
Archiv: internationale News Januar - März 1999
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Zum Auftakt des Europäischen Aktionsjahres "Gegen Gewalt gegen Frauen" hat in Köln die zweitägige EU-Konferenz "Gewalt gegen Frauen" stattgefunden. Die mehr als 250 TeilnehmerInnen haben einen umfangreichen Maßnahmekatalog erstellt. Demnach soll eine ExpertInnengruppe Ausmaß, Hintergründe und Folgen von Männergewalt analysieren. Rechtlich sollen Frauen besser geschützt werden, indem nicht sie, sondern die Täter die gemeinsame Wohnung verlassen müssen. Migrantinnen sollen ihren gesicherten Aufenthaltsstatus nach ihrer Trennung von einem Gewalttäter nicht verlieren. Jede dritte bis fünfte Frau in Europa ist Opfer von Gewalt. Jede siebte Frau in der BRD wurde mindestens einmal in ihrem Leben Opfer sexueller Gewalt. Eine Nachfolgekonferenz ist im November 1999 in Finnland geplant. Das Oberste Gericht Israels verbot die Beförderung eines Generals, da dieser 1996 wegen seiner sexuellen Belästigung seiner damals 19jährigen Sekretärin für schuldig befunden worden war. Sein Brigadegeneral wollte den General wegen besonderer Verdienste für die nationale Sicherheit zum Generalmajor befördern. Die Entscheidung der drei Richter wurde seitens der Feministinnen und seitens Ministerpräsident Netanjahus ausdrücklich begrüßt. Die britische Regierung sucht per Internet die KontoinhaberInnen, deren Konten während des II. Weltkrieges irrtümlich beschlagnahmt wurden. Es wird angenommen, daß viele dieser Konten jüdischen Menschen gehören. Homepage: http://www.enemyproperty.gov.uk Am 23. März 1999 ordnete der NATO-Generalsekretär Solana Luftangriffe auf serbische Ziele an. Am 24. März 1999 um 19:57 Uhr schlugen die ersten Cruise Missile in Belgrad und Pristina ein. Im Einsatz waren deutsche Tornados, amerikanische F16-Kampfjets und B2 Tarnkappenbomber. frauennews-special: Der Vertreibungs- und Angriffskrieg Mary Robinson, UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, appellierte zum Abschluß der diesjährigen Frauenrechtskonferenz in New York an alle Regierungen, jede "de facto und de jure- Diskriminierung von Frauen zu beseitigen und, wenn nötig, unterstützende Maßnahmen für Frauen einzuführen". Als große Errungenschaft gilt das bei dieser Tagung aufgenommene "Zusatzprotokoll zu der Konvention gegen alle Formen weiblicher Diskriminierung". Dieses gestattet jeder Frau, die Regierung ihres Landes individuell wegen Benachteiligung zu verklagen, die Frauenrechtskommission anzurufen und Verstöße in ihrem Land untersuchen zu lassen. Diese Vereinbarung, für deren Aushandlung vier Jahre benötigt wurden, soll der UN-Vollversammlung in diesem Jahr zur Verabschiedung vorgelegt werden. Nachdem spanische Frauenverbände und PolitikerInnen mehrerer Parteien der Mode- Branche eine Mitverantwortung an der zunehmenden Erkrankung von Frauen und Mädchen an Anorexie (Magersucht) gegeben haben, reagierte der Branchenverband der Model- Agenturen. In einem Rundschreiben verurteilte der Branchenverband die Auftritte von "extrem dünnen Models" bei Modenschauen. Allein in Spanien sind 250.000 Menschen, hauptsächlich Mädchen und junge Frauen, an Magersucht erkrankt. Pro Jahr steigt die Zahl der Erkrankten um zwanzig Prozent. Bundespräsident Roman Herzog und Vertreterinnen der "Mütter der Plaza de Mayo" trafen sich zu einem Gespräch, um über die Möglichkeiten der Aufklärung der Schicksale der 76 deutschen bzw. deutschstämmigen "Verschwundenen" der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) zu beraten. Die Frauen fordern u.a. die Einsichtnahme in die Archive der deutschen Botschaft in Argentinien. Die argentinischen Amnestiegesetze verhindern eine Aufklärung und juristische Strafbarkeit der Militärs. Während der Diktatur in Argentinien wurden ca. 9.000 Menschen (nach staatlichen Angaben) bzw. 30.000 Menschen (nach Angaben der Menschenrechtsorganisationen) verschleppt und ermordet. Amnesty International (ai) veröffentlichte in einem Bericht, daß es in US-amerikanischen Gefängnissen von 14 US-Bundesstaaten zur üblichen Praxis gehört, daß sich Gefängniswärter an inhaftierten Frauen sexuell "vergreifen" oder diese Frauen gegen Bezahlung an männliche Insassen zur "sexuellen Befriedigung" überlassen. Schwangere Frauen wurden laut ai- Bericht bei der Geburt ihrer Kinder gefesselt. 