
Archiv: internationale News April - Juni 1999
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Das lettische Parlament in Riga hat Vaira Vike-Freiberga in einer demokratischen Wahl zur Staatspräsidentin Lettlands gewählt. Die neue Staatspräsidentin ist kanadisch-lettisch, Akademikerin und Mutter zweier Kinder. Am 16. Juni 1999 verstarb im Alter von 90 Jahren Elsie Attenhofer, die große alte Dame des Schweizer Kabaretts. Die in Lugano geborene Künstlerin begründete ihren Ruf vor und während des Zweiten Weltkriegs als Ensemblemitglied des Kabaretts "Cornichon", das sich gegen den Nationalsozialismus und das schweizerische SpießbügerInnentum wandte. Das von Elsie Attenhofer geschriebene Theaterstück "Wer wirft den ersten Stein?", das sich gegen Antisemitismus richtet, wurde 1944 in Basel uraufgeführt. Die weltweit größte Rüstungsexporteurin von konventionellen Waffensystemen ist die USA mit Einnahmen in Höhe von 12,13 Milliarden Dollar. Zweitgrößter Waffenexporteur ist Frankreich mit 3,8 Milliarden Dollar Einnahmen. Rußland bezieht 1,3 Milliarden Dollar aus dem Waffengeschäft und Deutschland kletterte vom fünften auf den vierten Platz mit 1,1 Milliarden Dollar "Waffengeld". Südafrikas neuer Präsident Thabo Mbekiia hat einen Tag nach seiner Vereidigung seine Regierung vorgestellt, der 27 MinisterInnen angehören werden. Die Zahl der Ministerinnen verdoppelte sich auf acht. Die bisherige Gesundheitsministerin Nkosazana Zuma wurde zur Außenministerin ernannt. Wie bisher wird der Afrikanische Nationalkongreß (ANC) mit der Inkatha-Freiheitspartei (IFP) zusammenarbeiten. Beide Parteien verfügen im Parlament mit insgesamt 300 von 400 Sitzen über eine Dreiviertelmehrheit, die Verfassungsänderungen einschließlich des Grundrechtekatalogs ermöglicht. Vierzig Jahre nach Einführung der Hormonpille in Westeuropa zum Schutz vor ungewollten Schwangerschaften dürfen ab September 1999 nun auch Japanerinnen mit dem Hormonpräparat Schwangerschaften verhüten. Die Entscheidungsfindung des japanischen Gesundheitsministeriums beanspruchte seit Beantragung des Zulassungsverfahrens neun Jahre. "Moralische Bedenken" und die Furcht vor der Zunahme sexuell übertragbarer Krankheiten waren ausschlaggebend dafür, so lange über der Selbstbestimmung der Frauen zu stehen. frauennews-Kommentar: Eigentlich sollte die frauennews-Redaktion "Doppelmoralische Bedenken" schreiben, das würde es noch besser treffen, gell? Auf einer symbolträchtigen Messe sprach Papst Johannes Paul II. (79) am 13. Juni 1999 in Warschau 108 Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung als "MärtyrerInnen des Zweiten Weltkrieges" sowie zwei OrdensgründerInnen selig. Zur ersten Gruppe gehören drei Bischöfe, 78 Priester, ReligionswissenschaftlerInnen, Nonnen, Mönche und Laiinnen. Viele gaben ihr Leben, um andere zu retten oder nicht im Stich zu lassen. Fünf wurden ermordet, weil sie jüdischen Menschen halfen. Zu den beiden OrdensgründerInnen gehört die Deutsche Regina Protmann (1552-1613). Sie verließ 1571 mit 19 Jahren ihre Familie, um mit Gefährtinnen eine religiöse Gemeinschaft zu bilden und in der Krankenpflege tätig zu sein. Um 1583 gründete sie den Katharinen-Orden, zu deren neuen Aufgabe die Errichtung von Mädchenschulen zählte. Auch heute sind die Katharinen vor allem karitativ tätig: in Polen, Litauen, Weißrußland, Rußland, der BRD, in Italien und Finnland. Ordensniederlassungen gibt es auch in Brasilien und Togo. In Großbritannien werden