Inter(n)view aus Anlaß des 2. Jubiläums
von frauennews am 30. März 1999





Chronik

Ende 1996 hatte ich die Idee zu einer Frauen- Zeitung im Internet. Das Konzept entwickelte ich weiter während der Arbeit an den Seiten. Am 30. März 1997 konnte ich das ganze dann hochladen. Ich hatte bis dahin lediglich Kenntnisse in Schreibprogrammen und konnte ansonsten nicht mal einen "Ordner" (Verzeichnis) einrichten.

Das erste frauennews- web bastelte ich mit "aolpress" (ein html- Programm, das aol kostenlos zur Verfügung stellte). Alles war auf english und meine englisch- Kenntnisse waren ziemlich begrenzt. Einmal hatte ich aus Versehen die Arbeit von mehreren Wochen unwiderbringlich gelöscht.

Die ersten Seiten hatten einen ungünstigen himmelblauen Hintergund mit schwarzer Schrift darauf - gelegentlich bekam ich emails von Leserinnen, daß sie das Lesen zu sehr anstrengte.

Zum Jahreswechsel 1997/98 wechselte ich zu "Frontpage" und zu einem weißen Hintergrund. Das Layout empfanden einige immer noch als etwas "wüst".

Seit dem letzten Jahreswechsel 1998/99 besteht das gegenwärtige Layout mit deutlich mehr Anerkennung, wozu Indina Beuche durch das frauennews- Logo und durch gute Tips wesentlich beigetragen hat. Unsere Zusammenarbeit empfand ich als sehr unkompliziert und effektiv, wofür ich Ihr sehr dankbar bin.

Seit Januar 1999 haben die über zweihundert frauennews- Seiten eine eigene Domain und ihr zu Hause bei der Frauen- Providerin
Web for Women.

Leider führen die eigene Domain und die immens steigenden "Visits" der Seite(n) auch zu mehr Kosten.

Zwei Jahre frauennews bedeuten auch, daß es Zeit ist, eine finanzielle, sehr einseitige Belastung abzubauen. Leider sehe ich kaum Möglichkeiten, finanzielle Quellen anzuzapfen. Es sieht so aus, daß Frauen kaum Förderungswege offen stehen.

An einzelnen "Ausschreibungen" und "Wettbewerben" beteilige ich mich mit frauennews, aber außer, daß die Teilnahme daran ebenfalls aufwendig ist, hat es nichts gebracht.
Die monatliche finanzielle Belastung besteht nicht aus "Unsummen", summiert sich jedoch zu einer solchen, wenn eine Frau das alleine über zwei Jahre trägt. Und auch frauennews- Innovationen sind nicht kostenlos.
Der nächste Weg ist nun, eine oder mehrere SponsorInnen/ SpenderInnen/ Stiftungen für die frauennews- Idee zu gewinnen. Solltet Ihr hierzu konstruktive Ideen haben oder um konkrete Anlaufstellen wissen - bitte teilt es mir mit: info@frauenredaktion.de
  frauennews wird zwei Jahre alt

Anlaß für einen Blick nach "innen"
In mir sind viel Freude und Stolz. Beides anteilig über das Projekt an sich, dessen Entwicklung, und über die vielen Kontakte, Verbindungen und Zusammenarbeiten, die in diesem Zusammenhang entstanden sind.

Wenn ich die Umstände berücksichtige, mit denen frauennews aufwuchs und aufwächst, bin ich zufrieden.
Als ich die Idee anging, habe ich für mich beschlossen, daß es nicht wichtig ist, wie lange sich die Idee "bewähren" wird. Ich dachte, daß ich einfach anfangen sollte, statt zu warten.

Ich ging im Frühjahr oder Sommer 1996 online und verbrachte viele, viele Stunden mit chatten und surfen. Ich war fasziniert von der Informationswelt "Internet". Doch auch dieses "unendliche Web" war limitiert - im Angebot der Nachrichten, die mich interessierten und die ich mir mühsam zusammensuchen mußte.

Durch das Internet fiel mir noch mehr auf: das Nachrichten, also "Informationseinheiten", die über die weibliche Hälfte der Menschheit berichten und mindestens für diese interessant sein könnten, bei den Presseagenturen noch Aufnahme finden - in den Tagesmedien jedoch erscheinen sie nicht mehr. Und wenn doch, stark gekürzt, an ungünstigen Plazierungen und in einer nicht frauengerechten Sprache.
frauennews entstand aus diesem Defizit. Das, was ich vermißte und mir wünschte, habe ich mit dem e- zine umgesetzt. Es bestätigt aber auch: was im Internet abgerufen werden will, muß erstmal eine/r reinstellen. Und das ist mit Arbeit verbunden und auch mit finanziellen Aufwendungen.

In zwei Jahren Projektzeit wurden eine Menge Aufs und Abs durchlebt. Und es macht immer noch viel Spaß, fertige Seiten online zu präsentieren.
Auch "offline" nimmt das ganze Projekt inzwischen viel Platz ein.

frauennews sieht sich als ein Puzzleteil und mit den Zielen, das Informationszeitalter mit zu nutzen, einige feministische Ansätze, Sicht- und Denkweisen zu publizieren und sich damit an der feministischen Diskussion zu beteiligen.
Das "Rad" soll dabei nicht neu erfunden werden, sondern bereits bestehenden Initiativen, Gedanken und Publikationen soll genug Platz in diesem Medium gegeben werden, um eine weitere Öffentlichkeit zu erreichen. Der gegenwärtige Feminismus ist so vielschichtig und interessant, wie es Frauen sind.
Schmerzlich bewußt ist mir dabei der Fakt, daß unzählige Frauen auch zu absehbarer Zukunft keinen Zugang zur "Informationsgesellschaft" haben werden.



Wünsche? Na klar!

Ich wünsche mir, daß es mit frauennews kontinuierlich weitergeht. Ein gutes Projekt soll angeblich daran erkennbar sein, daß es nie zu Ende ist. Gern möchte ich, daß frauennews ein Wachsen mit den Wünschen und Ansprüchen frauenbewegter Userinnen erlebt. Ich hätte auch gern einen vermehrten Austausch mit Euch, mehr Dialog und Diskussion.

Frauen mit Lust am Denken und Schreiben wünsche ich Muße und Zeit für ihre eigenen Beiträge. Frauen(an)sichten zu publizieren ist ein Sinn dieses e- zines.

Längerfristig gesehen wünsche ich mir, daß die Arbeit an frauennews zu bezahlter Frauen- Arbeit wird.

Und für nächstes Jahr, zum dritten Geburtstag, wünsche ich mir, endlich mal die Frauen zu einem gemeinsamen Essen einladen zu können, die direkt oder indirekt Anteil an frauennews haben. Das hatte ich mir immer vorgenommen - die Geburtstage von frauennews auch mit Frauen zu feiern! Aber der zweite vergeht nun noch einmal leise...

bis dann, die redakteuse ;-)
     
   

© J.A. 20.03.1999









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