1990 gab es 78.000 Gefängnis- Insassinnen, 1997 waren es 138.000 in der USA. In der Aufsicht sind Frauen nur zu einem Drittel beschäftigt. In 12 US-Staaten verbieten die Gesetze "Sex" zwischen Wärtern und Gefangenen nicht. Auf der UN-Feierstunde zum Internationalen Frauentag forderte Hillary Clinton, daß der Handel mit Frauen sofort gestopt wird. Jährlich werden ein bis zwei Millionen Frauen für sexuelle Dienste und Hausarbeiten in fremde Länder verkauft. In der kommenden Woche wird die UNO in Wien ein internationales Protokoll gegen Frauenhandel entwerfen. Die Autorin Bing Xin ist im Alter von 98 Jahren verstorben. Sie war Ehrenvorsitzende der chinesischen SchriftstellerInnenvereinigung. Anfang 1989 unterzeichnete Bing Xin Petitionen für die Freilassung politischer Gefangener und zur Einhaltung der Menschenrechte in China. Das libysche Parlament hat im letzten Jahr ein Gesetz verabschiedet, wonach Ehefrauen kein Mitspracherecht mehr haben, wenn ihre Ehemänner weitere Eheschließungen planen. Bislang war dies in Lybien zwingend vorgeschrieben. Revolutionsführer Muammar el Gaddafi setzte sich auf Grund dieser Entscheidung in einer flammenden Rede für die Rechte von Frauen in polygamen Ehen ein. In seiner Wut über diese "Rückständigkeit und Mißachtung von Frauenrechten" zerriß er den Gesetzestext. Mit der Neuregelung werden nach seiner Ansicht die Frauen regelrecht zum Eigentum der Männer. Der Islam gestattet die Ehe eines Mannes mit mehreren Frauen, jedoch nicht umgekehrt. In Tunesien und der Türkei ist die Mehrehe des Mannes jedoch nicht erlaubt. In Paris wurde nach einem zweiwöchigen Prozeß eine 52jährige Afrikanerin aus Mali zu acht Jahren Haft wegen der genitalen Verstümmelung von 48 jungen Mädchen verurteilt. Die Eltern, die ihre Töchter zu dieser Frau zwecks "Beschneidung" gebracht haben, erhielten Haftstrafen bis zu zwei Jahren ohne Bewährung. Anzeige hatte die 27jährige, ebenfalls genitalverstümmelte Jura-Studentin Mariatou erstattet, nachdem ihre achtjährige Schwester verstümmelt wurde. In Frankreich sind "Beschneidungen" verboten. Die 27 angeklagten Frauen und Männer konnten nicht glaubhaft nachweisen, daß sie hiervon keine Kenntnis hatten. frauennews-Special-Thema: Genitalverstümmlung an Mädchen und Frauen Eine Konferenz britischer MethodistInnen hat beschlossen, daß Gott Vater und Mutter ist. Ein neues Gebetsbuch soll Ostern erstmals benutzt werden. Schluß gemacht wird auch mit dem Brauch, daß bei Vermählungen die Braut vom Vater der Braut an den zukünftigen Ehemann übergeben wird. Zukünftig werden beide Eheleute einander "präsentiert". Eine junge Frau aus der Nähe der süditalienischen Stadt Potenza zeigte ihren Fahrlehrer 1992 wegen Vergewaltigung an. In erster Instanz wurde der 51jährigen Mann freigesprochen, im Berufungsverfahren zu zwei Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Das Kassationsgericht in Rom hob dieses Urteil auf mit der Argumentation, daß eine Vergewaltigung nicht möglich ist, wenn die Frau Jeans trägt, denn Jeans könnten "ohne die aktive Mithilfe der Trägerin" nicht ausgezogen werden. Simonetta Sotgiu (61), seit 1970 Richterin am Kassationsgericht, nannte das Urteil "eine Bestätigung dafür, daß der Oberste Gerichtshof in den Händen von Männern liegt". Sie ist eine von zehn Frauen gegenüber 410 männlichen Kollegen. Juristinnen und Politikerinnen äußerten sich bestürzt. Für die 24jährige Klägerin und ihre Familie ist das höchstrichterliche Urteil ein Schlag ins Gesicht. "Damit haben sie meine Tochter zum zweiten Mal vergewaltigt", sagt der 53jährige Vater der Klägerin. Der Fall wurde nun wieder an die zweite Instanz in Neapel verwiesen. Im August 