FRAUENNEWS: internationale News Oktober - Dezember 1997
Dez 97, Wien: Frauen ab 1998 in der Armee zugelassen
Das österreichische Parlament beschloß, daß Frauen zum
freiwilligen Dienst im Heer zugelassen werden und ihnen alle
Karrierewege bis hin zur Generälin ab 01.04.1998 offenstehen
sollen.
Dez 97, Wien: Behalten die Wiener
Sängerknaben ihren Namen?
Ab 1998 wird nun auch
Mädchen der Zutritt gewährt, nach 500 Jahren.
Dublin: Dreizehnjährige erhielt
Zustimmung für offizielle Abtreibung
Ein dreizehnjähriges Mädchen wurde nach der brutalen
Vergewaltigung durch einen Freund der Familie schwanger. Der
Oberste Gerichtshof von Irland stimmte nun Ende November einer
Abtreibung im Ausland zu. Das Mädchen ist in der dreizehnten
Woche schwanger. Die Eltern des Mädchens lehnten eine Abtreibung
ab. Das Mädchen drohte damit, sich das Leben zu nehmen, wenn sie
das Kind austragen müßte.
Im Jahr 1992 hatte das Oberste Gericht einem vierzehnjährigen
vergewaltigten Mädchen untersagt, zu einer Abtreibung nach
Großbritanien zu reisen. Jährlich lassen dort rund 4.000
irische Frauen Abtreibungen vornehmen. Abtreibungen sind bei
Gefahr für das Leben der Mutter oder des Kindes in Irland legal,
werden aber in den irischen Krankenhäusern nicht durchgeführt.
Die Situation der dreizehnjährigen hat in Irland die
Diskussion um Abtreibungen in Irland neu entfacht.
22. Nov 97, Pretoria:
Männer-Protest gegen Gewalt gegen Frauen und Kinder
Rund tausend Männer haben
in der südafrikanischen Hauptstadt gegen Gewalt gegen Frauen und
Kinder protestiert. Nach Angaben der Organisatoren wird in
Südafrika alle 25 Sekunden ein minderjähriges Mädchen oder
eine Frau vergewaltigt.
Nov 97, Clinton
Hauptredner bei Schwulen- und Lesbenveranstaltung
Am 08.11.97 war Präsident
Bill Clinton Ehrengast und Hauptredner beim Galadiner des
Schwulen- und Lesbenverbandes "Human Rights Campaign"
in den USA. Als erster US-Präsident nahm er an einer offiziellen
Veranstaltung von Homosexuellen teil und setzte sich deutlich
für die Rechte von homosexuellen Menschen ein. VertreterInnen
von Homosexuellenverbänden betonten seine Berufung von Schwulen
und Lesben in hohe öffentliche Ämter. Erst kürzlich wurde
ein offen homosexuell lebender Mann als US-Botschafter für
Luxemburg nominiert.
Nov 97, Wellington: Neuseeland in
Frauenhänden
Wenn auch nur vorübergehend, so wird Neuseeland zum ersten Mal
in der Geschichte von einer Frau regiert. Die bisherige Verkehrs-
und Frauenministerin Jenny Shipley wurde zur neuen Partei- und
Regierungschefin nominiert, nachdem Ministerpräsident Bolger
seinen Rücktritt ankündigte.
Nov 97, Amman: Keine Frau mehr im neuen
Parlament von Jordanien
In Jordanien fanden am
04.11.97 Parlamentswahlen statt. Um die 80 Parlamentssitze
bewarben sich ca. 520 KandidatInnen, darunter 17 Frauen. Keine
von ihnen bekam einen Sitz. Die einzige Frau im letzten Parlament
sprach von Wahlbetrug. Die größte oppositionelle Partei hatte
die Wahl ganz boykottiert. Nur fünf Parlamentssitze gingen an
Vertreter politischer Parteien, 75 Plätze gingen an König
Hussein ergebene Stammesführer.
Okt 97, Dublin: Neue
Präsidentin in Irland ist eine nordirische Katholikin
Die irische Bevölkerung
entschied sich für Mary McAleese als Präsidentin für die
nächsten sieben Jahre und damit zum ersten Mal für eine
geborene Nordirin. McAleese will sich für die Aussöhnung der
Nord- und Süd-IrInnen einsetzen. Sie ist absolute
Abtreibungsgegnerin: 1992 stand sie in Opposition zu einer
Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, das einem 14jährigen
Mädchen nach einer Vergewaltigung die Abtreibung erlaubte.
