Die deutsche Frauenbewegung




Veränderungen für Frauen werden nur durch Frauen erreicht !

 
1848 - 1945
Die Geschichte der Frauenbewegung beginnt um 1848. Sie steht im Zusammenhang mit der sozialen und demokratischen Bewegung in Deutschland um die 48er Revolution. 1865 gründeten bürgerliche Frauen den Allgemeinen Deutschen Frauenverein, dessen Ziele vorrangig Selbständigkeit und Mündigkeit für Frauen sowie das Recht auf Bildung und Arbeit waren. Mit Forderungen wie z.B. nach Industrie- und Handelschulen für Mädchen, Arbeiterinnenschutz, Mutterschutz, Chancengleichheit im Beruf, gleichem Lohn für gleiche Arbeit und dem
Frauenwahlrecht griff der Verein unter der Führung von Louise Otto-Peters Themen auf, die teilweise immer noch aktuell sind. Die Befreiung der Frau wurde nicht als Selbstzweck gesehen, sondern sollte der Gesellschaft nutzen und dem Fortschritt der Menschheit dienen.

Die proletarische (später sozialistische) Frauenbewegung unter Ottilie Baader, Clara Zetkin u.a. sah den Kampf um Frauenrechte dagegen im Zusammenhang mit der ArbeiterInnenbewegung. Der Hauptgedanke war: Frau und ArbeiterInnen haben gemeinsam, Unterdrückte zu sein.

Seit 1908 konnten Frauen aufgrund eines neuen Vereinsgesetzes in Parteien und Gewerkschaften eintreten. Im selben Jahr wurde Luise Zietz (1865-1922) als erste Frau in den Vorstand einer Partei (SPD) gewählt. 

Mit dem
Frauenwahlrecht 1918 kam der große Durchbruch. Frauen konnten wählen und sich als Kandidatinnen aufstellen lassen. Am 19. Januar 1919 waren 17 Millionen Frauen und 15 Millionen Männer wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung betrug bei den Frauen 82,3 % und bei den Männern 82,4 %. 310 Frauen hatten kandidiert, 41 Parlamentarierinnen zogen in die Nationalversammlung- das entsprach 9,6 % der insgesamt 423 AbgeordnetInnen.
Im Parlament der Weimarer Republik saßen zeitweise mehr Frauen als im Deutschen Bundestag. Sie kämpften für die Rechte der Frauen und setzten wichtige Rechtspositionen durch, u.a. Zulassung von Frauen als Richterinnen, Schöffinnen und Geschworene (1922). Sie sorgten dafür, daß Heimarbeiterinnen durch eine Heimarbeitslohngesetz besseren Schutz bekamen (1923) und engagierten sich für das Mutterschutzgesetz (1927).

Der Nationalsozialismus verdrängte die Frauen aus dem öffentlichen Leben und legte die Frauenrolle auf Hausfrau und Mutter fest. Frauen verloren das passive Wahlrecht, die Zulassung zur Habilitation, zum Richterinnenamt und als Rechtsanwältinnen. Der Frauenanteil bei den Studierenden durfte maximal 10% betragen. Frauenorganisationen der demokratischen Parteien und Gewerkschaften wurden im Jahre 1933 verboten. Andere Frauenorganisationen wurden aufgelöst. In den NS-Frauenorganisationen ging es um Hauswirtschaft, Kinderpflege und Ernährung. Die Arbeitsplätze wurden den Männern freigehalten. 1939, mit Kriegsbeginn, waren weibliche Arbeitskräfte wieder gefragt. Während des Faschismus wurden Frauen jüdischer Herkunft, Sinti und Roma- Frauen, Regimegegnerinnen und ihre Familien verfolgt, vertrieben und vor allem umgebracht.
(dieser Abschnitt wird noch weiter ausgearbeitet)


1945 - heute
Nach Kriegsende verankerten die vier "Mütter" und einundsechzig "Väter" des Grundgesetzes die Gleichberechtigung von Frau und Mann im Grundgesetz.
Auch die Verfassung der DDR schrieb dies fest und stellte die Förderung von Frauen in Beruf und Gesellschaft als staatliche Aufgabe heraus.
Der 1949 gewählte Erste Deutsche Bundestag hatte 410 Abgeordnete. Davon waren 29 Frauen, also 7,1 %. 
1945 entstanden wieder erste Frauenverbände. 1947 schlossen sich einige von ihnen zum Demokratischen Frauenbund Deutschlands zusammen, der bald in die kommunistische Frauenförderation aufgenommen wurde. 1949 gründete sich der Deutsche Frauenring e.V. als Dachverband der verschiedensten Frauenverbände.
1951 aus der Taufe gehoben, gab sich 1969 der Deutsche Frauenrat seinen heutigen Namen. Er vertritt inzwischen über 100 Frauenorganisationen und -vereinigungen. Er versteht sich als überparteilich und überkonfessionell, als Lobby der Frauen und arbeitet auch auf internationalem Terrain.

