FRAUENNEWS: Internationale News von Juli - September 1998
29. September 1998, London:
Berühmter Cricket-Club erlaubt den Beitritt von Frauen
211 Jahre nach seiner Gründung erlaubt der vornehme Marylebone
Cricket Club in London nun auch Frauen den Eintritt. Mit knapper
Stimmzahl stimmten die Mitglieder der Aufnahme von Frauen zu.
Nicht ganz freiwillig, denn die britische Regierung hätte
ansonsten dem Club die Subventionen aus Lottogeldern gestrichen.
Auch andere SponsorInnen und Lords deuteten an, daß sie sich bei
einer Ablehnung zurückziehen würden. Trotzdem wird es im Club
nicht sofort von Frauen wimmeln: eine Bar soll den Männern
vorbehalten bleiben und - die Wartezeit zwecks Aufnahme beträgt
18 Jahre.
18. September 1998, Ankara: Hamburgerin
zu 15 Jahren Gefängnis wegen PKK-Mitgliedschaft verurteilt
Ein türkisches Staatssicherheitsgericht befand die 33jährige
Eva Juhnke gestern für schuldig, seit 1983 der verbotenen
Arbeiterpartei PKK anzugehören und verurteilte sie wegen ihrer
aktiven Mitgliedschaft zu fünzehn Jahren Gefängnis. Sie ist
damit die erste Bundesbürgerin, die in der Türkei zu einer
derartigen Haftstrafe verurteilt wurde, und die erste Westeuropäerin,
die als PKK-Kämpferin in ein türkisches Gefängnis muß.
Eva Juhnke, gelernte Altenpflegerin, interessierte sich seit 1982
für die Situation der KurdInnen. Sie lebte seit Mai 1993 in
Kurdistan. Im Herbst 1997 wurde sie bei Gefechten im Norden Iraks
festgenommen. Die PKK kämpft für einen eigenen Staat für
Kurdinnen und Kurden.
Eva Juhnke klagte über Mißhandlungen in der Untersuchungshaft.
Sie hat einen Hungerstreik hinter sich. Gegen ihren Willen wurde
sie einem "Jungfräulichkeitstest" unterzogen. Sie
sitzt derzeit im Gefängnis der Stadt Mus ein.
17. September 1998, Straßburg:
Europaparlament fordert Anerkennung von Lesben und Schwulen
Das Europaparlament hat die mittel- und osteuropäischen
Beitrittskandidaten der EU sowie Österreich aufgefordert,
diskriminierende Bestimmungen gegenüber Schwulen und Lesben
aufzuheben. Die Volksvertretung entschloß sich, nur die Länder
beitreten zu lassen, die in ihrer Gesetzgebung die Menschenrechte
lesbischer und schwuler Menschen nicht verletzen.
In Österreich werden jedes Jahr etwa 50 Personen wegen
homosexueller Handlungen zu Haftstrafen zwischen sechs Monaten
und fünf Jahren verurteilt. In Bulgarien, Zypern, Estland,
Ungarn, Litauen und Rumänien ist Homosexualität ebenfalls ein
Straftatbestand.
06. September 1998, Amsterdam: Seit 100
Jahren regieren Königinnen die Niederlande
Mit der Thronbesteigung am 6. September 1898 leitete Königin
Wilhelmina eine einhundertjährige Frauenmonarchie ein.
Wilhelmina selbst amtierte 50 Jahre und dankte dann am 6.
September 1948 zugunsten ihrer Tochter Juliana ab. Seit dem 30.
April 1980 regiert Königin Beatrix. HistorikerInnen glauben, daß
die Königinnen die Monarchie in den Niederlanden gerettet haben.
König Wilhelm III. war wegen seinem "unbeherrschten
Auftreten" unbeliebt, brachte das Ansehen der Monarchie auf
einen Tiefpunkt.
03. September 98, London/Wiesbaden:
Einer der internationalen Kinderpornoringe ausgehoben
"Jedem rechtschaffenden Menschen dreht sich der Magen, wenn
er diese Fotos sieht", so Chef-Ermittler John Stewardson von
Scotland Yard. Durch eine in über zwanzig Ländern durchgeführte
Polizeiaktion wurden über 100.000 Pornofotos sichergestellt und
über einhundert Verdächtige vorübergehend festgenommen. Um in
dem Kinderpornoring mit dem makabren Namen "Wonderland
Club" aufgenommen zu werden, mußte man 10.000
Kinder-Pornobilder beisteuern oder "(Klein-)Kinder zur
Porno-Produktion bereitstellen". Viele der geschundenen
Kinder auf den Bildern sind nicht älter als zwei Jahre.
