
Eine Praktikumszeit bei "Amnesty for
Women"
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| Hier stelle ich Euch zwei Mitarbeiterinnen
von AfW vor. Um sie vorzustellen, habe ich sie in den
Räumen von AfW interviewt. I.: - Alter: "Meinen beruflichen Werdegang habe ich bereits abgeschlossen." - Was machst Du bei AfW? Büroarbeiten, Begleitung zur Ausländerbehörde, keine Beratung, zweimal die Woche von 10 bis 16 Uhr - Bezahlt? ehrenamtlich - Seit wann bist Du bei AfW? Seit 4 Jahren - Wie bist Du auf AfW aufmerksam geworden? Ich suchte gezielt ehrenamtliche Arbeit. Dabei hatte zuerst amnesty international im Visier, rief dann aber bei Amnesty for Women an. - Was gefällt Dir bei AfW? amnesty international war mir zu global, ich suchte die praktische Arbeit mit Menschen. Mir gefällt das multikulturelle. Ich sehe hier völlig andere Probleme, bei meiner vorherigen Berufstätigkeit in einer Bank hatte ich nie mit existenziellen Problemen zu tun. - Kriegt Ihr positive Rückmeldungen? Wenig Rückmeldungen durch die Migrantinnen, aber durch die Mitarbeiterinnen - Betroffenheit? Ja, besonders beim Thema Frauenhandel. Die Verfolgung eines größeren Prozesses war sehr aufregend. U.: - Alter: 55 Jahre - Was machst Du bei AfW? "Enorm viel! Beratung für Frauen, die genügend deutsch sprechen oder auf englisch oder spanisch, Deutschunterricht, Gruppentreffen für interessierte Frauen (Konservationskursus) und gemeinsame Unternehmungen, Vernetzung, Öffentlichkeits- und Archivarbeit, Bücherei, Didaktisches Material für Unterricht." - Bezahlt? ja - Seit wann bist Du bei AfW? seit 16. Dezember 1997, die Stelle ist befristet bis 15. Dezember 2000 - Wie bist Du auf AfW aufmerksam geworden? durch`s Arbeitsamt - Was gefällt Dir bei AfW? die inhaltliche und politische Arbeit, die angestrebte Verbesserung der Situation der Migrantinnen, der persönliche Einsatz, Motivation ist, die Migrantinnen in ihren Rechten zu unterstützen; multikulturelle Termine, "nur" Frauen, große Gruppe, unterschiedliche Frauen. - Was für gesellschaftliche Zustände regen Dich auf? Die Diskriminierung von Frauen und Unterdrückung. "Es ist noch lange nicht so, daß Frauen gleichberechtigt sind." Die Repressionen, Unterschiede, Hierarchien, "Die Machtausübung um zu unterdrücken, was auch oft subtil stattfindet." Auch tägliche Diskriminierung Frauen gegenüber. - Kriegt Ihr positive Rückmeldungen? "Massig! Ganz viel!" Viel Anerkennung, auch durch die Migrantinnen. "Herzliches Verhältnis und große Akzeptanz und großes Interesse, es entwickelt sich immer was." - Gibt es größte Erfolge? Die Finanzierung der Koordinierungsstelle, das spezifische Arbeiten für und mit Migrantinnen. "Bei N. ist die Prozeßbegleitung gut gelaufen, aber sie konnte nicht hier bleiben, da hätten noch andere Maßnahmen laufen müssen." (Anm.: N. ist eine Opferfrau von Frauenhandel, die die Kraft hatte, gegen ihre Peiniger ausgesagt hat. Nach Prozeßende bekam sie gemäß den aktuellen Gesetzen kein Aufenthaltsrecht und keine Arbeitserlaubnis.) "Das wir die taz und die Frankfurter Rundschau als Spenden-Abo bekommen, ist für mich auch ein Erfolg." - Betroffenheit? "Ja, in der Auseinandersetzung mit betroffenen Frauen, ihrer Traumatisierung, und bei