Aus dem Familiengesetzbuch der DDR von 1966: (den Eheleuten wurde empfohlen, ihre Beziehungen so zu gestalten) "daß die Frau ihre berufliche und gesellschaftliche Tätigkeit mit der Mutterschaft vereinbaren kann."
Die 50er und 60er Jahre standen im Zeichen der Integration möglichst vieler Frauen in die Arbeitswelt. Ideologische und ökonomische Ziele trafen dabei zusammen.    

Neben der traditionellen Frauenbewegung hat sich seit 1968 die autonome Frauenbewegung entwickelt. Sie geht zurück auf die StudentInnenbewegung und verstand sich demzufolge zunächst als feministische Gegenkultur. Sie rückte Bereiche ins Blickfeld, die vorher nicht oder kaum beachtet wurden, wie die Gesundheitssituation von Frauen und ihre Sexualität, Gewalt gegen Frauen, die Situation von Frauen in Forschung und Lehre und außerhalb der Hochschulen und Frauen in der Kultur. In den letzten Jahren sind auch in den neuen Bundesländern wie zuvor in den alten Bundesländern
Frauenverlage, Frauenzeitschriften, Frauenbuchläden, Frauencafes, Frauenkulturgruppen, Frauenferienhäuser, Frauengesundheitszentren, Frauenhäuser und Notrufe für mißhandelte und vergewaltigte Frauen und Mädchen entstanden.  

Das die Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt viel stärker von der jeweiligen ökonomischen Lage abhängen als bei Männern, haben die ostdeutschen Frauen nach der Wende deutlich zu spüren bekommen. Kontinuierliche Erwerbstätigkeit war für ostdeutsche Frauen üblich. Nach der Wende jedoch verloren sie beim Kampf um die knapp gewordenen Ausbildungs- und Arbeitsplätze: 1995 betrug die Erwerbslosenquote bei den Frauen 22 % (Männer 11,5%).  
Durch die Erfahrungen der letzten Jahre haben Frauen erkannt, daß eine wirkliche Veränderung bestehender Strukturen nur ereicht wird, wenn Frauen ihre Bedürfnisse, Fähigkeiten und Kenntnisse noch stärker bündeln, anderen Frauen zur Verfügung stellen und so eigene Strukturen einer nichtstaatlichen Frauenförderung von Frauen für Frauen schaffen. Es bildeten sich Berufsverbände und Frauennetzwerke.

Innerhalb der großen Parteien arbeiten Frauenorganisationen, wie Frauen- Union, AG Sozialdemokratischer Frauen, AG Lisa (PDS). Seit Mitte 1995 existiert bundesweit die
Feministische Partei DIE FRAUEN. (siehe auch Frauenparteien) Der Anteil der weiblichen Abgeordneten im Deutschen Bundestag lag zwischen 1949 und 1986 nie über zehn Prozent. Bei der Wahl 1993 waren 142 der insgesamt 662 Abgeordneten Frauen, das sind 21,4 %.
1986 wurde das Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit auch für die Belange der Frauen zuständig. Mit der Regierungsumbildung 1991 wurde das Bundesministerium für Frauen und Jugend eingerichtet.

Frauen sind nicht unpolitisch, haben aber einen anderen Begriff von Politik entwickelt nach dem Motto: Das politische ist privat- das private ist politisch. Frauen interessieren sich durchaus für Themen wie Arbeitslosigkeit, Wohnungsbau, Umwelt usw., nähern sich diesen Themen aber viel komplexer als Männer und neigen dadurch auch weniger zu extremen Positionen wie die Männer.  

(Quelle: u. a. Informationen für Frauen, Presse- und Infoamt der Bundesregierung, Bundesministerium für Frauen und Jugend, Informationen zur politischen Bildung)




"Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland"
von Rosemarie Nave-Herz (kostenlos zu beziehen über die Landeszentralen für politische Bildung oder direkt bei der Niedersächsischen Landeszentrale in Hannover)

"1968 – 1998 Plakate 30 Jahre Neue Deutsche Frauenbewegung"
Vom Tomatenwurf des "Weiberrates" über den "Tanz in den Muttertag", die "Walpurgisnächte", den "Frauenstreiktag" bis hin zu "Frauen in Ost und West" - Plakate aus allen Teilen Deutschlands, die eine Zeitreise durch die Geschichte der Bewegung zeigen. Der Katalog ist gegen eine Schutzgebühr von 15,00 DM zzgl. Porto zu bestellen bei:
Stiftung Leben & Umwelt, Renate Steinhoff, Schuhstr. 4, 30159 Hannover, Tel. 0511/ 301857-0, Fax -14 oder per e-mail:
slu-steinhoff@apc.de
 

Frauenwahlrecht (frauennews)
Archiv der deutschen Frauenbewegung (Universität Kassel)
Zum Verbleib der Frauenbewegung (Artikel von Mechtild Jansen)












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