Altersgrenzen gibt es bei Kinderpornografie keine. Je kleiner,
desto beliebter. Nach Angaben von "Terre des Hommes"
beträgt der jährliche Umsatz durch Pornografie mit Kindern
weltweit rund 500 Milliarden Mark.
In Deutschland gab es acht Festnahmen: ein 29jähriger
Telekommunikationselektriker aus Winsen-Stöckte, vier Männer
aus Nordrhein-Westfahlen, ein polizeibekannter 35jähriger in
Stuttgart, ein 30jähriger Internet-Dienstleister aus Naumburg
bei Kassel, ein 35jähriger Verwaltungsbeamter aus Berlin. In
Deutschland wird der Versuch, sich Kinderpornos zu beschaffen,
mit einer Geldstrafe oder einer maximal einjährigen Haftstrafe
bestraft. Die private oder kommerzielle Weitergabe von
Kinder-Pornos kann je nach Schwere der Straftat mit bis zu zehn
Jahren Haft bestraft werden.
FRAUENNEWS protestiert gegen die Begriffsverwendung
"Kindersex" bei der Berichterstattung einiger Medien!!
Der Begriff "Kindersex" suggeriert, das es sich bei
Kinderpornografie um die Sexualität der (Klein-)Kinder handelt.
Kinderpornografie ist jedoch sexuelle Gewalt an
(Klein-)Kinderseelen und -körpern, von der allein die Besitzer
und Händler der Pornografie profitieren.
01. September 1998, New York: Weltbevölkerung
wird 1999 sechs Milliarden überschreiten
Wie aus dem UN-Weltbevölkerungsbericht 1998 hervorgeht, leben
z.Z. etwa 5,9 Milliarden Menschen auf der Erde.
Wegen der hohen Geburtenrate wird die Bevölkerung der Erde
allein in diesem Jahr um weitere 80 Millionen Menschen wachsen.
Die Bevölkerung wird vor allem in den armen Ländern überproportional
wachsen. Der UN-Bevölkerungsfond hofft, daß mehr Gerechtigkeit
für Mädchen und Frauen in der Schule und der Arbeitswelt die
Geburtenrate weiter senken kann. Positiv sei, daß die Frauen im
weltweiten Durchschnitt nur noch halb so viele Kinder auf die
Welt bringen wie noch ihre Mütter.
Als "die neuen Generationen" bezeichnet die UNO-Agentur
das Heer der Heranwachsenden und der Älteren in ihrem Bevölkerungsbericht.
Ihr überproportional hoher Anteil sei eine Herausforderung an
die Weltgemeinschaft, mehr in die Ausbildung und Gesundheit der Jüngeren
und in die soziale, medizinische und finanzielle Versorgung der
Älteren zu investieren.
31. August 1998, Pristina: Serbische
Frauen demonstrierten erneut gegen die Gewalt im Kosovo
Rund 200 serbische Frauen protestierten vor dem
US-Informationszentrum in der Kosovo- Hauptstadt Pristina gegen
"albanischen Terrorismus" Im Kosovo. Kurz zuvor
berichteten serbische Medien über die Entdeckung eines
Massengrabes mit 22 serbischen ZivilistInnen, die von Kämpfern
der Befreiungsarmee des Kosovo (UCK) erschossen und verbrannt
worden sein sollen.
09. August 98, Amsterdam: Beendigung der
Gay Games
Die fünften Olympischen Spiele der Lesben und Schwulen ging nach
einer Woche am 09. August zu Ende. Rund 15.000 Sportlerinnen und
Sportler aus 88 Ländern sowie über 450.000 ZuschauerInnen sind
zu diesem Ereignis in die niederländische Hauptstadt gekommen.
Dies dürfte der Stadt Amsterdam Einnahmen zwischen 70 und 180
Millionen Mark gebracht haben.
Zum ersten Mal fanden die 1982 gegründeten Spiele außerhalb der
USA statt. Die niederländische Wirtschaft sponserte großzügig
die sportlichen Spiele, sieht sie doch die Homosexuellen als gut
verdienende Zielgruppe, die oft bei Mode und Lifestyle
Trendsetterin ist.
Doch nicht alle/s sind/ist rosa: Königin Beatrix war bei der Eröffnung
nicht anwesend. Der Fußballverein Ajax Amsterdam sagte
kurzfristig ein Spiel mit einer Schwulen-Auswahl ab, und die
Internationale Eislaufunion verbot ihren Mitgliedern jede
Beteiligung. Die deutschen TV-Sender DSF und EuroSport hatten lt.
Fernsehzeitung auch keine Sendezeit für dieses einwöchige
Ereignis übrig. Die nächsten Gay Games finden im Jahr 2002 in
Sydney statt.
