Archiv: internationale News Oktober - Dezember 1998




11. Dezember 1998, Neu Dehli: Frauen im indischen Parlament wehren sich gegen Quoten-Gegner
Im indischen Parlament hatten die Politikerinnen genug von den Aktionen der Quoten-Gegner. Im Juli zerrissen die Gegner die Papiere, um eine Debatte zum Thema Quote zu verhindern. Sie lösten damit ein Chaos aus. Als am 11. Dezember die Gegner wieder zum Präsidium marschierten, rissen Mamata Banerjee und andere resolute Frauen die überrraschten Männer am Kragen zurück.
Gegenwärtig sind acht Prozent der ParlamentarierInnen Frauen. Eine Quote soll den Frauenanteil auf 33 Prozent erhöhen.
Der Gesetzesvorschlag wurde von der nationalistischen Hindu-Partei BJP eingebracht und von der oppositionellen Kongreßpartei unterstützt. Nur kleinere Regionalparteien sind dagegen. Sie befürchten, daß Männer ihre Frauen und Schwestern vorschicken. KommentatorInnen sind der Ansicht, daß viele Männer Angst um ihre einflußreichen und lukrativen Mandate haben. BefürworterInnen betonen, daß sich die politische Beteiligung von Frauen auf lokaler Ebene bereits sehr gut bewährt hat.


09. Dezember 1998, Bern: Nach 150 Jahren eine Bundespräsidentin in der Schweiz!
Das Schweizer Parlament wählte am 09. Dezember 1998 Ruth Dreifuss zur ersten Frau ins höchste Staatsamt der Schweiz. Die Innen- und Sozialministerin Ruth Dreifuss ist seit 1993 Mitglied der Regierung. Sie ist 58 Jahre alt, Sozialdemokratin, Gewerkschafterin, Feministin und Jüdin. Die Wahl wurde in der Schweiz als Symbol des Fortschritts in Richtung Gleichberechtigung gewertet. Weibliche Abgeordnete entzündeten Wunderkerzen im Parlament, Frauen feierten mit Champagner in den Berner Straßen. Dreifuss übernimmt den Vorsitz der siebenköpfigen Landesregierung und überwiegend Repräsentationspflichten.
In der Schweiz haben die Frauen erst seit 1971 das Wahlrecht auf Bundesebene. Im erzkonservativen Kanton Appenzell-Innerrhoden dürfen die Frauen erst seit 1990 an kantonalen und kommunalen Wahlen und Abstimmungen teilnehmen- und das auch erst auf Grund eines Urteils des Bundesgerichts.


01. Dezember 1998: Welt-AIDS-Tag
Von den 33,4 Millionen Menschen, die weltweit an AIDS infiziert sind, haben sich dieses Jahr 5,8 Millionen angesteckt. Knapp zehn Prozent von ihnen waren Kinder unter 15 Jahren.
Weltweit sind nach UN-Angaben bereits 13,9 Millionen Menschen an AIDS gestorben. Darunter eine halbe Million Kinder. 1998 werden 2,5 Millionen Menschen an AIDS sterben/ gestorben sein- mehr als jemals zuvor in einem Jahr.
Am schlimmsten betroffen sind die Länder südlich der Sahara. Die Epidemie in den sogenannten Entwicklungsländern kann nur eingegrenzt werden, wenn sich die lokale PolitikerInnen und die Kirche für eine Veränderung der Verhaltensmuster einsetzen, wozu auch die Nutzung von Kondomen gehört.


31. Oktober 1998, Indianapolis: AbtreibungsgegnerInnen im Krieg gegen Frauenkliniken und -ärztInnen
Wie der US-Sender CBS berichtete, gingen in vier US-Kliniken anonyme Briefe ein, die angeblich mit den tödlichen Milzbrand- Erregern infiziert sein sollten. Im Umschlag befand sich ein weißes Pulver. Alle der bedrohten Krankenhäuser führen auch Schwangerschaftsabbrüche durch. Die Behörden vermuten, daß radikale AbtreibungsgegnerInnen die Briefe verschickt haben.
Erst vor einer Woche war in Amherst im Bundesstaat New York ein Arzt einer Abtreibungsklinik durch ein Fenster seiner Küche erschossen worden. Zuvor wurde er in seiner Arbeit von den AbtreibungsgegnerInnen behindert und von ihnen bedroht. Im Internet veröffentlichen die AbtreibungsgegnerInnen ganze Listen mit den Anschriften und Gewohnheiten der Frauenärztinnen und -ärzte, die auch Abtreibungen durchführen. Stunden nach der Ermordung des engagierten Arztes war sein Name auf einer solchen Liste bereits durchgestrichen.


