FRAUENNEWS: internationale News April - Juni 1998
30.
Juni 98, Barcelona: Katalonien stellt homosexuelle Paare
rechtlich mit Ehepaaren gleich
Die erste spanische Region hat
homosexuelle, heterosexuelle Lebensgemeinschaften und
Ehegemeinschaften rechtlich gleichgestellt. Vorwiegend wurden
Unterhaltszahlungen und Erbansprüche geregelt. Adoptionen sind
homosexuellen Paaren rechtlich weiterhin nicht möglich.
Homosexuelle Paare müssen ihre Gemeinschaft notariell beurkunden
lassen. Heterosexuelle Paare gelten als Lebensgemeinschaft, wenn
mindestens zwei Jahre zusammen gelebt wurde oder wenn Kinder da
sind.
26.
Juni 98, Tel Aviv: Erste CSD-Parade in Israel
Mehrere hundert Lesben und Schwule nahmen
an der ersten CSD-Parade in Israel teil und demonstrierten für
ihre Rechte. Populäre Show-Master und Sänger drückten ihre
Unterstützung durch ihre Teilnahme aus. In Tel Aviv leben mehr
Homosexuelle als strenggläubige orthodoxe Juden, sie wurden in
der Öffentlichkeit jedoch nicht wahrgenommen. Der
Grand-Prix-Sieg der israelischen transsexuellen Sängerin Dana
hat viel zum stärkeren Selbstbewußtsein der Homosexuellen in
ihrem Land beigetragen.
25.
Juni 98, Istanbul: Türkische Frauen kommen bei Ehebruch nicht
mehr ins Gefängnis
Das türkische Verfassungsgericht hob den
Passus im Strafgesetzbuch auf, nachdem türkische Frauen bei
Ehebruch mit einer Gefängnisstrafe zwischen sechs Monaten und
drei Jahren rechnen mußten. Der Ehebruch der Männer war dagegen
schon immer straffrei. Viele türkische Gesetze räumen dem Mann
eine bevorzugte Stellung gegenüber der Frau ein. Eine
Parlamentskommission forderte im Frühjahr 1998 eine Neuregelung
des Familienrechts, demnach die Feststellung, der Mann sei
"das Oberhaupt der Familie", entfallen soll. Kurz zuvor
wurde das Verprügeln von Ehefrauen unter Strafe gestellt.
siehe auch: Situation der Frauen in der Türkei
20.
Juni 98, Paris: Homosexuellenparade: "Schwule und Lesben
haben Rechte: Menschenrechte"
Rund 60 Organisationen und Verbände
unterstützten den 17. "Gay Pride" in Paris, an dem
sich 100.000 Lesben und Schwule beteiligten. Mehrere
linksgerichtete Politiker solidarisierten sich durch ihre
Teilnahme.
Unmittelbar vor der Parade äußerte sich Staatspräsident Jaques
Chirac gegen die Pläne der sozialistischen Regierung,
homosexuelle PartnerInnenschaften zu legalisieren: "Warum
sollen die Bestimmungen für eine Ehe ausgeweitet werden, die dem
Schutz von Kindern dienten, wenn es in einer Gemeinschaft keine
Kinder geben könne". Im Oktober 1998 wird der
Gesetzentwurf behandelt, der gleichgeschlechtlichen Paaren eine
hochzeitsähnliche Zeremonie im Rathaus und nachziehende Rechte
im Sozial- und Finanzbereich zugestehen soll.
Wegen der Männer- Fußballweltmeisterschaft wurden zahlreiche
Genehmigungen zur Festgestaltung seitens der Stadtverwaltung aus
Sicherheitsgründen verweigert.
19.
Juni 98, Oviedo: Prinz-von-Asturien-Preis für Gründer einer
frauenfreundlichen Bank
Den spanischen Prinz-von-Asturien-Preis in
der Sparte Völkerverständigung erhält u.a. Mohammad Yunus. Der
Wirtschaftsprofessor aus Bangladesch gründete eine Bank, die
armen Frauen Kleinstkredite für den Aufbau einer Existenz
vergibt. Die "Bank der Armen" hat über zwei Millionen
KundInnen und zieht Frauen vor, weil diese nach Ansicht von Yunus
verantwortungsbewußter als Männer sind und das geliehene Geld
gewissenhafter zurückzahlen.
18.
