Mädchen und Frauen im heutigen
Rechtsextremismus





Der Verfassungsschutz hat für das Jahr 1998 folgendes vermerkt:
- 53.600 rechtsextreme Personen in Deutschland (+11% zu 1997)
- 11.049 Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund
- 708mal haben Skinheads, Neonazis und rechte MitläuferInnen andere Menschen verprügelt, in zehn Fällen sogar versucht zu töten, Häuser in Brand gesteckt oder Landfriedensbruch begangen
- die Hälfte aller rechten Straftaten konzentrierte sich auf die neuen Bundesländer mit einem Bevölkerungsanteil von 19 Prozent
- im Internet verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr die Anzahl der rechten Homepages auf rund 200

Gewaltbereite RechtsextremistInnen
In der BRD wurden für das Jahr 1997 amtlicherseits 7.600 gewaltbereite RechtsextremistInnen registriert.

Gewaltbereite rechte Mädchen und Frauen
1996 geht das Bundesamt für Verfassungsschutz von einem Frauenanteil von 4 Prozent bei den «erfaßten mutmaßl. GewalttäterInnen mit angenommener oder nachgewiesener rechtsextremistischer Motivation» aus.
Andere Quellen geben bis zu 10 Prozent an.

Neonazisszene
Bundesweit werden 2.400 Personen zur Neonazi- Szene gezählt.
Einen Frauenanteil von 20 Prozent in der Neonazi- Szene vermutet Michael Schmidt
(in seinem Buch "»Heute gehört uns die Straße...« Der Inside- Report aus der Neonazi- Szene, Düsseldorf 1993, S. 107)

Begriff "neonazistisch":
Personen u. -gruppen, die sich in der Tradition des Nationalsozialismus verstehen und hinsichtlich ihrer Ideologie und Organisationsform Bezüge zum NS aufweisen.


Frauenorganisationen in der rechten Parteiszene
- Republikanischer Bund der Frauen: Vereinigung der REP- Parteifrauen; gegründet August 1995 in Wiesbaden; etwa 70 Prozent weibliche Mitglieder; "familienpolitische Standpunkte" der REP- Programmatik werden unhinterfragt übernommen, stehen jedoch im Widerspruch zu einer geforderten "Zusammenarbeit von Frauen und Männern".

- Deutsche Frauenfront DFF
1984 als eigene Frauengruppe innerhalb der GdNF (Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front) gegründet mit 100 bis 150 Mitgliedern, biologistisches und nationalsozialistisches Frauenbild. 1987 erste Spaltung in DFF und FAP- Frauenschaft. 1988 zweite Spaltung in DFF und zweitem DFF, die bis 1988 und 1989 existierten.

- FAP- Frauenschaft
am 01. Juli 1987 aus der DFF hervorgegangene Frauengruppe. Offizielle Auflösung am 28. März 1990.


Frauenorganisationen in der rechten Skinheadszene
- Skingirlfront Deutschland seit 1991; 1994 umbenannt in Skingirl Freundeskreis Deutschland (SFD); im vierten Quartal 2000 offizielle Auflösung, jedoch ist von weiteren - inoffiziellen - Aktivitäten auszugehen.

- Renee Kameradschaft Deutschland (RKD), von einer Frau (1998/99) gegründet, die wegen ihrer Transsexualität in den SFD nicht aufgenommen wurde. Auf Grund dessen kaum Akzeptanz der RKD.

- Unione Skinhead Girl (USGI) (Hammerskingirls in Italien)

- Women for Aryan Unity (WAU)
  Die Ideologie
...rechter Parteien und Organisationen ist geprägt von Antisemitismus ("Judenhaß"; Glaube an eine jüdische Weltverschwörung), Rassismus, der Überlegenheitsüberzeugung der "weissen" Rasse und nationalsozialistischem Gedankengut.

Mädchen und Frauen im heutigen Rechtsextremismus
... gibt es in jedem Alter und mit jedem Bildungsstand. Führende rechtsextreme Frauen in der BRD sind in ihrem sozialen Alltag Hausfrauen, Rentnerinnen, Krankenschwester, Pianistin, Studentinnen, Gärtnerin, Rechtsanwältinnen, Journalistinnen, Literatur- und Germanistik- Professorin, Unternehmensberaterinnen, Kinder- und Jugend- Psychotherapeutin, Elektronikerin, Angestellte, Apothekerin, Bibliothekarin, Steuerfachgehilfin u.a.
Unter ihnen sind Trägerinnen des Bundesverdienstkreuzes und Trägerinnen anderer Auszeichnungen. Einige sind aktive Kirchenfrauen.

