
Archiv: nationale News Oktober bis Dezember 1998
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Eine Studie in Nordrhein-Westfalen ergab: jede vierte Polizistin und jeder zwanzigste Polizist fühlt sich sexuell belästigt. Befragt wurden 7.825 Frauen und 7.849 Männer im Polizeidienst. Frauen benannten physische (scheinbar zufällige Körperberührungen, Po-Kneifen/"Klapse", Handgreiflichkeiten, tätliche Bedrohungen) und verbale Belästigungsformen (anzügliche Bemerkungen, unerwünschte Einladungen in eindeutiger Absicht). In zwei Dritteln der Fälle waren Kollegen die Täter. Für Frauen gibt es in Hamburg zukünftig eine Fahrschule ausschließlich von und für Frauen. Derzeit bildet der Frauenverein "Pfiffigunde" acht arbeitslose Frauen zu Fahrlehrerinnen aus. Deren Ausbildung wird je zur Hälfte vom Europäischen Sozialfonds und vom Arbeitsamt finanziert. Frauen sind als Fahrlehrerinnen unterrepräsentiert, da Männer oft bei der Bundeswehr von Steuergeldern zu Fahrlehrern ausgebildet werden. Ausländischen, zumeist moslemischen Frauen wird die Teilnahme an einer Fahrschule mit Fahrlehrern seitens ihrer männlichen Familienmitgliedern oft untersagt. Der Verein "Pfiffigunde" bietet auch Pannen- und Selbsthilfekurse, ab 1999 eine Kfz-Meisterinnen-Werkstatt und einen Autoverleih. Infos unter 040-390 2578. Der Deutsche Frauenrat forderte nach einer Tagung am 15. November 1998 in Weimar eine Teilung des BundespräsidentInnenamtes. Die Funktion soll bei einer Neubesetzung zu gleichen Teilen mit einer Frau und einem Mann besetzt werden. Anders scheine eine Frau offenbar keine Chancen auf das Amt zu haben, äußerte Ratssprecherin Dorotea Lieber. Die Organisation appellierte gleichzeitig an die Frauen in Politik und Wirtschaft, sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung auch zu stellen. Der Frauenrat ist die Dachorganisation von 53 deutschen Frauenverbänden mit rund 11 Millionen Mitfrauen. Schulen im Land Bremen sind Werbung und SponsorInnengelder gemäß einem Erlaß der Bremer Bildungssenatorin gestattet, wenn sie mit den Schulzielen wie Solidarität, Gleichberechtigung und Toleranz übereinstimmen. Eine neue Informationsschrift, die über Ansprüche und Möglichkeiten älterer Frauen in Bezug auf ihre Rente aufklärt, ist kostenlos erhältlich beim SeniorInnenministerium, PF 201551 in 53145 Bonn. Am 13. Januar 1998 versuchte Juan Carlos P., 26 Jahre, an seiner Nichte Jennifer, 11 Jahre, sexuelle Handlungen vorzunehmen. Damit das Mädchen seine sexuellen "Annäherungsversuche" nicht verraten konnte, erwürgte er das Mädchen. Nach dem Mord befriedigte er sich selbst. Sein Sperma befand sich an Jennifers Leiche. Das Bielefelder Landgericht mit Herrn Friedrich Siepmann als Richter sah "keine besondere Schwere der Tat" gegeben. Dadurch kann der Angeklagte trotz lebenslanger Strafe bereits nach 15 Jahren Haft wieder entlassen werden. FRAUENNEWS-Kommentar: In Deutschland wird alle drei Minuten ein Mädchen oder eine Frau vergewaltigt. Nur zehn bis zwanzig Prozent der Opfer sind in der Lage Anzeige zu erstatten. Vergewaltiger bekommen eine/n Verteidiger/in sowie Bewährungshelfer/innen gestellt genauso wie die Möglichkeit einer Therapie. Vergewaltigte Mädchen und Frauen sowie Eltern ermordeter Mädchen und Jungen haben keine/n kostenlose/n Opferanwalt/anwältin und keine automatisch angebotenen und bezahlten Therapieangebote. In manchen Gerichtssälen werden Täter auch heute noch zu "Opfern" gemacht: Wenn Täter aussagen, sie hätten getrunken oder haben eine schwere Kindheit erlitten und/ oder sie zeigen Reue, ist schon die halbe Strafe "abgesessen". So sagte dann auch Richter Siepmann über die Persönlichkeit des Mörders und Vergewaltigers Juan Carlos "sein Leben war vom Streben nach Anerkennung und Liebe geprägt und rechtfertige damit den Vorwurf der besonders schweren Schuld nicht". Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) verlangt eine soziale und rechtliche Absicherung von Prostituierten. Demnach sollten Prostituierte einklagbare Vertragsrechte und den vollen Zugang zu Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung erhalten. Es sei ein Skandal, daß die Frauen noch nicht einmal ihr Honorar einklagen könnten, wenn sich der Freier aus dem Staub mache, sagte Frau Bergmann gegenüber dem "Spiegel". Die Ministerin sprach sich auch für ein Verbot von erniedrigender und gewaltverherrlichender Pornographie aus. Der Verleih, Verkauf und Besitz solcher Darstellungen müsse verfolgt und bestraft werden. Laut der taz gewährte die Bundesregierung erstmals einer Rumänin wegen ihrer Homosexualität Asyl. Die 41jährige Sportlehrerin wurde 1996 wegen "Verführung" einer Frau zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt und im Gefängnis mißhandelt. Das rumänische Strafrecht stellt einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen unter Strafe, wenn sie in der Öffentlichkeit stattfinden oder öffentliches Ärgernis erregen. Im März 1998 wurde Mariana C. auch auf internationalen Druck hin im Rahmen einer Amnestie freigelassen. Die "tageszeitung" berichtete, daß das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge in der Vergangenheit auch Asylanträge von mehreren lesbischen Iranerinnen anerkannte. Homosexualität wird im Iran mit der Todesstrafe bestraft. Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS/Wiesbaden) und die Dudenredaktion (Mannheim) haben eine gemeinsame Kommission "Besseres Deutsch" gebildet, die mit der sprachinteressierten Öffentlichkeit Verbesserungsvorschläge für den Sprachgebrauch entwickelt. Dabei wird es zukünftig insbesondere darum gehen, den Einfluß des Englischen auf das Deutsche zu bewerten, um die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Sprache, sprachliche Diffamierung ("political correctness") und die Sprache im Internet. Die besten Vorschläge aus der Bevölkerung werden einmal im Jahr prämieren. |
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