Archiv: nationale News Januar - März 2003





26. März 2003: Geburtenrückgang verlangsamt - Kinder als "designtes Lebensevent"
Laut den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden sind in Deutschland im vergangenen Jahr 725.000 Kinder geboren worden. Das waren 0,7 Prozent weniger als im Jahr 2001. Von 2000 auf 2001 hatte der Geburtenrückgang noch vier Prozent betragen. Damit hat er sich deutlich verlangsamt. Seit 1991 - mit Ausnahme der Jahre 1996/1997 - sind die Geburtenzahlen in Deutschland rückläufig.
Nach Ansicht des Zukunftsforschers Matthias Horx werden Kinder zunehmend zu einem "Lebenssinn-Projekt". Nach seiner Einschätzung wird der Akt des Kinderbekommens zunehmend zu einem geplanten und designten Lebensevent mit hohem Erlebniswert. Die Verlangsamung des Geburtenrückgangs erklärt der Wissenschaftler mit gesellschaftlichen Reformen wie Ganztagsschulen, mehr Krippen- und Kindergartenplätzen und "ökonomischen Benefits" für die Familien. Der Vormarsch der Frauen in den Arbeitsmarkt und zunehmend auch in die Chefetagen hätten diese Reformen notwendig gemacht.
Dabei passen Kinder durchaus in die Karriere- und Lebensplanung. "Kinder sind Inszenierung und Selbstverwirklichung", ist der Zukunftsforscher überzeugt. Dabei komme der Familie die "Funktion als emotionales Schutzsystem vor der Komplexität des sozialen Lebens" zu. Gleiches gelte für die Ehe. Durch Heirat wollten sich viele Menschen ein Schutzsystem aufbauen.
Erstmals blieb die Zahl der Eheschließungen mit 388.000 (2001: 389 000) im vergangenen Jahr nahezu unverändert. Nach Angaben der Statistiker hat sich damit die Zahl der Trauungen stabilisiert. Seit Anfang der 90er Jahre - mit Ausnahme von 1999 - gab es eine rückläufige Tendenz. Dabei gibt der Zukunftsforscher zu bedenken, dass es auch immer mehr Scheidungen gebe. "Die Zahl der "Wiedervermählten", die also zum zweiten oder dritten Mal heiraten, steigt, während die derjenigen sinkt, die ledig in die Ehe gehen."
Laut Statistischem Bundesamt nahmen die Sterbefälle 2002 um 2,9 Prozent auf 845 000 zu. Dies war der erste Anstieg seit 1993. Im vergangenen Jahr starben damit 120 000 Menschen mehr, als Kinder geboren wurden. 2001 lag das Geburtendefizit bei über 90 000.


25. März 2003: Dagmar Reim erste Frau an der Spitze einer öffentlich- rechtlichen Rundfunkanstalt in Deutschland
Dagmar Reim (51), seit 1998 Direktorin des Landesfunkhauses Hamburg des Norddeutschen Rundfunks (NDR), hat die Wahl zur ersten Intendantin des neuen Rundfunk Berlin- Brandenburg (RBB) gegen drei weitere Kandidaten gewonnen. 
Mit dem zeitlich noch nicht feststehenden Amtsantritt der neuen Intendantin fusionieren der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) und der Sender Freies Berlin (SFB) zum Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB).
Reim ist die erste Frau an der Spitze einer öffentlich- rechtlichen Rundfunkanstalt in Deutschland. Sie studierte Geschichte, Germanistik und Publizistik in Mainz und München und arbeitete u. a. als Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk, Westdeutschen Rundfunk und beim Norddeutschen Rundfunk. Ab 1992 leitete sie in Hamburg die Pressestelle und arbeitet zwei Jahre lang als ARD-Sprecherin. 1995 wurde sie Chefredakteurin des NDR-Hörfunks und Programmbereichsleiterin eines NDR-Senders. Drei Jahre später wurde Reim Direktorin des NDR- Landesfunkhauses Hamburg.
Neben Reim hatten Ulrich Deppendorf (53), Programmdirektor Fernsehen des WDR, Bernt von zur Mühlen (55), Unternehmensberater, vormals Geschäftsführer von 104,6 RTL und Georg Quander (52), Intendant  a. D. der Deutschen Staatsoper in Berlin, kandidiert.


24. März 2003: 30 Jahre Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF)
Vor 30 Jahren gründeten SPD-Frauen auf einer Konferenz vom 23. bis 25. März 1973 in Ludwigshafen die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF). Die damals rund 110jährige Frauenarbeit in der SPD hat sich mit der Gründung der ASF zu einer modernen Organisations- und Arbeitsform emanzipiert. Mit ihrem wachsenden inner- und außerparteilichen Einfluss ist in drei Jahrzehnten eine umfassende und gezielte Frauenförderpolitik entstanden, deren Einrichtungen in ihrer ganzen Vielfalt inzwischen selbstverständlich geworden sind: Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte allerorten, Frauenausschüsse in den Parlamenten, Frauenministerien,  Frauenberatungsstellen, Notruftelefone, Mädchentreffs und vieles andere mehr. Gleichstellungsgesetze in Bund und Ländern, die Verankerung von  kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in den Gemeindeordnungen,  veränderte Gremiengesetze, etwa zur Zusammensetzung von  Rundfunkräten, sind nur einige Beispiele für erfolgreiches Lobbying der SPD-Frauen -nicht selten im Verbund mit der autonomen Frauenbewegung und/oder einem breiten Spektrum von organisierten Frauen in Gewerkschaften, Kirchen, Vereinen und Verbänden.
In den Jahren der sozialliberalen Koalition wurden grundlegende Reformen
angepackt, an denen die sozialdemokratisch geführte Bundesregierung nach der gewonnenen Wahl von 1998 anknüpfen konnte. Ein flexibel anwendbares Elternzeitgesetz, ein frauenfreundliches Betriebsverfassungsgesetz, der Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit, das Gewaltschutzgesetz, das Frauen vor Peinigern schützt, ein Rentenrecht, das auch nichterwerbstätige Mütter besonders begünstigt, zählen zu den frauen- und gleichstellungspolitischen Leistungen der vorangegangenen Legislaturperiode. Ein Verdienst der laufenden Amtszeit dieser Bundesregierung wird u. a. ein bemerkenswerter Beitrag zum Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen sein, um die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Auch innerparteilich sind die Frauen beträchtlich vorangekommen: Seit 1988 gilt für Funktionen und Mandate die "Quote", konkret: die Satzungsverpflichtung zur Berücksichtigung eines jeden Geschlechtes von mindestens vierzig Prozent für alle Funktionen und Mandate. Der Hälfte  aller SPD-geführten Bundesministerien steht eine Frau vor. 
Wie vor dreißig Jahren geht es der ASF auch heute noch um die chancengleiche  Umverteilung von Arbeit, Einkommen und Macht zwischen den Geschlechtern, wenn auch inzwischen auf höherem Niveau. Die erste ASF-Bundesvorsitzende Elfriede Eilers trat an mit dem Anspruch: 'Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen hat die Aufgabe, sich selbst überflüssig zu machen.' So weit ist die ASF noch lange nicht, denn der Satz 'Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden' aus dem Berliner Programm ist noch nicht zur umfassenden Lebenswirklichkeit geworden. 
Aus Anlaß des derzeitigen Krieges im Irak äußerte die derzeitige Bundesvorsitzende der ASF, Karin Junker (MdEP) und Mitglied des SPD-Parteivorstandes: Friedenspolitik war insbesondere in den Jahren der sozialliberalen  Koalition ein herausragendes Thema in der vor dreißig Jahren neu  verfassten Organisation der Sozialdemokratischen Frauen Deutschlands. In diesen Wochen steht das Thema wieder im Zentrum: "Frauen wollen Frieden" war das Motto der SPD-Frauen zum diesjährigen Internationalen Frauentag am 8. März. Das Plädoyer der ASF, einen beratenden UN-Frauensicherheitsrat einzurichten, wurde auf Initiative der sozialdemokratischen Frauen im Europäischen Parlament vom griechischen Ratspräsidenten Papandreou positiv aufgegriffen: Er will sich um die Umsetzung kümmern. Denn es waren vor allem Frauen und Kinder, die im Irak unter dem Embargo zu leiden hatten, und es sind vor allem Frauen und Kinder, die Opfer des Krieges sein werden. Es sind die Frauen, die den Kriegsalltag bewältigen und das Überleben der Kinder und Familien sichern müssen.


 21. März 2003: Großdemonstrationen gegen USA-Krieg
Aus Protest gegen den Irak-Krieg sind am Tag des Kriegsbeginns (20. März 2003) in Deutschland rund 200.000 Menschen auf die Straßen gegangen.
In Berlin protestierten rund 100.000 Kriegsgegner/innen gegen den Kriegsbeginn der USA. Auch in etlichen anderen Städten äußerten die Menschen bei Demonstrationen ihre Sorge um den Krieg und dessen Folgen. Auftakt für die große Protestwelle machten deutschlandweit die Schülerinnen und Schüler: Mehrere Zehntausend forderten unter anderem in Freiburg, Rostock, Bremen, Saarbrücken, Kassel, Karlsruhe und Stuttgart ein Ende der Angriffe.
Bereits am frühen Morgen - unmittelbar nach dem Ende des Ultimatums von US-Präsident George W. Bush - waren in Berlin einzelne KriegsgegnerInnen auf die Straße gegangen. Am Abend trafen sich rund 50.000 KriegsgegnerInnen wie zuvor die SchülerInnen auf dem Alexanderplatz.
Sie legten für die Menschen im Irak eine Schweigeminute ein. Vor der amerikanischen Botschaft in Berlin demonstrierten regierungskritische Amerikaner friedlich gegen die Irak-Politik ihres Präsidenten.
In Hamburg versammelten sich 2.000 Menschen, um zum US- Generalkonsulat zu ziehen. In Nordrhein-Westfalen forderten mehr als 30 000 Menschen ein Ende des Krieges. Auch in München, Hannover und Frankfurt kamen tausende zu Demonstrationen. Kriegsgegner in Magdeburg protestierten lautlos: In einem Schweigemarsch zogen Hunderte durch die Innenstadt. 
Frauen-Friedensgruppen riefen in Berlin zu symbolischen Nachtwachen vor der US-Botschaft und anderen diplomatischen Vertretungen auf.
Das "Netzwerk Friedenskooperative", ein Zusammenschluss von KriegsgegnerInnen, hatte per Internet und Handzetteln für den "Tag X" zu rund 350 Kundgebungen und Demonstrationen in ganz Deutschland aufgerufen. "Die weltweite Friedensbewegung soll trotz aller Enttäuschung, Trauer und Wut nicht nachlassen, gegen den Angriffskrieg auf Irak zu protestieren und seine sofortige Beendigung zu fordern", so der Inhalt einer Erklärung des Friedens-Netzwerkes.
Internet: www.friedenskooperative.de/tag-x.htm