jährlich 94.000 Mädchen und junge Frauen unter 20 Jahren schwanger, davon 9.000 unter 16 Jahren. Die britische Regierung hat nun Pläne vorgestellt, um bis zum Jahr 2010 die Anzahl der Teenager-Schwangerschaften zu halbieren. Demnach sollen minderjährige und ledige Mütter künftig keine eigenen Sozialwohnungen mehr zugeteilt bekommen. Stattdessen sollen sie unter Aufsicht in speziellen Heimen leben. Dies soll helfen, Sozialhilfe einzusparen. Verstärkt sollen auch die Väter in die finanzielle Pflicht genomen werden. Da in Großbritannien Verhütungsmittel leicht zugänglich und Abtreibungen leichter als zum Beispiel in Irland durchführbar sind, wird vermutet, daß mangelnde Aufklärung sowie fehlende berufliche Perspektiven eventuelle Gründe für den europäischen "Rekord" sind. Hochrechnungen ergeben, daß sich die Schweizer Bevölkerung bei der Volksabstimmung am 13. Juni 1999 gegen die angestrebte Mutterschaftsversicherung ausgesprochen hat. Die Mutterschaftsversicherung hätte allen bezahlt arbeitenden Schweizerinnen bei Geburten 14 Wochen Mutterschutzurlaub mit 80prozentigem Lohnausgleich garantiert. Bislang haben rund 200.000 Frauen keinerlei Ansprüche, die Mehrheit von den 1,6 Millionen bezahlt arbeitenden Frauen der Schweiz erhalten jedoch aufgrund von Tarifverträgen Mutterschaftsurlaub und Lohnfortzahlung. Nach Untersuchungen des GfS-Forschungsinstituts führten Sorgen über die Finanzierung zu der Ablehnung. Für die 200.000 Frauen hätten rund 591 Millionen Mark jährlich zur Verfügung gestellt werden müssen. frauennews- Kommentar: Nach ersten Hochrechnungen lehnten allein im Kanton Glarus 79,5 Prozent der WählerInnen das Gesetz ab. Interessant wäre hier sicher auch eine geschlechtsspezifische Wahlauswertung. Die Star-Moderatorin Elena Starostina des Moskauer Regionalfernsehens ist entlassen worden, weil sie sich weigerte, einen "Propaganda-Text" zu lesen. In dem Text wurde der Gouverneur der Region Moskau gelobt, sein potentieller Gegenkandidat bei der nächsten Wahl herabgesetzt. Nach den türkischen Parlamentswahlen im April 1999 hat Staatspräsident Süleyman Demirel die Aufstellung des Kabinetts der neuen Regierung gebilligt. Ministerpräsident Bülent Ecevit (74) hat eine Koalition seiner Demokratischen Linkspartei (DSP) mit der rechtsextremen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) und der Mutterlandspartei (Anap) gebildet. Frauen sind im neuen Kabinett nicht vertreten. In einem Flugblatt des Verbandes Bernischer Kindergärtnerinnen heisst es: "Armee-Kleidung verherrlicht den Krieg und macht ihn zu etwas Selbstverständlichem". Die Schweizer Kindergärtnerinnen protestieren mit einer Unterschriften-Aktion gegen den "Armee-Look" bei Kinderbekleidung, während nicht weit entfernt der Krieg tobt. In Bangladesh wurden laut der führenden bengalischen Tageszeitung "Ittefaq" in diesem Jahr bereits mindestens zehn Säureattentate auf Frauen und Mädchen verübt. Dabei greifen (potentielle) Ehemänner die Mädchen und Frauen mit Schwefelsäure an, um sie zu verunstalten oder zu töten. Oft geschieht dies, wenn die Mädchen oder Frauen einen Heiratsantrag abgelehnt haben, es zum Streit um die Mitgift oder um Eigentum kommt oder es um häusliche Meinungsverschiedenheiten geht. In der Zeit von April 1998 bis Dezember 1998 waren von den registrierten 174 Säure-Opfern zehn jünger als 10 Jahre, 79 Mädchen und Frauen waren zwischen 11 und 20 Jahre alt, zwanzig zwischen 20 und 30 Jahre alt. Jedes Jahr werden mehr als 