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26. März 2003:
Geburtenrückgang verlangsamt - Kinder als "designtes Lebensevent"
Laut den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden
sind in Deutschland im vergangenen Jahr 725.000
Kinder geboren worden. Das waren 0,7 Prozent weniger als im Jahr 2001.
Von 2000 auf 2001 hatte der Geburtenrückgang noch vier Prozent
betragen. Damit hat er sich deutlich verlangsamt. Seit 1991 - mit
Ausnahme der Jahre 1996/1997 - sind die Geburtenzahlen in Deutschland
rückläufig.
Nach Ansicht des Zukunftsforschers Matthias Horx werden Kinder
zunehmend zu einem "Lebenssinn-Projekt". Nach seiner
Einschätzung wird der Akt des Kinderbekommens zunehmend zu einem
geplanten und designten Lebensevent mit hohem Erlebniswert. Die
Verlangsamung des Geburtenrückgangs erklärt der Wissenschaftler mit
gesellschaftlichen Reformen wie Ganztagsschulen, mehr Krippen- und
Kindergartenplätzen und "ökonomischen Benefits" für die
Familien. Der Vormarsch der Frauen in den Arbeitsmarkt und zunehmend
auch in die Chefetagen hätten diese Reformen notwendig gemacht.
Dabei passen Kinder durchaus in die Karriere- und Lebensplanung.
"Kinder sind Inszenierung und Selbstverwirklichung", ist der
Zukunftsforscher überzeugt. Dabei komme der Familie die
"Funktion als emotionales Schutzsystem vor der Komplexität des
sozialen Lebens" zu. Gleiches gelte für die Ehe. Durch Heirat
wollten sich viele Menschen ein Schutzsystem aufbauen.
Erstmals blieb die Zahl der Eheschließungen mit 388.000 (2001: 389
000) im vergangenen Jahr nahezu unverändert. Nach Angaben der
Statistiker hat sich damit die Zahl der Trauungen stabilisiert. Seit
Anfang der 90er Jahre - mit Ausnahme von 1999 - gab es eine rückläufige
Tendenz. Dabei gibt der Zukunftsforscher zu bedenken, dass es auch
immer mehr Scheidungen gebe. "Die Zahl der "Wiedervermählten",
die also zum zweiten oder dritten Mal heiraten, steigt, während die
derjenigen sinkt, die ledig in die Ehe gehen."
Laut Statistischem Bundesamt nahmen die Sterbefälle 2002 um 2,9
Prozent auf 845 000 zu. Dies war der erste Anstieg seit 1993. Im
vergangenen Jahr starben damit 120 000 Menschen mehr, als Kinder
geboren wurden. 2001 lag das Geburtendefizit bei über 90 000.
25. März
2003: Dagmar
Reim erste Frau an der Spitze einer öffentlich- rechtlichen
Rundfunkanstalt in Deutschland
Dagmar Reim (51), seit 1998 Direktorin des Landesfunkhauses Hamburg
des Norddeutschen Rundfunks (NDR), hat die Wahl zur ersten Intendantin
des neuen Rundfunk Berlin- Brandenburg (RBB) gegen drei weitere
Kandidaten gewonnen.
Mit dem zeitlich noch nicht feststehenden Amtsantritt der neuen
Intendantin fusionieren der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) und
der Sender Freies Berlin (SFB) zum Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB).
Reim ist die erste Frau an der Spitze einer öffentlich- rechtlichen
Rundfunkanstalt in Deutschland. Sie studierte Geschichte, Germanistik
und Publizistik in Mainz und München und arbeitete u. a. als
Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk, Westdeutschen Rundfunk und beim
Norddeutschen Rundfunk. Ab 1992 leitete sie in Hamburg die
Pressestelle und arbeitet zwei Jahre lang als ARD-Sprecherin. 1995
wurde sie Chefredakteurin des NDR-Hörfunks und
Programmbereichsleiterin eines NDR-Senders. Drei Jahre später wurde
Reim Direktorin des NDR- Landesfunkhauses Hamburg.
Neben Reim hatten Ulrich Deppendorf (53), Programmdirektor Fernsehen
des WDR, Bernt von zur Mühlen (55), Unternehmensberater, vormals
Geschäftsführer von 104,6 RTL und Georg Quander (52), Intendant
a. D. der Deutschen Staatsoper in Berlin, kandidiert.
24.
März 2003: 30 Jahre Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen
(ASF)
Vor 30 Jahren gründeten SPD-Frauen auf einer Konferenz vom 23. bis
25. März 1973 in Ludwigshafen die Arbeitsgemeinschaft
Sozialdemokratischer Frauen (ASF). Die damals rund 110jährige
Frauenarbeit in der SPD hat sich mit der Gründung der ASF zu einer
modernen Organisations- und Arbeitsform emanzipiert. Mit ihrem
wachsenden inner- und außerparteilichen Einfluss ist in drei
Jahrzehnten eine umfassende und gezielte Frauenförderpolitik
entstanden, deren Einrichtungen in ihrer ganzen Vielfalt inzwischen
selbstverständlich geworden sind: Frauen- und
Gleichstellungsbeauftragte allerorten, Frauenausschüsse in den
Parlamenten, Frauenministerien, Frauenberatungsstellen,
Notruftelefone, Mädchentreffs und vieles andere mehr.
Gleichstellungsgesetze in Bund und Ländern, die Verankerung von
kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in den Gemeindeordnungen,
veränderte Gremiengesetze, etwa zur Zusammensetzung von
Rundfunkräten, sind nur einige Beispiele für erfolgreiches Lobbying
der SPD-Frauen -nicht selten im Verbund mit der autonomen
Frauenbewegung und/oder einem breiten Spektrum von organisierten
Frauen in Gewerkschaften, Kirchen, Vereinen und Verbänden.
In den Jahren der sozialliberalen Koalition wurden grundlegende
Reformen
angepackt, an denen die sozialdemokratisch geführte Bundesregierung
nach der gewonnenen Wahl von 1998 anknüpfen konnte. Ein flexibel
anwendbares Elternzeitgesetz, ein frauenfreundliches
Betriebsverfassungsgesetz, der Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit, das
Gewaltschutzgesetz, das Frauen vor Peinigern schützt, ein
Rentenrecht, das auch nichterwerbstätige Mütter besonders
begünstigt, zählen zu den frauen- und gleichstellungspolitischen
Leistungen der vorangegangenen Legislaturperiode. Ein Verdienst der
laufenden Amtszeit dieser Bundesregierung wird u. a. ein
bemerkenswerter Beitrag zum Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen
sein, um die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und
Familie zu verbessern. Auch innerparteilich sind die Frauen
beträchtlich vorangekommen: Seit 1988 gilt für Funktionen und
Mandate die "Quote", konkret: die Satzungsverpflichtung zur
Berücksichtigung eines jeden Geschlechtes von mindestens vierzig
Prozent für alle Funktionen und Mandate. Der Hälfte aller
SPD-geführten Bundesministerien steht eine Frau vor.
Wie vor dreißig Jahren geht es der ASF auch heute noch um die
chancengleiche Umverteilung von Arbeit, Einkommen und Macht
zwischen den Geschlechtern, wenn auch inzwischen auf höherem Niveau.
Die erste ASF-Bundesvorsitzende Elfriede Eilers trat an mit dem
Anspruch: 'Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen hat die
Aufgabe, sich selbst überflüssig zu machen.' So weit ist die ASF
noch lange nicht, denn der Satz 'Wer die menschliche Gesellschaft
will, muss die männliche überwinden' aus dem Berliner Programm ist
noch nicht zur umfassenden Lebenswirklichkeit geworden.
Aus Anlaß des derzeitigen Krieges im Irak äußerte die derzeitige
Bundesvorsitzende der ASF, Karin Junker (MdEP) und Mitglied des
SPD-Parteivorstandes: Friedenspolitik war insbesondere in den Jahren
der sozialliberalen Koalition ein herausragendes Thema in der
vor dreißig Jahren neu verfassten Organisation der
Sozialdemokratischen Frauen Deutschlands. In diesen Wochen steht das
Thema wieder im Zentrum: "Frauen wollen Frieden" war das
Motto der SPD-Frauen zum diesjährigen Internationalen Frauentag am 8.
März. Das Plädoyer der ASF, einen beratenden UN-Frauensicherheitsrat
einzurichten, wurde auf Initiative der sozialdemokratischen Frauen im
Europäischen Parlament vom griechischen Ratspräsidenten Papandreou
positiv aufgegriffen: Er will sich um die Umsetzung kümmern. Denn es
waren vor allem Frauen und Kinder, die im Irak unter dem Embargo zu
leiden hatten, und es sind vor allem Frauen und Kinder, die Opfer des
Krieges sein werden. Es sind die Frauen, die den Kriegsalltag
bewältigen und das Überleben der Kinder und Familien sichern
müssen.
21.
März 2003: Großdemonstrationen gegen USA-Krieg
Aus Protest gegen den Irak-Krieg sind am
Tag des Kriegsbeginns (20. März 2003) in Deutschland rund 200.000 Menschen
auf die Straßen gegangen.
In Berlin protestierten rund 100.000 Kriegsgegner/innen gegen den
Kriegsbeginn der USA. Auch in etlichen anderen Städten äußerten die Menschen bei Demonstrationen ihre Sorge um
den Krieg und dessen Folgen. Auftakt für die große Protestwelle machten deutschlandweit die
Schülerinnen und Schüler: Mehrere Zehntausend forderten unter anderem in Freiburg,
Rostock, Bremen, Saarbrücken, Kassel, Karlsruhe und Stuttgart ein Ende der
Angriffe.
Bereits am frühen Morgen - unmittelbar nach dem Ende des
Ultimatums von US-Präsident George W. Bush - waren in Berlin einzelne
KriegsgegnerInnen auf die Straße gegangen. Am Abend trafen sich rund 50.000 KriegsgegnerInnen wie zuvor die SchülerInnen auf dem Alexanderplatz.
Sie legten für die Menschen im Irak eine Schweigeminute ein. Vor der amerikanischen Botschaft in Berlin demonstrierten regierungskritische
Amerikaner friedlich gegen die Irak-Politik ihres Präsidenten.
In Hamburg versammelten sich 2.000 Menschen, um zum US- Generalkonsulat zu ziehen. In Nordrhein-Westfalen forderten mehr
als 30 000 Menschen ein Ende des Krieges. Auch in München, Hannover und Frankfurt kamen tausende zu Demonstrationen. Kriegsgegner in
Magdeburg protestierten lautlos: In einem Schweigemarsch zogen Hunderte durch die Innenstadt.
Frauen-Friedensgruppen riefen in Berlin zu symbolischen Nachtwachen vor der US-Botschaft und anderen diplomatischen Vertretungen auf.
Das "Netzwerk Friedenskooperative", ein Zusammenschluss von KriegsgegnerInnen, hatte per Internet und Handzetteln für den "Tag X" zu
rund 350 Kundgebungen und Demonstrationen in ganz Deutschland aufgerufen.