Juni 98, London: Britische Regierung legte Brutto-Mindestlohn
fest
Die britische Regierung hat einen
Brutto-Stunden-Mindestlohn von 3,60 Pfund festgelegt, der ab
Frühjahr 1999 gelten soll. Nach Angaben der Handels- und
Industrieministerin Margaret Beckett werden von den neuen
Mindestsätzen 1,4 Millionen Frauen, 200.000 Jugendliche, 110.000
HeimarbeiterInnen, 175.000 Alleinerziehende und 130.000
ArbeiterInnen der niedrigsten Einkommensstufen aus den ethnischen
Minderheiten profitieren.
17.
Juni 98, Kabul: Schließung privater Mädchenschulen in
Afghanistan
Nachdem Mädchen in Afghanistan bereits von
der öffentlichen Schulbildung ausgeschlossen wurden, haben am
16. Juni 98 die islamisch-fundamentalistischen Taliban nun die
Schließung aller privaten Mädchenschulen sowie der
Ausbildungszentren in Kabul angeordnet.
Seit der Machtausübung durch die Taliban dürfen Frauen, wenn
überhaupt, nur tiefverschleiert und in Begleitung männlicher
Verwandter die Öffentlichkeit betreten. Männer müssen sich
Bärte wachsen lassen und die Moscheen besuchen, ansonsten sind
ihre Geschäfte von Schließung bedroht.
10. Juni 98, New York: Größte US-amerik. protestantische Kirche
fordert Unterwerfung der Frau
Die neuen kirchlichen Leitlinien einer der
stärksten Kirchen (16 Millionen Gläubige) der USA fordern von
den Ehefrauen, daß diese sich ihren Männern künftig
"huldvoll unterwerfen". Die Männer sollen dafür ihre
Familien "schützen und führen".
Mann und Frau hätten zwar vor Gott den gleichen Wert, aber "die
Frauen sollen den Männern so dienen wie ein Christ der Kirche
diene." (Bibelzitat aus dem Epheser-Brief).
Scheidungen, homosexuelle Beziehungen und Abtreibung werden
abgelehnt. Der Protestantenkirche gehören auch US-Präsident
Bill Clinton und sein Vize Al Gore an.
09.
Juni 98, Oviedo: Sieben Frauenrechtlerinnen erhalten
Prinz-von-Asturien-Preis
Den spanischen Prinz-von-Asturien-Preis in
der Sparte internationale Zusammenarbeit erhalten Emma Bonino aus
Italien (EU-Kommissarin), die Friedensnobelpreisträgerin
Rigoberta Menchu aus Guatemala, an Fatiha Boudiaf aus Algerien,
Olayinka Koso-Thomas aus Nigeria, Graca Machel aus Mosambik,
Fatana Ishaq Gailani aus Afghanistan und Somaly Mam aus
Kambodscha. Die Frauen erhalten den Preis für ihren Einsatz für
Frieden, Völkerverständigung und für ihren Kampf für die
Rechte und Würde von Frauen.
Der Preis wird alljährlich in acht Sparten vergeben und ist eine
der höchsten Auszeichnungen Spaniens.
07.
Juni 98, Dallas: Von drei Vergewaltigern und Totschlägern (11, 7
und 8 Jahre alt!) wird einer verurteilt
Ein elfjähriger Junge wurde zu zehn Jahren
Haft verurteilt. Der Junge hatte am 9. April 98 zusammen mit
einem Siebenjährigen und einem Achtjährigen in Dallas ein
dreijähriges Mädchen entführt. Die drei brachten das Mädchen
zu einem Fluß, wo sie es vergewaltigten, mit Steinen schlugen
und dann halbtot nackend ins Wasser (weg)warfen. Die Dreijährige
überlebte schwerverletzt. Die Anklage lautete auf schweren
sexuellen Überfall. Der Verteidiger forderte: "Zerstören
Sie nicht sein Leben. Geben Sie ihm die Chance, ein normaler
Teenager zu werden und seine Tat wiedergutzumachen."
Die beiden jüngeren Täter, ein Brüderpaar, können auf Grund
ihres Alters und der bisherigen Rechtslage strafrechtlich nicht
verfolgt werden.
FRAUENNEWS-Kommentar: das würgen im Hals beim Schreiben
eines solchen Textes ist unbeschreiblich.
02.
Juni 98, "Frau Europas 1998" wurde Nonne Lea Ackermann
aus Deutschland
Der Schwester Lea Ackermann (61) wurde von
der Europäischen Kommission und der Europäischen Bewegung
Deutschland diese Auszeichnung zuteil. Lea Ackermann gründete
1985 "Solwodi" (Solidarity with Women in Distress). Die
Organisation leistet mißhandelten und ausgebeuteten Frauen
(speziell Opfern des Frauenhandels) psychischen und rechtlichen
Beistand.
