
Archiv: nationale News Januar - März 1999
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Unter diesem Motto hat der deutsche Lesben- und Schwulenverband am 30.03.1999 eine bundesweite Kampagne für die volle rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften gestartet. Mehr Infos: http://www.JaWort.de Ab 01. April 1999 bis Jahresende werden die Tiefdruckgebiete mit männlichen, die Hochdruckgebiete mit weiblichen Namen benannt. Die Namensvergabe wird alljährlich wechseln. Die französische Firma Exelgyn hat in Berlin die Zulassung ihrer Abtreibungspille "Mifegyne" beantragt. In etwa drei Monaten kann eine Entscheidung vorliegen. Die Abtreibungspille gilt im Vergleich zu chirurgischen Schwangerschaftsabbrüchen als deutlich weniger riskant und ist bisher in Frankreich, Schweden und Großbritannien zugelassen. Die deutsche Hoechst AG hatte sich 1997 von dem Präparat, das von einer Hoechst-Tochterfirma entwickelt wurde, aus Angst vor Abtreibungsgegnern getrennt. Gemäß dem Vorwurf auf schwere Körperverletzung ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin gegen einen Gynäkologen, seinen Narkosearzt und einen weiteren Arzt. Der Gynäkologe hatte sich bereit erklärt, ein kleines Mädchen an den Genitalien zu verstümmeln. Für den illegalen Eingriff verlangte der Arzt eintausendzweihundert Mark. Bereits am 01. März 1999 hatte eine Lokalpolitikerin der Grünen den Arzt wegen Körperverletzung angezeigt. Die Berliner Ärztekammer wollte ebenfalls Strafanzeige gegen ihren Kollegen erstatten und plädierte für den Entzug seiner Zulassung. frauennews- Special- Thema: Genitalverstümmelung an Mädchen und Frauen Ab 1. April 1999 erweitert die Deutsche Bahn AG das Angebot der PartnerInnen- Bahncard auch auf gleichgeschlechtliche Paare mit gemeinsamen Hauptwohnsitz. Die billige Zweitkarte wurde bislang nur Eheleuten gewährt. Die Bahn AG beendet damit die Diskriminierung homosexueller Paare in ihrer Tarifpolitik. Im kommenden Schuljahr werden an den Schulen Nordrhein- Westfalens für Jungen "Konflikttrainingskurse" und für Mädchen "Selbstbehauptungskurse" angeboten. Dafür stellt die rot- grüne Landesregierung insgesamt 800.000 DM zur Verfügung. Das Statistische Bundesamt der BRD hat ermittelt: - 18,5 Prozent der Arbeitnehmerinnen und -nehmer sind nicht vollzeitbeschäftigt - 87 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten sind Frauen - gut jede dritte berufstätige Frau hat somit keine volle Stelle - von den berufstätigen Männern haben nur vier Prozent eine Teilzeitarbeit Die meisten dieser Frauen sind bei ihrer Ankunft in der BRD zwischen 17 und 19 Jahre alt. Die Frauen werden mit falschen Versprechungen oder mit Gewalt über die Grenzen gebracht. Minderjährige Mädchen wurden lt. Auskunft von MitarbeiterInnen eines Hilfsprojektes an der deutsch- tschechischen Grenze aus Waisenhäusern entführt und an Deutsche verkauft. Mittels Drohungen, Paßabnahme, sexueller Gewalt werden die Frauen und Mädchen zur Prostitution gepresst. Der Handel mit Frauen und Mädchen aus der Russischen Föderation, Polen, Tschechien und den Balkan- Ländern wird durch kriminelle Organisationen durchgeführt und kontrolliert. Jedoch etwa 40 Prozent all der Männer, die am Frauenhandel in die BRD beteiligt sind, sind deutsche Staatsangehörige. Sie dienen der Unauffälligkeit der Frauen beim Grenzübertritt und beim anschließenden illegalen Aufenthalt der Frauen in der BRD. Jährlich werden knapp 2.000 Fälle von Frauenhandel in der BRD aufgedeckt. Allein in Berlin stammt etwa die Hälfte der mehr als 8.000 Sexarbeiterinnen aus Osteuropa. (Quelle: Bericht der Internationalen