"Die weltweite Friedensbewegung soll trotz aller Enttäuschung, Trauer und Wut nicht nachlassen, gegen den
Angriffskrieg auf Irak zu protestieren und seine sofortige Beendigung zu fordern",
so der Inhalt einer Erklärung des Friedens-Netzwerkes.
Internet: www.friedenskooperative.de/tag-x.htm
18.
März 2003: Sexistische Werbung in der Kritik
In Deutschland hat die Zahl der Beschwerden gegen
sexistische Werbung im Jahr 2002 deutlich zugenommen. Grund für die
Beschwerden an den Deutschen Werberat sind meistens sexistische
bzw. entwürdigende Darstellungen von Frauen in Werbekampagnen. In
seinem Jahresbericht bilanzierte das Selbstkontrollgremium der
deutschen Werbewirtschaft eine gestiegene Zahl an Beschwerden, aber
eine rückläufige Zahl von kritisierten Werbekampagnen. Fast 2.000
Mal und damit dreimal so häufig wie 2001 haben sich Bürgerinnen und
Bürger an den Deutschen Werberat gewandt.
Über 1.000 von insgesamt 1.985 Beschwerden richteten sich 2002 gegen
die Plakataktion der "Bild"-Zeitung. Auf den Plakaten wurde
eine Serie ankündigt, in der Frauen ihre sexuellen Praktiken
preisgeben. Einige sehr junge Frauen waren in lasziven Posen mit
Sprüchen abgebildet wie: "Mittags krieg ich Hunger. Auf
Sex." Während über tausend BeschwerdeführerInnen diese Aktion
als sexistisch empfanden, teilte der Werberat diese Einschätzung
jedoch nicht.
Zu den Kampagnen, die nach Intervention des Werberats eingestellt
wurden, gehörte dafür die einer Tankstellenkette, die in Anzeigen
mit der Abbildung einer achtköpfigen Familie und dem Text warb:
"Günstiger tanken. Geld für Kondome haben." Zahlreiche
BeschwerdeführerInnen sahen hier eine Kinder- und
Familienfeindlichkeit, da suggeriert werde, der Kindersegen entspringe
allein der Tatsache, dass die Familie kein Geld für Kondome habe.
In Zahlen sieht die Bilanz des Werberats für 2002 so aus: Die 1985
Beschwerden richteten sich gegen 389 (2001: 421) Werbeaktionen, von
denen der Werberat über 270 (305) zu entscheiden hatte. In 67 (91)
Fällen erklärten sich die Werbetreibenden bereit, die Werbung nicht
mehr zu schalten, in 8 (5) Fällen wurde sie geändert, und 6 (3) Mal
sprach der Werberat eine öffentliche Rüge aus. Von Kritik
freigesprochen wurden 189 (206) und damit zwei Drittel aller
beanstandeten Werbekampagnen. Die öffentlichen Rügen richten sich
gegen Firmen, die trotz Beanstandung durch den Werberat ihre Kampagne
fortsetzen. In den konkreten Fällen ging es vorwiegend um
entwürdigende Darstellung von Frauen und Gewaltszenen.
Siehe auch Artikel zum "fast
zahnlosen Tiger" Deutscher Werberat. (Juli 2000)
16. März 2003: "Bewegung der Frauen und Mädchen für Frieden,
Brot und Rosen" gegründet
Am 16. März 2003 haben sich in
Bochum 88 Frauen und Mädchen als Vertreterinnen von Frauengruppen und
-organisationen zur "Bewegung der Frauen und Mädchen für
Frieden, Brot und Rosen" zusammen geschlossen. Die Bewegung
versteht sich als Teil der Friedensbewegung, in die sie sich durch
kontinuierliche Mitarbeit einbringen möchte.
Homepage: www.frieden-brot-und-rosen.de
16. März 2003: 10jähriges Jubiläum der Louise- Otto- Peters-
Gesellschaft
Vor genau zehn Jahren wurde die
Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e. V. in Leipzig gegründet. Die
Gesellschaft hat das Ziel, das Leben und Werk der Dichterin,
Schriftstellerin, Journalistin und Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters
(1819-1895) in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und zu würdigen.
Im
Louise-Otto-Peters-Archiv, dem wichtigsten Projekt der Gesellschaft,
werden alle Veröffentlichungen von und über Louise Otto-Peters
gesammelt, erschlossen und Interessierten zugänglich gemacht. In
Kopien stehen zahlreiche Artikel, Bücher sowie die "Frauen-Zeitung"
(1849-1852) zur Verfügung, die von Louise Otto konzipiert und
redigiert wurde, und deren erste Ausgabe am 21. April 1849 im
Leipziger Raum erschien.
Bei den jährlichen Louise-Otto-Peters-Tagen und anderen
Veranstaltungen werden sowohl Forschungsergebnisse zu Louise
Otto-Peters und anderen bedeutenden Frauen vorgestellt wie auch
Probleme der Frauen von heute diskutiert. Die Aufmerksamkeit gilt
ebenfalls dem vielseitigen literarischen Werk von Louise Otto-Peters
und ihren Beziehungen zu Persönlichkeiten ihrer Zeit.
Der Gesellschaft gehören derzeit rund 70 Mitglieder - überwiegend
Frauen - aus verschiedenen Bundesländern sowie aus dem Ausland an.
Darüber hinaus besteht ein großer SympathisantInnenkreis. In der von
der Gesellschaft herausgegebenen Reihe "LOUISEum - Sammlungen und
Veröffentlichungen der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e. V."
erschienen bisher 11 Publikationen. Es entstanden drei vielbeachtete
Ausstellungen. Louise-Otto-Peters-Spaziergänge führen zu Stätten
der Erinnerung an die Namensgeberin und an ihre Mitstreiterinnen,
deren Erhalt und Pflege das Augenmerk der Gesellschaft gilt.
Homepage: www.louiseottopeters-gesellschaft.de
13. März 2003: Weniger Abtreibungen - jede zweite betroffene Frau
verheiratet
Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl
der legalen Abtreibungen in Deutschland im Jahr 2002 um 3,4 Prozent
auf 130.400 gesunken. Das bedeutet, 4.600 mal wurde weniger
abgetrieben als 2001.
Fast jede zweite Frau war zum Zeitpunkt der Abtreibung verheiratet (46
Prozent). 60 Prozent der Frauen hatten bereits ein oder mehrere
Kinder. 5,7 Prozent der Frauen waren unter 18 Jahre, der Großteil (71
Prozent) war zwischen 18 und 35 Jahre alt.
97 Prozent der Frauen hatten eine Schwangerschaftsberatung in Anspruch
genommen und dafür eine Bescheinigung erhalten. Drei Prozent der
Abtreibungen wurden aus medizinischen oder kriminologischen Gründen
vorgenommen.
Die so genannte Abtreibungspille Mifegyne wurde in rund 7.000 Fällen
verwendet, das entspricht 5 Prozent der Gesamtzahl.
Die meisten Abtreibungen werden immer noch mit der Vakuumaspiration
(Aussaugmethode) vorgenommen. Fast alle Eingriffe (93 Prozent) erfolgten
ambulant.
13.
März 2003: Initiative
für gleichen Lohn von Frauen und Männern geplant
Die Bundesfrauenministerin Renate Schmidt (SPD) plant eine
Initiative für gleichen Lohn von Frauen und Männern. Entsprechende
Rahmenrichtlinien sollen dazu beitragen die Einkommensunterschiede
verringern. Laut Schmidt verdienen über 30-jährige Frauen bis zu 30
Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Ziel sei es, den
Tarifparteien die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern zu
erleichtern.
In der Debatte über den fünften Regierungsbericht zum Anti-
Diskriminierungs- Übereinkommen der Vereinten Nationen äusserte
Schmidt, dass noch immer mehr Männer als Frauen in Führungspositionen
gelangten. Alarmierend sei auch, dass weniger als 14 Prozent der Mädchen
eine Ausbildung in der Informationstechnologie wählten.
SPD und Grüne zogen dennoch eine positive Bilanz ihrer Frauenpolitik.
So verpflichte das Betriebsverfassungsgesetz Unternehmen, die
Gleichstellung zu beachten. Durch die Flexibilisierung der Elternzeit
sowie den Rechtsanspruch auf Teilzeitbeschäftigung könnten Frauen
Beruf und Familie besser kombinieren. Schmidt kündigte an, eine
nationale Gleichbehandlungsstelle einzurichten.
Irmingard Schewe- Gerigk (Grüne) sagte, bei der private
Altersvorsorge dürfe es nicht dabei bleiben, dass Frauen für die
gleiche monatliche Rentenzahlung höhere Beiträge bezahlen müssten.
Die fraktionslose Petra Pau (PDS) setzte sich dafür ein, über
Parteigrenzen hinweg für Gleichberechtigung zu kämpfen.
13.
März 2003:
Familienministerin
und DIHK-Präsident für höheres Erziehungsgeld
Wirtschaft und Bundesregierung schlagen ein neues
Modell vor, um den Erziehungsurlaub für ArbeitnehmerInnen und
Unternehmen attraktiver zu machen. Das Einkommen während des
Erziehungsurlaubes soll demnach erhöht werden, wobei gleichzeitig die Bezugsdauer von
derzeit drei Jahren verkürzt werden würde. Diese Anregung machten
Familienministerin Renate Schmidt und der Präsident des Deutschen
Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, in der
"Financial Times Deutschland".
Hintergrund sei die Feststellung, dass in Nordeuropa die
Unterbrechungszeiten sehr viel kürzer seien, was es den Eltern leichter
macht, wieder in den Beruf zurückzukommen. Voraussetzung für
eine kürzere Elternzeit seien aber bessere Betreuungsmöglichkeiten für
Kinder unter drei Jahren.
Beide regten an, während des ersten Jahres der Elternzeit einen möglichst
hohen Teil des Lohnes zu ersetzen. So könnten vor allem auch mehr Männer
für den Erziehungsurlaub begeistert werden. Derzeit nehmen nur 2,4
Prozent aller Väter Erziehungsurlaub. Neben gesellschaftlichen
Akzeptanzproblemen sehen Braun und Schmidt einen Hauptgrund dafür
darin, dass der Einkommensverlust bei Männern höher ist als bei
Frauen.
10.
März 2003: Journalistinnen fordern Intendantin
Für 120 Journalistinnen aus Deutschland und Europa, die am 8./9. März
2003 in Leipzig tagten, stand fest: Es ist höchste Zeit, dass eine
unabhängige, qualifizierte, kompetente, sowohl im Journalismus als
auch in Führungsaufgaben erfahrene Frau an die Spitze einer
Rundfunkanstalt gewählt wird. Nach Ansicht der DJV-Frauen sollte sich
der Rundfunk Berlin-Brandenburg nicht nur in der regionalen und
programmlichen Positionierung neu ausrichten, sondern auch bei der
Besetzung des Intendantenpostens ein progressives Zeichen setzen. Der
DJV- Frauenkongress forderte den Rundfunkrat des RBB auf, diese Chance
am 24. März bei der Intendantenwahl zu nutzen. Die Zeit ist reif für
eine Intendantin, betonten die Kongressteilnehmerinnen anlässlich des
Internationalen Frauentages.