Genitalverstümmelung." Betroffen auch über die persönliche Erfahrungen der Frauen, "die oft so mühsame Kleinarbeit, um politische Ziele und bessere Bedingungen zu schaffen." - Was willst Du unbedingt mal loswerden/ sagen? "Ich wünsche mir fürs Team, daß wir in Zukunft noch mehr und stärker zusammenarbeiten. Präsenter, stärker, mehr gemeinsam durchsetzen, alle an einem Strang ziehen." - Bist Du privat mit Migrantinnen befreundet? ja - Hat sich Deine Sicht durch die Arbeit bei AfW verändert? "Problemlagen sehe ich differenzierter und ich sehe die Notwendigkeit, mich zu engagieren, deutlicher." |
Ich war total neugierig auf diesen
Verein, der laut Flyer mit Migratinnen arbeitet und zu dessen Team ebenfalls Migrantinnen gehören. "Multikulti" und ich mittendrin. Erinnerungen an eine Reise zu Frauenzentren in London kamen hoch. London ist sehr multikulturell und die Atmosphäre in den Frauenorten, die wir dort besuchten, empfand ich als sehr spannend und bereichernd. Und nun also auch so ein Projekt in meiner Stadt Hamburg, in Altona, Große Bergstraße. Ich stellte mir verwinkelte kleine Büroräume in einem Altbau, im Erdgeschoß oder Souterrain und mit Dielenfußboden vor. Vielleicht alles etwas dunkel, mit Frauen- Plakaten tapeziert, ein Sprachengewirr und viel kommen und gehen von Frauen aus aller Frauen Länder. Mir fiel auf, daß ich den Begriff "Migrantinnen" in meinem Sprachgebrauch nicht verwendete. Warum eigentlich nicht? Hatte ich es überhaupt schon mal, außer auf dieser Londonreise, mit Migrantinnen zu tun? Was meint der Begriff? Ich habe mich mit dem Begriff auseinandergesetzt und festgestellt, daß ich seit ungefähr fünf Jahren mit Migrantinnen zu tun habe und deren Kampf um Aufenthalt in diesem Land mit erfahren habe. Für eine Migrantin war ich sogar aktiv tätig im Laufe eines Scheidungsverfahrens. Ich beschaffte die Anwältin, fuhr die Migrantin zu Terminen. Ich sagte gegen ihren Mann aus, da er die Frau mißhandelte, bedrohte und ihr das Geld entzog. Sie mußte befürchten, daß ihr Mann die gemeinsamen beiden kleinen Kinder ins Ausland entführte. Ich hatte das schon längst wieder vergessen, was für anstrengende Tage das waren. Das Büro war dann genau entgegengesetzt zu meinen Erwartungen hell, großräumig und freundlich im ersten Stock eines neueren Gebäudes. Was habe ich bei Amnesty for Women arbeiten und teilhaben können? Als erstes möchte ich erwähnen, daß ich die Atmosphäre bei Amnesty for Women sehr angenehm fand. So wurde mir so viel Vertrauen entgegengebracht, daß ich uneingeschränkten Zugang zu allen mich interessierenden Informationen hatte. Ich hatte eine Ansprechfrau und wir besprachen, wenn notwendig, das "Programm" für sie und mich. Als gut empfand ich, daß ich nicht nur "konsumierende" Praktikantin war, sondern auch etwas mitreingeben konnte an Fähigkeiten. Mein "Programm" bei AfW war sehr vielseitig: - Prozeßteilnahme beim Landgericht: die Anklage der Staatsanwaltschaft lautete "Frauenhandel, Zwangsprostitution, Vergewaltigung"; angeklagt waren drei Männer, die zwischen 1959 und 1968 geboren sind. - Recherchen - Durchführung einer Internet- Einführung für die AfW- Mitarbeiterinnen - Internetrecherchen für AfW (über thailändische Organisationen, Texten