Geballt sind rechte Mädchen und Frauen in der rechten Parteienpolitik und in der rechten Skinheadszene zu finden, aktiv sind sie auch in der Bewegung gegen das Abtreibungsrecht "weisser Frauen".


Viele Freundinnen und Ehefrauen von Funktionären neonazistischer Organisationen unterstützen ihre Partner durch Übernahme verschiedenster Aufgaben. Viele der aktiven Frauen sind gleichzeitig in mehreren Organisationen tätig.

Verschiedenen Funktionen und Aufgaben
werden von den Mädchen und Frauen übernommen:
- ideelle Unterstützung: als pflegende oder Rückhalt gebende Partnerinnen, Anheizerinnen bei "Aktionen"
- organisatorische Aufgaben: Anmietungen von Räumlichkeiten, Anmeldungen von Aufmärschen, zur Verfügungstellung von Postfachadressen und Konten
- logistische Aufgaben: Kurierinnen, Chauffeurinnen
- informelle Aufgaben: Telefonate, Spitzeldienste in der linken Szene
- "wissenschaftliche" Funktionen: "Gutachterinnen", Lebensschützerinnen, Referentinnen
- rechtlicher Beistand: Anwältinnen, AnwältInnengehilfinnen; Sekretärinnen in Kanzleien
- Zu- und Unterstützungsarbeit in entsprechenden Bildungswerken, Stiftungen, Schulungszentren, Vereinen, kirchlichen Institutionen, bürgerlich- konservativen Kreisen, für neonazistische Gefangene, in Bünden, Gilden, Orden und für Burschenschaften
- Gönnerinnen: Schenkungen von Grundstücken, Beherbergung von Gleichgesinnten
- Funktionen im Parteiapparat: Schriftführerinnen, Kassenwartinnen, Beisitzerinnen, Abgeordnete
- Propaganda: als Autorinnen in rechten Publikationen und von eigenen Rundbriefen, Fanzines, Skingirl-Zines; Inhaberinnen von Buchvertrieben und Verlagen, Herstellung und Verbreitung von Flugblättern, Sprüh- und Klebeaktionen etc.
- Teilnahme an Demonstrationen, Aufmärschen, neonazistischen Feierlichkeiten, gruppeninternen Treffen
- indirekte Gewaltanwendung: Sachbeschädigung, psychische Gewalt
- "Kampfeinsätze": prozentual geringe Beteiligung an gewaltbereiten und durchaus bewaffneten Aktionen, Überfällen, "Schutztruppen" etc.

Eine der Diskrepanzen
besteht zwischen der Lebensrealität der rechtspolitischen Partei- Aktivistinnen und den frauenpolitischen Inhalten in den eigenen Parteiprogrammen. Denn die sind zumeist lediglich mit der "Familien- und Bevölkerungspolitik" verknüpft.
Die rechten Parteien betonen in ihren Parteiprogrammen zwar die "Gleichwertigkeit der Frauen", jedoch auch, daß Frauen "nicht gleichartig" zu behandeln sind. Ist eine Berufstätigkeit "in jungen Jahren" durchaus noch akzeptiert, wird sie für eine "Mutter" jedoch abgelehnt: frau wird auf Heim, Herd und Kind/er fixiert. Dienende Fürsorglichkeit und spezifische Familienverantwortung - die Frau wird darauf verwiesen, wohin sie auf Grund ihrer "Genetik" und zur Erhaltung der "weissen Rasse" gehört. Der Bewahrung und der "Gesundheit" des "deutschen Volkes" wird damit das Selbstbestimmungsrecht der Frauen untergeordnet.

"Als Frau hat man bei den Republikanern überhaupt keine Chance. Die Reps wollen eine Frau, die am Kochtopf steht und eine reine Gebärmaschine ist. Sie muß Knödel kochen können und ihrem Mann bedingungslos ergeben sein. Ich habe mich aufgelehnt gegen die Verdammung der Abtreibung, was meinen Sie, was da los war." Martina Rosenberger in einem Interview in "Die Woche"
(zitiert nach: blick nach rechts, Ausgabe 14/ 1995). Sie selbst trat im Mai 1994 bei den REP aus.