31. Oktober 1998, Wien: Österreichische SozialdemokratInnen führen Quote ein
In spätestens fünf Jahren müssen wenigstens 40 Prozent aller Funktionsträger/-innen der SPÖ Frauen sein, steht im neu verabschiedeten Parteistatut. Dies soll per Quote erreicht werden.
Dieser Frauenanteil soll auch für die SPÖ-Vertreter/-innen in den Parlamenten des Landes gelten.



19. Oktober 1998, Montreal: Frauen aus fast 70 Ländern bereiten weltweiten Frauenmarsch vor
Frauen aus rund 70 Ländern haben am Wochenende im kanadischen Montreal Vorbereitungen für einen weltweiten Frauenmarsch aufgenommen. Die Frauen wollen so auf ihre Probleme hinweisen, wie (Frauen-)Armut und Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Die Aktion ist für das Jahr 2000 geplant. Bislang bekundeten 1.150 Frauengruppen aus 105 Ländern ihren Willen zur Teilnahme. Über mehrere Monate sollen im Veranstaltungsjahr in verschiedenen Nationen Themen wie Gewalt in der Ehe und Ausbildung von Mädchen behandelt werden.
Der Entschluß zu dieser Aktion war 1995 bei der internationalen Frauenkonferenz in Peking gefaßt worden.
Die Delegierten in Montreal verfaßten zunächst eine Forderungsliste, auf der sie unter anderem die wirtschaftliche und soziale Autonomie der Frauen in der Welt fordern. Die Vereinten Nationen wurden in diesem Zusammenhang ebenfalls auf ihre Verantwortung hingewiesen, die sie aus Sicht der Frauen bislang noch nicht genug übernehmen.


13. Oktober 1998, Sofia: Internationale Frauenkonferenz in Bulgarien beendet
In der bulgarischen Hauptstadt endete am 12. Oktober die zweitägige internationale Konferenz "Frauen im 21. Jahrhundert", die von Antonina Stojanowa, Ehefrau des bulgarischen Präsidenten initiiert wurde und an der sich die First Ladies der Balkan-Staaten sowie mehr als 200 gesellschaftlich aktive Frauen beteiligten. Ehrengast war Hillary Clinton. Sie rief in ihrer Eröffnungsrede dazu auf, die Krise und die Menschenrechtsverletzungen im benachbarten Kosovo schnell zu beenden: "Wir müssen unsere Stimme für die 250.000 Vertriebenen im Kosovo erheben". Ein Ende der Spannungen in der südjugoslawischen Provinz Kosovo forderten auch die Teilnehmerinnen in ihrem Abschlußdokument. Außerdem wurde darin auch der Erlaß eines Sendeverbotes gegen zwei serbische Rundfunk-Stationen verurteilt.


12. Oktober 1998, Neu Dehli: Erstmals hat Indiens Hauptstadt eine Bürgermeisterin
Die indische Hauptstadt Neu-Delhi wird zum ersten mal von einer Frau regiert.
Die 46jährige Sushma Swaraj gehört in der Hindu-Partei zum ultra-konservativen Lager, ist als Kämpferin für die Rechte der Frauen bekannt und war bislang Ministerin für Information und Kommunikation.
Steigende Kriminalität, Strommangel und erhebliche Preiserhöhung des Grundnahrungsmittels schürten in letzter Zeit Unmut in der Zwölf-Millionen-EinwohnerInnen-Metropole.


12. Oktober 1998, Paris: Pläne für eheähnlichen Vertrag zwischen Homosexuellen scheiterten vorerst
Wegen zu geringer Anwesenheit der Linksparteien bekam der Gegenantrag der bürgerlichen Parteien eine Mehrheit, so daß die Pläne für eheähnliche Verträge zwischen Homosexuellen vorerst scheiterten.


12. Oktober 1998, Islamabad: Pakistan beschloß Einführung der Scharia
Das pakistanische Parlament hat die Einführung des islamischen Rechts, der Scharia, beschlossen. Stimmt der Senat dem Beschluß zu, wird der Koran oberstes Gesetz des Landes.
Pakistan spielt durch seine Waffenlieferungen eine nicht zu unterschätzende Rolle hinsichtlich des Fundamentalismus in
Afghanistan.


