FRAUENNEWS: Nationale News Juli - September 1997
Sept 97: Alte Frauen arm dran
75% aller Frauenrenten liegen derzeit unter DM 1.200 und damit
unter Sozialhilfeniveau, denn DM 1.200 entspricht der Sozialhilfe
für eineN alleinstehendeN SozialhilfeempfängerIn in einer
Großstadt.
Sept 97: Alle 3 Minuten eine
Vergewaltigung in Deutschland
Alle drei
Minuten wird ein Mädchen oder eine Frau
vergewaltigt! In Deutschland! Nur in zehn bis zwanzig
Prozent dieser Fälle erstatten die Mädchen oder Frauen Anzeige.
Oft dauert es bis zu zwei Jahre, ehe es zu einer
Verhandlung kommt. Außerdem werden die vergewaltigten Mädchen
und Frauen noch zu oft zum Tathergang vernommen. Rund 52% der
tatverdächtigen Sexualstraftäter werden angeklagt, in 48%
der Fälle wird das Verfahren eingestellt, so der Leitende
Oberstaatsanwalt Wolfram Schädler. Nach Untersuchungsergebnissen
kennen 83% der Vergewaltigten den Täter schon vor der Tat. 60%
der Täter kommen aus dem Nahbereich des Opfers.
(Zahlen: Fachtagung des saarländ. Sozialministeriums zum Thema
"Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen",
08.09.97)
Sept 97: Töchter erben weniger als
Söhne
Die Soziologin Marianne
Kosmann stellte in einer Forschungsarbeit fest, daß Söhne
anderthalbfach soviel erben als Töchter. 1960 war der
Unterschied noch größer: da erbten Söhne dreimal soviel als
Töchter.
Wiesbaden: Verhältnis Frauen/ Männer im
Knast
Ende März 1996 verbüßten gerade rund 48.900 Menschen
eine Haftstrafe (23,8% mehr als 1992). Nur vier Prozent davon
waren Frauen. Wie wäre es mit einer Männer-Knast-Steuer?
Bonn: Informationen für Frauen
Dieses recht gute Büchlein ist in einer Neuauflage
erschienen und bei Interesse anzufordern beim: Presse- und
Informationsamt der Bundesregierung Welckerstraße 11 53105
Bonn Tel 01805/ 22-1996 Fax 01805/ 22-1997
"Der Spiegel":
Bundesministerien verstoßen gegen Frauenförderungsgesetz
Ausgerechnet acht Bonner Ministerien haben bislang nicht den
vorgeschriebenen Frauenförderplan vorgelegt. In den übrigen
acht Bonner Ressorts liegt so ein Plan zwar vor, entspreche aber
nicht den gesetzlichen Kriterien. (aua)
Schwangerschaftsabbrüche 1996 in
Deutschland
1996 gab es über 130.000 Abtreibungen in der BRD. Mehr als 52
% der Frauen waren verheiratet, 40 % waren ledig, 8
% verwitwet oder geschieden. Das durchschnittliche Alter lag
bei 28 Jahren. Minderjährig waren 3,6 %, älter als 40 Jahre
waren mehr als 6 % der Frauen. Die meisten Abtreibungen gab es in
Bremen, Brandenburg und Berlin, die wenigsten in Rheinland-Pfalz,
Niedersachsen und Bayern.
(Statistisches Bundesamt
Wiesbaden, 07.08.97)
Studie ergibt: Frauen sind die besseren
Vorgesetzten
Zu diesem Ergebnis kommt
eine Studie der Uni Augsburg. Männer sehen in der Macht vor
allem Herrschaft. Für Frauen bedeutet Macht Verantwortung.
Frauen sind teambewußt, zeigen ein hohes Engagement für ihre
"Untergebenen" und sind weniger ängstlich, auf andere
zuzugehen. Trotzdem hat sich der Anteil an Frauen in den
Führungspositionen seit 25 Jahren kaum verändert.
Berlin: frauenfeindlicher Spruch eines
selbstgerechten Typen
Martin Semmelrogge fühlte
sich wohl in seiner Eitelkeit verletzt, als zwei
Flughafenangestelltinnen ihn nicht als "den"
Schauspieler erkannten und ihn, wie bei jeder Person üblich,
nach seinem Ausweis fragten. Worauf Semmelrogge den Frauen
erwiderte: "Ihr seit wohl schlecht gefickt!".