18. März 2003: Sexistische Werbung in der Kritik
In Deutschland hat die Zahl der Beschwerden gegen sexistische Werbung im Jahr 2002 deutlich zugenommen. Grund für die Beschwerden an den Deutschen Werberat sind meistens  sexistische bzw. entwürdigende Darstellungen von Frauen in Werbekampagnen. In seinem Jahresbericht bilanzierte das Selbstkontrollgremium der deutschen Werbewirtschaft eine gestiegene Zahl an Beschwerden, aber eine rückläufige Zahl von kritisierten Werbekampagnen. Fast 2.000 Mal und damit dreimal so häufig wie 2001 haben sich Bürgerinnen und Bürger an den Deutschen Werberat gewandt.
Über 1.000 von insgesamt 1.985 Beschwerden richteten sich 2002 gegen die Plakataktion der "Bild"-Zeitung. Auf den Plakaten wurde eine Serie ankündigt, in der Frauen ihre sexuellen Praktiken preisgeben. Einige sehr junge Frauen waren in lasziven Posen mit Sprüchen abgebildet wie: "Mittags krieg ich Hunger. Auf Sex." Während über tausend BeschwerdeführerInnen diese Aktion als sexistisch empfanden, teilte der Werberat diese Einschätzung jedoch nicht.
Zu den Kampagnen, die nach Intervention des Werberats eingestellt wurden, gehörte dafür die einer Tankstellenkette, die in Anzeigen mit der Abbildung einer achtköpfigen Familie und dem Text warb: "Günstiger tanken. Geld für Kondome haben." Zahlreiche BeschwerdeführerInnen sahen hier eine Kinder- und Familienfeindlichkeit, da suggeriert werde, der Kindersegen entspringe allein der Tatsache, dass die Familie kein Geld für Kondome habe.
In Zahlen sieht die Bilanz des Werberats für 2002 so aus: Die 1985 Beschwerden richteten sich gegen 389 (2001: 421) Werbeaktionen, von denen der Werberat über 270 (305) zu entscheiden hatte. In 67 (91) Fällen erklärten sich die Werbetreibenden bereit, die Werbung nicht mehr zu schalten, in 8 (5) Fällen wurde sie geändert, und 6 (3) Mal sprach der Werberat eine öffentliche Rüge aus. Von Kritik freigesprochen wurden 189 (206) und damit zwei Drittel aller beanstandeten Werbekampagnen. Die öffentlichen Rügen richten sich gegen Firmen, die trotz Beanstandung durch den Werberat ihre Kampagne fortsetzen. In den konkreten Fällen ging es vorwiegend um entwürdigende Darstellung von Frauen und Gewaltszenen. 
Siehe auch Artikel zum "fast zahnlosen Tiger" Deutscher Werberat. (Juli 2000)


16. März 2003: "Bewegung der Frauen und Mädchen für Frieden, Brot und Rosen" gegründet
Am 16. März 2003 haben sich in Bochum 88 Frauen und Mädchen als Vertreterinnen von Frauengruppen und -organisationen zur "Bewegung der Frauen und Mädchen für Frieden, Brot und Rosen" zusammen geschlossen. Die Bewegung versteht sich als Teil der Friedensbewegung, in die sie sich durch kontinuierliche Mitarbeit einbringen möchte.
Homepage: www.frieden-brot-und-rosen.de


16. März 2003: 10jähriges Jubiläum der Louise- Otto- Peters- Gesellschaft
Vor genau zehn Jahren wurde die Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e. V. in Leipzig gegründet. Die Gesellschaft hat das Ziel, das Leben und Werk der Dichterin, Schriftstellerin, Journalistin und Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters (1819-1895) in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und zu würdigen.

Im Louise-Otto-Peters-Archiv, dem wichtigsten Projekt der Gesellschaft, werden alle Veröffentlichungen von und über Louise Otto-Peters gesammelt, erschlossen und Interessierten zugänglich gemacht. In Kopien stehen zahlreiche Artikel, Bücher sowie die "Frauen-Zeitung" (1849-1852) zur Verfügung, die von Louise Otto konzipiert und redigiert wurde, und deren erste Ausgabe am 21. April 1849 im Leipziger Raum erschien.
Bei den jährlichen Louise-Otto-Peters-Tagen und anderen Veranstaltungen werden sowohl Forschungsergebnisse zu Louise Otto-Peters und anderen bedeutenden Frauen vorgestellt wie auch Probleme der Frauen von heute diskutiert. Die Aufmerksamkeit gilt ebenfalls dem vielseitigen literarischen Werk von Louise Otto-Peters und ihren Beziehungen zu Persönlichkeiten ihrer Zeit.
Der Gesellschaft gehören derzeit rund 70 Mitglieder - überwiegend Frauen - aus verschiedenen Bundesländern sowie aus dem Ausland an. Darüber hinaus besteht ein großer SympathisantInnenkreis. In der von der Gesellschaft herausgegebenen Reihe "LOUISEum - Sammlungen und Veröffentlichungen der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e. V." erschienen bisher 11 Publikationen. Es entstanden drei vielbeachtete Ausstellungen. Louise-Otto-Peters-Spaziergänge führen zu Stätten der Erinnerung an die Namensgeberin und an ihre Mitstreiterinnen, deren Erhalt und Pflege das Augenmerk der Gesellschaft gilt.
Homepage: www.louiseottopeters-gesellschaft.de


13. März 2003: Weniger Abtreibungen - jede zweite betroffene Frau verheiratet
Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der legalen Abtreibungen in Deutschland im Jahr 2002 um 3,4 Prozent auf 130.400 gesunken. Das bedeutet, 4.600 mal wurde weniger abgetrieben als 2001. 
Fast jede zweite Frau war zum Zeitpunkt der Abtreibung verheiratet (46 Prozent). 60 Prozent der Frauen hatten bereits ein oder mehrere Kinder. 5,7 Prozent der Frauen waren unter 18 Jahre, der Großteil (71 Prozent) war zwischen 18 und 35 Jahre alt.
97 Prozent der Frauen hatten eine Schwangerschaftsberatung in Anspruch genommen und dafür eine Bescheinigung erhalten. Drei Prozent der Abtreibungen wurden aus medizinischen oder kriminologischen Gründen vorgenommen.
Die so genannte Abtreibungspille Mifegyne wurde in rund 7.000 Fällen verwendet, das entspricht 5 Prozent der Gesamtzahl. Die meisten Abtreibungen werden immer noch mit der Vakuumaspiration (Aussaugmethode) vorgenommen. Fast alle Eingriffe (93 Prozent) erfolgten ambulant.


13. März 2003: Initiative für gleichen Lohn von Frauen und Männern geplant
Die Bundesfrauenministerin Renate Schmidt (SPD) plant eine Initiative für gleichen Lohn von Frauen und Männern. Entsprechende Rahmenrichtlinien sollen dazu beitragen die Einkommensunterschiede verringern. Laut Schmidt verdienen über 30-jährige Frauen bis zu 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Ziel sei es, den Tarifparteien die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern zu erleichtern.
In der Debatte über den fünften Regierungsbericht zum Anti- Diskriminierungs- Übereinkommen der Vereinten Nationen äusserte Schmidt, dass noch immer mehr Männer als Frauen in Führungspositionen gelangten. Alarmierend sei auch, dass weniger als 14 Prozent der Mädchen eine Ausbildung in der Informationstechnologie wählten.
SPD und Grüne zogen dennoch eine positive Bilanz ihrer Frauenpolitik. So verpflichte das Betriebsverfassungsgesetz Unternehmen, die Gleichstellung zu beachten. Durch die Flexibilisierung der Elternzeit sowie den Rechtsanspruch auf Teilzeitbeschäftigung könnten Frauen Beruf und Familie besser kombinieren. Schmidt kündigte an, eine nationale Gleichbehandlungsstelle einzurichten.
Irmingard Schewe- Gerigk (Grüne) sagte, bei der private Altersvorsorge dürfe es nicht dabei bleiben, dass Frauen für die gleiche monatliche Rentenzahlung höhere Beiträge bezahlen müssten.
Die fraktionslose Petra Pau (PDS) setzte sich dafür ein, über Parteigrenzen hinweg für Gleichberechtigung zu kämpfen.


13. März 2003: Familienministerin und DIHK-Präsident für höheres Erziehungsgeld
Wirtschaft und Bundesregierung schlagen ein neues Modell vor, um den Erziehungsurlaub für ArbeitnehmerInnen und Unternehmen attraktiver zu machen. Das Einkommen während des Erziehungsurlaubes soll demnach erhöht werden, wobei gleichzeitig die Bezugsdauer von derzeit drei Jahren verkürzt werden würde. Diese Anregung machten Familienministerin Renate Schmidt und der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, in der "Financial Times Deutschland".
Hintergrund sei die Feststellung, dass in Nordeuropa die Unterbrechungszeiten sehr viel kürzer seien, was es den Eltern leichter macht, wieder in den Beruf zurückzukommen. Voraussetzung für eine kürzere Elternzeit seien aber bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren.
Beide regten an, während des ersten Jahres der Elternzeit einen möglichst hohen Teil des Lohnes zu ersetzen. So könnten vor allem auch mehr Männer für den Erziehungsurlaub begeistert werden. Derzeit nehmen nur 2,4 Prozent aller Väter Erziehungsurlaub. Neben gesellschaftlichen Akzeptanzproblemen sehen Braun und Schmidt einen Hauptgrund dafür darin, dass der Einkommensverlust bei Männern höher ist als bei Frauen.