Beim zweitägigen Treffen der Journalistinnen ging es um das Thema
"FRAU MACHT MEDIEN - europaweit und grenzenlos". Die
Medienfrauen hoben in Leipzig ein DJV- Frauennetzwerk aus der Taufe.
Dieses soll zunächst auf bundesweiter Ebene dazu dienen, Erfahrungen,
berufliche Tipps, Hospitationsplätze u. ä. auszutauschen oder
anzubieten. Darüber hinaus soll das Netzwerk als Informationsforum für
das Thema "Equal pay for equal work" dienen. Das Thema ist
Teil eines Aktionsplans des Gender Council der Internationalen
Journalisten Föderation. Im Laufe des Jahres 2004 soll das DJV-
Frauennetzwerk über die Europäische Journalisten Föderation
an ein Europäisches Jounalistinnen-Netzwerk gekoppelt werden.
"Der diesjährige Kongress hat gezeigt, wie wichtig die
Vernetzung der Journalistinnen bundesweit, europaweit und
international ist. Es geht dabei um gleichberechtigte Chancen im
Berufsalltag, um Strategien zum Gender Mainstreaming in
Medienbetrieben und um die Europäische Verfassung, die sowohl für
die Presse- und Informationsfreiheit als auch für die Gleichstellung
von Mann und Frau neue Rahmenbedingungen setzen wird. Nur
gemeinsam und vernetzt können wir dabei weiter vorankommen",
erklärte die stellvertretende Bundesvorsitzende des DJV, Dr.
Mechthild Mäsker, zum Abschluss des Kongresses.
10.
März 2003: 94
Prozent
der befragten Frauen sind gegen Irak- Krieg
Nahezu alle deutschen Frauen lehnen nach
einer aktuellen Umfrage einen Krieg im Irak ab. In einer
Forsa-Befragung im Auftrag der Frauenzeitschrift "Woman"
sprachen sich 94 Prozent der weiblichen Befragten gegen einen Militärschlag
der USA aus, teilte die Zeitschrift in Hamburg mit. Bei den Männern
waren es 88 Prozent der insgesamt rund 1000 Befragten.
In der Zeitung bezogen auch prominente Frauen klar Stellung gegen einen
Krieg, wie ZDF-Moderatorin
Barbara Schöneberger, die Schauspielerinnen Senta Berger und Veronica Ferres sowie
Eiskunstläuferin Katarina Witt, Moderatorin Sonia Mikich und
Publizistin Alice Schwarzer.
08. März 2003: Stiftung
Archiv der deutschen Frauenbewegung gegründet
Am
08. März 2003 wurde in Kassel die "Stiftung
Archiv der deutschen Frauenbewegung" ins Leben gerufen.
Das Startkapital beträgt € 57.500 und setzt sich zusammen aus dem
Preisgeld des Elisabeth-Selbert-Preises, den das Redaktionsteam der
"Ariadne" 2001 erhalten hat, und aus Stiftungseinlagen von
zwanzig Gründungsstifterinnen.
Das bisher als Verein organisierte Archiv der deutschen Frauenbewegung
öffnete auf den Tag genau vor 19 Jahren seine Pforten. Inzwischen
beherbergt es eine Bibliothek mit 20.000 Büchern und über 800
Zeitschriftentiteln zur Frauengeschichte aus dem 19. und 20.
Jahrhundert, ein Fotoarchiv, eine Pressedokumentation und wertvolle
Archivbestände, so u. a. den Nachlass der Politikerin und Juristin
Elisabeth Selbert und von W.O.M.A.N., eine der wichtigen
Frauenfriedensorganisationen der Nachkriegszeit. Darüber hinaus
werden Forschungs-, Bildungs- und Kulturvorhaben initiiert und
durchgeführt und die eigene Zeitschrift "Ariadne - Forum für
Frauen- und Geschlechtergeschichte" herausgegeben.
Die Stiftung wird zunächst die sehr erfolgreiche Arbeit der letzten
zwei Jahrzehnte weiterführen und insbesondere den wertvollen
Bibliotheks- und Archivbestand dauerhaft absichern. Langfristig bietet
sie aber auch die Möglichkeit, neue Projekte zu initiieren. Neben dem
Ausbau der Forschungsarbeit und größeren Investitionen im Bereich
der Erwerbung – z. B. von interessanten Nachlässen – könnte die
Stiftung z. B. auch einen Preis für herausragende wissenschaftliche
Arbeiten auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechtergeschichte
aussetzen, Stipendien vergeben und vieles mehr.
Mit der Stiftungsgründung am 8. März 2003 verknüpfen die
Stiftungsfrauen die Hoffnung, der Geschichte der Frauenbewegungen
einen dauerhaften Ort zu sichern und darüber hinaus Freiräume für
kreative Forschungs-, Bildungs- und Kulturprojekte zu eröffnen. Um
ein blühendes Stiftungsleben entfalten zu können, sind weitere
Zustiftungen erhofft und erwünscht!
Weitere
Informationen: Archiv der deutschen Frauenbewegung,
Ansprechpartnerinnen: Dr. Gilla Dölle / Dr. Kerstin Wolff,
Gottschalkstraße 57, 34127 Kassel, Tel: 0561-9893670, Fax:
0561-9893672, email: frau-bib@hrz.uni-kassel.de
Internet: www.uni-kassel.de/frau-bib/welcome.html
08.
März 2003: Frauen
in aktueller Berichterstattung weniger präsent
Frauen
verschwinden sowohl als Nachrichtenmacherinnen als auch als -subjekte
zunehmend aus der Presse. Waren es 2002
noch 18,3 Prozent Frauen, die mit Namen und/ oder Bild auf den
vorderen Seiten der Tageszeitungen erschienen, betrug ihr Anteil am
Stichtag 2003 nur 13,4
Prozent. Bei den Onlinemedien fanden 27 Prozent Frauen namentlich Erwähnung,
34 Prozent betrug ihr Anteil an den Fotos. Über die Hälfte der
weiblichen Fotos zeigte jedoch Gesichter ohne Namen, wie zum Beispiel
Nacktaufnahmen von Models.
Zu
diesem Ergebnis kommt die diesjährige Erhebung des
Journalistinnenbundes, die am 31. Januar 2003 durchgeführt wurde.
Ausgewertet wurden dabei 13 überregionale und große regionale
Tageszeitungen sowie 15 Online-Versionen von Tageszeitungen bzw.
Internetzeitungen.
Einen
Grund für diese negative Entwicklung sieht der Journalistinnenbund in
der massiven (Vor-)Kriegsberichterstattung, die nach wie vor ein männliches
Geschäft ist.
Das
bundesweite Netzwerk medienschaffender Frauen beteiligt sich seit 1995
regelmäßig an internationalen Beobachtungen zur Entwicklung des
Frauenbildes in den Medien. Das letzte „Global Media Monitoring
Project“ (GMMP), an dem sich mehr als 70 Länder beteiligten, fand
im Februar 2000 statt. Das nächste ist für das Jahr 2005 geplant.
Zwischen den internationalen Aktionen wertet der Journalistinnenbund
alljährlich an einem Stichtag die wichtigsten deutschen Tages- und
Onlinezeitungen aus.
Mehr zu den Einzelergebnissen der Stichprobenerhebung 2003 und zum
GMMP unter: www.journalistinnen.de
08.
März 2003:
pro:fem
gegründet: Verbund Hamburger Frauen- und Mädcheneinrichtungen (e. V.
i. G.)
Hamburger
Frauen- und Mädcheneinrichtungen, die bereits eng im Hamburger
Frauenprojektetreffen und in der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik
Hamburg e. V. vernetzt waren, haben am 8. März 2003 „pro:fem -
Verbund Hamburger Frauen- und Mädcheneinrichtungen (e. V. i. G.) gegründet.
Sie wollen damit ihre Zusammenarbeit intensivieren und eine effektive
Vertretung der Interessen von Frauen und Mädchen in Hamburg schaffen.
Das in der Satzung erklärte Ziel, die Förderung und Weiterentwicklung
feministischer Frauen- und Mädchenarbeit in Hamburg hat nach Meinung
der Gründerinnen gerade durch die massiven Kürzungen durch den
Hamburger Senat in der frauen- und mädchenspezifischen
Angebotslandschaft an Bedeutung gewonnen.
So betrachten politische und behördliche EntscheidungsträgerInnen
frauenspezifische Angebote immer noch als Luxus und als
Randgruppenproblem. Die Entwicklung und Umsetzung von
geschlechtergerechten Qualitätsstandards für die Frauen- und Mädchenarbeit
und die daran geknüpfte gerechte Verteilung der gesellschaftlichen
Ressourcen würde verweigert. Deshalb sei es notwendig, weiter auf
die besonderen Belange und Lebensverhältnisse von Frauen und Mädchen
aufmerksam zu machen, für eine Gleichberechtigung für Frauen und Mädchen
einzutreten und den Erhalt und die Schaffung frauen- und mädchengerechte
Einrichtungen in Hamburg durchzusetzen.
Geplant sind in erster Linie Veranstaltungen, die im Sinne der
Zielsetzung der fachlichen Diskussion und dem Erfahrungsaustausch
dienen, die Vertretung und Durchsetzung fachlicher belange der Frauen-
und Mädchenarbeit gegenüber Behörden, politischen Parteien und
Gremien, der Presse und der übrigen Öffentlichkeit und die Förderung
und Koordination der Zusammenarbeit, der gegenseitigen Unterstützung
und des Erfahrungsaustausches der Mitglieder untereinander.
Zu den 18 Gründerinnen zählen u. a. Allerleirauh
e. V., amnesty for women e. V., hfb – DENKtRÄUME
(Frauen lernen gemeinsam e. V.), Intervention e.
V., LAG Mädchenpolitik Hamburg e. V. und der
Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e. V.
07.
März 2003: Zum Internationalen Frauentag
Forderungen nach Chancengleichheit
Zum Internationalen Frauentag haben Parteien,
Verbände und Menschenrechtsgruppen gleiche Löhne für Frauen wie Männer
gefordert. Noch immer seien Frauen nicht vollständig
gleichberechtigt, sagte Frauenministerin Renate Schmidt (SPD) am
Freitag in Berlin. In einer gemeinsamen Erklärung zum Frauentag an
diesem Samstag warnten die sieben Ministerinnen im Bundeskabinett vor
einer humanitären Katastrophe bei einem Irak-Krieg, die vor allem
Frauen treffe. Nach Angaben von Entwicklungsorganisationen leiden
weltweit vor allem Frauen unter Armut.
Schmidt kündigte an, in Deutschland eine nationale
Gleichstellungsstelle zur Beratung diskriminierter Frauen
einzurichten. Arbeitgeber und Gewerkschaften sollen bei der Beratung
eingebunden werden. Die im internationalen Vergleich großen
Lohnunterschiede sollen nach Worten Schmidts durch Gespräche mit den
Sozialpartnern verringert werden. Zudem werde die Bundesregierung die
Kinderbetreuung weiter fördern.