Ausgerechnet die zuständige Richterin (!) wollte das Verfahren
einstellen, aber der Oberamtsanwalt blieb hartnäckig. Und so
muß Semmelrogge 4.000 Mark Geldstrafe zahlen. Seine Kommentare:
"Nächstes Mal sage ich wahrscheinlich blöde Kuh!" und
er habe "halt ein rebellisches Wesen!".
(hier muß FRAUENNEWS den Mann korrigieren: kein rebellisches
sondern ein primitives und frauenfeindliches Wesen! Echt weh tut
es, wenn dies AutogrammjägerInnen und ProduzentInnen egal ist.)
Hiltrud Schröder eine Nummer zu groß
für Gerhard
Hiltrud Schröder schlägt
ihrem Noch- Ehemann, dem niedersächsischen Ministerpräsidenten
vor, gute Politik in Niedersachsen zu machen, auf den Traum vom
BundeskanzlerInnenamt aber zu verzichten. Außerdem warf sie ihm
Feigheit im Privatleben, einen ungeheuren Mangel an Offenheit und
Verrat seiner eigenen Ziele vor. (wer mehr über Hillu wissen
will, findet was auf dieser WDR-Seite)
Bonn: Schmerzensgeld bei Diskriminierung?
Bündnis 90/Die Grünen
stellten am 24. Juli 97 einen Gesetzentwurf vor,
demnach EinwanderInnen, Behinderte und Homosexuelle Anspruch
auf Schadensersatz und Schmerzensgeld haben, wenn sie
ungerechtfertigt benachteiligt werden. Verbände der Betroffenen
sollen in solchen Fällen Unterlassungsansprüche erwirken
können. Der Entwurf soll im Herbst in den Bundestag eingebracht
werden. CSU- Innenpolitiker Zeitlmann empfindet den Entwurf als
Eingriff in die Vertragsfreiheit im Miet- und Arbeitsrecht. Die
Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften
"stelle die Werteordnung des Grundgesetzes auf den
Kopf."
Brühl: Steffi Graf *glaubt* ohne
(Kirchen-)Steuern
Nicht etwa weil der
Papst gegen Schwangerschaftsverhütung u.ä. ist, sondern wegen
dem schnöden Mammon tritt Steffi Graf kurzerhand aus der
Katholischen Kirche aus. Schade.
Juli 97, Aachen: Tips für Sextouristen
im "Marco-Polo-Reiseführer Bangkok"
Das katholische Hilfswerk
Missio protestierte wiederholt gegen den Verlag "Maiers
geografischer Verlag": "Während thailändische
Mädchen ums Überleben kämpften und sich bei Sexshows heißes
Wachs über ihre Körper fließen lassen müssen, um Männer zu
stimulieren, verharmlose der Reiseführer die Prostitution."
Im August 1996 hatte der Verlag zugesichert, die Ausgabe von 1995
zurückzuziehen.
Juli 97, München: Ausnahme oder Regel
bei Bundeswehrsoldaten?
SAT.1 wurde
ein Videoband zugespielt (zu sehen SAT.1 am 07.07.97 um
18.00 und 22.10 Uhr), auf dem Bundeswehrsoldaten im April 1996 in
Bayern Scheinhinrichtungen und Vergewaltigungen simulierten. Ein
Soldat stellte ein Frau dar, die ein anderer Soldat im Zelt
"vergewaltigt". Dazu die Stimme: "Alle Soldaten
wollen auf eine Frau." Nach der Vergewaltigung muß die
"Frau" ein Holzkreuz tragen. Hinter "ihr"
geht ein Soldat mit Maschinenpistole. Die "Frau" wird
an ein Kreuz gehängt. Weiter wurde Hals aufschlitzen
"geübt" und das Erschlagen eines auf dem Boden
liegenden Menschen. Beteiligt waren sechs bis zehn
Soldaten.
Die Verfassung gebietet der Bundeswehr eine defensive Armee zu
sein. Rühe kündigte Strafverfolgung an.
Juli 97, Hamburg: Kindergeld zu wenig
Der Verband
alleinerziehender Mütter und Väter empfiehlt Eltern,
"schnellstens" schriftlichen Einspruch bei den
Familienkassen des Arbeitsamtes gegen die Höhe des jetzigen
Kindergeldes einzulegen. Nach Ansicht mehrerer
KlägerInnen ist das Kindergeld zu gering. Wer jetzt
gegen die Festsetzung des Kindergeldes Einspruch erhebt,
könnte sich bei einer möglichen Nachbesserung rückwirkend für
sechs Monate seine Ansprüche sichern. Infos: 040/ 21 44
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