Organisation für Migration IOM vom 18.03.1999 in Genf) frauennews- Special- Thema: Frauenhandel/ Moderne Sklaverei Claire Marienfeld (58) bezeichnete in ihrem Bericht als Wehrbeauftragte des Bundestages die leicht angestiegenen registrierten "besonderen Vorkommnisse" bzgl. rechtsextremistischer Vorfälle oder fremdenfeindlichen Verhaltens als "nicht besorgniserregende Entwicklung". Überwiegend handelte es sich um "Propagandadelikte", wie rechtsextremistische Grußformen und Parolen. In 85 Prozent der 320 Fälle handelte es sich um Soldaten des Grundwehrdienstes. Die Wehrbeauftragte kritisierte dagegen mangelnde politische Bildung der jungen Soldaten. Die Unkenntnis über politische und geschichtliche Zusammenhänge sei "erschreckend groß". Gestiegen ist die Zahl der Anträge von Kriegsdienstverweigerern: von 155.239 (1997) auf 171.657 (1998). Claire Marienfeld ist Deutschlands erste Wehrbeauftragte und versieht ihr Amt seit 1995. Die 30jährige Verona Feldbusch kündigte ihre Moderation bei der RTL-"Erotiksendung" "Peep!". Die Hamburger TV-Produktionsgesellschaft MME gab als Begründung an, daß der Moderatorin das "Erotikmagazin" zu pornographisch geworden sei. Von 83 Kommunen in Schleswig-Holstein, die eine hauptamtliche Frauenbeauftragte haben müßten, erfüllen dies nur 64. Von etwa 151 Kommunen, die eine ehrenamtliche Frauenbeauftragte bestellen müßten, erfüllen dies nur 128. Seit fast zehn Jahren sind Frauenbeauftragte in Schleswig-Holstein Pflicht. In den vergangenen zwei Jahren werden immer wieder hauptamtlich tätige Frauen in den Kommunen ohne Grund abgerufen, ihre Stunden gekürzt oder Stellen über lange Zeit nicht wieder besetzt. Vor kurzem forderte der Gemeindetag gar, daß die Grenze für hauptamtliche Kräfte auf Städte mit 30.000 EinwohnerInnen heraufgesetzt werden soll. Frauenbeauftragte arbeiten in Frauenberatung und für Innovationen auf allen Gebieten: von der Verwaltungsmodernisierung über die Optimierung eines Bebauungsplanes für junge Familien bis zur Agenda 21. Familienministerin Christine Bergmann (SPD) will öffentliche Aufträge nur noch an Betriebe vergeben, die in einem neuen Gleichstellungsgesetz die "Frauenförderung" vorsehen. Grundsätzlich sollen Frauen die Hälfte aller Ausbildungsplätze erhalten. Laut dem Deutschen Werberat ist die Zahl der Beschwerden über Gewalt oder Pornographie in der Werbung leicht zurückgegangen. Trotzdem wird ein Trend beobachtet, daß einige Branchen immer mehr auf "provokative Elemente" setzten, um die Aufmerksamkeit potentieller KundInnen zu erzielen. Insgesamt gingen 1998 306 Beschwerden beim Deutschen Werberat ein, 24 weniger als 1997. In nur zwei Fällen wurden "Rügen" ausgesprochen. Eins der Unternehmen, ein Düsseldorfer Textilunternehmen, hatte in einer Zeitschriftenanzeige einen mit einer Dieseljeans bekleideten Mann gezeigt, der einen menschlichen (weiblichen) Unterarm zersägte. Die zweite "Rüge" ging an eine Bautechnikfirma. In deren Werbeprospekt ist die Rückenansicht einer Frau mit gespreizten Beinen abgebildet. Auf deren Tangaslip liegt eine metallene Hülse. Das ganze hat die Überschrift: "Die heißeste Versuchung". frauennews-Kommentar: Der Deutsche Werberat ist ein "Selbstkontrollgremium". Der Rücklauf an Beschwerden über unangebrachte oder unzumutbare Werbung kann auch darin begründet sein, daß Frauen es aufgeben, sich an den Werberat zu wenden, da "Rügen" des Werberates anscheinend das einzigste Mittel gegen gewalt- oder pornographieverherrlichende Werbeelemente sind. Lediglich eine Werbung wurde auf Initiative des Werberates im letzten Jahr eingestellt: Die Uhrenwerbung eines Bielefelders Händlers zeigte verschiedene Methoden des Selbstmords. Eine Studie des niedersächsischen Kultusministeriums belegt, daß unter den AbiturientInnen des Jahrgangs 1997 in Niedersachsen 53,9 Prozent Mädchen waren. Unter den SchulabgängerInnen ohne jeden Abschluß lag der Anteil der Mädchen bei nur 35,4 Prozent. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert als Konsequenz aus dem jüngsten Familienurteil des Bundesverfasssungsgerichtes, daß der Besuch von Kindergärten genauso kostenlos sein soll, wie der Schulbesuch. Das seit einigen Wochen reformierte "Wort zum Sonntag", bei dem sich sieben Geistliche in der Moderation abwechseln, sorgte in der Deutschen Bischofskonferenz bereits für Ärger. In ihrer Rede vom 27.02. soll sich die evangelische Pastorin Mechthild Werner zur Schwangerschaftsberatung "unsensibel" geäußert haben und falsche Behauptungen aufgestellt haben. So habe der Papst, laut Bischofskonferenz, Frauen, die abgetrieben haben, nie als "Mörderinnen" bezeichnet. Kürzlich erst berieten die katholischen Bischöfe über die Fortsetzung der Beratungsarbeit für Schwangere, überließen aber letztendlich dem Papst die Entscheidung. Der 85jährigen Berlinerin Elisabeth Wust wird von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vaschem in Jerusalem der Ehrentitel "Gerechte unter den Völkern" verliehen. Mit dem Titel werden Menschen geehrt, die Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus lebensrettende Hilfe zukommen ließen. Elisabeth Wust, genannt Lilly oder Aimée, versteckte die Jüdin Felice Schragenheim, die dennoch am 21. August 1944 verhaftet und nach Theresienstadt deportiert wurde. Trotz dieser tragischen Erfahrung, mangelnder Nahrung und permanenter Gefahr nahm Elisabeth Wust drei weitere Jüdinnen auf. Eine von ihnen verstarb zum Kriegsende im August 1945, die anderen beiden überlebten. Die Shoah-Gedenkstätte Yad Vaschem hat europaweit rund 16.000 Frauen und Männer mit dem Titel "Gerechte unter den Völkern" geehrt, davon rund 5.000 NiederländerInnen und rund 400 Deutsche. Ein Kriterium der Auszeichnung ist, daß ein/e lebende/r jüdische Zeuge/Zeugin zugunsten der rettenden Person aussagt. Bis 1933 lebten in Berlin rund 170.000, reichsweit etwa 500.000 Jüdinnen und Juden. In Berlin gab es nach Angaben des Zentrums für Antisemitismusforschung ungefähr eintausend überlebende Jüdinnen und Juden des Holocausts und nach Schätzungen mindestens 1.500 RetterInnen. Seit knapp zwei Jahren gibt es das bundesweit einzigartige Projekt "Rettung von Juden im nationalsozialistischen Deutschland 1933-1945" an der TU Berlin, das die Geschichte über die Rettung jüdischer Menschen historisch aufarbeitet. frauennews-Infos: Erika Fischer hat die Lebenserinnerungen von Lilly Wust in dem Buch "Aimée & Jaguar" aufgezeichnet (dtv, ISBN 3-423-08406-5, DM 16,90) und ihr Vorwort durch einige wichtige Aussagen bereichert. Der 45minütige Dokumentarfilm "Love Story, Berlin 1942" mit Lilly Wust und ZeitzeugInnen wird am 22.02.1999 um 23.05 Uhr im Südwestfunk sowie am 10. März 1999 um 20.45 Uhr bei ARTE ausgestrahlt. Der Kinofilm zur authentischen Geschichte war der Auftaktfilm bei der *Berlinale 1999* und heißt "Aimée & Jaguar". Am 14. Februar 1999 begang die 22 Jahre alte Polizeiobermeisterin Silvia B. auf dem Weg zu ihrer Dienststelle mit ihrer Dienstwaffe Selbstmord. Vor ihrem Tod wurde sie massiv in ihrer Dienstgruppe gemobbt und sexuell beleidigt. Ihr Vorgesetzter, ein 32jähriger verheirateter Polizeikommissar, soll die Beamtin laut Aussage des Münchner Polizeipräsidenten Roland Koller "mit grob ungehörigen, obszönen Beschreibungen des