FRAUENNEWS: internationale News Januar - März 1998
31.
März 98, New York: Feministin Bella Abzug (77) verstorben
Die Vorsitzende der National Organisation
for Women (NOW) Elisabeth Toledo würdigte am 31.03.1998 die
Verstorbene als "Inspiration für viele Generationen"
und sprach von einem Verlust für die Frauen weit über die USA
hinaus.
Bella Abzug war als Kongreßabgeordnete von 1971 bis 1978
wesentlich an mehreren Gesetzen gegen Diskriminierung aufgrund
des Geschlechts beteiligt. Sie war entschlossene Kämpferin gegen
den Vietnamkrieg und gegen die US-amerikanische Einmischung in
Nicaragua. In den letzten Jahren schrieb Bella Abzug mehrere
Bücher und setzte sich weltweit für Frauenrechte ein. Zum
"äußeren Markenzeichen" wurden ihre breitrandigen
Hüte.
23.
März 98, Kabul: Zwei junge homosexuelle Afghanen lebendig
begraben
Ein homosexuelles Paar (18 und 22 Jahre) ist am 22. März
lebendig unter Schlamm und Ziegelsteinen begraben worden. Die
beiden Männer sind von den Taliban-Milizen wegen ihrer sexuellen
Veranlagung zum Tode verurteilt worden. Bereits im Februar wurden
öffentlich drei Männer auf gleiche Art lebendig begraben.
20.
März 98, Madrid: Internationale Kampagne Homosexueller will
Entschuldigung vom Vatikan
Spaniens Homosexuellen- Verbände forderten
den Vatikan auf, Stellung zu nehmen zur Haltung der Christen
angesichts der jahrhundertelangen Verfolgung von Lesben und
Schwulen.
Nachdem sich die katholische Kirche für den mangelnden
Widerstand gegen die Judenverfolgung entschuldigt hat, wird eine
ähnliche Geste auch gegenüber den homosexuellen Menschen
erwartet.
08.
März 98, Istanbul: Verletzte und Festnahmen bei Frauentags-Demo
Anläßlich des Internationalen Frauentages fanden in Istanbul
zwei Demonstrationen mit jeweils mehreren tausend Türkinnen
statt. Als rund 2.000 Türkinnen auf dem Taksim-Platz für ihre
Rechte demonstrieren wollten, kam es Zusammenstößen mit der
Polizei, die daraufhin Tränengas verwendete und Frauen festnahm.
03.
März 98, Kuwait: Einführung des Frauenwahlrechts gescheitert
- Frauen haben keine Stimme
Einstimmig abgelehnt wurde vom
Parlamentsausschuß in Kuwait der Gesetzentwurf zur Einführung
des Frauenwahlrechts. Der Rechtsausschuß begründete seine
Ablehnung mit einem Erlaß des Ministeriums für islamische
Angelegenheiten, indem es heißt, das es "unislamisch sei,
wenn Frauen sich an politischen Abstimmungen beteiligen oder gar
Abgeordnete sein würden".
Kommentar: ManN deutet
den Koran, wie es IHM gefällt.
14.
Febr 98, New York: Jody Williams Mitarbeit bei den "Vietnam
Veterans" beendet
Die Vietnam Veterans of America Foundation (VVAF) hat die
Friedensnobelpreisträgerin Jodie Williams wegen
"politischer Meinungsverschiedenheiten" entlassen.
05.
Febr 98, Rom: Vom Kloster "Baby-Klappe" eingerichtet
Im Mittelalter stellten Drehbrett-Klappen
die einzigste Verbindung zwischen Klosterfrauen und der
Außenwelt dar. Unter den Gaben befanden sich auch ungewollte
Babys, die so in die Obhut der Nonnen gegeben wurden. In Palermo
wurde nun erneut eine Baby-Klappe eingerichtet. Damit soll
verhindert werden, daß verzweifelte Mütter ungewollte
Neugeborene töten. Die ausgesetzten Neugeborene sollen
anschließend unbürokratisch an Adoptivwillige vermittelt
werden.
05.
Febr 98, Lissabon: Fristenregelung für Abtreibungsrecht
Das portugiesische Parlament verabschiedete
eine Fristenregelung, nach der Schwangerschaftsabbrüche bis zur
zehnten Woche straffrei sind. Die Frauen absolvieren vorher eine
Pflichtberatung. Bisher waren in Portugal Abtreibungen zugelassen
bei Vergewaltigung oder wenn Gefahr für das Leben der Frau
bestand. Nun werden auch soziale und Gewissensgründe akzeptiert.
Die katholische Kirche (über 90% der Portugiesen sind
katholisch) lehnt diese Neuregelung strikt ab.