10. März 2003: Journalistinnen fordern Intendantin
Für 120 Journalistinnen aus Deutschland und Europa, die am 8./9. März 2003 in Leipzig tagten, stand fest: Es ist höchste Zeit, dass eine unabhängige, qualifizierte, kompetente, sowohl im Journalismus als auch in Führungsaufgaben erfahrene Frau an die Spitze einer Rundfunkanstalt gewählt wird. Nach Ansicht der DJV-Frauen sollte sich der Rundfunk Berlin-Brandenburg nicht nur in der regionalen und programmlichen Positionierung neu ausrichten, sondern auch bei der Besetzung des Intendantenpostens ein progressives Zeichen setzen. Der DJV- Frauenkongress forderte den Rundfunkrat des RBB auf, diese Chance am 24. März bei der Intendantenwahl zu nutzen. Die Zeit ist reif für eine Intendantin, betonten die Kongressteilnehmerinnen anlässlich des Internationalen Frauentages.
Beim zweitägigen Treffen der Journalistinnen ging es um das Thema "FRAU MACHT MEDIEN - europaweit und grenzenlos". Die Medienfrauen hoben in Leipzig ein DJV- Frauennetzwerk aus der Taufe. Dieses soll zunächst auf bundesweiter Ebene dazu dienen, Erfahrungen, berufliche Tipps, Hospitationsplätze u. ä. auszutauschen oder anzubieten. Darüber hinaus soll das Netzwerk als Informationsforum für das Thema "Equal pay for equal work" dienen. Das Thema ist Teil eines Aktionsplans des Gender Council der Internationalen Journalisten Föderation. Im Laufe des Jahres 2004 soll das DJV- Frauennetzwerk über die Europäische Journalisten Föderation
an ein Europäisches Jounalistinnen-Netzwerk gekoppelt werden. 
"Der diesjährige Kongress hat gezeigt, wie wichtig die Vernetzung der Journalistinnen bundesweit, europaweit und international ist. Es geht dabei um gleichberechtigte Chancen im Berufsalltag, um Strategien zum Gender Mainstreaming in Medienbetrieben und um die Europäische Verfassung, die sowohl für die Presse- und Informationsfreiheit als auch für die Gleichstellung von Mann und Frau neue Rahmenbedingungen setzen wird. Nur gemeinsam und vernetzt können wir dabei weiter vorankommen", erklärte die stellvertretende Bundesvorsitzende des DJV, Dr. Mechthild Mäsker, zum Abschluss des Kongresses. 


10. März 2003: 94 Prozent der befragten Frauen sind gegen Irak- Krieg
Nahezu alle deutschen Frauen lehnen nach einer aktuellen Umfrage einen Krieg im Irak ab. In einer Forsa-Befragung im Auftrag der Frauenzeitschrift "Woman" sprachen sich 94 Prozent der weiblichen Befragten gegen einen Militärschlag der USA aus, teilte die Zeitschrift in Hamburg mit. Bei den Männern waren es 88 Prozent der insgesamt rund 1000 Befragten.
In der Zeitung bezogen auch prominente Frauen klar Stellung gegen einen Krieg, wie ZDF-Moderatorin Barbara Schöneberger, die Schauspielerinnen Senta Berger und Veronica Ferres sowie Eiskunstläuferin Katarina Witt, Moderatorin Sonia Mikich und Publizistin Alice Schwarzer.


08. März 2003: Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung gegründet
Am 08. März 2003 wurde in Kassel die "Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung" ins Leben gerufen.
Das Startkapital beträgt € 57.500 und setzt sich zusammen aus dem Preisgeld des Elisabeth-Selbert-Preises, den das Redaktionsteam der "Ariadne" 2001 erhalten hat, und aus Stiftungseinlagen von zwanzig Gründungsstifterinnen.
Das bisher als Verein organisierte Archiv der deutschen Frauenbewegung öffnete auf den Tag genau vor 19 Jahren seine Pforten. Inzwischen beherbergt es eine Bibliothek mit 20.000 Büchern und über 800 Zeitschriftentiteln zur Frauengeschichte aus dem 19. und 20. Jahrhundert, ein Fotoarchiv, eine Pressedokumentation und wertvolle Archivbestände, so u. a. den Nachlass der Politikerin und Juristin Elisabeth Selbert und von W.O.M.A.N., eine der wichtigen Frauenfriedensorganisationen der Nachkriegszeit. Darüber hinaus werden Forschungs-, Bildungs- und Kulturvorhaben initiiert und durchgeführt und die eigene Zeitschrift  "Ariadne - Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte" herausgegeben.
Die Stiftung wird zunächst die sehr erfolgreiche Arbeit der letzten zwei Jahrzehnte weiterführen und insbesondere den wertvollen Bibliotheks- und Archivbestand dauerhaft absichern. Langfristig bietet sie aber auch die Möglichkeit, neue Projekte zu initiieren. Neben dem Ausbau der Forschungsarbeit und größeren Investitionen im Bereich der Erwerbung – z. B. von interessanten Nachlässen – könnte die Stiftung z. B. auch einen Preis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechtergeschichte aussetzen, Stipendien vergeben und vieles mehr.
Mit der Stiftungsgründung am 8. März 2003 verknüpfen die Stiftungsfrauen die Hoffnung, der Geschichte der Frauenbewegungen einen dauerhaften Ort zu sichern und darüber hinaus Freiräume für kreative Forschungs-, Bildungs- und Kulturprojekte zu eröffnen. Um ein blühendes Stiftungsleben entfalten zu können, sind weitere Zustiftungen erhofft und erwünscht!

Weitere Informationen: Archiv der deutschen Frauenbewegung, Ansprechpartnerinnen: Dr. Gilla Dölle / Dr. Kerstin Wolff, Gottschalkstraße 57, 34127 Kassel, Tel: 0561-9893670, Fax: 0561-9893672, email: frau-bib@hrz.uni-kassel.de
Internet: www.uni-kassel.de/frau-bib/welcome.html


08. März 2003: Frauen in aktueller Berichterstattung weniger präsent
Frauen verschwinden sowohl als Nachrichtenmacherinnen als auch als -subjekte zunehmend aus der Presse. Waren es 2002  noch 18,3 Prozent Frauen, die mit Namen und/ oder Bild auf den vorderen Seiten der Tageszeitungen erschienen, betrug ihr Anteil am Stichtag 2003 nur 13,4 Prozent. Bei den Onlinemedien fanden 27 Prozent Frauen namentlich Erwähnung, 34 Prozent betrug ihr Anteil an den Fotos. Über die Hälfte der weiblichen Fotos zeigte jedoch Gesichter ohne Namen, wie zum Beispiel Nacktaufnahmen von Models.

Zu diesem Ergebnis kommt die diesjährige Erhebung des Journalistinnenbundes, die am 31. Januar 2003 durchgeführt wurde. Ausgewertet wurden dabei 13 überregionale und große regionale Tageszeitungen sowie 15 Online-Versionen von Tageszeitungen bzw. Internetzeitungen. 

Einen Grund für diese negative Entwicklung sieht der Journalistinnenbund in der massiven (Vor-)Kriegsberichterstattung, die nach wie vor ein männliches Geschäft ist.

Das bundesweite Netzwerk medienschaffender Frauen beteiligt sich seit 1995 regelmäßig an internationalen Beobachtungen zur Entwicklung des Frauenbildes in den Medien. Das letzte „Global Media Monitoring Project“ (GMMP), an dem sich mehr als 70 Länder beteiligten, fand im Februar 2000 statt. Das nächste ist für das Jahr 2005 geplant. Zwischen den internationalen Aktionen wertet der Journalistinnenbund alljährlich an einem Stichtag die wichtigsten deutschen Tages- und Onlinezeitungen aus. Mehr zu den Einzelergebnissen der Stichprobenerhebung 2003 und zum GMMP unter: www.journalistinnen.de 



08. März 2003:
pro:fem gegründet: Verbund Hamburger Frauen- und Mädcheneinrichtungen (e. V. i. G.) 
Hamburger Frauen- und Mädcheneinrichtungen, die bereits eng im Hamburger Frauenprojektetreffen und in der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik Hamburg e. V. vernetzt waren, haben am 8. März 2003  „pro:fem - Verbund Hamburger Frauen- und Mädcheneinrichtungen (e. V. i. G.) gegründet. Sie wollen damit ihre Zusammenarbeit intensivieren und eine effektive Vertretung der Interessen von Frauen und Mädchen in Hamburg schaffen.
Das in der Satzung erklärte Ziel, die Förderung und Weiterentwicklung feministischer Frauen- und Mädchenarbeit in Hamburg hat nach Meinung der Gründerinnen gerade durch die massiven Kürzungen durch den Hamburger Senat in der frauen- und mädchenspezifischen Angebotslandschaft an Bedeutung gewonnen.
So betrachten politische und behördliche EntscheidungsträgerInnen frauenspezifische Angebote immer noch als Luxus und als  Randgruppenproblem. Die Entwicklung und Umsetzung von geschlechtergerechten Qualitätsstandards für die Frauen- und Mädchenarbeit und die daran geknüpfte gerechte Verteilung der gesellschaftlichen Ressourcen würde verweigert. Deshalb sei es  notwendig, weiter auf die besonderen Belange und Lebensverhältnisse von Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen, für eine Gleichberechtigung für Frauen und Mädchen einzutreten und den Erhalt und die Schaffung frauen- und mädchengerechte Einrichtungen in Hamburg durchzusetzen.
Geplant sind in erster Linie Veranstaltungen, die im Sinne der Zielsetzung der fachlichen Diskussion und dem Erfahrungsaustausch dienen, die Vertretung und Durchsetzung fachlicher belange der Frauen- und Mädchenarbeit gegenüber Behörden, politischen Parteien und Gremien, der Presse und der übrigen Öffentlichkeit und die Förderung und Koordination der Zusammenarbeit, der gegenseitigen Unterstützung und des Erfahrungsaustausches der Mitglieder untereinander.
Zu den 18 Gründerinnen zählen u. a. Allerleirauh e. V., amnesty for women e. V., hfb – DENKtRÄUME (Frauen lernen gemeinsam e. V.),  Intervention e. V., LAG Mädchenpolitik Hamburg e. V. und
der       Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e. V.