09. August 98, Sarajevo: Internationaler
Frauen-Kongreß über Kriegsfolgen
Etwa 200 Teilnehmerinnen, die überwiegend aus den
Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens stammen, beraten auf
einem Kongreß über die Folgen des Krieges für Frauen in
Bosnien-Herzegowina. Das Treffen wurde von der Columbia Universität
New York organisiert.
07. August 98, Pristina: Albanische
Frauen demonstrieren gegen Gewalt im Kosovo
Mehrere tausend albanische Frauen demonstrierten am 07. August in
Pristina mit einer Lichterkette gegen die Gewalt in der südserbischen
Provinz Kosovo. Der Konflikt in der zu 90 Prozent von
AlbanerInnen bewohnten Provinz forderte rund 500 Menschenleben.
Rund 200.000 Albanerinnen und Albaner wurden zu Flüchtlingen,
nachdem serbische Sicherheitskräfte ihre Offensive gegen die von
der kosovo-albanischen Befreiungsarmee besetzten Territorien
verstärkte.
August 98, Algier: Mehr als 2.000 Mädchen
und Frauen wurden im algerischen Bürgerkrieg vergewaltigt
In den vergangenen fünf Jahren sind lt. Presseberichten mehr als
2.000 Mädchen und Frauen im algerischen Bürgerkrieg
vergewaltigt worden. Allein 1997 wurden 450 Vergewaltigungen
bekannt. Über 300 der vergewaltigten Mädchen und Frauen werden
immer noch vermißt.
Hunderte von Vergewaltigungen sind aus Angst vor
"Schande" geheimgehalten worden. Viele Mädchen wurden
von ihren Familien verstoßen.
Mädchen und Frauen werden von den algerischen islamischen
Fundamentalisten als Kriegsbeute betrachtet und als Sexsklavinnen
benutzt. Erst seit geraumer Zeit sind den vergewaltigten Opfern
Abtreibungen gestattet.
Im algerischen Bürgerkrieg kamen bisher schätzungsweise mehr
als 70.000 Menschen ums Leben.
Infos zur Situation in Algerien
August 98, Luxemburg: Jedes vierte Kind
in den EU-Ländern wird nicht in einer Ehe geboren
In Island sind zwei Drittel der Neugeborenen ohne verheiratete
Eltern, in Dänemark, Schweden, Norwegen und Estland sind dies
fast die Hälfte der Babies. Gering ist der Anteil nichtehelicher
Kinder in Griechenland (3,3 Prozent) und in Italien (8,3
Prozent). (lt. EU-Statistikamt 8/98)
August 98, Washington: 1996 waren 1,7
Millionen Menschen in den USA in Haft bzw. U-Haft
1997 erhöhte sich die Anzahl der Inhaftierten um 5,2 Prozent.
Der Anteil der Frauen beträgt 6,4 Prozent.
August 98, Teheran: Iranische
Feministinnen wollen das Heiratsalter von Mädchen anheben
Die Frauenkommission des iranischen Parlaments fühlt sich durch
die Reformpolitik von Präsident Chatami ermutigt und will einen
Gesetzentwurf einbringen, demnach das Heiratsalter für Mädchen
von neun Jahren auf 15 Jahre angehoben werden soll.
Das derzeitige Recht ermöglicht es sogar, daß Mädchen
verheiratet werden, wenn sie noch nicht neun Jahre alt sind. Vor
allem in ländlichen Gebieten werden iranische Mädchen möglichst
schnell verheiratet, um sie vor "Unmoral" zu schützen.
31. Juli 98, Adis Abeba:
Frauenfriedenskundgebung forderte Beendigung des Grenzstreites
mit Eritrea
In allen größeren Städten in Äthiopien haben äthiopische
Frauen für eine Beendigung des Grenzstreites mit Eritrea
demonstriert. Die Regierung in Eritrea wurde aufgefordert, ihre
Truppen vom äthiopischen Territorium abzuziehen.
In Adis Abeba kamen rund 100.000 Frauen zu einer
Friedenskundgebung zusammen. Ihre Losungen: "Aus Krieg kommt
keine Milch, nur Blut" sowie "Krieg tötet und zerstört".
31. Juli 98, Nairobi: Im Südsudan sind
über eine Million Frauen und Kinder akut vom Hungertod bedroht
UNO-Welternährunsgprogramm und UNICEF verweisen auf den Fakt, daß
im Sudan etwa 1,2 Millionen Menschen akut vom Hungertod bedroht
sind, meistens handelt es sich um Frauen und Kinder. Ursache der
Hungerkatastrophe ist der seit zwanzig Jahren anhaltende Bürgerkrieg
im Sudan sowie die Dürre. Die Rebellen der SPLA aus dem
schwarzafrikanisch-christlichen Süden kämpfen gegen die
islamisch orientierte Regierung in Karthum. Diese hat im Frühjahr
1998 die Hilfsorganisationen nicht in die am schlimmsten
betroffenen Süd-Regionen gelassen.
