Frauen im II. Weltkrieg
Frauen im Widerstand und in Opposition




Widerstand und Opposition
Widerstand bedeutet zweckgerichtetetes bewußtes Handeln oder Vorbereitung (auch ideell) eines solchen Handelns zur Begrenzung einer Herrschaft oder Ideologie.
Denken und Handeln werden gegen eine Diktatur gerichtet und stellen dessen Wertesystem, deren Ideologie und deren Herrschaftspraxis in Frage. Denken und Handeln gehen über die Verteidigung von Gruppeninteressen hinaus und sind auf die Erhaltung oder Wiederherstellung von elementaren Grundvoraussetzungen menschenwürdigen Lebens gerichtet.
Opposition gibt es aus weltanschaulichen Gründen oder als gesellschaftliche Verweigerung.



"Warum verhält sich das deutsche Volk angesichts all dieser scheußlichsten, menschenunwürdigsten Verbrechen so apathisch? Kaum irgend jemand macht sich Gedanken darüber. Und wieder schläft das deutsche Volk in seinem stumpfen, blöden Schlaf weiter und gibt diesen faschistischen Verbrechern Mut und Gelegenheit, weiterzuwüten- und diese tun es."

"Es ist klar, daß wir unmöglich für jeden einzelnen Richtlinien für sein Verhalten geben können, den Weg zur Verwirklichung [des passiven Widerstandes] muß jeder selber finden."

(Zitate aus Flugblättern der "Weißen Rose" 1942)
  Zwischen 1933 und 1945 wurden Zehntausende Frauen aus politischen Gründen festgenommen. 1933 entstand in Moringen bei Göttingen das erste zentrale Frauen-Konzentrationslager.

Die Verfolgung von Frauen begann unmittelbar mit der Machtübernahme der nationalsozialistischen Regierung und richtete sich zunächst gegen Politikerinnen: Die früherer Breslauer Reichstagsabgeordnete Minna Cammers (SPD) wurde im März 1933 von der Gestapo (Geheime Staatspolizei) verhaftet und umgebracht. Sie hatte Flugblätter gegen die Nazis verteilt. Die kommunistischen Reichstagsabgeordneten Franziska Kessel und Helene Fleischer wurden ebenfalls ermordet.

Liselotte Hermann war die erste Frau, die per Todesurteil hingerichtet wurde. Am 20. Juni 1938 wurde sie wegen Verteilung von Flugschriften über die illegale Aufrüstung bei den Dornier-Werken durch das Fallbeil in Berlin-Plötzensee umgebracht.

Sophie Scholl, Mitfrau der Widerstandsgruppe Weiße Rose, von der nebenstehender Text stammt, wurde am 22. Februar 1943 in München- Stadelheim im Alter von 21 Jahren hingerichtet.



Folgende Tabelle basiert auf den Einstufungen von Helga Grebing und Christl Wickert (1996)
   
Illegale Parteiarbeit und Widerstandsaktionen von Kommunistinnen: Berta Karg, Helene Overlach, Berta Fuchs, Cilli Hansmann, Klara Schnabel...
   
Illegale Arbeit zur Aufrechterhaltung der informellen Kontakte und zur Stärkung des Identitätsbewußtseins durch Sozialdemokratinnen: Lore Agnes, Louise Schröder, Anna Nemitz, Johanna Tesch...
   
Widerstandsarbeit von Linkssozialistinnen in der Emigration und in Deutschland: Sozialistische Arbeiterpartei, Neu Beginnen, Internationaler Sozialistischer Kampfbund...
   
Illegale Arbeit aus dem Exil von Gewerkschafterinnen, auch in Verbindung mit anderen Widerstandskreisen in Deutschland Martha Schliestedt, Martha Saar; Elfriede Nebgen...
   
Unterstützung und Beteiligung durch Mitwissen am bürgerlich-militärischen Widerstand Marion Gräfin Yorck von Wartenberg, Freya Gräfin Moltke, Clarita von Trott zu Solz, Christine von Dohnanyi, Marie-Agnes Gräfin Dohna, Marion Gräfin Dönhoff, Nina von Stauffenberg;
Der "Solf-Kreis" um Johanna Solf (inhaftiert 1944) hatte Kontakt zu anderen Gegnern Hitlers, wie zur Militäropposition und zur kommunistischen Uhrig-Römer-Gruppe. Zum Solf-Kreis gehörte auch Elisabeth von Thadden (hingerichtet), sowie Johannas Solfs Tochter Gräfin Ballestrem.
   