Geschlechtsverkehrs" terrorisiert haben. Zudem hat er sie beschimpft. Vernehmungen von Kollegen hätten diese Aussagen bestätigt. Koller will von den massiven Anschuldigungen erst durch die Vorwürfe der Mutter der toten Beamtin erfahren haben. Der Vorgesetzte, gegen den straf- und disziplinarrechtliche Ermittlungen wegen Beleidigung (!) laufen, wurde an eine andere Dienststelle versetzt. frauennews-Kommentar: Heute, am 17. Februar 1999 findet in Herblingen (Donau-Ries) die Beerdigung einer jungen Frau statt, deren Tod das sehr tragische Ende eines diskriminierenden Mobbing- und Abhängigkeitsverhältnisses ist. Was trug sich im Vorfeld zu? Anfang Dezember 1998 wechselte die 22jährige Silvia B. von der Bereitschaftspolizei in die Polizeiinspektion 14 in München-Milbertshofen. Bereits nach zwei Wochen dortiger Arbeit suchte sie am 15. Dezember 1998 das Gespräch mit der Gleichstellungsbeauftragten des Polizeipräsidiums, laut deren Aussage sie "sehr aufgeregt und ängstlich wirkte und kündigen wollte". Ende Januar meldete sich die Polizeiobermeisterin krank und suchte Hilfe beim Personalrat der Polizei. Der bot ihr die Teilnahme an einem "Anti-Streß-Seminar"(!) oder die Versetzung an (!). Hierrin konnte die Polizistin keine Lösung sehen. Aber in dem Ertragen der sexuellen Beleidigungen durch ihren Vorgesetzten (und dem vermutlich duldenden Verhalten der Kollegen) auch nicht. Sie erschoss sich auf einem Autobahnparkplatz mit ihrer Dienstwaffe. Bereits vor ihr hatten zwei Beamtinnen um Versetzung aus dieser Dienstgruppe gebeten und sie wieder verlassen. Inspektionsleiter H. Meyer beteuerte jedoch, daß deren Begründungen nichts mit Mobbing zu tun gehabt hätten. Trotzdem seien ihm aber "vage Gerüchte" zugetragen worden, daß die betreffende Dienstgruppe als frauenfeindlich galt. Komisch, nicht? möchte frau fragen, wenn der Fakt nicht so ernst wäre. Am 31. Januar gründeten die Frauen der Initiative "Freiheit für Leyla Zana" in Dortmund einen Verein, um sich auch weiterhin für die Freilassung von Leyla Zana und anderer politischer Gefangenen sowie für ein Ende des Krieges und für demokratische Verhältnisse in der Türkei einzusetzen. Besonders sollen Frauen, Organisationen und Projekte, die wie Leyla Zana für Frieden, Völkerverständigung und Emanzipation kämpfen, unterstützt werden. Die Fraueninitiative hatte sich 1996 zusammengefunden, um auf die Situation der inhaftierten kurdischen Abgeordneten Leyla Zana aufmerksam zu machen. Leyla Zana ist als kurdische Politikerin in der Türkei inhaftiert, weil sie für ihr Volk das Recht auf Selbstbestimmung, Frieden und ein Leben in Freiheit forderte. Infos: Verein "Freiheit für Leyla Zana" c/o DFG-VK NRW, Braunschweiger Str. 22, 44145 Dortmund, Tel. 0231/818032, Fax 818031. Der Deutsche Staatsbürgerinnen-Verband ehrt die Schriftstellerin und Journalistin Inge Deutschkron mit dem Titel "Frau des Jahres 1998" wegen ihrem Bemühen um Toleranz, Frieden und Gerechtigkeit. Die 78jährige jüdische Autorin wuchs im Berlin der 20er und 30er Jahre auf. Eine Berliner Bäckersfrau versteckte sie und ihre Mutter vor den nationalsozialistischen Deportationen. Nach dem Krieg wanderte sie nach Israel aus. Inge Deutschkron setzte sich in ihren zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträgen für die Annäherung zwischen der deutschen und jüdischen Bevölkerung ein. Als Korrespondentin berichtete sie über die Auschwitz- Prozesse und sammelte ZeugInnenaussagen, Zeichnungen und Gedichte von InsassInnen des Konzentrationslagers. Bekannt wurde besonders ihr Buch "Ich trug den gelben Stern". |
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