07. März 2003: Zum Internationalen Frauentag Forderungen nach Chancengleichheit
Zum Internationalen Frauentag haben Parteien, Verbände und Menschenrechtsgruppen gleiche Löhne für Frauen wie Männer gefordert. Noch immer seien Frauen nicht vollständig gleichberechtigt, sagte Frauenministerin Renate Schmidt (SPD) am Freitag in Berlin. In einer gemeinsamen Erklärung zum Frauentag an diesem Samstag warnten die sieben Ministerinnen im Bundeskabinett vor einer humanitären Katastrophe bei einem Irak-Krieg, die vor allem Frauen treffe. Nach Angaben von Entwicklungsorganisationen leiden weltweit vor allem Frauen unter Armut.
Schmidt kündigte an, in Deutschland eine nationale Gleichstellungsstelle zur Beratung diskriminierter Frauen einzurichten. Arbeitgeber und Gewerkschaften sollen bei der Beratung eingebunden werden. Die im internationalen Vergleich großen Lohnunterschiede sollen nach Worten Schmidts durch Gespräche mit den Sozialpartnern verringert werden. Zudem werde die Bundesregierung die Kinderbetreuung weiter fördern.
 Die Bundesvorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer (CDU), kritisierte die mangelnde Präsenz von Frauen in der Wissenschaft. Nur jede neunte Professorenstelle habe eine Frau inne. Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sagte, zwar sei inzwischen ein Viertel der Juniorprofessorenstellen mit Frauen besetzt. Auch sie erklärte, das sei noch nicht genug.
Die IG Metall bekräftigte ihre Forderung nach einem Gesetz zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Beruf. Bislang gebe es nur in drei Prozent der Betriebe Frauenförderungspläne, kritisierte Vorstandsmitglied Kirsten Rölke in Frankfurt/Main. Der Verband deutscher Unternehmerinnen forderte in Berlin ein größeres Netz an Ganztagsschulen und Kindergärten. Nur so könnten die rund eine Million Unternehmerinnen in Deutschland Familie und Beruf besser unter einen Hut bringen.
Zwei Drittel der weltweit 876 Millionen Analphabeten sind nach Angaben der Entwicklungsorganisation "Care" Frauen. Mehr als 60 Millionen würden gar nicht erst eingeschult, teilte das UN- Kinderhilfswerks UNICEF mit. In vielen Ländern müssen Mädchen und Frauen zahlreiche Menschenrechtsverletzungen wie Beschneidungen und Zwangsehen ertragen.
"Noch immer sind in vielen Ländern Frauen Opfer von Genitalverstümmelung", sagte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller. Der Bund setze sich "nachdrücklich dafür ein, dass diese menschenunwürdige Praktik in allen Gesellschaften verboten wird". Müller kündigte an, dass sich am Frauentag eine Expertenrunde im Auswärtigen Amt mit der Überwindung der weiblichen Genitalverstümmelung befassen werde.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR erneuerte seine Forderung, geschlechtsspezifische, nichtsstaatliche Verfolgung im deutschen Asylverfahren anzuerkennen. Die Flüchtlingshilfsorganisation "Pro Asyl" appellierte an die Parteien, den Streit um ein neues Zuwanderungsgesetz nicht auf Kosten geschlechtsspezifischer Verfolgung auszutragen.
Laut einer Studie im Auftrag der Pariser Frauenzeitschrift "Elle" sind zwischen den Geschlechtern "Neuverhandlungen" nötig. Nach drei Jahrzehnten weiblicher Emanzipation seien viele Männer mit den Nerven am Ende, fühlten sich abgewertet, hieß es.


07. März 2003: Ministerinnen fordern friedliche Lösung des Irak-Konflikts
Mit Blick auf den Internationalen Frauentag haben die Bundesministerinnen eine friedliche Lösung des Irak-Konflikts gefordert. Ein Krieg werde "fürchterliche Folgen" für die Zivilbevölkerung und dabei besonders für Frauen und Kinder haben, erklärten die Bundesministerinnen Renate Künast (Grüne), Renate Schmidt, Edelgard Bulmahn, Ulla Schmidt, Heidemarie Wieczorek-Zeul, Brigitte Zypries und Staatsministerin Christina Weiss (alle SPD) in Berlin. "Es besteht die Gefahr, dass es vor allem Frauen sein werden, die mit ihren Kindern den Bomben und Granaten ausgeliefert sind, die als lebende Schutzschilder für einen verbrecherischen Diktator missbraucht werden, die um das Überleben ihrer Familien ringen, die im Flüchtlingselend ihre verängstigten Kinder zu trösten versuchen." Die Ministerinnen betonten, 50 Prozent der irakischen Bevölkerung seien Kinder unter 15 Jahren.


07. März 2003: Drogensucht bei Frauen oft durch Gewalterfahrungen ausgelöst
Die Drogen- und Alkoholsucht bei Frauen wird in vielen Fällen durch Gewalterfahrungen in der Kindheit und sexuellen Missbrauch verursacht. Demnach wurde die Hälfte der befragten Frauen - meist schon als Kind - geschlagen oder anders körperlich misshandelt. 30 Prozent wurde noch vor dem 16. Lebensjahr sexuelle Gewalt angetan, häufig kamen die Täter aus der eigenen Familie. Das ergab eine Studie des Bremer Instituts für Präventionsforschung und Sozialmedizin, die das Bundesgesundheitsministerium in Berlin veröffentlichte.
Als Grund für ihren Drogenkonsum nannten die Frauen an erster Stelle den Wunsch, schlechte Erfahrungen vergessen zu wollen. Die Frauen waren auch überdurchschnittlich selbstmordgefährdet. So hatte ein Drittel bereits einen Suizidversuch hinter sich. Befragt wurden 908 alkohol- und drogensüchtige Frauen. Die Studie wurde vom Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS) im Auftrag des Ministeriums erstellt.
Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sind 400 000 bis 530 000 Frauen alkoholabhängig, bis zu 60 000 Frauen sind heroin- oder kokainsüchtig. Eine Million Frauen konsumierten Medikamente in "problematischer Weise", rund 2,5 Millionen Frauen seien abhängige Raucherinnen.


07. März 2003: Psychische Störungen bei Jugendlichen nehmen zu
Psychische Störungen bei Jugendlichen haben in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Unter anderem steigen Essstörungen bei Mädchen und zunehmend auch bei Jungen immer mehr an, wie die Psychologin Inge Seiffge- Krenke zum Beginn des Kongresses für Jugendmedizin in Weimar erklärte. Stark zugenommen haben demnach vor allem bei Mädchen auch Depressionen und Angststörungen, während bei Jungen Verhaltens- und emotionale Störungen wie Drogenkonsum und antisoziales Verhalten verstärkt auftreten. 
Auch die Suizidraten männlicher Jugendlicher zwischen 15 und 24 Jahren stiegen in den vergangenen Jahren deutlich an; Selbstmord ist in dieser Altersklasse die zweithäufigste Todesursache.


07. März 2003: Katholischer Frauenbund startet Geschlechter-Aktion
"Damit Männer und Frauen die Wahl haben!", so lautet die Aktion des Katholischen Frauenbundes zum Internationalen Frauentag. Ob im politischen oder privaten Bereich: Ziel sei es, Gerechtigkeit zwischen und innerhalb der Geschlechter zu ereichen. Männlichkeit und Weiblichkeit sind in jeder Kultur mit Vorstellungen und Erwartungen verknüpft, ohne in einem zwingenden Zusammenhang mit dem biologischen Geschlecht zu stehen. Dieses "soziale Geschlecht" wird als Gender bezeichnet. Durch Gender Mainstreaming soll eine Gesellschaft jeder Person den Freiraum bieten, sich unabhängig von sozialen Rollenvorstellungen ganz nach ihren individuellen Möglichkeiten und Vorstellungen zu entwickeln. Erst dann wird "Wofür entscheiden Sie sich heute?" zu einer selbstverständlichen Frage. 
Die groß angelegte Plakataktion vom Katholischen Deutschen Frauenbund will deutlich machen, dass bei Gender Mainstreaming sowohl Männer als auch Frauen im Blickpunkt stehen und echte Gleichstellung der Geschlechter angestrebt wird.
Die Aktion des mit knapp 200.000 Mitgliedern größten bayerischen Frauenverbandes wird unterstützt durch die Leitstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern des Bayerischen Sozialministeriums. 
Das Plakat ist über den Internationalen Frauentag hinaus einsetzbar und kann bestellt werden bei: Bayerischer Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes, Schraudolphstraße 1, 80799 München oder über www.frauenbund-bayern.de


07. März 2003: Deutlich mehr Ärztinnen an Krankenhäusern - aber wenige leiten
Die Zahl der Ärztinnen an den Krankenhäusern ist von 1991 bis 2001 deutlich gestiegen, allerdings nicht bei den leitenden Ärzten. In den zehn Jahren bis 2001 habe sich die Zahl der hauptamtlichen Ärztinnen um 15,9 Prozent auf 113.593 erhöht laut Angaben des Statistischen Bundesamtes. Damit sei der Anteil der Frauen auf Arztposten in Krankenhäusern um 3,6 Punkte auf 34 Prozent gestiegen. Beim leitenden ärztlichen Personal blieb der Anteil mit lediglich sieben Prozent praktisch unverändert. Der Anteil der Oberärztinnen stieg derweil um 1,4 Prozentpunkte auf 21,2 Prozent. Nur bei den Assistenzärzten erhöhte sich der Anteil der Frauen merklich um 4,6 Prozentpunkte. Hier erreichen die Ärztinnen mit 42,2 Prozent ihren größten Anteil.


07. März 2003: Renate Schmidt: Frauen noch nicht gleichberechtigt - sie erhalten weniger Lohn als Männer
Frauen in Deutschland sind auch nach mehr als 90 Jahren Kampf für ihre Rechte nach Ansicht von Bundesfrauenministerin Renate Schmidt (SPD) nicht gleichberechtigt. Frauen seien zwar heute in den Parlamenten und der Regierung selbstverständlich vertreten, dennoch verdienen Frauen finanziell deutlich  weniger als Männer, und nur elf Prozent der Frauen sind in Führungspositionen.
Zugleich verwies Schmidt auf erste Erfolge der rot-grünen Bundesregierung, um  Familie und Beruf besser zu vereinbaren, wie den Anspruch auf Teilzeitarbeit und die neue Elternzeitregelungen. Schmidt bedauerte, dass es immer noch in erster Linie Frauen seien, die die Elternzeit in Anspruch nehmen. Der Anteil der Väter in Elternzeit stagniert bei 2,4 Prozent. 
Schwerpunkt der Familienpolitik in dieser Legislaturperiode werde deshalb ein besseres Kinderbetreuungsangebot sein, kündigte die Ministerin an. Familie sei in der jungen Generation keineswegs ein Auslaufmodell, wie die Ergebnisse der 14. Shell-Studie belegten. "In Westdeutschland wünschen sich knapp 70 Prozent der nichterwerbstätigen Mütter mit Kindern bis zu 12 Jahren die Aufnahme einer Erwerbsarbeit, wenn es ein entsprechendes Angebot an Plätzen in Kindertageseinrichtungen gibt", sagte Schmidt.