Pro Jahr wurden in Portugal auf grund der restriktiven
Gesetzgebung rund 16.000 Abtreibungen geheim und illegal
vorgenommen. Diese führten oft zum Tode der Frauen. Zahllose
Portugiesinnen gingen zur Abtreibung ins Ausland.
04.
Febr 98, Huntsville: Hinrichtung und neue Diskussion um
Todesstrafe
Am Dienstag ist die Doppelmörderin Karla Faye Tucker im
US-Bundesstaat Texas hingerichtet worden. Sie hatte vor 14 Jahren
mit ihrem Freund im Drogenrausch eine Frau und einen Mann mit
einer Axt erschlagen. Der Mittäter starb vor seiner Hinrichtung
im Gefängnis. Die Verurteilte wurde mit der Giftspritze
getötet. Die Exekution löste erneut eine (Medien-)Debatte über
die Todesstrafe aus.
Es war das zweite Mal seit Wiedereinführung der Todesstrafe in
den USA 1976, daß eine Frau exekutiert wurde. Seitdem gab es 437
Hinrichtungen durch Giftinjektionen, auf dem elektrischen Stuhl,
in der Gaskammer, am Galgen und durch das Erschießungs-Kommando.
Für die Mörderin hatten sich u.a. die UNO, der Papst, amnesty
international und das Europaparlament eingesetzt. Alle
gerichtlichen Instanzen lehnten jedoch die Gnadengesuche der
38jährigen ab, die für sich eine lebenslange Haftstrafe
erhoffte.
In den USA sind weitere 3.365 Menschen, darunter 46 Frauen zum
Tode verurteilt. Für den 20. April 1998 ist die Hinrichtung der
24jährigen Erica Sheppard in Texas vorgesehen.
Unter den großen westlichen Demokratien halten die USA als
einziges Land an der Todesstrafe fest. Die Todesstrafe ist in 38
US-Staaten - vor allem im Süden und Westen - gesetzlich
vorgesehen, neun von ihnen wenden sie jedoch nicht an. In zwölf
US- Staaten und der Bundeshauptstadt Washington ist sie
ungesetzlich.
Nach einer Statistik des "Death Penalty Information
Center" gibt es die meisten Hinrichtungen in China, gefolgt
von der Ukraine, Rußland, Turkmenien, Iran, Saudi-Arabien und
den USA. In 57 Ländern ist die Todesstrafe ganz abgeschafft.
03.
Febr 98, Brüssel: Aufruf zur Solidarität mit den Frauen in
Afghanistan
Die für humanitäre Fragen zuständige EU-Kommissarin Emma
Bonino startete die Kampagne "Eine Blume für die Frauen in
Kabul" und erklärt "Afghanistan ist das einzige Land
in der Welt, wo das Gesetz die Trennung nach Geschlecht erzwingt.
Dies stellt nicht nur eine grobe Verletzung der Menschenrechte
dar. Dies ist auch wirkliche Geschlechterapartheid."
Der diesjährige Internationale Frauentag
am 08. März wurde zum Solidaritätstag
für die Frauen von Afghanistan erklärt.
Emma Bonino unterzeichnete zusammen mit der schwedischen
EU-Kommissarin Anita Gradin und weiteren fünfzig international
bekannten Frauen, darunter Politikerinnen und
Nobelpreisträgerinnen, einen Aufruf an die UNO und
internationale Organisationen, "alles zu unternehmen, um die
Grundrechte für die Frauen in Afghanistan
wiederherzustellen". Mit Solidaritätskundgebungen in
mehreren Ländern soll die Kampagne am 8. März abgeschlossen
werden.
Seit der Übernahme der Macht in Kabul
durch die Taliban-Milizen im September 1996 ist es Frauen
verboten zu arbeiten, sich zu bilden, Auto zu fahren oder Musik
zu hören.
Bonino hatte Afghanistan im September 1997
besucht. Dabei war sie mit ihrer Delegation zeitweise von den
Taliban festgehalten worden.
30.
Jan 98, Chicago: Ford- Angestellte erhalten Entschädigung wegen
sexueller Belästigung
Acht Frauen und ein Mann haben mit ihrer Klage wegen sexueller
Belästigung und rassistischer Diskriminierung am Arbeitsplatz
gesiegt. Der US-Autokonzern Ford wurde zu einer Zahlung von 1,5
Millionen Dollar verpflichtet.
Die "Chicago Tribune" berichtete, daß die staatliche
Kommission für Gleichberechtigung am Arbeitsplatz derzeit in
fünf weiteren Verfahren gegen Diskriminierung und sexuelle
Belästigung klagt. In einer Klage gegen einen weiteren
Autokonzern beteiligen sich 350 Frauen im US-Bundesstaat
Illinois.