Die Bundesvorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer (CDU),
kritisierte die mangelnde Präsenz von Frauen in der Wissenschaft. Nur
jede neunte Professorenstelle habe eine Frau inne. Bildungsministerin
Edelgard Bulmahn (SPD) sagte, zwar sei inzwischen ein Viertel der
Juniorprofessorenstellen mit Frauen besetzt. Auch sie erklärte, das
sei noch nicht genug.
Die IG Metall bekräftigte ihre Forderung nach einem Gesetz zur
Gleichstellung von Frauen und Männern im Beruf. Bislang gebe es nur
in drei Prozent der Betriebe Frauenförderungspläne, kritisierte
Vorstandsmitglied Kirsten Rölke in Frankfurt/Main. Der Verband
deutscher Unternehmerinnen forderte in Berlin ein größeres Netz an
Ganztagsschulen und Kindergärten. Nur so könnten die rund eine
Million Unternehmerinnen in Deutschland Familie und Beruf besser unter
einen Hut bringen.
Zwei Drittel der weltweit 876 Millionen Analphabeten sind nach Angaben
der Entwicklungsorganisation "Care" Frauen. Mehr als 60
Millionen würden gar nicht erst eingeschult, teilte das UN-
Kinderhilfswerks UNICEF mit. In vielen Ländern müssen Mädchen und
Frauen zahlreiche Menschenrechtsverletzungen wie Beschneidungen und
Zwangsehen ertragen.
"Noch immer sind in vielen Ländern Frauen Opfer von Genitalverstümmelung",
sagte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller. Der
Bund setze sich "nachdrücklich dafür ein, dass diese
menschenunwürdige Praktik in allen Gesellschaften verboten
wird". Müller kündigte an, dass sich am Frauentag eine
Expertenrunde im Auswärtigen Amt mit der Überwindung der weiblichen
Genitalverstümmelung befassen werde.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR erneuerte seine Forderung,
geschlechtsspezifische, nichtsstaatliche Verfolgung im deutschen
Asylverfahren anzuerkennen. Die Flüchtlingshilfsorganisation
"Pro Asyl" appellierte an die Parteien, den Streit um ein
neues Zuwanderungsgesetz nicht auf Kosten geschlechtsspezifischer
Verfolgung auszutragen.
Laut einer Studie im Auftrag der Pariser Frauenzeitschrift
"Elle" sind zwischen den Geschlechtern
"Neuverhandlungen" nötig. Nach drei Jahrzehnten weiblicher
Emanzipation seien viele Männer mit den Nerven am Ende, fühlten sich
abgewertet, hieß es.
07. März 2003: Ministerinnen
fordern friedliche Lösung des Irak-Konflikts
Mit Blick auf den Internationalen Frauentag haben
die Bundesministerinnen eine friedliche Lösung des Irak-Konflikts
gefordert. Ein Krieg werde "fürchterliche Folgen" für die
Zivilbevölkerung und dabei besonders für Frauen und Kinder haben,
erklärten die Bundesministerinnen Renate Künast (Grüne), Renate
Schmidt, Edelgard Bulmahn, Ulla Schmidt, Heidemarie Wieczorek-Zeul,
Brigitte Zypries und Staatsministerin Christina Weiss (alle SPD) in Berlin. "Es besteht die Gefahr, dass es vor allem
Frauen sein werden, die mit ihren Kindern den Bomben und Granaten
ausgeliefert sind, die als lebende Schutzschilder für einen
verbrecherischen Diktator missbraucht werden, die um das Überleben
ihrer Familien ringen, die im Flüchtlingselend ihre verängstigten
Kinder zu trösten versuchen." Die Ministerinnen betonten, 50
Prozent der irakischen Bevölkerung seien Kinder unter 15 Jahren.
07.
März 2003: Drogensucht bei Frauen oft durch
Gewalterfahrungen ausgelöst
Die Drogen- und Alkoholsucht bei Frauen wird in vielen Fällen durch
Gewalterfahrungen in der Kindheit und sexuellen Missbrauch verursacht. Demnach wurde die Hälfte der befragten Frauen -
meist schon als Kind - geschlagen oder anders körperlich misshandelt.
30 Prozent wurde noch vor dem 16. Lebensjahr sexuelle Gewalt angetan,
häufig kamen die Täter aus der eigenen Familie. Das ergab eine Studie des Bremer Instituts für Präventionsforschung
und Sozialmedizin, die das Bundesgesundheitsministerium in
Berlin veröffentlichte.
Als Grund für ihren Drogenkonsum nannten die Frauen an erster Stelle
den Wunsch, schlechte Erfahrungen vergessen zu wollen. Die Frauen
waren auch überdurchschnittlich selbstmordgefährdet. So hatte ein
Drittel bereits einen Suizidversuch hinter sich. Befragt wurden 908
alkohol- und drogensüchtige Frauen. Die Studie wurde vom Bremer
Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS) im
Auftrag des Ministeriums erstellt.
Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sind 400 000
bis 530 000 Frauen alkoholabhängig, bis zu 60 000 Frauen sind heroin-
oder kokainsüchtig. Eine Million Frauen konsumierten Medikamente in
"problematischer Weise", rund 2,5 Millionen Frauen seien abhängige
Raucherinnen.
07.
März 2003: Psychische Störungen bei
Jugendlichen nehmen zu
Psychische Störungen bei Jugendlichen haben in den vergangenen Jahren
drastisch zugenommen. Unter anderem steigen Essstörungen bei Mädchen
und zunehmend auch bei Jungen immer mehr an, wie die Psychologin Inge
Seiffge- Krenke zum Beginn des Kongresses für Jugendmedizin
in Weimar erklärte. Stark zugenommen haben demnach vor allem bei Mädchen
auch Depressionen und Angststörungen, während bei Jungen Verhaltens-
und emotionale Störungen wie Drogenkonsum und antisoziales Verhalten
verstärkt auftreten.
Auch die Suizidraten männlicher Jugendlicher
zwischen 15 und 24 Jahren stiegen in den vergangenen Jahren deutlich
an; Selbstmord ist in dieser Altersklasse die zweithäufigste
Todesursache.
07.
März 2003: Katholischer Frauenbund startet Geschlechter-Aktion
"Damit
Männer und Frauen die Wahl haben!", so lautet die Aktion des Katholischen Frauenbundes zum Internationalen
Frauentag. Ob im
politischen oder privaten Bereich: Ziel sei es, Gerechtigkeit zwischen
und innerhalb der Geschlechter zu ereichen. Männlichkeit und Weiblichkeit sind in jeder Kultur mit Vorstellungen
und Erwartungen verknüpft, ohne in einem zwingenden Zusammenhang mit
dem biologischen Geschlecht zu stehen. Dieses "soziale
Geschlecht" wird als Gender bezeichnet. Durch Gender
Mainstreaming soll eine Gesellschaft jeder Person den Freiraum bieten,
sich unabhängig von sozialen Rollenvorstellungen ganz nach ihren
individuellen Möglichkeiten und Vorstellungen zu entwickeln. Erst
dann wird "Wofür entscheiden Sie sich heute?" zu einer
selbstverständlichen Frage.
Die groß angelegte Plakataktion vom Katholischen Deutschen Frauenbund
will deutlich machen, dass bei
Gender Mainstreaming sowohl Männer als auch Frauen im Blickpunkt
stehen und echte Gleichstellung der Geschlechter angestrebt wird.
Die Aktion des mit knapp 200.000 Mitgliedern größten bayerischen
Frauenverbandes wird unterstützt durch die Leitstelle für die
Gleichstellung von Frauen und Männern des Bayerischen
Sozialministeriums.
Das Plakat ist über den Internationalen Frauentag
hinaus einsetzbar und kann bestellt werden bei: Bayerischer
Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes, Schraudolphstraße
1, 80799
München oder
über www.frauenbund-bayern.de
07.
März 2003: Deutlich mehr Ärztinnen an Krankenhäusern - aber wenige
leiten
Die Zahl der Ärztinnen an den Krankenhäusern ist
von 1991 bis 2001 deutlich gestiegen, allerdings nicht bei den
leitenden Ärzten. In den zehn Jahren bis 2001 habe sich die Zahl der
hauptamtlichen Ärztinnen um 15,9 Prozent auf 113.593 erhöht laut
Angaben des Statistischen Bundesamtes. Damit
sei der Anteil der Frauen auf Arztposten in Krankenhäusern um 3,6
Punkte auf 34 Prozent gestiegen.
Beim leitenden ärztlichen
Personal blieb der Anteil mit lediglich sieben Prozent praktisch unverändert.
Der Anteil der Oberärztinnen stieg derweil um 1,4 Prozentpunkte auf
21,2 Prozent. Nur bei den Assistenzärzten erhöhte sich der Anteil
der Frauen merklich um 4,6 Prozentpunkte. Hier erreichen die Ärztinnen
mit 42,2 Prozent ihren größten Anteil.
07.
März 2003:
Renate
Schmidt: Frauen noch nicht gleichberechtigt - sie erhalten weniger Lohn
als Männer
Frauen in Deutschland sind
auch nach mehr als 90
Jahren Kampf für ihre Rechte nach Ansicht von Bundesfrauenministerin
Renate Schmidt (SPD) nicht gleichberechtigt. Frauen seien zwar heute
in den Parlamenten und der Regierung selbstverständlich vertreten, dennoch
verdienen Frauen finanziell deutlich weniger als Männer, und nur elf Prozent der Frauen
sind in Führungspositionen.
Zugleich verwies Schmidt auf erste Erfolge der rot-grünen
Bundesregierung, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren, wie
den Anspruch auf Teilzeitarbeit und die neue
Elternzeitregelungen.
Schmidt bedauerte, dass es immer noch in erster Linie Frauen seien,
die die Elternzeit in Anspruch nehmen. Der Anteil der Väter in
Elternzeit stagniert bei 2,4 Prozent.
Schwerpunkt der Familienpolitik in dieser Legislaturperiode werde
deshalb ein besseres Kinderbetreuungsangebot sein, kündigte die
Ministerin an. Familie sei in der jungen Generation keineswegs ein
Auslaufmodell, wie die Ergebnisse der 14. Shell-Studie belegten.
"In Westdeutschland wünschen sich knapp 70 Prozent der
nichterwerbstätigen Mütter mit Kindern bis zu 12 Jahren die Aufnahme
einer Erwerbsarbeit, wenn es ein entsprechendes Angebot an Plätzen in
Kindertageseinrichtungen gibt", sagte Schmidt.
06. März 2003:
PISA-Forscher:
Mutter zu Hause ist keine Garantie für Schulerfolg
Die 432-Seiten starke dritte
PISA-Auswertung von 50.000 Schülertests in Deutschland enthält eine
Fülle neuer Details.
Das klassische deutsche Familienbild mit der nicht- berufstätigen Mutter zu Hause bedeutet für Kinder keinen
Lernvorteil. "Mütterliche Berufstätigkeit" sei kein
"Risikofaktor für die Entwicklung der Heranwachsenden",
fanden die ForscherInnen heraus. Im Osten gehen sogar die Kinder von
berufstätigen Müttern viel häufiger zum Gymnasium als andere. Als
Grund gilt die gute Vorbildung der Mütter. Keine Schulnachteile
fanden die ForscherInnen auch bei Kindern aus so genannten Patch-Familien, wo
einer der beiden Erwachsenen nicht leiblicher Vater oder leibliche
Mutter ist. Einzelkinder haben generell deutlich bessere
Bildungschancen als Kinder mit drei und vier Geschwistern. Bei zwei
Geschwistern gab es hingegen keine Unterschiede.