06. März 2003: PISA-Forscher: Mutter zu Hause ist keine Garantie für Schulerfolg
Die 432-Seiten starke dritte PISA-Auswertung von 50.000 Schülertests in Deutschland enthält eine Fülle neuer Details. 
Das klassische deutsche Familienbild mit der nicht- berufstätigen Mutter zu Hause bedeutet für Kinder keinen Lernvorteil. "Mütterliche Berufstätigkeit" sei kein "Risikofaktor für die Entwicklung der Heranwachsenden", fanden die ForscherInnen heraus. Im Osten gehen sogar die Kinder von berufstätigen Müttern viel häufiger zum Gymnasium als andere. Als Grund gilt die gute Vorbildung der Mütter. Keine Schulnachteile fanden die ForscherInnen auch bei Kindern aus so genannten Patch-Familien, wo einer der beiden Erwachsenen nicht leiblicher Vater oder leibliche Mutter ist. Einzelkinder haben generell deutlich bessere Bildungschancen als Kinder mit drei und vier Geschwistern. Bei zwei Geschwistern gab es hingegen keine Unterschiede.
Mädchen gehen inzwischen häufiger aufs Gymnasium als Jungen (Bundesweit 55:45 Prozent). In den neuen Bundesländern werden die Jungen an den Gymnasien eher schon "Mangelware". In Brandenburg sind es nur noch 42 Prozent. Kein Ost-Land kommt über einen Jungenanteil von 44 Prozent.
Ein Ausländeranteil von 20 Prozent in der Schule kann zu einer "sprunghaften" Verringerung des Lernni
veaus führen. Wird eine solche Schule mit einer anderen verglichen, die nur über einen Migrantenanteil von 5 Prozent verfügt, fand sich ein Lernnachteil von etwa vier Monaten. Steigert sich der Ausländeranteil dagegen auf 40 Prozent, ergaben sich keine weiteren Nachteile - offensichtlich eine Folge der dann eingesetzten speziellen Fördermaßnahmen. Diese würden aber oft zu spät einsetzen, kritisieren die Forscher. Die Studie räumt zudem mit dem Vorurteil auf, dass vor allem die Ausländerkinder Ursache für das schlechte internationale Abschneiden der deutschen Schulen sind. Auch wenn man die Ausländerkinder herausrechnet, bleibt das deutsche Leistungsniveau nur Mittelmaß - und liegt weiter mit deutlichem Abstand hinter PISA-Spitzenländern wie Schweden, das über eine ähnliche Ausländerstruktur wie Deutschland verfügt.
Während die 15-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen, Bremen, Baden- Württemberg und Bayern größte Bereitschaft zum gesellschaftlichen Engagement zeigten, halten sich die Jugendlichen aus allen neuen Ländern auffällig zurück. Als Erklärung reiche dafür die schwierigere wirtschaftliche Situation im Osten nicht aus. Die geringe Bereitschaft vor allem der Jungen, soziale Verantwortung zu übernehmen und die "erhöhte Aggressionsbereitschaft" sollten Anlass sein, "soziale Lernziele" besser im Unterricht zu verankern.
Erstmals wird in in dieser dritten PISA-Studie Kritik an der Zergliederung des deutschen Schulsystems in Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Gesamtschule geübt, das sich durch verschiedene politische Schwerpunkte in den 16 Ländern noch weiter auseinander entwickelt habe. Dabei sei das Leistungsprofil auch innerhalb einer Schulform quer durch die Länder nicht einheitlich. Die frühe Aufteilung der Kinder nach der vierten Schulklasse auf unterschiedliche Schulformen verschärfe die soziale Selektion.


07. März 2003: Weltgebetstag der Frauen begangen - eine Million Teilnehmerinnen
In zehntausenden Kirchengemeinden haben Gläubige in Deutschland am Freitag den Weltgebetstag der Frauen begangen. Nach Angaben des Deutschen Komitees des Weltgebetstags kam eine Million Menschen zu ökumenischen Liturgiefeiern zusammen. Christliche Frauen aus dem Libanon hatten die Liturgie vorbereitet. Darin berichteten sie von der schwierigen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Situation in ihrer Heimat. Ein Teil der Kollekte geht an Frauenprojekte im Libanon. 
Den Weltgebetstag feiern Frauen in mehr als 170 Ländern jedes Jahr am ersten Freitag im März.


06. März 2003: Bischöfin übernimmt Ehrenamt für Kriegsdienstverweigerer
Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann wird Präsidentin der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen (Zentralstelle KDV) in Bremen. Käßmanns Vorgängerin Renate Schmidt (SPD) hatte das Ehrenamt mit ihrer Berufung zur Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend niedergelegt. Die Zentralstelle KDV ist eine gemeinsame Einrichtung von 26 Beratungsverbänden für Kriegsdienstverweigerer.


06. März 2003: Jede dritte Frau versorgt Kinder im Haushalt
Gut jede dritte Frau in Deutschland versorgt Kinder in ihrem Haushalt. Die Lebensformen dieser rund 12,1 Millionen Frauen in Ost und West sind jedoch unterschiedlich: In den alten Bundesländern sind 82 Prozent der Mütter verheiratet, 15 Prozent erziehen alleine Kinder, und 3 Prozent leben in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.
Von den Müttern in Ostdeutschland sind nur 71 Prozent verheiratet, jede fünfte ist allein erziehend, und 9 Prozent leben in einer Lebensgemeinschaft. 
Bei 22,4 Millionen der 34,5 Millionen volljährigen Frauen leben keine Kinder mehr, oder sie haben noch keine Kinder. 43 Prozent dieser Frauen sind verheiratet, 35 Prozent - meist ältere - leben allein.
Die zum Weltfrauentag veröffentlichten Zahlen stammen aus dem April 2001. 



04. März 2003,
Frauen verdienen immer noch deutlich weniger als Männer
Frauen verdienen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes immer noch deutlich weniger als Männer. Vollbeschäftigte weibliche Angestellte im Produzierenden Gewerbe, im Handel, im Kredit- und Versicherungsgewerbe bekamen 2002 durchschnittlich 30 Prozent weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. 2.517 Euro brutto standen im Schnitt auf ihrem Gehaltszettel. 
Bei den Arbeiterinnen im Produzierenden Gewerbe blieb der Lohn mit 1.837 Euro pro Monat um 26 Prozent unter dem der Männer.
Der Unterschied zwischen Männern und Frauen war in den neuen Ländern deutlich geringer als im früheren Bundesgebiet: So verdienten die weiblichen Angestellten in den Ost-Bundesländern durchschnittlich 2095 Euro und damit 23 Prozent weniger als die Männer. Die Arbeiterinnen wurden im Schnitt mit 1481 Euro monatlich entlohnt - 22 Prozent weniger als ihre Kollegen.
Hauptgrund für die unterschiedliche Bezahlung sind die Tätigkeiten und Eingruppierungen: So waren im vergangenen Jahr 40 Prozent der männlichen, aber nur 14 Prozent der weiblichen Angestellten in Deutschland der Leistungsgruppe II zugeordnet. Diese Gruppe umfasst verantwortliche Tätigkeiten und setzt besondere Erfahrungen voraus. Bei den Arbeitern waren 59 Prozent der Männer Fachkräfte, aber nur 13 Prozent der Frauen.
Der Unterschied bei der Bezahlung der Geschlechter war 2001 etwa genauso hoch wie 2002: Bei den Angestellten betrug er 29,5 Prozent und bei den Arbeitern 26,2 Prozent.


04. März 2003:
TERRE DES FEMMES e. V.: Zwangsheirat nicht totschweigen
Die Zwangsverheiratung junger Frauen in Deutschland darf nach Überzeugung der Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES nicht totgeschwiegen werden. Frauenfeindliche Traditionen sollen angesprochen werden, weil jegliche Kultur ihre Grenzen in den allgemeinen Menschenrechten hat. 
Unter Zwangsheirat ist die Verheiratung einer Frau gegen ihren Willen zu verstehen, die in den meisten Fällen mit psychischer und/oder physischer Gewalt verbunden ist.
Das Thema ist in den vergangenen Jahren sichtbarer geworden, da Mädchen sich verstärkt gegen Zwangsverheiratung wehrten und um Hilfe bemühten. Zwangsverheiratung ist in allen Religionsgruppen zu finden, von Moslems über Christen hin zu Hindus. In Deutschland treten nach den Erfahrungen des Vereins die meisten Probleme in türkischen Familien auf, da die TürkInnen die größte Gruppe der MigrantInnen stellen. Mädchen würden beispielsweise in den Sommerferien in die Türkei gebracht und dort in einer religiösen Zeremonie mit ihnen unbekannten, sehr viel älteren Männern verheiratet. Zwar sei die Zivilehe in der Türkei erst mit 18 Jahren möglich, diese religiöse Variante werde aber gesellschaftlich auch anerkannt. Die Religion wird dabei missbraucht, um bestimmte Traditionen zu legitimieren. Nach dem Islam ist eine Zwangheirat nicht erlaubt. 
Die diesjährige Kampagne von Terre des Femmes gegen Zwangsheirat beinhaltet auch eine Fortbildung für LehrerInnen. Bei Erfolg des Pilotprojektes will die Frauenrechtsorganisation sich um Mittel für bundesweite Aufklärungsaktionen beim Bundesfamilienministerium bemühen.
TERRE DES FEMMES e. V.: http://www.frauenrechte.de


25. Februar 2003: Geschäftstelle Gender Mainstreaming hat in Berlin Arbeit aufgenommen
Wie der Landespressedienst der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen mitteilte, hat seit Jahresbeginn die Geschäftsstelle Gender Mainstreaming ihre Arbeit aufgenommen. Sie ist zuständig für die Erarbeitung, Umsetzung und Evaluation des Gender Mainstreaming- Konzepts des Senats in den Berliner Verwaltungen, betreut die Dienststellen fachlich und berichtet an das Abgeordnetenhaus. Im April 2003 sollen die ersten Pilotprojekte in den Berliner Haupt- und Bezirksverwaltungen beginnen. Diese bei Staatssekretärin Susanne Ahler angesiedelte Stabsstelle fungiert als Geschäftsstelle der geplanten Landeskommission Gender Mainstreaming. Geleitet wird die Dienststelle von Dr. Ute Weinmann. Weinmann studierte Sozialwissenschaften an der FU Berlin, arbeitete 1978 bis 1980 in der wissenschaftlichen Begleitforschung des ersten deutschen Frauenhauses in Berlin und wurde 1987 an der FU Berlin promoviert. Nach Forschungs- und Lehraufenthalten an den Universitäten Frankfurt und Gießen und an der Fachhochschule Wiesbaden leitete sie von 1990 bis 2000 das Referat Frauenpolitik in der damaligen Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen. In den vergangenen beiden Jahren arbeitete Dr. Weinmann an der Universität Dortmund, Fachbereich Rehabilitationswissenschaften.
Kontakt Geschäftsstelle Gender Mainstreaming: Dr. Ute Weinmann (Leiterin) 030-9013-8102 ; Elvi Strache 9013-8917; Dr. Mandane Manko 9013-8918; Martina Baude 9013-8917; Liane Kock 9013-8919.