1997 befanden die Richter des Kassationsgerichts in einem anderen Fall, es komme nicht automatisch sexueller Belästigung gleich, wenn ein älterer Chef seiner jungen Sekretärin ungestüm den Hof macht. Im November 1996 entschied das römische Gericht, ein Ehemann könne seine untreue Frau schlagen und sei dennoch nicht für das Scheitern der Ehe verantwortlich. Mit einem Aufruf zur stärkeren Achtung der Frauenrechte wurde am 08. Februar in Den Haag eine internationale Konferenz zum Thema Weltbevölkerung eröffnet. Unter Leitung des UN- Bevölkerungsfonds (UNFPA) werden Delegierte aus 180 Ländern fünf Tage lang vor allem über die Rolle der Frau und über gesundheitliche Fragen bei der Fortpflanzung sprechen. Die TeilnehmerInnen wollen außerdem fünf Jahre nach der Internationalen Bevölkerungskonferenz in Kairo die Umsetzung der dort gesteckten Ziele beurteilen. Ein Erfolg: Kürzlich wurde in Ghana die genitale Verstümmelung von Frauen verboten. Hillary Clinton forderte für alle Frauen ungehinderten Zugang zu Familienplanung, Verhütungsmitteln und medizinischer Versorgung. Frauen müssen selbst die Kontrolle über ihr Leben und ihren Körper haben: "Regierungen haben sich aus der Entscheidung einer Frau herauszuhalten, ob sie ein Kind in die Welt setzen will", sagte Hillary Clinton. Staatliche Zwangsmaßnahmen zur Eindämmung der Überbevölkerung lehnte sie ebenso ab wie ein Verbot von Verhütungsmitteln und Abtreibung. "Sorgen Sie dafür, daß alle Kinder gewünscht und alle Schwangerschaften geplant sind", rief sie den rund 2.000 Delegierten zu. Weiter wies sie darauf hin, daß noch immer jede Minute eine Frau an den Folgen von Schwangerschaft oder Geburt stirbt. Tausende Frauen kommen durch illegale und nicht fachgerechte Abtreibungen ums Leben. Hillary Clinton würdigte das Versprechen Chinas, nicht länger die strenge "Ein-Kind-Politik" zu betreiben. Chinesinnen sollen künftig auch mehr Kinder haben können. Janet Peckinpaugh, 48jährige US-amerikanische Nachrichtensprecherin, die wegen ihres Geschlechts ihre Stelle verloren hatte, soll mit 8,3 Millionen Dollar entschädigt werden, berichtete die "New York Times". Die Entschädigung fiel beinahe doppelt so hoch aus wie die ursprüngliche Klagesumme. Die aus fünf Männern und drei Frauen zusammengesetzte Jury befand einstimmig, daß Peckinpaughs ehemalige Vorgesetzte sie wegen ihres Geschlechts diskriminierten, ihr falsche Tatsachen vormachten und gegen sie intrigierten, weil sie sich beklagt hatte, von einem ihrer Arbeitskollegen sexuell belästigt worden zu sein. Gemäß einem Regierungsbericht in Großbritannien klagten 4,2 Prozent der Frauen UND der Männer, sie seien in den vergangenen zwölf Monaten Opfer häuslicher Gewalt geworden. Allerdings sagten 60 Prozent der Frauen, sie seien wegen dieser Gewalt nun sehr verängstigt, während nur fünf Prozent der Männer dies behaupteten. 47 Prozent der Frauen und 31 Prozent der Männer erlitten Verletzungen. In jeder Woche werden in Großbritannien zwei Frauen von ihrem derzeitigen oder früheren Partner umgebracht. Die Altersgruppe unter 25 Jahren ist von häuslicher Gewalt besonders betroffen. Zu den besonders gefährdeten Menschen gehören Frauen in armen Haushalten sowie Frauen, die alleine oder ohne Mann mit Kindern leben. Der Bericht leitet eine Kampagne gegen häusliche Gewalt in Großbritannien ein. Vier Juntamitglieder der letzten Militärdiktatur in Argentinien und drei weitere hohe Offiziere sind am Freitag in Buenos Aires offiziell wegen Kindesentführung während ihres Regimes (1976-1983) angeklagt worden. Den Angehörigen der argentinischen Militärdikatur wird vorgeworfen, in der Zeit ihres Regimes etwa 400 schwangere Frauen in geheime Konzentrationslager verschleppt zu haben. Nach der Geburt wurden die Mütter ermordet. Die Babies wurden mit geänderten Namen kinderlosen Soldaten übergeben. Diese Verbrechen fallen nicht unter die 1990 von Präsident Carlos Menem erlassenen Amnestiegesetze. Während der Diktatur in Argentinien wurden ca. 9.000 Menschen (nach staatlichen Angaben) bzw. 30.000 Menschen (nach Angaben der Menschenrechtsorganisationen) ermordet. Eine vom nationalen Verteidigungsamt durchgeführten Umfrage unter 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Angehörigen der Selbstverteidigungskräfte ergab, daß rund 64 Prozent der befragten Frauen sexuell belästigt wurden. Ein Drittel der befragten Männer fühlte sich gestört, wenn sie sexuelle Belästigungen beobachteten. Homosexuelle protestieren gegen den angekündigten Hirtenbrief "Ehe und Familie - in guter Gesellschaft", in dem die katholischen Bischöfe vor zunehmender "Familien- Vergessenheit" warnen und eine rechtliche Gleichstellung von homosexuellen Paaren strikt ablehnen. Politische Bestrebungen, die Bedeutung von Ehe und Familie zu bestreiten und ihren besonderen rechtlichen Schutz einzuebnen, seien "schädlich für die Menschen" und "von Grund auf zerstörerisch für die Gesellschaft". "Auch Lesben und Schwule gehören zur Familie", argumentiert der Sprecher des Schwulenverbandes, Manfred Bruns. Gerade die Kirche sollte es unterstützen, wenn Menschen bereit seien, füreinander einzustehen. Als SFOR-Soldaten in der bosnischen Stadt Foca den gesuchten Kriegsverbrecher Dragan Gagovic festnehmen wollten, fuhr dieser mit seinem Auto direkt auf die Soldaten zu. Zur Selbstverteidigung wurde auf ihn geschossen. Kurze Zeit später verstarb Gagovic. Der bosnische Serbe Dragan Gagovic war während des Bosnien-Krieges Polizeichef in der Stadt Foca. Er war für das Einsperren muslimischer Frauen in einer Sporthalle verantwortlich, die dort sexueller Gewalt ausgeliefert waren. Aus diesem Grund wurde Gagovic vom Internationalen Tribunal in Den Haag gesucht. Niederländische Zeitungen berichteten, daß sechs Mütter von sexuell mißbrauchten Kindern im Justizpalast von Antwerpen den 63jährigen Tatverdächtigen krankenhausreif geschlagen haben. Der Mann mußte, noch bevor der Prozeß beginnen konnte, mit Prellungen ins Krankenhaus. Die Frauen empfanden es als Schande, daß der Tatverdächtige noch frei herumlief. Der Mann habe ihr Leben und das ihrer Kinder zerstört. Nach Angaben von Missionaren massakrierten Rebellen innerhalb von drei Tagen mehr als 500 Menschen. Das Blutbad sei unter dem Kommando eines aus Ruanda stammenden Truppenführers angerichtet worden. Nach Angaben einer Agentur, die von 40 katholischen Missionsgesellschaften betrieben wird, war das Massaker in dem schwer zugänglichen Dorf eine Vergeltungsaktion für einen Angriff regierungstreuer Stammesmilizen der Mai-Mai auf einen Rebellentrupp. Dabei seien am 29. Dezember einige RCD-Kämpfer getötet worden. Die RCD-Rebellen haben sich Anfang August 1998 mit Unterstützung Ugandas und Ruandas gegen den kongolesischen Präsidenten Laurent Kabila erhoben und waren bis in die Nähe der Hauptstadt Kinshasa vorgedrungen. Nachdem Truppen Simbabwes, Angolas und Namibias Kabila zur Hilfe eilten, mußten sie sich wieder in den Osten Kongos zurückziehen. Nach offiziellen eigenen Angaben kontrollieren sie etwa ein Drittel des Landes. Dort beheimate Mai-Mai-Milizen sowie Hutu- Rebellen aus Ruanda und Burundi, die sich mit Kabila verbündet haben, machen der RCD jedoch die Herrschaft über das eroberte Territorium immer wieder streitig. Für das Buch "Tausend Jahre- tausend Menschen" wählte das US-Autorenteam tausend Frauen und Männer, die das Jahrtausend entscheidend mitprägten. Die Auflistung beginnt mit Johannes Gutenberg, Christoph Kolumbus, Martin Luther, Galileo Galilei, William Shakespeare, Isaac Newton, Charles Darwin, Thomas von Aquin, Leonardo da Vinci, Ludwig van Beethoven, John Locke, Mohandas K. (Mahatma) Gandhi, Michelangelo, Karl Marx, Sigmund Freud, Napoleon I., Albert Einstein, Nikolaus Kopernikus, Jean-Jacques Rousseau, Adolf Hitler, Adam Smith, George Washington, Wilbur und Orville Wright, Rene Descartes, Louis Pasteur, Peter der Große.... Auf Platz 31 dann die erste gewürdigte Frau: Elizabeth I. von England. |
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