Mädchen gehen inzwischen häufiger aufs
Gymnasium als Jungen (Bundesweit 55:45 Prozent). In den neuen Bundesländern
werden die Jungen an den Gymnasien eher schon "Mangelware".
In Brandenburg sind es nur noch 42 Prozent. Kein Ost-Land kommt über
einen Jungenanteil von 44 Prozent.
Ein Ausländeranteil von 20 Prozent in der Schule kann zu
einer "sprunghaften" Verringerung des Lernniveaus führen.
Wird eine
solche Schule mit einer anderen verglichen, die nur über einen
Migrantenanteil von 5 Prozent verfügt, fand sich ein Lernnachteil von
etwa vier Monaten. Steigert sich der Ausländeranteil dagegen auf 40
Prozent, ergaben sich keine weiteren Nachteile - offensichtlich eine
Folge der dann eingesetzten speziellen Fördermaßnahmen. Diese würden
aber oft zu spät einsetzen, kritisieren die Forscher. Die Studie räumt
zudem mit dem Vorurteil auf, dass vor allem die Ausländerkinder
Ursache für das schlechte internationale Abschneiden der deutschen
Schulen sind. Auch wenn man die Ausländerkinder herausrechnet, bleibt
das deutsche Leistungsniveau nur Mittelmaß - und liegt weiter mit
deutlichem Abstand hinter PISA-Spitzenländern wie Schweden, das über
eine ähnliche Ausländerstruktur wie Deutschland verfügt.
Während die 15-Jährigen aus
Nordrhein-Westfalen, Bremen, Baden- Württemberg und Bayern größte
Bereitschaft zum gesellschaftlichen Engagement zeigten, halten sich
die Jugendlichen aus allen neuen Ländern auffällig zurück. Als Erklärung
reiche dafür die schwierigere wirtschaftliche Situation im Osten
nicht aus. Die geringe Bereitschaft vor allem der Jungen, soziale
Verantwortung zu übernehmen und die "erhöhte
Aggressionsbereitschaft" sollten Anlass sein, "soziale
Lernziele" besser im Unterricht zu verankern.
Erstmals wird in in dieser dritten PISA-Studie
Kritik an der Zergliederung des deutschen Schulsystems in Hauptschule,
Realschule, Gymnasium und Gesamtschule geübt, das sich durch
verschiedene politische Schwerpunkte in den 16 Ländern noch weiter
auseinander entwickelt habe. Dabei sei das Leistungsprofil auch
innerhalb einer Schulform quer durch die Länder nicht einheitlich.
Die frühe Aufteilung der Kinder nach der vierten Schulklasse auf
unterschiedliche Schulformen verschärfe die soziale Selektion.
07.
März 2003: Weltgebetstag
der Frauen begangen - eine Million Teilnehmerinnen
In zehntausenden Kirchengemeinden haben Gläubige
in Deutschland am Freitag den Weltgebetstag der Frauen begangen. Nach
Angaben des Deutschen Komitees des Weltgebetstags kam eine Million
Menschen zu ökumenischen Liturgiefeiern zusammen.
Christliche Frauen aus dem Libanon hatten die Liturgie vorbereitet.
Darin berichteten sie von der schwierigen politischen, sozialen und
wirtschaftlichen Situation in ihrer Heimat. Ein Teil der Kollekte geht
an Frauenprojekte im Libanon.
Den Weltgebetstag feiern Frauen in mehr
als 170 Ländern jedes Jahr am ersten Freitag im März.
06.
März 2003: Bischöfin
übernimmt Ehrenamt für Kriegsdienstverweigerer
Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann wird
Präsidentin der Zentralstelle für Recht und Schutz der
Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen (Zentralstelle KDV) in
Bremen. Käßmanns
Vorgängerin Renate Schmidt (SPD) hatte das Ehrenamt mit ihrer
Berufung zur Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend niedergelegt. Die Zentralstelle KDV ist eine gemeinsame
Einrichtung von 26 Beratungsverbänden für Kriegsdienstverweigerer.
06. März 2003: Jede
dritte Frau versorgt Kinder im Haushalt
Gut jede dritte Frau in Deutschland versorgt
Kinder in ihrem Haushalt. Die Lebensformen dieser rund 12,1 Millionen
Frauen in Ost und West sind jedoch unterschiedlich: In den alten
Bundesländern sind 82 Prozent der Mütter verheiratet, 15 Prozent
erziehen alleine Kinder, und 3 Prozent leben in einer nichtehelichen
Lebensgemeinschaft, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.
Von den Müttern in Ostdeutschland sind nur 71 Prozent verheiratet,
jede fünfte ist allein erziehend, und 9 Prozent leben in einer
Lebensgemeinschaft.
Bei 22,4 Millionen der 34,5
Millionen volljährigen Frauen leben keine Kinder mehr, oder sie haben
noch keine Kinder. 43 Prozent dieser Frauen sind verheiratet, 35
Prozent - meist ältere - leben allein.
Die zum Weltfrauentag veröffentlichten
Zahlen stammen aus dem April 2001.
04.
März 2003, Frauen
verdienen immer noch deutlich weniger als Männer
Frauen verdienen nach Angaben des Statistischen
Bundesamtes immer noch deutlich weniger als Männer. Vollbeschäftigte
weibliche Angestellte im Produzierenden Gewerbe, im Handel, im Kredit-
und Versicherungsgewerbe bekamen 2002 durchschnittlich 30 Prozent
weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. 2.517 Euro brutto standen
im Schnitt auf ihrem Gehaltszettel.
Bei den Arbeiterinnen im Produzierenden Gewerbe blieb der Lohn mit 1.837
Euro pro Monat um 26 Prozent unter dem der Männer.
Der Unterschied zwischen Männern und Frauen war in den neuen Ländern
deutlich geringer als im früheren Bundesgebiet: So verdienten die
weiblichen Angestellten in den Ost-Bundesländern durchschnittlich
2095 Euro und damit 23 Prozent weniger als die Männer. Die
Arbeiterinnen wurden im Schnitt mit 1481 Euro monatlich entlohnt - 22
Prozent weniger als ihre Kollegen.
Hauptgrund für die unterschiedliche Bezahlung sind die Tätigkeiten
und Eingruppierungen: So waren im vergangenen Jahr 40 Prozent der männlichen,
aber nur 14 Prozent der weiblichen Angestellten in Deutschland der
Leistungsgruppe II zugeordnet. Diese Gruppe umfasst verantwortliche Tätigkeiten
und setzt besondere Erfahrungen voraus. Bei den Arbeitern waren 59
Prozent der Männer Fachkräfte, aber nur 13 Prozent der Frauen.
Der Unterschied bei der Bezahlung der Geschlechter war 2001 etwa
genauso hoch wie 2002: Bei den Angestellten betrug er 29,5 Prozent und
bei den Arbeitern 26,2 Prozent.
04.
März 2003: TERRE
DES FEMMES e. V.: Zwangsheirat nicht totschweigen
Die Zwangsverheiratung junger Frauen in
Deutschland darf nach Überzeugung der Frauenrechtsorganisation TERRE
DES FEMMES nicht totgeschwiegen werden. Frauenfeindliche Traditionen
sollen angesprochen werden, weil jegliche Kultur ihre Grenzen in den
allgemeinen Menschenrechten hat.
Unter Zwangsheirat ist die Verheiratung einer Frau gegen ihren Willen
zu verstehen, die in den meisten Fällen mit psychischer und/oder
physischer Gewalt verbunden ist.
Das Thema ist in den vergangenen Jahren sichtbarer geworden, da Mädchen
sich verstärkt gegen Zwangsverheiratung wehrten und um Hilfe bemühten.
Zwangsverheiratung ist in allen Religionsgruppen zu finden, von
Moslems über Christen hin zu Hindus. In Deutschland treten nach den
Erfahrungen des Vereins die meisten Probleme in türkischen Familien
auf, da die TürkInnen die größte Gruppe der MigrantInnen stellen. Mädchen
würden beispielsweise in den Sommerferien in die Türkei gebracht und
dort in einer religiösen Zeremonie mit ihnen unbekannten, sehr viel
älteren Männern verheiratet. Zwar sei die Zivilehe in der Türkei
erst mit 18 Jahren möglich, diese religiöse Variante werde aber
gesellschaftlich auch anerkannt. Die Religion wird dabei missbraucht,
um bestimmte Traditionen zu legitimieren. Nach dem Islam ist eine
Zwangheirat nicht erlaubt.
Die diesjährige Kampagne von Terre des Femmes gegen Zwangsheirat
beinhaltet auch eine Fortbildung für LehrerInnen. Bei Erfolg des
Pilotprojektes will die Frauenrechtsorganisation sich um Mittel für
bundesweite Aufklärungsaktionen beim Bundesfamilienministerium bemühen.
TERRE DES FEMMES e. V.: http://www.frauenrechte.de
25.
Februar 2003: Geschäftstelle Gender Mainstreaming hat in Berlin
Arbeit aufgenommen
Wie der Landespressedienst der Berliner
Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen mitteilte, hat
seit Jahresbeginn die Geschäftsstelle Gender Mainstreaming ihre
Arbeit aufgenommen. Sie ist zuständig
für die Erarbeitung, Umsetzung und Evaluation des Gender
Mainstreaming- Konzepts des Senats in den Berliner Verwaltungen,
betreut die Dienststellen fachlich und berichtet an das
Abgeordnetenhaus. Im April 2003 sollen die ersten Pilotprojekte in den
Berliner Haupt- und Bezirksverwaltungen beginnen. Diese bei
Staatssekretärin Susanne Ahler angesiedelte Stabsstelle fungiert als Geschäftsstelle
der geplanten Landeskommission Gender Mainstreaming. Geleitet wird die
Dienststelle von Dr. Ute Weinmann. Weinmann studierte Sozialwissenschaften an der FU Berlin,
arbeitete 1978 bis 1980 in der wissenschaftlichen Begleitforschung des
ersten deutschen Frauenhauses in Berlin und wurde 1987 an der FU
Berlin promoviert. Nach Forschungs- und Lehraufenthalten an den
Universitäten Frankfurt und Gießen und an der Fachhochschule
Wiesbaden leitete sie von 1990 bis 2000 das Referat Frauenpolitik in
der damaligen Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen. In
den vergangenen beiden Jahren arbeitete Dr. Weinmann an der Universität
Dortmund, Fachbereich Rehabilitationswissenschaften.
Kontakt Geschäftsstelle Gender Mainstreaming: Dr. Ute Weinmann (Leiterin) 030-9013-8102 ;
Elvi Strache 9013-8917; Dr. Mandane Manko 9013-8918; Martina Baude
9013-8917; Liane Kock 9013-8919.
24.