über Genitalverstümmelung etc.) - Teilnahme bei einem Beratungsgespräch einer Chinesin, die sich wegen Gewalt ihres deutschen Ehemannes aussprechen wollte - Archiv, Ablage, Telefondienst, Gespräche mit den Mitarbeiterinnen - Selbststudium in den Materialien und Archivierungen von AfW (Rundbriefe, Beratungskarteien etc.) Ein wichtiger Teil der Arbeit der Frauen von Amnesty for Women ist die Beratungstätigkeit Die Migrantinnen nehmen meistens per Telefon Erstkontakt mit den Mitarbeiterinnen von AfW auf. Daraus entstehen entweder sofortige telefonische Beratungsgespräche oder es wird ein Termin für ein persönliches Beratungsgespräch in den Räumen von AfW vereinbart. Die Räume von AfW sind männerfrei. Es gibt auch Fälle, in denen sich die Migrantinnen nicht selbst, sondern ihre FreundInnen, Ehemänner oder AnwältInnen sich an AfW wenden, um einen Termin zu vereinbaren oder Auskunft einzuholen. Die Beratungen sind grundsätzlich anonym. Nach dem Gespräch wird jeweils auf einer Karteikarte der Verlauf der Beratung dokumentiert. Einfach, um einen Überblick zu haben, Beratungswege nachvollziehbar zu haben, interne Übergaben zu sichern etc. Ob sich die Migrantinnen "legal" oder "illegal" in der Bundesrepublik aufhalten, spielt für den Kontakt zu AfW keine Rolle. Migrantinnen können den Mitarbeiterinnen von AfW vertrauen, daß diese sie nicht an öffentliche staatliche Einrichtungen (Polizei etc.) "verraten". Die Beratungsinhalte betreffen meistens einen Aufenthaltsstatus, oft verknüpft mit aktuellen Eheproblemen, Probleme von (Zwangs-)Prostitution, Zeuginnenschutz, Frauenhandel. Was mich das Praktikum gelehrt hat... ...ist der erneute Respekt vor Frauenarbeit an der "Basis", d.h. hier konkret die Praktikerinnen, die sich im direkten Umgang mit den Migrantinnen befinden und teilweise auch selbst Migrantinnen sind. Sie sind konfrontiert mit den Folgen "großer" patriachaler Politik, mit den Folgen der wirtschaftlichen und ökonomischen Zuständen in den Herkunftsländern der Migrantinnen, gesetzlichen (Staats-)Vorschriften, Männergewalt, "freiwilliger" Prostitution und Zwangsprostitution, Problemen, die ein "illegaler" Aufenthalt von Migrantinnen mit sich bringt. Um einen Überblick über "ganz normale" Problemsituationen "legaler" und "illegaler" Migrantinnen aufzuzeigen, habe ich mal hier einige Beratungs"fälle" zusammengetragen. Fazit für mich: Migrantinnen, legal und illegal, sind auch "nur" Heldinnen des Alltags. Ich bin sehr beeindruckt davon, daß dieser relativ kleine Verein von ca. 20 Mitfrauen in einer Großstadt wie Hamburg so viel bewältigt. Der Querschnitt der Beratungsgespräche zeigt mir, daß Frauen speziell im imigrierten und sogenannten "illegalen" Status schlimmsten Diskriminierungen ausgesetzt sind. Die Rechtslage ist hier in meinen Augen noch sehr unterentwickelt. Ich fühle mich aufgefordert, über Migration und Weltpolitik, aber auch über Prostitution neu nachzudenken. Und damit kann ich noch nicht fertig sein. Andererseits versuche ich dieses Wissen zu meiner Wut über patriachale Zustände zu addieren. Ein "BewußtSein" über solche Zustände kann auch konstruktiv verwertet werden. © Text: A.D. |
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