz sind Koalitionspartner der regierenden Nationalpartei BNP von Premierministerin Khaleda Zia.
Die Bevölkerungsmehrheit im moslemischen Bangladesch praktiziert einen liberalen Islam. Mutmaßliche Moslemextremisten gehen dagegen aber immer häufiger mit Gewalt vor. In der letzten Zeit waren zwei moslemische Heiligenstätten überfallen worden und vier Kinos in die Luft gesprengt worden. Die Täter töteten damit über 30 Menschen.


22. Januar 2003, Genf: UN-Bericht dokumentiert Gewalt gegen Frauen - Kommission gefordert
Der am 22. Januar 2003 in Genf vorgelegte UN-Bericht dokumentiert systematische Gewaltanwendung und sexuelle Übergriffe gegen Frauen in bewaffneten Konflikten. Die Autorinnen fordern die Einrichtung einer internationalen Wahrheits- und Versöhnungskommission, um die Verbrechen zu dokumentieren. Bislang würden die Täter meist nicht zur Verantwortung gezogen, hält der vom UNO-Entwicklungsfonds für die Frau (UNIFEM) in Auftrag gegebene Bericht fest.
Die Autorinnen, die frühere finnische Verteidigungsministerin Elisabeth Rehn und die frühere liberianische Finanzministerin Ellen Johnson Sirleaf, sprechen von einer "Epidemie der Gewalt" gegenüber Frauen und Mädchen. Über sexuelle Gewalt und Zwangsschwangerschaften werde ihr Körper benutzt, um dem Feind Botschaften zu übermitteln.
Eine internationale Wahrheits- und Versöhnungskommission zur Gewalt an Frauen in bewaffneten Konflikten solle die Verbrechen dokumentieren, um sie offiziell anzuerkennen und zu verfolgen. Die Autorinnen fordern zudem wirksame Maßnahmen gegen Frauen- und Mädchenhandel, besseren Schutz durch humanitäre Organisationen und spezifische Bildungsprogramme auch für Militärs.
Weltweit sind nach UN-Schätzungen derzeit 40 Millionen Menschen auf der Flucht vor bewaffneten Konflikten, 80 Prozent von ihnen sind Frauen. Auch unter den zivilen Opfern von Konflikten sind die Mehrheit Frauen und Kinder. Die Autorinnen untersuchten für den Bericht weltweit 14 Kriegsgebiete.
UNO-Entwicklungsfonds für die Frau: http://www.unifem.org


22. Januar 2003, Sanaa/Kairo: Tausende Frauen protestierten im Jemen gegen Festnahme von Scheich el Mojid
Rund dreitausend jemenitische Frauen haben am 22. Januar 2003 vor der deutschen Botschaft in Sanaa für die Freilassung des in Deutschland inhaftierten mutmaßlichen El-Kaida-Terroristen, Scheich Mohammed Ali el Mojid, demonstriert. Die islamische Reform-Partei, zu deren Führungspersönlichkeiten der Scheich gehört, hatte die Demonstration organisiert. Am 19. Januar hatten sich bereits 600 Frauen vor der Botschaft versammelt. An den Protesten beteiligten sich viele EinwohnerInnen des Viertels von Sanaa, in dem der Scheich eine Wohltätigkeitsorganisation unterhält.
Scheich Mojid sitzt in Deutschland in Auslieferungshaft. Der 54 Jährige war am 10. Januar zusammen mit einem Begleiter auf Ersuchen der USA in Frankfurt/M. festgenommen worden. Die US-Behörden sehen in Scheich el Mojid ein hochrangiges Mitglied des Terrornetzwerks El Kaida.







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