12. Oktober 1998, Rom: Heiligsprechung von Edith Stein durch den Vatikan
Am 11. Oktober 1998 sprach der Papst in Rom Edith Stein heilig. Erstmals wurde in der Kirchengeschichte eine Katholikin jüdischer Abstammung heilig gesprochen.
Bericht über Edith Stein


10. Oktober 1998, Frankfurt/M.: UNO-Mitarbeiterin erhält Preis für Studie über Sexindustrie in Asien
Eine Jury aus Wissenschaftlerinnen, Verlegerinnen und Journalistinnen aus fünf Erdteilen entschied, daß die aus Malaysia stammende UNO-Mitarbeiterin Lin Lim für ihre Studie über die Sexindustrie in Südostasien den "International Award for Women's Non-Fiction" erhalten wird. In ihrer Studie untersucht Lim die sozialen und wirtschaftlichen Ursachen für das Wachstum der Sexindustrie in Indonesien, Malaysia, den Philippinen und Thailand. Sie kommt zu dem Schluß, daß das sexuelle Dienstleistungsgewerbe einen eigenen Wirtschaftszweig darstellt, der Millionen von Arbeitnehmerinnen auf direkte oder indirekte Weise einen Arbeitsplatz garantiert und einen substantiellen Beitrag zum Nationaleinkommen der Region leistet.
Der Preis wurde 1997 von der Feministin und Autorin Shere Hite ("Hite-Reports") ins Leben gerufen für Frauen, die ein herausragendes Sachbuch zur Lage der Frau weltweit geschrieben haben.


09. Oktober 1998, Dhaka: Islamisten fordern den Tod Taslima Nasrins
Etwa 2.000 fanatische Moslems haben auf einer Demonstration am 09. Oktober in Bangladesch erneut den Tod der Autorin Taslima Nasrin gefordert. Die Regierung verurteilte sowohl die Islamisten als auch die feministische Schriftstellerin.
Die Polizei setzte Tränengas gegen die Fanatiker ein, 55 Menschen wurden bei den Zusammenstößen verletzt.
Taslima Nasrin (36) setzt sich in ihren Romanen für die Rechte der Frauen ein. 1993 prangerte sie in dem Buch "Lajja" ("Scham") Übergriffe gegen religiöse Minderheiten im islamischen Bangladesch an. Vor vier Jahren wurde sie in einer Fatwa, einem religiösen Urteil, mit dem Tod bedroht. Nach ihrem Leben im Exil kehrte sie im September 1998 zurück, um ihre todkranke Mutter zu besuchen.
Es ist für Taslima Nasrin lebensgefährlich, ihr Versteck zu verlassen. Auf sie ist eine Belohnung ausgesetzt und die Islamisten fordern ihren Tod.
Aus ihrem Versteck heraus bat Taslima Nasrin öffentlich in einem Brief um Hilfe.


07. Oktober 1998, Stockholm: Alternativer Nobelpreis geht u.a. an zwei Kroatinnen
Mit dem Alternativen Nobelpreis werden in diesem Jahr Katarina Kruhonja und ihr Zentrum für Frieden, Gewaltlosigkeit und Menschenrechte in Osijek sowie Vesna Terselic und ihre Zagreber Antikriegsgruppe geehrt. Die beiden Frauen engagierten sich für den Friedens- und Versöhnungsprozeß auf dem Balkan sowie die Schaffung einer "demokratischen und toleranten Gesellschaft". Terselic war 1991 Mitbegründerin der kroatischen Antikriegs-Kampagne. Kruhoja ist Direktorin des Zentrums für Frieden, Gewaltfreiheit und Menschenrechte in der Stadt Osijek.
Weiter nominiert wurde die Organisation "Internationales Netzwerk für Babynahrung" ("International Baby Food Action Network"). Sie wurde 1979 gegründet, um junge Müttern in der Dritten Welt zu helfen, die ihre Babys weiter stillen und nicht mit industriellem Milch-Ersatz füttern wollen. In der Begründung hieß es: "Muttermilch ist eine weltweit besonders leicht erhältliche und komplette Nahrungsquelle. Trotzdem steht sie seit mindestens 40 Jahren unter einem raffinierten und offensichtlichen Druck kommerzieller Interessen." Nach Schätzungen des Kinderhilfswerks UNICEF sterben jährlich 1,5 Millionen Kinder, weil ihre Mütter sie nicht stillen, sondern ohne ausreichende Hygiene und andere Infrastruktur mit industriellem Milchpulver füttern, das internationale Nahrungsmittel-Konzerne mit großem Werbeaufwand vertreiben.
Weitere Preisträger sind ein chilenischer Umweltschützer sowie ein Krebsexperte aus den USA.
Der Alternative Nobelpreis, der 1998 mit rund 377.000 Mark dotiert ist, wurde 1980 vom deutsch-schwedischen Millionär Jakob von Uexküll gestiftet. Er wird an Menschen vergeben, die praktische und beispielhafte Lösungen aktueller Probleme anbieten. Üxkull hatte sie ausdrücklich auch als Kritik an den traditionellen Nobelpreisen verstanden, die fast ausschließlich an Preisträger aus westlichen Ländern für "manchmal fragwürdige Leistungen" vergeben würden.
Die Auszeichnungen werden bei einer feierlichen Zeremonie am 9. Dezember im schwedischen Reichstag vergeben, einen Tag vor der Verleihung der offiziellen Nobelpreise.






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