Ihre Vorgängerin Mary Robinson wurde im September zur
UN-Hochkommissarin berufen. Ihr ist es zu verdanken, das dem eher
symbolischen Amt eines/r PräsidentIn ein politischer Anstrich
gegeben wurde.
Vier sehr verschiedene Kandidatinnen und ein Kandidat standen
für die Wahl am 30. Oktober 97 in Irland zur Auswahl:
1. Mary Banotti, 58, seit 13 Jahren Europa-Abgeordnete, gelernte
Krankenschwester, Kandidatin der konservativen Fine
Gael-Opposition, seit 20 Jahren geschieden
2. Adi Roche, 42, Menschenrechtlerin, wird von der oppostionellen
Labourpartei, den Grünen und der Partei der Demokratischen
Linken unterstützt
3. Mary McAleese, 47, Rechtsprofessorin, "radikale"
Katholikin (Scheidungs- und Abtreibungsgegnerin), verheiratet und
3 Kinder
4. Rosemary Scallon ("Dana"), 44, Moderatorin einer
religiösen Talkshow in den USA, Katholikin und absolute
Abtreibungsgegnerin, gewann als Sängerin 1970 den
Eurovisions-Wettbewerb
Okt 97, Helsinki: Bewährung wegen
"schneller" Vergewaltigung
Ein Mann hatte in Finnland
vorsätzlich eine Frau zweifach vergewaltigt. Im
Berufungsverfahren wurde vom Oberlandesgericht seine Strafe
von zweieinhalb Jahren Haft auf 22 Monate auf Bewährung gesenkt.
Ihm wurden mildernde Umstände zugebilligt wegen
seiner "schneller Ausführung". Die Generalsekretärin
Leena Ruusuvuori protestierte gegen das Urteil mit der Frage, ob
ein Mord auch milder zu bestrafen sei, wenn er besonders schnell
ausgeführt werde.
Okt 97, Philadelphia: Marsch der
Million Frauen
Rund eine Million
Afroamerikanerinnen beteiligten sich am 25. Oktober 97 beim
größten Treffen schwarzer Frauen in der Geschichte der
USA. Sie demonstrierten gegen schlechte Bildungsmöglichkeiten,
ungenügende Gesundheitsvorsorge, gegen Arbeitslosigkeit und
Gewalt. Dabei riefen sich die Frauen gegenseitig zu
Selbständigkeit, Einigkeit und Stärke auf. Gefordert wurden
u.a. unabhängige schwarze Schulen und eine Untersuchung des
Vorwurfes, der US-Geheimdienst habe die Droge Crack in die
Schwarzenviertel bewußt eingeführt. Afroamerikanische Frauen
leben oft als alleinerziehend und Ernährerinnen der Familie,
denn über die Hälfte ihrer Kinder wachsen ohne Väter auf. Die
Aidsrate ist bei schwarzen Frauen achtzehn mal höher als bei
weißen.
1997, Oslo: Jody Williams neue
Friedensnobelpreisträgerin
Der Friedensnobelpreis 1997
geht zu gleichen Teilen an die Internationale Kampagne für das
Verbot von Landminen (ICBL) und ihre Koordinatorin Jody Williams
(47). Die US-Amerikanerin hat nun ein weiteres Ziel vor sich: sie
will Präsident Clinton von der
Anti-Personenminen-Kampagne überzeugen, denn die USA hat
einen Beitritt zum Vertrag unter fadenscheinigen Gründen
abgelehnt. Ebenso Rußland und China. Jährlich gibt es 25.000
Tote und Verletzte durch Minen. Die Opfer der Minen sind
zumeist Frauen, die auf den Feldern arbeiten, oder Kinder (30%),
die spielen. Jährlich werden 2 Millionen Anti-Personenminen neu
verlegt, aber nur 100.000 geräumt!
Zu der 1992 gegründeten Organisation gehörte als prominenteste
Vertreterin die kürzlich verstorbene Prinzessin Diana. Anfang
des Jahres zog sie mit ihrem Engagement den Unwillen britischer
Politiker auf sich. Weiterhin in der Kampagne engagiert ist
Emma Bonino, EU-Kommissarin für humanitäre Fragen. Mit dem
Preis wird indirekt auch die deutsche Hilfsorganisation Medico
International geehrt.
© 1997-1998 Jana Arakeljan |