24. Februar 2003: FDP plant Stiftung gegen Diskriminierung von homosexuellen Menschen
Die FDP will eine Stiftung gegen die Diskriminierung homosexueller Männer und Frauen ins Leben rufen. Die nach dem Berliner Arzt und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld benannte Stiftung soll auch die Geschichte homosexuellen Lebens in Deutschland erforschen und an die Verfolgung Homosexueller durch die Nationalsozialisten erinnern. Einen entsprechenden Gesetzentwurf wollen die Liberalen in den Bundestag einbringen. Das Stiftungsvermögen soll 15 Millionen Euro betragen.
Aufgabe der Stiftung sei, homosexuelles Leben in Deutschland wissenschaftlich zu erforschen und darzustellen, die nationalsozialistische Verfolgung Homosexueller in Erinnerung zu halten und der Diskriminierung homosexueller Männer und Frauen entgegenzuwirken. Außerdem soll die Stiftung die "Menschenrechtsarbeit im Ausland unterstützen und das Gedenken an Leben und Werk Magnus Hirschfelds pflegen".


17. Februar 2003: Frauenprotest im Abschiebegefängnis Berlin- Köpenick/ Grünau
Ein Großteil von rund vierzig im Abschiebegewahrsam inhaftierte Frauen protestieren mit einem Protestschreiben gegen unzumutbare Haftbedingungen. Kritisiert werden vor allem lange Bearbeitungszeiten, die Ausdehnung der Haftdauer auf Grund von Dokumentenverlust seitens der BeamtInnen oder wegen zu langsamen Reagierens seitens der Botschaften. Außerdem seien Schwangere und kranke Frauen inhaftiert trotz unzureichender ärztlicher Versorgung und unhygienischen Zuständen in den Zimmern und Toiletten. Erwähnt werden auch Willkür, Schikanen und physische Gewalt seitens der WärterInnen.
Bereits am 13. Februar 2003 fand vor dem Abschiebegefängnis eine Solidaritätskundgebung mit über 100 TeilnehmerInnen statt. Kontakt mit den protestierenden Frauen: Telefon: 030-7857281.



17. Februar 2003: Bärbel Görcke jüngste evangelische Äbtissin Deutschlands
Die 38-jährige Bärbel Görcke im evangelischen Kloster Mariensee in Neustadt am Rübenberge bei Hannover ist kürzlich jüngste evangelische Äbtissin Deutschlands geworden. Sie wurde am 16. Februar 2003 in ihr Amt eingeführt. Görcke wurde in Göttingen geboren, arbeitete als Krankenschwester in der Pflege für Aidskranke und studierte Theologie und Erwachsenenbildung. In dem von ihr geführten Damenstift leben derzeit sechs Frauen im Alter zwischen 58 und 80 Jahren. Insgesamt kann das Kloster 12 Frauen aufnehmen.
Strenge Regeln wie in katholischen Klöstern sind dem Damenstift fremd. Zwar müssen die Frauen allein stehend sein, jedoch die Pflichten wie Keuschheit, Gehorsam und Armut gelten für sie nicht. Die Frauen bewohnen eigene Wohnungen im Kloster. Im Alltag wird ganz normale Kleidung getragen und die Frauen können ihre Berufe weiter ausüben.  Bisher kommen die Frauen einmal in der Woche zu einem Gottesdienst und einer Andacht zusammen.
Das evangelische Kloster Mariensee bei Hannover  wird neben 16 weiteren Klöstern und Stiften in Niedersachsen von der Landesbehörde betreut. Die ehemals katholischen Nonnenklöster standen in der Reformationszeit vor dem Aus und hatten deshalb im Lauf des 16. Jahrhunderts das evangelische Bekenntnis angenommen.


13. Februar 2003: Fischer kritisiert Änderungsanträge der Union, die keine  frauenspezifischen Asylgründe vorsehen

Die nordrhein-westfälische Frauenministerin Birgit Fischer (SPD) hat der Union vorgeworfen, misshandelten Frauen aus dem Ausland ein Bleiberecht verwehren zu wollen. Dies ergebe sich aus den Forderungen der unionsgeführten Bundesländer zum neuen Zuwanderungsgesetz, so die Ministerin. "Frauen, die vor Zwangsbeschneidungen, Zwangsabtreibungen, Vergewaltigung oder sexuellem Missbrauch fliehen, dürfen nicht abgeschoben werden", forderte Fischer. "Wer schutzlose Frauen abschieben will, handelt unmenschlich."
Die Änderungsanträge zum Zuwanderungsgesetz will die Union am 13. Februar 2003 in den Bundesrat einbringen. Der Gesetzesentwurf zur Zuwanderung sieht für verfolgte Frauen deutlich mehr Rechte als bisher vor. Der Entwurf war jedoch im Dezember 2002 aus formalen Gründen vom Bundesverfassungsgericht für ungültig erklärt worden. 
Bislang wird Ausländerinnen in Deutschland nur Asyl gewährt, wenn sie nachweisen können, dass sie in ihrer Heimat aus politischen Gründen verfolgt werden, nicht auch aus geschlechtsspezifischen Gründen.



12. Februar 2003: Keine Familienversicherung für besser verdienende Paare
Besser verdienende Ehepaare können ihre Kinder auch künftig nicht beitragsfrei in der gesetzlichen Krankenkasse mitversichern lassen. Das Bundesverfassungsgericht wies am 12. Februar 2003 die Verfassungsbeschwerde einer Mutter ab. Die pflichtversicherte Frau wollte ihren minderjährigen Sohn mitversichern lassen. Nach geltendem Recht ist ihr das verwehrt, weil ihr Mann als Beamter mehr als sie verdient und privat versichert ist. Weil unverheiratete Paare von der Regelung nicht betroffen sind, sah die Frau den im Grundgesetz garantierten Schutz der Ehe verletzt. (Aktenzeichen: 1 BvR 624/01 vom 12. Februar 2003)
Dieses Argument überzeugte die Karlsruher RichterInnen nicht. Zwar sei es der Gesetzgeberin untersagt, die Ehe gegenüber anderen Lebensgemeinschaften zu diskriminieren. Betrachte man jedoch die Regelungen der Familienversicherung insgesamt, dann seien Eheleute nicht schlechter gestellt als ledige Paare.
 Die allgemeine Tendenz des Gesetzes ziele auf den Ausgleich familiärer Belastungen und bringe neben Nachteilen auch Vergünstigungen für Verheiratete mit sich - zum Beispiel die Möglichkeit, den Partner beitragsfrei mitzuversichern. Zudem seien eheliche Kinder besser durch Unterhaltsansprüche abgesichert. Deshalb sei eine "punktuelle gesetzliche Benachteiligung" hinzunehmen, heißt es in dem Urteil. Von dem Ausschluss betroffen sind nach Klägerangaben rund 160.000 Kinder.
Der Erste Senat billigte der Gesetzgeberin Gestaltungsfreiheit in Fragen der Krankenversicherung zu. Zwar folge aus dem Grundgesetz eine  "allgemeine Pflicht des Staates zur Förderung der Familie". Konkrete Ansprüche auf bestimmte staatliche Leistungen könnten daraus jedoch nicht hergeleitet werden.
Derzeit sind Eheleute von der Familienversicherung ausgeschlossen, wenn der Partner/die Partnerin mit dem höheren Einkommen mehr als 3.825 Euro pro Monat verdient und privat versichert ist. Bundesweit sind rund 14,6 Millionen Kinder und fast 7 Millionen EhepartnerInnen - überwiegend Frauen - beitragsfrei mitversichert. Für Leistungen aus der Familienversicherung geben die Kassen jährlich mehr als 15 Milliarden Euro aus.
Das Bundesgesundheitsministerium sieht sich durch den Karlsruher Spruch bestätigt. Es hatte in der mündlichen Verhandlung im November die Beschränkung der Regelung auf Ehepaare damit gerechtfertigt, dass das Bestehen einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft nur mit beträchtlichem Verwaltungsaufwand feststellbar sei. Die Zahl der nichtehelichen Kinder, die vom derzeitigen Zustand profitieren, bezifferte das Ministerium mit 5000 bis 7000. Der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) begrüßte das Urteil. Karlsruhe habe der "Rosinenpickerei" bei der Wahl der Krankenversicherung eine Absage erteilt.
Das Gericht hatte auch keine Einwände dagegen, dass die beitragsfreie Mitversicherung den Paaren mit höherem Verdienst vorenthalten wird. Die Regelung diene dem sozialen Ausgleich zur Entlastung der Familie. Weil wirtschaftlich leistungsfähigere Versicherte weniger schutzbedürftig seien, habe der Gesetzgeber die Vergünstigung vom Einkommen abhängig machen dürfen. Infos: Bundesverfassungsgericht: www.bverfg.de



06. Februar 2003: Studie bestätigt: Frauen in Altersversorgung benachteiligt 
Eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung bestätigt, dass die mangelnde Verzahnung von Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik für die Frauen in  Deutschland und Frankreich zu Nachteilen in der Rentenversorgung führt. 
Die Sozialwissenschaftlerin Mechthild Veil und der Rentenexperte Bert Rürup verweisen in ihrer Studie darauf, dass trotz erheblicher Unterschiede bei den beruflichen Möglichkeiten für Mütter Frauen in beiden Ländern im Alter durchschnittlich deutlich niedrigere Versichertenrenten bekämen als Männer.
Obwohl Frankreich durch seine Familienpolitik und staatliche Hilfen die Erwerbstätigkeit von Müttern fördere, seien die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Rentenzahlungen im Nachbarland nicht wesentlich geringer als in der Bundesrepublik. In Frankreich erhielten Frauen 60 Prozent des Niveaus der Männer, in Deutschland 50 Prozent. 
Die Gründe seien vielseitig. Zum einen existiere in Frankreich der "Terror der 40 Versicherungsjahre" für eine abschlagfreie Rente mit 60. Bei weniger Zeit gebe es hohe Abstriche an der Grundzahlung. Insgesamt haben Frauen den Angaben zufolge im Schnitt gut 30 Versicherungsjahre, im Vergleich zu 41 bei Männern. In Deutschland seien es nur gut 25
beziehungsweise rund 39 Jahre im Westen und gut 40 sowie 43 Jahre im Osten. Das Ziel einer eigenständigen Alterssicherung von Frauen müsse, so Mechthild Veil, über kompensatorische Regelungen im Rentenrecht erreicht werden. Für die Bundesrepublik hieße das, Kindererziehungszeiten auszubauen, zusätzliche Reformen in Richtung einer Mindestrente anzugehen und auf einheitliche Tarife für beide Geschlechter in der kapitalgedeckten betrieblichen Vorsorge zu setzen. Für Frankreich bedeute dies eine größere Zielgenauigkeit und Einheitlichkeit in den kinderbezogenen Rentenleistungen zu erreichen, die harte Schwelle der 40 Jahre abzuschaffen sowie die Kassen und ihre Leistungen in der beruflichen Absicherung stärker zu vereinheitlichen. In Deutschland seien mehr Einrichtungen für die Kleinkindbetreuung notwendig, wie sie in Frankreich seit langem bestünden. Denn nach wie vor bilde die Erwerbstätigkeit die eigentliche Grundlage dafür, dass sich Frauen für das Alter eine eigene Existenzsicherung aufbauen könnten. Die Versorgung der weiblichen Bevölkerung müsse deshalb auf einer stärkeren Koppelung von Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik beruhen. Darin könne Frankreich als Vorbild dienen. Auch Rürup betonte, die wichtigste Ursache für Armut seien nicht so sehr hohe Kinderzahlen als vielmehr die mangelnden Möglichkeiten, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.