Februar 2003: FDP
plant Stiftung gegen Diskriminierung von homosexuellen Menschen
Die FDP will eine Stiftung gegen die
Diskriminierung homosexueller Männer und Frauen ins Leben rufen. Die
nach dem Berliner Arzt und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld
benannte Stiftung soll auch die Geschichte homosexuellen Lebens in
Deutschland erforschen und an die Verfolgung Homosexueller durch die
Nationalsozialisten erinnern. Einen entsprechenden Gesetzentwurf
wollen die Liberalen in den Bundestag einbringen. Das Stiftungsvermögen
soll 15 Millionen Euro betragen.
Aufgabe der Stiftung sei, homosexuelles Leben in Deutschland
wissenschaftlich zu erforschen und darzustellen, die
nationalsozialistische Verfolgung Homosexueller in Erinnerung zu
halten und der Diskriminierung homosexueller Männer und Frauen
entgegenzuwirken. Außerdem soll die Stiftung die
"Menschenrechtsarbeit im Ausland unterstützen und das Gedenken
an Leben und Werk Magnus Hirschfelds pflegen".
17.
Februar 2003: Frauenprotest im Abschiebegefängnis Berlin- Köpenick/
Grünau
Ein Großteil von rund vierzig
im Abschiebegewahrsam inhaftierte Frauen protestieren mit einem
Protestschreiben gegen unzumutbare Haftbedingungen. Kritisiert werden
vor allem lange Bearbeitungszeiten, die Ausdehnung der Haftdauer auf
Grund von Dokumentenverlust seitens der BeamtInnen oder wegen zu
langsamen Reagierens seitens der Botschaften. Außerdem seien
Schwangere und kranke Frauen inhaftiert trotz unzureichender
ärztlicher Versorgung und unhygienischen Zuständen in den Zimmern
und Toiletten. Erwähnt werden auch Willkür, Schikanen und physische
Gewalt seitens der WärterInnen.
Bereits am 13. Februar 2003 fand vor dem Abschiebegefängnis eine
Solidaritätskundgebung mit über 100 TeilnehmerInnen statt. Kontakt
mit den protestierenden Frauen: Telefon: 030-7857281.
17.
Februar 2003: Bärbel Görcke jüngste evangelische Äbtissin
Deutschlands
Die
38-jährige Bärbel Görcke im evangelischen Kloster Mariensee in
Neustadt am Rübenberge bei Hannover ist kürzlich jüngste
evangelische Äbtissin Deutschlands geworden. Sie wurde am 16.
Februar 2003 in ihr Amt eingeführt. Görcke wurde in Göttingen
geboren, arbeitete als Krankenschwester in der Pflege für Aidskranke
und studierte Theologie und Erwachsenenbildung. In dem von ihr
geführten Damenstift leben derzeit sechs Frauen im Alter zwischen 58
und 80 Jahren. Insgesamt kann das Kloster 12 Frauen aufnehmen.
Strenge Regeln wie in katholischen Klöstern sind dem Damenstift
fremd. Zwar müssen die Frauen allein stehend sein, jedoch die
Pflichten wie Keuschheit, Gehorsam und Armut gelten für sie nicht.
Die Frauen bewohnen eigene Wohnungen im Kloster. Im Alltag wird ganz
normale Kleidung getragen und die Frauen können ihre Berufe weiter
ausüben. Bisher kommen die Frauen einmal in der Woche zu einem
Gottesdienst und einer Andacht zusammen.
Das evangelische Kloster Mariensee bei Hannover wird neben 16
weiteren Klöstern und Stiften in Niedersachsen von der Landesbehörde
betreut. Die ehemals katholischen Nonnenklöster standen in der
Reformationszeit vor dem Aus und hatten deshalb im Lauf des 16.
Jahrhunderts das evangelische Bekenntnis angenommen.
13. Februar 2003: Fischer kritisiert
Änderungsanträge der Union, die keine frauenspezifischen
Asylgründe vorsehen
Die nordrhein-westfälische Frauenministerin Birgit Fischer (SPD) hat
der Union vorgeworfen, misshandelten Frauen aus dem Ausland ein
Bleiberecht verwehren zu wollen. Dies ergebe sich aus den Forderungen
der unionsgeführten Bundesländer zum neuen Zuwanderungsgesetz, so
die Ministerin. "Frauen, die vor Zwangsbeschneidungen,
Zwangsabtreibungen, Vergewaltigung oder sexuellem Missbrauch fliehen,
dürfen nicht abgeschoben werden", forderte Fischer. "Wer
schutzlose Frauen abschieben will, handelt unmenschlich."
Die Änderungsanträge zum Zuwanderungsgesetz will die Union am 13. Februar
2003 in den Bundesrat einbringen. Der Gesetzesentwurf zur Zuwanderung
sieht für verfolgte Frauen deutlich mehr Rechte als bisher vor. Der
Entwurf war jedoch im Dezember 2002 aus formalen Gründen vom
Bundesverfassungsgericht für ungültig erklärt worden.
Bislang wird Ausländerinnen in Deutschland nur Asyl gewährt, wenn
sie nachweisen können, dass sie in ihrer Heimat aus politischen Gründen
verfolgt werden, nicht auch aus geschlechtsspezifischen Gründen.
12. Februar 2003: Keine
Familienversicherung für besser verdienende Paare
Besser
verdienende Ehepaare können ihre Kinder auch künftig nicht
beitragsfrei in der gesetzlichen Krankenkasse mitversichern lassen.
Das Bundesverfassungsgericht wies am 12. Februar 2003 die
Verfassungsbeschwerde einer Mutter ab. Die pflichtversicherte Frau
wollte ihren minderjährigen Sohn mitversichern lassen. Nach geltendem
Recht ist ihr das verwehrt, weil ihr Mann als Beamter mehr als sie
verdient und privat versichert ist. Weil unverheiratete Paare von der
Regelung nicht betroffen sind, sah die Frau den im Grundgesetz
garantierten Schutz der Ehe verletzt. (Aktenzeichen: 1 BvR 624/01 vom
12. Februar 2003)
Dieses Argument überzeugte die Karlsruher RichterInnen nicht. Zwar
sei es der Gesetzgeberin untersagt, die Ehe gegenüber anderen
Lebensgemeinschaften zu diskriminieren. Betrachte man jedoch die
Regelungen der Familienversicherung insgesamt, dann seien Eheleute
nicht schlechter gestellt als ledige Paare.
Die allgemeine Tendenz des Gesetzes ziele auf den Ausgleich
familiärer Belastungen und bringe neben Nachteilen auch Vergünstigungen
für Verheiratete mit sich - zum Beispiel die Möglichkeit, den
Partner beitragsfrei mitzuversichern. Zudem seien eheliche Kinder
besser durch Unterhaltsansprüche abgesichert. Deshalb sei eine
"punktuelle gesetzliche Benachteiligung" hinzunehmen, heißt
es in dem Urteil. Von dem Ausschluss betroffen sind nach Klägerangaben
rund 160.000 Kinder.
Der Erste Senat billigte der Gesetzgeberin Gestaltungsfreiheit in
Fragen der Krankenversicherung zu. Zwar folge aus dem Grundgesetz eine
"allgemeine Pflicht des Staates zur Förderung der Familie".
Konkrete Ansprüche auf bestimmte staatliche Leistungen könnten
daraus jedoch nicht hergeleitet werden.
Derzeit sind Eheleute von der Familienversicherung ausgeschlossen,
wenn der Partner/die Partnerin mit dem höheren Einkommen mehr als 3.825
Euro pro Monat verdient und privat versichert ist. Bundesweit sind
rund 14,6 Millionen Kinder und fast 7 Millionen EhepartnerInnen - überwiegend
Frauen - beitragsfrei mitversichert. Für Leistungen aus der
Familienversicherung geben die Kassen jährlich mehr als 15 Milliarden
Euro aus.
Das Bundesgesundheitsministerium sieht sich durch den Karlsruher
Spruch bestätigt. Es hatte in der mündlichen Verhandlung im November
die Beschränkung der Regelung auf Ehepaare damit gerechtfertigt, dass
das Bestehen einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft nur mit beträchtlichem
Verwaltungsaufwand feststellbar sei. Die Zahl der nichtehelichen
Kinder, die vom derzeitigen Zustand profitieren, bezifferte das
Ministerium mit 5000 bis 7000. Der Bundesverband der
Betriebskrankenkassen (BKK) begrüßte das Urteil. Karlsruhe habe der
"Rosinenpickerei" bei der Wahl der Krankenversicherung eine
Absage erteilt.
Das Gericht hatte auch keine Einwände dagegen, dass die beitragsfreie
Mitversicherung den Paaren mit höherem Verdienst vorenthalten wird.
Die Regelung diene dem sozialen Ausgleich zur Entlastung der Familie.
Weil wirtschaftlich leistungsfähigere Versicherte weniger schutzbedürftig
seien, habe der Gesetzgeber die Vergünstigung vom Einkommen abhängig
machen dürfen. Infos: Bundesverfassungsgericht: www.bverfg.de
06. Februar 2003: Studie bestätigt:
Frauen in Altersversorgung benachteiligt
Eine
neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung bestätigt, dass die mangelnde Verzahnung
von Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik für die Frauen in
Deutschland und Frankreich zu Nachteilen in der Rentenversorgung
führt.
Die Sozialwissenschaftlerin Mechthild Veil und der Rentenexperte Bert
Rürup verweisen
in ihrer Studie darauf, dass trotz
erheblicher Unterschiede
bei den beruflichen Möglichkeiten für Mütter Frauen in beiden
Ländern im Alter durchschnittlich deutlich niedrigere Versichertenrenten
bekämen als Männer.
Obwohl
Frankreich durch seine Familienpolitik und staatliche Hilfen die
Erwerbstätigkeit von Müttern fördere, seien die geschlechtsspezifischen
Unterschiede bei den Rentenzahlungen im Nachbarland
nicht wesentlich geringer als in der Bundesrepublik. In
Frankreich erhielten Frauen 60 Prozent des Niveaus der Männer,
in Deutschland 50 Prozent.
Die
Gründe seien vielseitig. Zum einen existiere
in Frankreich der "Terror der 40 Versicherungsjahre" für eine
abschlagfreie Rente mit 60. Bei weniger Zeit gebe es hohe Abstriche
an der Grundzahlung. Insgesamt haben Frauen den Angaben zufolge im
Schnitt gut 30 Versicherungsjahre, im
Vergleich zu 41 bei Männern. In Deutschland seien es nur gut 25 beziehungsweise
rund 39 Jahre im Westen und gut 40 sowie 43 Jahre im Osten.