200 durch Säureattentate verursachte Verstümmelungen gezählt. Die Säure hinterläßt bei den Opfern Narben, macht sie häufig blind oder ist tötlich. Eine Behandlung der Verletzungen, für die meisten ohnehin zu teuer, ist äußerst schmerzhaft. Oft werden zufällig anwesende Familienangehörige oder PassantInnen ebenfalls verletzt. Viele Übergriffe werden nicht bekannt, weil die Polizei sie nicht ernst nimmt oder , in manchen Fällen sogar versucht, das Opfer zu überzeugen, die Anzeige zurückzuziehen. (von Susanne Reichinger, email: reichinger@gmx.de) Offiziell und einerseits überraschend legt die 27jährige Cristina Sanchez ihre Arbeit als Matadorin "aus beruflichen Gründen" nieder. Waren die Fans und die VeranstalterInnen zwar auf ihrer Seite, waren es die Kollegen Toreros noch lange nicht. Sie weigerten sich schlichtweg, mit ihr in den Arenen aufzutreten. Ihr Vater, ein ehemaliger Banderillero, hatte die Tochter für den Stierkampf begeistert. In der Madrider Stierkampfschule schloß Cristina als Jahrgangsbeste ab. Im Mai 1998 wurde Cristina Sanchez als erste Frau in Madrid in den Rang einer Matadorin erhoben. Weibliche Toreros/ Toreras galten in Spanien als "unschicklich" oder ihr Auftreten war ganz verboten, um das Eindringen von Frauen in diesen "Beruf" zu verhindern. Vor Cristina Sanchez wurden vier Frauen zu Matadoren erklärt, die meisten davon in Lateinamerika, wo der Stierkampf im Gegensatz zu Spanien jedoch als zweitklassig gilt. Am 07. Juni beginnt der Prozeß von 97 Frauen gegen den Pharmakonzern Organon. Sie beklagen die schlimmen Nebenwirkungen, die die niedrigdosierten Antibabypillen Desolett und mercilon bei ihnen auslösten, und an denen sie zum Teil lebenslang leiden werden. In Großbritanien ist ein ähnlicher Prozeß von mehr als 400 Frauen in Vorbereitung. Die Weltgesundheitsorganisation WHO ermittelte, daß rund 70.000 Frauen jährlich an nicht korrekt ausgeführten Abtreibungen sterben. Frauen, die Abtreibungen unter unhygienischen Bedingungen überlebten, würden oft unfruchtbar oder litten lebenslang an Unterleibsschmerzen. 95 Prozent der Frauen nennen nach Erhebungen der WHO eine ungewollte Schwangerschaft als Grund für die Abtreibung. Viele dieser Frauen lehnen hormonelle Verhütungsmittel wegen der Nebenwirkungen ab. Am 16. Mai 1999 erklang zum ersten Mal nach 900 Jahren der Gesang eines Mädchenchors zum Abendgottesdienst statt des üblichen Jungenchors. Nachdem vor fünf Jahren einem Mädchen ihr Eintritt in den Kirchenchor verboten wurde, hatten sich siebzehn Mädchen zu einem Chor zusammengeschlossen. Am 16. Mai 1999 billigte das Kabinett Kuwaits ein entsprechendes Gesetz, Frauen die Teilnahme bei Wahlen nicht mehr zu verbieten. Frauen erhalten das Recht zu wählen sowie das Recht, ein öffentliches Amt in der Nationalversammlung oder in städtischen Behörden auszuüben. Bei den Parlamentswahlen im Jahr 2003 dürfen Frauen um Abgeordnetesitze kandidieren. Die sich prostituierenden Frauen der kanadischen Stadt Vancouver können vom Frauenministerium finanzierte Mobiltelefone erhalten, die damit ausschließlich Notrufnummern anwählen können. In den letzten fünf Jahren verschwanden in der Stadt mindestens 22 Frauen. Es wird von einem männlichen Serienmörder ausgegangen. Zukünftig soll eine EU-Hotline helfen, diskriminierende oder illegale Internetseiten von entsprechenden Webservern zu entfernen. Alle sind aufgerufen, Vorschläge zur Einrichtung dieser Hotlines bis zum 02. Juli 1999 einzusenden. Infos: Zentrales Ausschreibungsbüro Europäische Kommission, GD XIII-E/5, L-2920 Luxemburg, Fax: +352-4301-38099, Email: iap@cec.be Die 52jährige Mireya Moscoso ist die erste Präsidentin Panamas. Sie gewann mit rund 44 Prozent der Stimmen die PräsidentInnenschaftswahl am 02. Mai 1999 und wird ihr Amt am 01. September des Jahres antreten. Ihre Amtszeit geht bis 2004. Die Hauptprobleme des mittelamerikanischen Landes sind die Beziehungen zur USA (militärische Präsenz der USA bis 2000) und Wirtschaftsprobleme (Arbeitslosenquote: 13 Prozent). Am Donnerstag, den 22. April 1999 startete in Dresden ein deutscher "Friedenskonvoi". Die rund 130 TeilnehmerInnen, darunter die "Mütter gegen den Krieg" haben am Samstag in Belgrad auf einer Friedenskundgebung ein Ende der Nato-Luftangriffe auf jugoslawische Städte gefordert. Ein Teil der TeilnehmerInnen plant weitere Tage in Belgrad zu bleiben und einen offiziellen Termin bei jugoslawischen Politikern zu erreichen. Eine seit dem 13. April laufende "Werbeaktion" des Kaufhauses Galeries Lafayette bezahlte drei junge Frauen dafür, daß diese sich als lebende Schaufensterpuppen, bekleidet mit BH`s, Seidenslips und Strapsen in sechs als Wohnräumen gestalteten Schaufenstern tagelang zur Schau stellten. In einem Protestschreiben haben Schriftstellerinnen, Historikerinnen und Politikerinnen ihre Empörung ausgedrückt. Französische Feministinnen riefen zum Boykott (Girlkott?) auf. Die Frauen setzten durch, daß die Aktion in ihrer bisherigen Form gestoppt wurde. Außerdem verlangten sie eine öffentliche Entschuldigung vom Kaufhaus- Managment. WissenschaftlerInnen aus Großbritannien haben erforscht, daß Frauen im Schnitt täglich 23.000 Wörter sprechen, Männer bringen es dagegen nur auf 12.000 Wörter. Bereits im Mutterleib bewegen weibliche Babys ihren Kiefer 30 Prozent häufiger als männliche. Rund 300 RegierungsvertreterInnen, Abgeordnete und ExpertInnen aus allen 15 EU-Staaten haben die Regierungen der Europäischen Union (EU) in ihrer "Pariser Erklärung" aufgefordert, den Zugang von Frauen in Führungspositionen zu fördern. Notwendig seien sowohl "zwingende als auch Anreiz bietende Maßnahmen", um eine "gleichgewichtige Teilhabe von Frauen und Männern an Entscheidungen" zu gewährleisten. In ihrer Erklärung appellierten die TeilnehmerInnen an die ArbeitgeberInnen, "vergleichbare Anstrengungen" zu unternehmen, um "die Ungleichgewichte im Berufsleben zu korrigieren". Angesprochen wurden auch die SozialpartnerInnen sowie Vereine und Verbände. Die gleiche Teilnahme von Frauen und Männern an Entscheidungsprozessen sei in der EU als Priorität anerkannt und müsse zum " Kampf aller" werden. Frankreichs Premierminister Lionel Jospin kündigte für das kommende Jahr einen "nationalen Aktionsplan zur Chancengleichheit" an. Eine Verfassungsänderung soll den Weg für Frauenquoten freimachen. Frauen in Europa sind an der Spitze von Unternehmen, Parteien oder Regierungen bis heute kaum vertreten. Arbeitnehmerinnen werden bis zu einem Drittel schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Ihre Arbeitsplätze sind stärker gefährdet. Im EU-Durchschnitt sind von den Parlamentsabgeordneten nur 17 Prozent und von den MinisterInnen nur 22 Prozent weiblich. Die ägyptische Regierung hat ein Gesetz abgeschafft, das vergewaltigenden Männern Straffreiheit garantierte, wenn die Vergewaltiger die von ihnen vergewaltigten Mädchen/ Frauen heirateten. |
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