12.
Mai 98, Amsterdam: Grand Prix-Gewinnerin Dana wird Gay Games in
Amsterdam eröffnen
Die "Gay Games", die
"Olympischen Spiele der Lesben und Schwulen", werden
dieses Jahr im August von der transsexuellen Grand
Prix-Gewinnerin Dana International in Amsterdam eröffnet. Es
werden rund 15.000 Sportlerinnen und Sportler sowie sage und
schreibe 200.000 Besucherinnen und Besucher zu den Spielen
erwartet. Die Spiele, die sonst in den USA stattfinden, finden
erstmalig in Amsterdam statt. Die niederländische und heimliche
"Homosexuellen-" Hauptstadt Europas sponsert das
Ereignis mit einer Million Gulden, die EU mit 100.000 Gulden.
09.
Mai 98, Bukarest: Änderungsantrag fordert die Nichtbestrafung
homosexueller Lebensweisen
Bereits zu kommunistischen Zeiten war alles
um das Thema "Homosexualität" in Rumänien verboten.
1996 wurde durch einen Straf-Paragraphen die Gesetzeslage noch
verschärft. Nun will das rumänische Kabinett einen
Änderungsantrag zum Strafgesetzbuch im Parlament einbringen und
die Strafbarkeit aufheben.
Homosexuelle Handlungen, die Propagierung dieser Form der
Sexualität sowie entsprechende Vereine, Versammlungen und
Publikationen sind bislang in Rumänien verboten. Im Frühjahr
1998 begnadigte Staatspräsident Emil Constantinescu eine
lesbische Rumänin, die wegen "versuchter Verführung"
zu einer Haftstrafe verurteilt worden war.
18.
April 98, Wien: Frauenvolksbegehren brachte Verfassungsänderung
in Österreich
Das österreichische Parlament hat am
16.04. die Verfassung geändert, um die Gleichstellung von Frauen
in Wirtschaft und Gesellschaft zu erleichtern. Danach gibt es
jetzt ausdrücklich eine Bestimmung, daß Frauen und Männern
gleichgestellt werden dürfen. Die Änderung ist das Ergebnis des
Frauenvolksbegehrens, das von 645 000 Frauen und Männern
unterschrieben worden war.
17.
April 98, Washington: 61 Prozent der US-Sendungen zeigten Gewalt
Die US-amerikanischen Fernsehsender hatten sich 1993 unter Druck
des US-Kongresses verpflichtet weniger Gewalt zu zeigen. Trotzdem
hat sich die Zahl der Gewaltszenen nicht reduziert. Der Anteil an
Sendungen mit Gewalt betrug in den letzten drei Jahren weiterhin
61 Prozent.
16.
April 98, Genf: 250.000 Unterschriften gegen die Diskriminierung
afghanischer Mädchen und Frauen
Emma Bonino, EU-Kommissarin für
humanitäre Angelegenheiten übergab am 16.04. einhundert
Unterschriften prominenter Frauen an Mary Robinson,
UNO-Hochkommissarin für Flüchtlinge. U.a. hatten Glenn Close,
Whoopi Goldberg und Monserrat Caballe einen entsprechenden Appell
unterzeichnet.
Demnächst wird Emma Bonino dem UNO-Generalsekretär Kofi Annan
250.000 Unterschriften gegen die Diskriminierung afghanischer
Mädchen und Frauen übergeben. Bonino fordert, daß mehr Druck
auf die EU ausgeübt wird. In den letzten zwei Jahren stellte die
EU 200 Millionen US-$ für Projekte in Afghanistan zur
Verfügung.
Weiter äußerte Bonino bei den Vereinten Nationen in Genf:
"Die Waffen der Taliban wachsen nicht irgendwo in der
Wüste".
06.
April 98, Rom: Neuer Gesetzentwurf gegen Diskriminierung
homosexueller Menschen
Die rechtliche Stellung italienischer
homosexueller Paare soll den Rechten von Ehepaaren angeglichen
werden (im Erbschaftsrecht und bei der Versorgungspflicht).
Homosexuelle Paare können sich demnach in ihren Kommunen
registrieren lassen. Allerdings sind Adoptionen weiter nicht
erlaubt. Im Gesetz soll ein Diskriminierungsverbot und die
sexuelle Selbstbestimmung festgeschrieben werden. Versicherungen
dürfen Leistungen an Homosexuelle zukünftig nicht mindern.
In Italien leben rund drei Millionen homosexuelle Menschen.
© 1997-1998 Jana Arakeljan |