06. Februar 2003: Internet in 16 Millionen Haushalten - Alter und Bildung entscheidend
Das statistische Bundesamt hat ermittelt, dass es 2002 in insgesamt 16 Millionen deutschen Haushalten einen Zugang zum Internet gab. Das seien 43 Prozent aller Haushalte. Im europäischen Durchschnitt waren es nur 40 Prozent. Vor allem junge Menschen und gut Ausgebildete surfen im Netz. Der Anteil der Internetnutzerinnen lag der Studie zufolge bei 41 Prozent, die der Männer bei 52 Prozent. Von den Unternehmen in Deutschland nutzten 62 Prozent das Internet. 
Die StatistikerInnen hatten im ersten Quartal 2002 in einer Pilotstudie 5.000 Haushalte und rund 6.700 Unternehmen befragt.


06. Februar 2003: Korrigierte Rechtsprechung: Schwangerschaft darf bei Einstellungsverfahren generell verschwiegen werden
Generell haben Frauen das Recht, bei Einstellungsverfahren eine bestehende Schwangerschaft zu verschweigen. Das entschied das Bundesarbeitsgericht (BAG) am 06.02.2003 in Erfurt
(Az.: 2 AZR 621/01). Damit folgte das höchste deutsche Arbeitsgericht dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). 
Erfolgreich geklagt hatte eine Frau aus Leipzig. Eine Wäscherei hatte ihren unbefristeten Arbeitsvertrag als Wäschereigehilfin als nichtig angesehen und ihr zudem "arglistige Täuschung" vorgeworfen, weil sie ihre Schwangerschaft nicht angegeben hatte. Nach Auffassung der Erfurter Richter ist das Verschweigen der Schwangerschaft nicht als arglistige Täuschung zu werten, weil die Frage nach der Schwangerschaft unzulässig ist. Sie stelle eine verbotene Diskriminierung wegen des Geschlechts dar, begründete der zuständige 2. Senat seine Entscheidung. Dies gelte auch für den Fall, dass die vereinbarte Tätigkeit während der Schwangerschaft wegen eines mutterschutzrechtlichen Beschäftigungsverbotes zunächst nicht ausgeübt werden könne. Das Beschäftigungshindernis sei in diesen Fällen vorübergehender Natur und führe nicht zu einer dauerhaften Störung des Vertragsverhältnisses. Damit folgte das BAG der Rechtsprechung des EuGH und räumte den Frauen bei der Frage nach einer Schwangerschaft mehr Möglichkeiten als bislang ein. Bisher hatten die deutschen Richter in dem Fall, wo es um bestimmte Beschäftigungen geht, in der Regel zu Gunsten der ArbeitgeberInnen entschieden. Bei bestimmten Beschäftigungen musste eine Schwangerschaft angegeben werden. Dies galt etwa bei einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung.


06. Februar 2003: Erstmals eine Frau an der Spitze des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit (IAB) wird erstmals in seiner Geschichte von einer Frau geführt. Prof. Jutta Allmendinger, Ph. D., hat am 01. Februar 2003 die Leitung des IAB für zunächst fünf Jahre übernommen. Die Soziologin tritt die Nachfolge von Prof. Dr. Gerhard Kleinhenz an.

Allmendingers akademische Laufbahn führte nach dem Studium in Mannheim über die Universitäten Harvard, Frankfurt und Berlin nach München, wo sie einen Lehrstuhl für Soziologie an der Ludwig- Maximilians- Universität inne hatte. Sie will im IAB mit der verstärkten Analyse von bildungs- und sozialpolitischen Fragen neue Akzente setzen. Intensive Kontakte zu Verwaltung und Selbstverwaltung der BA, zu Politik, Verbänden und Öffentlichkeit möchte Allmendinger zur wissenschaftlichen Politikberatung nutzen. Als Mitglied der neu gegründeten Familienkommission des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist ihr wichtig, die Zusammenhänge zwischen Familien-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik deutlich zu machen.



Jutta Allmendinger:
Neue Leiterin des IAB.
Infos: www.iab.de



31. Januar 2003: Lesben- und Schwulenverband fordert  "Jawort" von Merkel 
Der Lesben- und Schwulenverband hat am Freitag in Berlin von der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel und ihrer Partei erneut das "Jawort" für die so genannte "Homo-Ehe" gefordert. 
Hintergrund: In Belgien hat am 30. Januar die belgische Abgeordnetenkammer für die gesetzlichen Vorschriften gestimmt. Zuvor hatte der belgische Senat im vergangenen Herbst ebenfalls grünes Licht gegeben. Laut dem Lesben- und Schwulenverband unterstützten dabei auch die ChristdemokratInnen des flämischen CDenV mehrheitlich das Gesetz.


 31. Januar 2003: Abnahme der Brustkrebs-Todesfälle seit Mitte der 90er Jahre
Das Deutsche Krebsforschungszentrum teilt mit, dass immer weniger Frauen in Deutschland an Brustkrebs sterben. Die Zahl der Brustkrebs- Todesfälle nimmt seit Mitte der 90er Jahre beständig ab. Im Jahr 1995 starben demnach 18.674 Frauen an Brustkrebs, im Jahr 2000 waren es 17.814. Gründe seien eine bessere Vorsorgetechnik und eine breitere Akzeptanz der Vorsorgeuntersuchung. Besonders Frauen vor den Wechseljahren lassen sich häufiger untersuchen. Mit der ärztlichen Weiterbildung habe sich zudem die Qualität der Mammographie-Diagnose verbessert, und auch die Ultraschalltechnik sei besser geworden. Langfristig habe auch die Einführung der Chemo- und der Hormontherapietherapie nach Brustkrebsoperationen die Sterblichkeit gesenkt. Jährlich wird bei 48.000 Frauen in Deutschland Brustkrebs diagnostiziert. 


30. Januar 2003: Bei den "Tagesthemen"-Kommentaren dominieren die Männer
Die Auswertung der "Tagesthemen"- Kommentare durch die Kölner "Funk- Korrespondenz" hat ergeben, dass im Jahr 2002 unter den 20 JournalistInnen, die ihre Meinung zum aktuellen Geschehen vortrugen, nur 3 Frauen waren. Insgesamt wurden 209 Kommentare gesprochen. Während vier Männer je zwölf Mal zu Wort kamen, sprachen Petra Lidschreiber (Sender Freies Berlin) acht, Tina Hassel (WDR) sieben und Sonia Mikich (WDR) vier Kommentare.


30. Januar 2003
: "Wir sind Kirche" kritisiert Exkommunikation von sieben Priesterinnen
Die Bewegung "Wir sind Kirche" hat die Exkommunikation von sieben katholischen Frauen scharf kritisiert, die sich im vergangenen Sommer zu Priesterinnen hatten weihen lassen. Dieser Schritt des Vatikan zeige "in erschreckender Weise die Dialogunfähigkeit und Erstarrung" der katholischen Kirche in Fragen der Berufung von Frauen zum Priesterinnenamt, so die Sprecherin der "KirchenVolksbewegung" am 30. Januar im westfälischen Haltern. Der Ausschluss der Frauen aus der katholischen Kirche war am 27. Januar 2003 bekannt geworden. 
Dass der Vatikan den Ausschluß ohne persönliche Anhörung der sieben Frauen gefällt hat, die von der Entscheidung erst durch die Presse erfahren hätten, sei zusätzlich zu kritisieren. Der Ausschluss von Frauen vom römisch- katholischen Priesteramt sei biblisch- theologisch nicht zu begründen und ein "Skandal", meinte die Sprecherin der kirchenkritischen Initiative.
Nach US-amerikanischen Umfragen befürworteten 70 Prozent der praktizierenden KatholikInnen die Priesterinnen-Weihe. Im deutschsprachigen Raum hätten 2,3 Millionen Menschen 1995 ein "Kirchen-Volksbegehren" unterschrieben, das auch die katholische Priesterweihe für Frauen gefordert habe.
Die sieben Frauen aus Deutschland, Österreich und den USA waren im vergangenen Juni durch einen vom Vatikan nicht anerkannten Bischof zu Priesterinnen geweiht worden. Unmittelbar danach hatte Kardinal Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation des Vatikan den Frauen d
en Kirchen-Ausschluss angedroht. Das Priesteramt ist nach römisch- katholischem Kirchenrecht ausschließlich Männern vorbehalten.


29. Januar 2003: DGB beharrt auf Gleichstellungsgesetz für private Wirtschaft

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) setzt weiter auf gesetzliche Regelungen zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Betrieb. "Die freiwillige Vereinbarung der Spitzenverbände der Deutschen Wirtschaft mit der Bundesregierung reicht nicht aus, die nach wie vor bestehenden Benachteiligungen von Frauen bei der Berufswahl, Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten oder Bezahlung abzubauen", erklärte DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer in Berlin. Der DGB erwarte daher von der Bundesregierung, die neue EU-Gleichbehandlungsrichtlinie durch gesetzliche Regelungen umzusetzen, damit die Rechte der Frauen tatsächlich gestärkt würden.