23. Jan 98, Havanna: Papst vertritt in Cuba die Unmündigkeit der
Frau
Auf der gestrigen Messe in Santa Carla
verurteilte der Papst Geburtenkontrolle und generell
Abtreibungen.
FRAUENNEWS-Kommentar: Die deutsche Praxis der
Schwangerschaftskonfliktberatung kann demnach vom
Kirchenoberhaupt auch nicht geduldet werden. Die Mitarbeiterinnen
in den Beratungsstellen harren dem Papstbrief entgegen, der am
27.01. in den Medien veröffentlicht werden wird und den
Konsequenzen daraus seitens der BischöfInnen. Für den Papst ist
es wohl immer noch schwer vorstellbar, daß Frauen nicht endlos
gebären wollen, das die Gesellschaften auf
"Kinderreichtum" nicht mehr ausgerichtet sind, daß
Frauen über ihre Familiensituation selbst entscheiden wollen,
daß Frauen und Männer nicht nur Sex zum Kindererzeugen
betreiben... Hat der Papst Angst vor Frauen?
22. Jan 98, Rom: Vatikan öffnet für WissenschaftlerInnen die
Archive über die Inquisition
ExpertInnen vermuten, daß in den Kellerarchiven des Palastes
neben dem Petersdom Unterlagen über Folterungen und Ermordungen
von angeblichen KetzerInnen und Hexen seit Beginn der Inquisition
1184 vorhanden sind. Ein weiterer Teil alter Akten befindet sich
im päpstlichen Geheimarchiv, daß fast ausschließlich dem Papst
zugänglich ist. Die Franziskaner- und Dominikanerorden hatten
sich lange gegen eine Archivöffnung ausgesprochen, wurden sie
doch vornehmlich zur KetzerInnenverfolgung vom Papst eingespannt.
FRAUENNEWS wird demnächst ein Special zum Thema
"Hexen(verfolgung)" bringen.
Jan
98, New York: Erste UNO-Generalsekretärin ernannt
Louise Frechette, stellvertretende
Verteidigungsministerin Kanadas, wird die Stellvertretende von
UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Die erste Frau in dieser
Position nach 52jähriger Geschichte der UNO.
Weitere Frauen an der UNO-Spitze sind die Japanerin Sadako Ogata
(Hochkommissarin für Flüchtlinge), die US-Amerikanerin Carol
Bellamy (Direktorin des Kinderhilfswerks UNICEF) und die
Pakistanerin Nafis Sadik (Direktorin der
UN-Bevölkerungsorganisation).
Louise Frechette arbeitete zuvor als Botschafterin Kanadas in
Argentinien, Uruguay und Paraguay und anschließend in gleicher
Funktion bei den Vereinten Nationen in New York.
Jan
98, Istanbul: Türkische Staatsministerin verteidigte
Jungfräulichkeitstests
Ausgerechnet die Staatsministerin für Frauenangelegenheiten in
der Türkei, Isilay Saygin, bezeichnete die in der Türkei
praktizierten Jungfräulichkeitstest als
"Notwendigkeit". Das mehrere Mädchen in der Türkei
sich im Angesicht der Virginitätstests das Leben nahmen,
kommentierte die Ministerin mit: "Mädchen, die sich
das Leben nehmen, weil sie sich dem Test unterziehen sollen,
hätten sich irgendwann sowieso umgebracht."
Die türkische Frauenrechtsorganisation KA-DER forderte den
Rücktritt der Politikerin. Die Virginitätstests sind Ausdruck
des grundlegenden Problems in der Türkei, das Mädchen und
Frauen als "Gegenstand der Familienehre" betrachtet
werden. Der Nachweis der Jungfräulichkeit wird zum Teil an
westanatolischen Schulen gefordert, in den Wohnheimen der
Universitäten sowie bei der Vergabe von Stellen im öffentlichen
Dienst.
Jan 98, Paris: Helena-Rubinstein-Preis an
vier Wissenschaftlerinnen vergeben
Der neu gestiftete Preis wird alle zwei Jahre vergeben, ist mit
jeweils 20.000 $ dotiert und wird von der Kosmetikfirma Helena
Rubinstein und der UNESCO verliehen. Eine internationale Jury
nominierte am 07.01.98 die französische Biochemikerin Pascale
Cossart, die chilenische Botanikerin Gloria Montenegro, die
südkoreanische Mikrobiologin Mycong-Hee Yu und die nigerianische
Chemikerin Grace Oladunni Lucia Taylor.