Das Ziel einer eigenständigen Alterssicherung von Frauen müsse, so
Mechthild Veil, über
kompensatorische Regelungen im Rentenrecht erreicht werden. Für
die Bundesrepublik hieße das, Kindererziehungszeiten auszubauen, zusätzliche
Reformen in Richtung einer Mindestrente anzugehen und auf einheitliche
Tarife für beide Geschlechter in der kapitalgedeckten betrieblichen
Vorsorge zu setzen. Für Frankreich bedeute dies eine größere
Zielgenauigkeit und Einheitlichkeit in den kinderbezogenen Rentenleistungen
zu erreichen, die harte Schwelle der 40 Jahre abzuschaffen
sowie die Kassen und ihre Leistungen in der beruflichen Absicherung
stärker zu vereinheitlichen. In
Deutschland seien mehr Einrichtungen für die Kleinkindbetreuung notwendig,
wie sie in Frankreich seit langem bestünden. Denn
nach wie vor bilde die Erwerbstätigkeit die eigentliche Grundlage
dafür, dass sich Frauen für das Alter eine eigene Existenzsicherung
aufbauen könnten. Die Versorgung der weiblichen Bevölkerung
müsse deshalb auf einer stärkeren Koppelung von Arbeitsmarkt-
und Rentenpolitik beruhen. Darin könne Frankreich als Vorbild
dienen. Auch Rürup betonte, die wichtigste Ursache für Armut seien
nicht so sehr hohe Kinderzahlen als vielmehr die mangelnden Möglichkeiten,
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.
06. Februar 2003: Internet
in 16 Millionen Haushalten - Alter und Bildung entscheidend
Das statistische Bundesamt hat ermittelt, dass es
2002 in insgesamt 16 Millionen deutschen Haushalten einen Zugang zum
Internet gab. Das seien 43 Prozent aller Haushalte. Im europäischen
Durchschnitt waren es nur 40 Prozent. Vor allem junge Menschen und gut
Ausgebildete surfen im Netz.
Der Anteil der Internetnutzerinnen lag der Studie zufolge bei 41
Prozent, die der Männer bei 52 Prozent. Von den Unternehmen in Deutschland
nutzten 62 Prozent das Internet.
Die StatistikerInnen hatten im ersten
Quartal 2002 in einer Pilotstudie 5.000 Haushalte und rund 6.700
Unternehmen befragt.
06.
Februar 2003: Korrigierte Rechtsprechung: Schwangerschaft darf bei
Einstellungsverfahren generell verschwiegen werden
Generell haben Frauen das Recht, bei
Einstellungsverfahren eine bestehende Schwangerschaft zu verschweigen.
Das entschied das Bundesarbeitsgericht (BAG) am 06.02.2003 in Erfurt (Az.:
2 AZR 621/01).
Damit folgte das höchste deutsche Arbeitsgericht dem Europäischen
Gerichtshof (EuGH).
Erfolgreich geklagt hatte eine Frau aus Leipzig. Eine Wäscherei hatte
ihren unbefristeten Arbeitsvertrag als Wäschereigehilfin als nichtig
angesehen und ihr zudem "arglistige Täuschung" vorgeworfen,
weil sie ihre Schwangerschaft nicht angegeben hatte. Nach Auffassung
der Erfurter Richter ist das Verschweigen der Schwangerschaft nicht
als arglistige Täuschung zu werten, weil die Frage nach der
Schwangerschaft unzulässig ist. Sie stelle eine verbotene
Diskriminierung wegen des Geschlechts dar, begründete der zuständige
2. Senat seine Entscheidung. Dies gelte auch für den Fall, dass die
vereinbarte Tätigkeit während der Schwangerschaft wegen eines
mutterschutzrechtlichen Beschäftigungsverbotes zunächst nicht ausgeübt
werden könne. Das Beschäftigungshindernis sei in diesen
Fällen vorübergehender Natur und führe nicht zu einer dauerhaften
Störung des Vertragsverhältnisses. Damit folgte das BAG der
Rechtsprechung des EuGH und räumte den Frauen bei der Frage nach
einer Schwangerschaft mehr Möglichkeiten als bislang ein. Bisher
hatten die deutschen Richter in dem Fall, wo es um bestimmte Beschäftigungen
geht, in der Regel zu Gunsten der ArbeitgeberInnen entschieden. Bei
bestimmten Beschäftigungen musste eine Schwangerschaft angegeben
werden. Dies galt etwa bei einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung.
06.
Februar 2003: Erstmals eine Frau an der Spitze des Instituts für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der
Bundesanstalt für Arbeit (IAB) wird erstmals in seiner Geschichte von
einer Frau geführt. Prof. Jutta Allmendinger, Ph. D., hat am 01.
Februar 2003 die Leitung des IAB für zunächst fünf Jahre
übernommen. Die
Soziologin tritt die Nachfolge von Prof. Dr. Gerhard Kleinhenz an.
|
Allmendingers
akademische Laufbahn führte nach dem Studium in Mannheim
über die Universitäten Harvard, Frankfurt und Berlin nach
München, wo sie einen Lehrstuhl für Soziologie an der
Ludwig- Maximilians- Universität inne hatte. Sie will im IAB
mit der verstärkten Analyse von bildungs- und
sozialpolitischen Fragen neue Akzente setzen. Intensive
Kontakte zu Verwaltung und Selbstverwaltung der BA, zu
Politik, Verbänden und Öffentlichkeit möchte Allmendinger
zur wissenschaftlichen Politikberatung nutzen. Als Mitglied
der neu gegründeten Familienkommission des Bundesministeriums
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist ihr wichtig, die
Zusammenhänge zwischen Familien-, Bildungs- und
Arbeitsmarktpolitik deutlich zu machen.
|
|

Jutta
Allmendinger:
Neue Leiterin des IAB.
Infos: www.iab.de
|
31. Januar 2003: Lesben- und Schwulenverband
fordert "Jawort" von Merkel
Der Lesben- und Schwulenverband hat am
Freitag in Berlin von der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel und ihrer
Partei erneut das "Jawort" für die so genannte
"Homo-Ehe" gefordert.
Hintergrund: In Belgien hat am 30. Januar die belgische Abgeordnetenkammer
für die
gesetzlichen Vorschriften gestimmt. Zuvor hatte der belgische Senat im
vergangenen Herbst ebenfalls grünes Licht gegeben. Laut dem Lesben-
und Schwulenverband unterstützten dabei auch die ChristdemokratInnen
des flämischen CDenV mehrheitlich das Gesetz.
31.
Januar 2003: Abnahme der Brustkrebs-Todesfälle seit Mitte der 90er
Jahre
Das
Deutsche Krebsforschungszentrum teilt mit, dass immer weniger Frauen
in Deutschland an Brustkrebs sterben. Die Zahl der Brustkrebs-
Todesfälle nimmt seit Mitte der 90er Jahre beständig ab. Im Jahr
1995 starben demnach 18.674 Frauen an Brustkrebs, im Jahr 2000 waren
es 17.814. Gründe seien eine bessere Vorsorgetechnik und eine
breitere Akzeptanz der Vorsorgeuntersuchung. Besonders Frauen vor den
Wechseljahren lassen sich häufiger untersuchen. Mit der ärztlichen
Weiterbildung habe sich zudem die Qualität der Mammographie-Diagnose
verbessert, und auch die Ultraschalltechnik sei besser geworden.
Langfristig habe auch die Einführung der Chemo- und der
Hormontherapietherapie nach Brustkrebsoperationen die Sterblichkeit
gesenkt. Jährlich wird bei 48.000 Frauen in Deutschland Brustkrebs
diagnostiziert.
30.
Januar 2003: Bei den "Tagesthemen"-Kommentaren
dominieren die Männer
Die Auswertung der "Tagesthemen"- Kommentare durch die
Kölner "Funk- Korrespondenz" hat ergeben, dass im Jahr 2002
unter den 20 JournalistInnen, die ihre Meinung zum aktuellen Geschehen
vortrugen, nur 3 Frauen waren. Insgesamt wurden 209 Kommentare
gesprochen. Während vier Männer je zwölf Mal zu Wort kamen,
sprachen Petra Lidschreiber (Sender Freies Berlin) acht, Tina Hassel
(WDR) sieben und Sonia Mikich (WDR) vier Kommentare.
30. Januar 2003:
"Wir sind Kirche" kritisiert Exkommunikation von sieben
Priesterinnen
Die
Bewegung "Wir sind Kirche" hat die Exkommunikation von
sieben katholischen Frauen scharf kritisiert, die sich im vergangenen
Sommer zu Priesterinnen
hatten weihen lassen. Dieser Schritt des Vatikan zeige "in
erschreckender Weise die Dialogunfähigkeit und Erstarrung" der
katholischen Kirche in Fragen der Berufung von Frauen zum Priesterinnenamt,
so die Sprecherin der "KirchenVolksbewegung" am 30. Januar
im westfälischen Haltern. Der Ausschluss der Frauen aus der
katholischen Kirche war am 27. Januar 2003 bekannt geworden.
Dass der Vatikan den Ausschluß ohne persönliche
Anhörung der
sieben Frauen gefällt hat, die von der Entscheidung erst durch die
Presse erfahren hätten, sei zusätzlich zu kritisieren. Der
Ausschluss
von Frauen vom römisch- katholischen Priesteramt sei biblisch- theologisch nicht zu begründen und ein "Skandal", meinte
die
Sprecherin der kirchenkritischen
Initiative.
Nach US-amerikanischen Umfragen
befürworteten 70 Prozent der praktizierenden KatholikInnen
die Priesterinnen-Weihe.
Im deutschsprachigen Raum hätten 2,3 Millionen Menschen 1995 ein
"Kirchen-Volksbegehren" unterschrieben, das auch die
katholische Priesterweihe für Frauen gefordert habe.
Die sieben Frauen aus Deutschland, Österreich und den USA waren im
vergangenen Juni durch einen vom Vatikan nicht anerkannten Bischof zu
Priesterinnen geweiht worden. Unmittelbar danach hatte Kardinal Joseph
Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation des Vatikan den Frauen
den Kirchen-Ausschluss angedroht. Das Priesteramt ist nach römisch-
katholischem Kirchenrecht ausschließlich Männern vorbehalten.
29.
Januar 2003: DGB beharrt auf Gleichstellungsgesetz für private
Wirtschaft
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) setzt weiter auf gesetzliche
Regelungen zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Betrieb.
"Die freiwillige Vereinbarung der Spitzenverbände der Deutschen
Wirtschaft mit der Bundesregierung reicht nicht aus, die nach wie vor
bestehenden Benachteiligungen von Frauen bei der Berufswahl,
Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten oder Bezahlung
abzubauen", erklärte DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer in
Berlin. Der DGB erwarte daher von der Bundesregierung, die neue
EU-Gleichbehandlungsrichtlinie durch gesetzliche Regelungen
umzusetzen, damit die Rechte der Frauen tatsächlich gestärkt würden.
29.
Januar 2003: Deutscher Frauenrat kritisiert das Mehrheitsvotum des
Nationalen Ethikrates zur Präimplantationsdiagnostik
Der Deutsche Frauenrat kritisiert das Mehrheitsvotum des Nationalen
Ethikrates, die Präimplantationsdiagnostik (PID) unter bestimmten
Voraussetzungen zu erlauben. "Die PID ist ein
Selektionsverfahren. Wer sie eingeschränkt zulassen will, öffnet die
Türe für eine Qualitätskontrolle von Leben", sagte die
Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, Dr. Inge von Bönninghausen.