29. Januar 2003: Deutscher Frauenrat kritisiert das Mehrheitsvotum des Nationalen Ethikrates zur Präimplantationsdiagnostik
Der Deutsche Frauenrat kritisiert das Mehrheitsvotum des Nationalen Ethikrates, die Präimplantationsdiagnostik (PID) unter bestimmten Voraussetzungen zu erlauben. "Die PID ist ein Selektionsverfahren. Wer sie eingeschränkt zulassen will, öffnet die Türe für eine Qualitätskontrolle von Leben", sagte die Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, Dr. Inge von Bönninghausen. "Wir befürchten, dass der Druck auf Frauen steigt, ein 'perfektes Baby' zu bekommen und die Diskriminierung von Behinderungen gefördert wird."
Die Mehrheitsentscheidung des vom Bundeskanzler eingesetzten Nationalen Ethikrates bestärkt den Deutschen Frauenrat in seiner Forderung, die Enquete-Kommission des Bundestages "Recht und Ethik in der modernen Medizin" wieder einzusetzen. Nur sie kann gewährleisten, dass die komplexen Probleme und Folgen der Gentechnologie aus gesellschaftlicher, medizinischer und juristischer Sicht öffentlich diskutiert werden. Hierbei müssen die Frauenverbände stärker als bisher einbezogen werden. Infos: www.frauenrat.de


21. Januar 2003: Aktionsplan gegen gewalttätige Männer bringt Frauenhäusern Zulauf 
Die wachsende Ächtung gewalttätiger Männer bringt den rund 400  Frauenhäusern in Deutschland starken Zulauf: Die steigende Zahl der Schutz, Zuflucht oder Rat suchenden Frauen stellt die Häuser - ein Jahr nach in Kraft treten des Gewaltschutzgesetzes - vor neue Probleme: Die öffentlichen Zuschüsse werden spärlicher, preiswerte Wohnungen seltener. Die räumliche Enge vieler Häuser ist vor allem für die Kinder belastend. Gleichzeitig nehmen die psychischen Probleme der jährlich schätzungsweise 40.000 Schutz suchenden Frauen zu. Fast die Hälfte der Zuflucht Suchenden sind Aussiedlerinnen oder Ausländerinnen - viele von ihnen sind mit Deutschen verheiratet. Die unterschiedlichen kulturellen Vorstellungen stellen die Frauenhaus-Mitarbeiterinnen vor neue Herausforderungen. Auch die Probleme der Kinder in Frauenhäusern sind stärker ins Blickfeld gerückt: Die Jungen und Mädchen wurden oft selbst misshandelt oder sind von der beobachteten Gewalt traumatisiert. 
Den Aktionsplan, mit dem Gewalt gegen Frauen "umfassend und nachhaltig" bekämpft werden soll, hatte das Bundeskabinett bereits Ende 1999 beschlossen. Das seit 2002 gültige Gewaltschutzgesetz sieht u
nter anderem vor, dass die Polizei prügelnde Männer in akuten Gewaltsituationen aus der Wohnung weisen kann. 


23. Januar 2003: Bundesministerinnen begrüßen PID-Entscheid des Ethikrates
Die Bundesministerinnen Ulla Schmidt, Edelgard Bulmahn und Renate Schmidt (alle SPD) haben einhellig die Empfehlung des Nationalen Ethikrates begrüßt, unter strengen Bedingungen die umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) in Deutschland zu erlauben. "Gerade mit Rücksicht auf die betroffenen Frauen halten wir die Möglichkeit einer PID unter strengen Beschränkungen und Voraussetzungen für vertretbar", so die Ministerinnen für Gesundheit, Forschung und Frauen in einer gemeinsamen Erklärung. Dabei begrenze der Ethikrat die PID klar auf schwere und nicht heilbare Erbkrankheiten. Dank der PID könnten auch späte Schwangerschaftsabbrüche vermieden werden.
Bei der PID werden im Reagenzglas gezeugte Embryonen vor der Einpflanzung in die Gebärmutter auf mögliche Genschäden untersucht. Nach geltender Rechtslage gilt dies in Deutschland allerdings als verboten. Gentests an Embryos im Mutterleib und gegebenenfalls eine Abtreibung sind dagegen erlaubt.


22. Januar 2003: Frauen wählen bevorzugt SPD, Männer wählen eher Union
Bei der Bundestagswahl am 22. September 2002 haben Männer bevorzugt CDU und CSU gewählt, Frauen wählten eher SPD. Auf das Alter bezogen zeigten sich die Vorlieben noch deutlicher: insbesondere junge Frauen entschieden sich für die SPD, ältere Männer hingegen eher für die Unionsparteien. Nach der am 22. Januar 2003 in Berlin vom Bundeswahlleiter veröffentlichten repräsentativen Wahlstatistik erreichte die SPD ihr bestes Zweitstimmenergebnis mit 41,3 Prozent bei den weiblichen Jungwählerinnen zwischen 18 und 24 Jahren. Die Union errang bei den über 60-Jährigen ihren Spitzenwert von 46,4 Prozent.
Von den jungen Frauen machten ihr Kreuz nur 30,7 Prozent bei CDU oder CSU. Bei der Gesamtauszählung lagen SPD und CDU/CSU mit 38,5 Prozent gleichauf. Die repräsentative Stichprobe analysiert das Wahlverhalten nach Alter, Geschlecht und Wählerstruktur. Im Osten Deutschlands gingen deutlich weniger BürgerInnen zur Wahl als im Westen. In den neuen Ländern (einschließlich Berlin-Ost) lag die Wahlbeteiligung nur bei 72,8 Prozent, im Westen bei 80,6 Prozent. Damit ist der Abstand im Vergleich zu 1998 noch größer geworden. Bei der Unterscheidung nach dem Alter hatte die SPD bei den Zweitstimmen in allen Gruppen einen ähnlich hohen Zuspruch. Bei den Unionsparteien steigt der Stimmenanteil mit dem Alter ihrer WählerInnen. Nur 32 Prozent der 18- bis 24-Jährigen wählten CDU oder CSU, aber 46 Prozent der WählerInnen ab 60. Generell lag die SPD bei den weiblichen Wählern mit 40,2 Prozent klar vor den Unionsparteien mit 37,8 Prozent. Bei den Männern war es umgekehrt: 39,2 Prozent für CDU/CDU und 36,7 Prozent für die SPD. Auch die FDP erfuhr einen überdurchschnittlichen Zuspruch bei der männlichen Wählerschaft. Die Grünen schnitten bei den Frauen besser ab.
Die kleineren Parteien Grüne und FDP schnitten bei den jüngeren WählerInnen besser ab als bei den älteren. Die FDP holte bei den 18 bis 24 Jahre alten Wählern mit 10,2 Prozent einen Spitzenwert, der deutlich über den insgesamt erreichten 7,4 Prozent lag. Die Grünen erreichten in den Altersgruppen bis 59 Jahre Werte zwischen 8,8 und 12,6 Prozent. Bei den Älteren ließ der Zuspruch deutlich nach und fiel mit 3,8 Prozent unter die 5-Prozent-Marke. Am besten schnitten die Grünen mit 13,5 Prozent bei den 35- bis 44-jährigen Frauen ab.
Der Statistik zufolge waren bei der Bundestagswahl 32,1 Prozent der WählerInnen 60 Jahre und älter. Von den WählerInnen der Union waren 39,3 Prozent mindestens 60 Jahre alt. Bei der SPD lag dieser Anteil bei 32,9 Prozent und entsprach fast dem Anteil der Wahlberechtigten. Die Jungen von 18 bis 24 stellten einen Anteil von 9,2 Prozent. 8,0 Prozent dieser Gruppe wählte die SPD, 6,7 Prozent CDU/CSU. Bei der grünen Wählerschaft dominierten mit 30,5 Prozent die mittleren Altersgruppen von 35 bis 44. Bei den FDP-Anhängern dominierten die Jüngeren. Von den 25- bis 34-Jährigen (Anteil 14,7 Prozent) gaben 18,2 Prozent ihre Zweitstimme den Liberalen.
Bei der Wahlbeteiligung hat sich der Trend zur Enthaltung bei den Wählern unter 30 nicht fortgesetzt. Von den Jungen (21 bis 24) gingen aber nur 68,1 Prozent zur Wahl. Die höchste Wahlbeteiligung mit 86,4 Prozent gab es bei den 60- bis 69-Jährigen. Die fünf Wahlkreise mit der schlechtesten Wahlbeteiligung lagen alle im Osten. Von dem fünf Wahlkreisen mit der höchsten Beteiligung lagen vier im Land des bayerischen Herausforderers Edmund Stoiber.
Beim Stimmensplitting (unterschiedliche Abgabe der Erst- und Zweitstimme) zeigten sich deutliche Unterschiede. Der kräftige Überhang an Zweitstimmen bei den Grünen kam hauptsächlich von SPD-WählerInnen. Dagegen gaben von den 3,7 Millionen der Grünen-WählerInnen nur 1,1 Millionen auch ihre Erststimme dieser Partei. Die FDP profitierte hingegen vom Stimmensplitting der CDU-WählerInnen. Der FDP gaben 3,5 Millionen WählerInnen ihre Zweitstimme, aber nur 1,6 Millionen auch ihre Erststimme. Am homogensten verhielten sich die CSU-WählerInnen: 92 von 100 WählerInnen gaben der Partei ihre Erst- und Zweitstimme.


22. Januar 2003:
filia - die Frauenstiftung dokumentiert guten Abschluß für 2002
Filia, eine Stiftung von Frauen für Frauen, zieht eine positive Bilanz. Durch eine erhebliche Steigerung des Stiftungskapitals konnten im Jahr 2002 drei wichtige Frauenprojekte gefördert werden: SEKA, Arbeit mit kriegstraumatisierten Frauen in Ex-Jugoslawien, ADEFRA, ein Mädchentheaterprojekt gegen Rassismus, und ASTRAEA, ein Internationaler Fond für sexuelle Mionoritäten. Ziel der Stiftung ist es, Frauenprojekte in Deutschland sowie in ökonomisch benachteiligten Ländern zu unterstützen, die sich für das Empowerment, die gezielte Stärkung von Mädchen und Frauen, einsetzen.
Organisiert ist filia im weltweiten Netzwerk von Frauenstiftungen „International Network of Women’s Funds“. Ihren Sitz hat die Stiftung in Wiesbaden. Infos: www.filia-frauenstiftung.de
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20. Januar 2003: Studie: Bank-ManagerInnen erhielten 2002 trotz Finanzkrise mehr Gehalt
Aus einer in Gummersbach veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Kienbaum geht hervor, dass trotz Finanzkrise und Massenentlassungen die Gehälter der leitenden Bankangestellten im vergangenen Jahr im Schnitt um 3,4 Prozent gestiegen sind. Demnach erhielten Manager der ersten Führungsebene unter dem Vorstand im Schnitt ein Jahresgehalt von 101.000 Euro. Eine Hierarchiestufe darunter würden 78.000 Euro verdient. Frauen sind der Studie zufolge in den Chefetagen einer Bank nur selten zu finden. Nur acht von hundert ManagerInnen der ersten Führungsebene seien Frauen, auf der zweiten Ebene unter dem Vorstand seien es immerhin 20. Zudem bekämen Frauen für die gleiche Arbeit 16 bis 25 Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen.







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