Mädchen und Frauen in der rechten Skinhead- Szene
Ursprünglich war die Skinheadbewegung eine Klassenbewegung. Inzwischen wurde sie ideologisch unterlaufen und zunehmend zu einer "Rassenbewegung". Neofaschistische Skinheads (Boneheads) sind VertreterInnen einer ideologisierten (Jugend)Kultur, denen es hauptsächlich um ein bestimmtes "Lebensgefühl" geht. Hierzu gehören Konzerte mit neofaschistischen Bands, Alkohol, "Aktion" (Aufmärsche, Überfälle) und ein bevorzugtes Erscheinungsbild, das übers (mal auffällige, mal dezente) Outfit, Kultgegenstände, Lieblingsfarben, bestimmte Automarken bis zur favorisierten Hunderasse geht.
Eigene Produktionsfirmen und Vertriebswege innerhalb der Szene dienen der Versorgung mit CD`s, Videos, Bekleidung, (illegalem) Propagandamaterial und Waffen und als finanzielle Einnahmequelle.

Skins pflegen ein sexistisches Frauenbild. Mackerkult und Sexismus werden zum "Wert an sich" erhoben. Dies wird von den rechten "Skingirls" mitgetragen bis unterstützt (sind selbst gerne Sexualobjekt) oder geduldet (auch von Vergewaltigungen) oder abgelehnt (bezeichnen unterstützende Renees als "Fickhennen", Schlampen u.ä.).

In rechten Jugendcliquen ("Kameradschaften"), in denen Boneheads sich zusammenfinden, wird von einem Mädchenanteil um die 20 bis 30 Prozent ausgegangen. Rein äußerlich könnte man diese wie folgt einteilen:
- weiblich wirkende Mädchen: von ihrem Aussehen her nicht als rechte Mädchen zu erkennen; defensiveres Verhalten, häufig in einer Beziehung zu einem Jungen der Gruppe.
- Skingirls/ Renees: von ihrer Kleidung an den männlichen Skinheads orientiert; Kopf rasiert bis auf Pony, Koteletten und Nackenhaare.
- die "sowohl als auch" Mädchen, die ihr Äußeres variieren.

Mögliche Motivationen für Mädchen und Frauen im Rechtsextremismus
- Einstieg in eine rechte Clique oft durch oder mit eine/r Freundin bzw. durch eine Beziehung mit einem männlichen Cliquen-Mitglied
- Gruppenzugehörigkeitsgefühl/ Abgrenzungswunsch zum Elternhaus
- besonderer Reiz durch die rechte Skinheadkultur durch das halb- bzw. illegale Milieu (konspirative Atmosphäre)
- Aufwertungsgefühle durch ihr provozierendes Auftreten
- starker Rassismus
- visionär: Sicherung eines von ihnen erwarteten "Egalitätsanspruches" in einer (nach ihrer Ideologie noch zu errichtenden) faschistischen Gesellschaft (Vierte Reich), sprich: Profiteurin mit angesehenem Image als "weiße, hochqualifizierte Frau in einer Eliteposition des Volkes" oder als "gesunde weiße Mehrfach-Nur-Mutter".



Rassismus
Sexismus
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Sexismus
  "Frauen wie Männer thematisieren die »Belästigung durch ausländische Männer«, um ihren Rassismus zu legitimieren. Aber ihre Motivationen sind - wie Rommelspacher anmerkt - unterschiedliche. Von weißen Männern wird diese Argumentation instrumentalisiert, um den Besitzanspruch »Frauen« gegenüber zu unterstreichen. Sie können sich dabei zugleich als »Beschützer« gegen die Bedrohung durch die Fremden phantasieren. Bei Frauen spielt dagegen folgender Mechanismus eine Rolle: »Viele haben Mißachtung und Gewalt bei ihren eigenen Männern erfahren, und dennoch hängen sie an ihnen.« Um den eigenen Mann entlasten zu können, projizieren sie ihre unterdrückte Wut nun auf Migranten. »Der Rassismus führt also dazu, sich noch mehr an den eigenen Mann zu binden und damit auch seine Gewalttätigkeit zu ertragen. In diesem Sinne stabilisiert der Rassismus den Sexismus.«"
(zitiert aus "Rechte Frauen" von Renate Bitzan (Hg.), S. 194)



Umfangreiche Literatursammlung (frauennews)
 
Von rechten Kämpferinnen und braven Biederfrauen
Antifaschistisches Info-Blatt wie der Name schon sagt
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Frauen im II. Weltkrieg/Nationalsozialismus








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