31. Juli 98, Rom: Frauen ab 1999 zum
Militärdienst zugelassen
Von 1999 an sollen Frauen sich in Italien für eine militärische
Laufbahn beim Heer, bei der Marine oder Luftwaffe bewerben können.
30. Juli 98, Ottawa: Gewerkschaft
erstritt Gehaltsnachzahlungen von der kanadischen Regierung
Das Menschenrechtstribunal entschied in einem Streit zwischen
Regierung und der Gewerkschaft der Zivilbediensteten, daß die
kanadische Regierung an rund 200.000 Frauen im öffentlichen
Dienst Gehaltsnachzahlungen leisten muß. Die Frauen arbeiteten
in gleichen Positionen wie Männer, wurden aber schlechter
bezahlt.
16. Juli 98, Genf:
UN-Menschenrechtskommission prangert Israel an
Das Komitee für Menschenrechte kritisierte die israelische
Regierung u.a. wegen der Diskriminierung von Frauen. Frauen wird
eine gleichwertige Stellung innerhalb der Familien verwehrt. Sie
unterliegen Diskriminierungen bei der Verteilung von Wasser und
Land.
14. Juli 98, New York: UN-Sicherheitsrat
verurteilt Waffenlieferungen an Afghanistan
Als wichtigster Waffenlieferant der Taliban gilt vermutlich
Pakistan. Iran und Usbekistan unterstützen dagegen vermutlich
militärisch und finanziell die Bürgerkriegsallianz. Die Taliban
drohten zuletzt mit Ausweisung, falls die Hilfsorganisationen
nicht in ein ausgebomtes Gebäude ohne Strom, Wasser und Fenster
umzögen. Die UN-Hilfsorganisationen drohten daraufhin mit Abzug,
falls sie zu einem Umzug gezwungen werden sollten.
09. Juli 98, Kabul: "Unislamische
Einflüsse" in Afghanistan unerwünscht
Gemäß einer neuen Anordnung der islamisch-fundamentalistischen
Taliban müssen innerhalb der nächsten 15 Tage alle Fernseher
und Videorekorder aus afghanischen Haushalten entfernt werden.
Die Taliban beherrschen 80 Prozent Afghanistans. Sie haben
bereits die Rechte der Frauen erheblich eingeschränkt.
Religionsminister Qalamuddin lt. dpa: "Uns ist es egal, was
die USA oder die Vereinten Nationen sagen".
09. Juli 98, Innsbruck: EU-Arbeits- und
SozialministerInnen: Einkommensunterschiede verringern
Die EU-Arbeits- und SozialministerInnen fordern von den
EU-Mitgliedsstaaten Fortschritte in der Lohnpolitik. Frauen
sollen für gleiche Arbeit die gleiche Bezahlung wie ihre männlichen
Kollegen erhalten.
Derzeit sind 17,1 Millionen Menschen in der EU ohne Arbeitsplatz.
Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 10,2 Prozent. Der
Anteil der Frauenarbeitslosigkeit beträgt 12,1 Prozent, der
Anteil der Männerarbeitslosigkeit 8,8 Prozent (EU-Statistikamt vom 09.07.98).
04. Juli 98, Wien: Mehrere Tausend
Menschen bei der "Regenbogenparade" in Wien
Mehrere Tausend Lesben und Schwule demonstrierten auf der dritten
Regenbogenparade gegen die Diskriminierung ihrer Lebensweise.
Hauptforderung war die Abschaffung des österreichischen
Strafgesetzbuch-Paragraphens, der ein Mindestalter von 18 Jahren
für homosexuelle Beziehungen festlegt. Für heterosexuelle
Beziehungen gilt dagegen ein Mindestalter von 14 Jahren. Wegen
dieser Vorschrift gibt es jährlich rund 20 Festnahmen. Ähnliche
Paragraphen gibt es auch in Irland und Portugal.
04. Juli 98, London: 40.000 Lesben und
Schwule bei "Gay Pride"-Parade
Die Homosexuellen feierten dabei einen wichtigen Sieg der
Schwulenbewegung: Das Votum des britischen Parlaments, demnach
das "Mündigkeitsalter" für Sex zwischen Schwulen von
18 auf 16 Jahre gesenkt wurde. Dem Gesetzentwurf muß noch das
Oberhaus zustimmen. Die Abschlußparty wurde aus
organisatorischen Gründen auf den 15. August verschoben.
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© 1997-1998 Jana Arakeljan |