"Wir befürchten, dass der Druck auf Frauen steigt, ein
'perfektes Baby' zu bekommen und die Diskriminierung von Behinderungen
gefördert wird."
Die Mehrheitsentscheidung des vom Bundeskanzler eingesetzten
Nationalen Ethikrates bestärkt den Deutschen Frauenrat in seiner
Forderung, die Enquete-Kommission des Bundestages "Recht und
Ethik in der modernen Medizin" wieder einzusetzen. Nur sie kann
gewährleisten, dass die komplexen Probleme und Folgen der
Gentechnologie aus gesellschaftlicher, medizinischer und juristischer
Sicht öffentlich diskutiert werden. Hierbei müssen die Frauenverbände
stärker als bisher einbezogen werden. Infos: www.frauenrat.de
21.
Januar 2003: Aktionsplan
gegen gewalttätige Männer bringt Frauenhäusern Zulauf
Die wachsende Ächtung gewalttätiger Männer
bringt den rund 400 Frauenhäusern in Deutschland starken
Zulauf: Die steigende Zahl der Schutz, Zuflucht oder Rat suchenden
Frauen stellt die Häuser - ein Jahr nach in Kraft treten des
Gewaltschutzgesetzes - vor neue Probleme: Die öffentlichen Zuschüsse
werden spärlicher, preiswerte Wohnungen seltener. Die räumliche Enge
vieler Häuser ist vor allem für die Kinder belastend. Gleichzeitig
nehmen die psychischen Probleme der jährlich schätzungsweise 40.000
Schutz suchenden Frauen zu. Fast die Hälfte der Zuflucht Suchenden
sind Aussiedlerinnen oder Ausländerinnen - viele von ihnen sind mit
Deutschen verheiratet. Die unterschiedlichen kulturellen Vorstellungen
stellen die Frauenhaus-Mitarbeiterinnen vor neue Herausforderungen.
Auch die Probleme der Kinder in Frauenhäusern sind stärker ins
Blickfeld gerückt: Die Jungen und Mädchen wurden oft selbst
misshandelt oder sind von der beobachteten Gewalt traumatisiert.
Den Aktionsplan, mit dem Gewalt gegen Frauen "umfassend und
nachhaltig" bekämpft werden soll, hatte das Bundeskabinett
bereits
Ende 1999 beschlossen. Das seit 2002 gültige Gewaltschutzgesetz sieht
unter anderem vor, dass die Polizei prügelnde Männer in akuten
Gewaltsituationen aus der Wohnung weisen kann.
23.
Januar 2003: Bundesministerinnen begrüßen PID-Entscheid des
Ethikrates
Die Bundesministerinnen
Ulla Schmidt, Edelgard Bulmahn und Renate Schmidt (alle SPD) haben
einhellig die Empfehlung des Nationalen Ethikrates begrüßt, unter
strengen Bedingungen die umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID)
in Deutschland zu erlauben. "Gerade mit Rücksicht auf die
betroffenen Frauen halten wir
die Möglichkeit einer PID unter strengen Beschränkungen und
Voraussetzungen für vertretbar", so die Ministerinnen für
Gesundheit, Forschung und Frauen in einer gemeinsamen Erklärung.
Dabei begrenze der Ethikrat die PID klar auf schwere und
nicht heilbare Erbkrankheiten. Dank der PID könnten auch späte Schwangerschaftsabbrüche vermieden werden.
Bei der PID werden im Reagenzglas gezeugte Embryonen vor der
Einpflanzung in die Gebärmutter auf mögliche Genschäden untersucht.
Nach geltender Rechtslage gilt dies in Deutschland allerdings als
verboten. Gentests an Embryos im Mutterleib und gegebenenfalls eine
Abtreibung sind dagegen erlaubt.
22.
Januar 2003: Frauen wählen bevorzugt SPD, Männer wählen eher Union
Bei der Bundestagswahl am 22. September 2002 haben Männer bevorzugt
CDU und CSU gewählt, Frauen wählten eher SPD.
Auf das Alter bezogen zeigten sich die Vorlieben noch deutlicher:
insbesondere junge Frauen entschieden sich für die SPD, ältere Männer
hingegen eher für die Unionsparteien. Nach der am 22. Januar 2003 in
Berlin vom Bundeswahlleiter veröffentlichten repräsentativen
Wahlstatistik erreichte die SPD ihr bestes Zweitstimmenergebnis mit
41,3 Prozent bei den weiblichen Jungwählerinnen zwischen 18 und 24
Jahren. Die Union errang bei den über 60-Jährigen ihren Spitzenwert
von 46,4 Prozent.
Von den jungen Frauen machten ihr Kreuz nur 30,7 Prozent bei CDU
oder CSU. Bei der Gesamtauszählung lagen SPD und CDU/CSU mit 38,5
Prozent gleichauf. Die repräsentative Stichprobe analysiert das
Wahlverhalten nach Alter, Geschlecht und Wählerstruktur.
Im Osten Deutschlands gingen deutlich weniger BürgerInnen zur Wahl
als
im Westen. In den neuen Ländern (einschließlich Berlin-Ost) lag die
Wahlbeteiligung nur bei 72,8 Prozent, im Westen bei 80,6 Prozent.
Damit ist der Abstand im Vergleich zu 1998 noch größer geworden.
Bei der Unterscheidung nach dem Alter hatte die SPD bei den
Zweitstimmen in allen Gruppen einen ähnlich hohen Zuspruch. Bei den
Unionsparteien steigt der Stimmenanteil mit dem Alter ihrer
WählerInnen.
Nur 32 Prozent der 18- bis 24-Jährigen wählten CDU oder CSU, aber 46
Prozent der WählerInnen ab 60. Generell lag die SPD bei den
weiblichen Wählern mit 40,2 Prozent klar vor den Unionsparteien mit
37,8
Prozent. Bei den Männern war es umgekehrt: 39,2 Prozent für CDU/CDU
und 36,7 Prozent für die SPD. Auch die FDP erfuhr einen
überdurchschnittlichen Zuspruch bei der männlichen Wählerschaft.
Die
Grünen schnitten bei den Frauen besser ab.
Die kleineren Parteien Grüne und FDP schnitten bei den jüngeren
WählerInnen besser ab als bei den älteren. Die FDP holte bei den 18
bis
24 Jahre alten Wählern mit 10,2 Prozent einen Spitzenwert, der
deutlich über den insgesamt erreichten 7,4 Prozent lag. Die Grünen
erreichten in den Altersgruppen bis 59 Jahre Werte zwischen 8,8 und
12,6 Prozent. Bei den Älteren ließ der Zuspruch deutlich nach und
fiel mit 3,8 Prozent unter die 5-Prozent-Marke. Am besten schnitten
die Grünen mit 13,5 Prozent bei den 35- bis 44-jährigen Frauen ab.
Der Statistik zufolge waren bei der Bundestagswahl 32,1 Prozent
der WählerInnen 60 Jahre und älter. Von den WählerInnen der Union
waren 39,3 Prozent mindestens 60 Jahre alt. Bei der SPD lag dieser
Anteil bei 32,9 Prozent und entsprach fast dem Anteil der
Wahlberechtigten. Die Jungen von 18 bis 24 stellten einen Anteil von
9,2 Prozent. 8,0 Prozent dieser Gruppe wählte die SPD, 6,7 Prozent
CDU/CSU. Bei der grünen Wählerschaft dominierten mit 30,5 Prozent
die mittleren Altersgruppen von 35 bis 44. Bei den FDP-Anhängern
dominierten die Jüngeren. Von den 25- bis 34-Jährigen (Anteil 14,7
Prozent) gaben 18,2 Prozent ihre Zweitstimme den Liberalen.
Bei der Wahlbeteiligung hat sich der Trend zur Enthaltung bei den Wählern
unter 30 nicht fortgesetzt. Von den Jungen (21 bis 24) gingen aber nur
68,1 Prozent zur Wahl. Die höchste Wahlbeteiligung mit 86,4 Prozent
gab es bei den 60- bis 69-Jährigen. Die fünf Wahlkreise mit der
schlechtesten Wahlbeteiligung lagen alle im Osten. Von dem fünf
Wahlkreisen mit der höchsten Beteiligung lagen vier im Land des
bayerischen Herausforderers Edmund Stoiber.
Beim Stimmensplitting (unterschiedliche Abgabe der Erst- und
Zweitstimme) zeigten sich deutliche Unterschiede. Der kräftige
Überhang an Zweitstimmen bei den Grünen kam hauptsächlich von SPD-WählerInnen. Dagegen gaben von den 3,7 Millionen der Grünen-WählerInnen
nur 1,1 Millionen auch ihre Erststimme dieser Partei. Die FDP
profitierte
hingegen vom Stimmensplitting der CDU-WählerInnen. Der FDP gaben 3,5
Millionen WählerInnen ihre Zweitstimme, aber nur 1,6 Millionen auch
ihre Erststimme. Am homogensten verhielten sich die CSU-WählerInnen:
92 von 100 WählerInnen gaben der Partei ihre Erst- und Zweitstimme.
22.
Januar 2003: filia
- die Frauenstiftung dokumentiert guten Abschluß für 2002
Filia, eine Stiftung von Frauen für Frauen, zieht eine positive
Bilanz. Durch eine erhebliche Steigerung des Stiftungskapitals konnten
im Jahr 2002 drei wichtige Frauenprojekte gefördert werden: SEKA,
Arbeit mit kriegstraumatisierten Frauen in Ex-Jugoslawien, ADEFRA, ein
Mädchentheaterprojekt gegen Rassismus, und ASTRAEA, ein
Internationaler Fond für sexuelle Mionoritäten.
Ziel der Stiftung ist es, Frauenprojekte in Deutschland sowie in
ökonomisch benachteiligten Ländern zu unterstützen, die sich für
das Empowerment, die gezielte Stärkung von Mädchen und Frauen,
einsetzen.
Organisiert ist filia im weltweiten Netzwerk von
Frauenstiftungen „International Network of Women’s Funds“. Ihren
Sitz hat die Stiftung in Wiesbaden.
Infos: www.filia-frauenstiftung.de.
20.
Januar 2003: Studie: Bank-ManagerInnen erhielten 2002 trotz Finanzkrise
mehr Gehalt
Aus einer in Gummersbach veröffentlichten Studie der
Unternehmensberatung Kienbaum geht hervor, dass trotz Finanzkrise und
Massenentlassungen die Gehälter der leitenden Bankangestellten im
vergangenen Jahr im Schnitt um 3,4 Prozent gestiegen sind. Demnach
erhielten Manager der ersten Führungsebene unter dem Vorstand im
Schnitt ein Jahresgehalt von 101.000 Euro. Eine Hierarchiestufe
darunter würden 78.000 Euro verdient. Frauen sind der Studie zufolge
in den Chefetagen einer Bank nur selten zu finden. Nur acht von
hundert ManagerInnen der ersten Führungsebene seien Frauen, auf der
zweiten Ebene unter dem Vorstand seien es immerhin 20. Zudem bekämen
Frauen für die gleiche Arbeit 16 bis 25 Prozent weniger Gehalt als
ihre männlichen Kollegen. |