Frauen in der Widerstandsarbeit durch Weitergabe militärischer Geheimnisse z.B. im Rahmen der Roten Kapelle: Eva-Maria Buch, Hilde Coppi, Mildred Harnack, Oda Schottmüller, Greta Kuckhoff, Libertas Schulze-Boysen, Joy Weisenborn....
   
Bürgerlicher studentischer Widerstand gegen die Kriegsverbrechen Sophie Scholl ("Weiße Rose", München); Traute Lafrentz (Medizinstudentin; München-Hamburg)
   
Aktivitäten von Frauen aus religiösen Motiven  
   
Widerstand in den Konzentrationslagern  
   
Widerstand der rassisch Verfolgten Dr. Else Behrend-Rosenfeld, Inge Deutschkron; die Mitfrauen der jüdischen Widerstandsgruppe "Herbert-Baum"
   
Widerstandsarbeit als partielle oder systematische Rettung von JüdInnen und Verfolgten Mitfrauen des Jüdischen Frauenbundes;
die öffentliche Widerstandsaktion der Frauen in der Berliner Rosenstraße (zumeist arische Frauen protestieren mit Sprechchören vom 01.-06.März 1943 gegen die Deportation ihrer jüdischen Männer, Kinder und Verlobten);
Estera Heiber rettet in Belgien unter dem Pseudonym »Madame Pascal« u.a. mit ihrem Mann, der Sozialarbeiterin Andrée Geulen und der rumänischen Jüdin Yvonne Jospa ab 1942 mindestens 2.400 jüdische Kinder vor den Nazis;
   
die "stillen HelferInnen" im Verwandten-, FreundInnen- und NachbarInnenkreis  
   
Opposition aus weltanschaulichen Gründen Katholikinnen, Protestantinnen (Marga Meusel), Zeuginnen Jehovas
   
Opposition durch gesellschaftliche Verweigerung und Auflehnung Swing-Jugend (Hamburg); EdelweißpiratInnen (im Rhein- und Ruhrgebiet); Meuten (Leipzig, Erfurt); die Schlurfs (Wien); Proletengefolgschaften (Halle); Kittelbachpiraten (Gladbeck);
Abhören ausländischer Sender;
"harmlose individuelle regimekritische Äußerungen", die als "Heimtücke", "Volksverhetzung" oder "Wehrkraftzersetzung" ausgelegt wurden;
fortgesetzte Beziehungen, die unter das "Rasseschandegesetz" fielen;
Arbeitsverweigerung und Sabotage dienstverpflichteter Frauen;
gegenseitige Hilfe in Konzentrationslagern;
innere Emigration
   
Protestaktionen/-werke von Schriftstellerinnen, Künstlerinnen, anschließend oft aus dem Exil Anna Seghers, Adrienne Thomas, Anita Brück, Irmgard Keun, Eva Leidmann, Vera Inber, Ricarda Huch, Käthe Kollwitz, Lea Grundig, Adele Reifenberg, Lucia Moholy, Anita Rée, Käthe Hoch, Elfriede Lohse-Wächtler, Hannah Höch, Dorothea Wüsten; Luise Rinser...
   
Frauen außerhalb Deutschlands, die auf die Gefahr des Nationalsozialismus aufmerksam machen Dorothy Thompson (Journalistin), Milena Jesenská...
   
Frauen, die stellvertretend für viele andere nicht vergessen werden sollten, gerade weil sie heutzutage kaum noch in unserer Geschichtsbearbeitung präsent sind:
- Liane Berkowitz (Funkerin für den Widerstand; wird mit 19 Jahren im August 1943 hingerichtet)
- Elisabeth Schumacher (sammelt Material, das Kriegsziele aufdeckt; hingerichtet am 22. Dezember 1942)
- Maria Terwiel (Herstellung und Verbreitung antifaschistischer Schriften; stirbt am 05. August 1943)
- Hilde Coppi (arbeitete im Nachrichtendienst; am 05. Augsut 1943 hingerichtet)
- Eva-Maria Buch (Mitarbeiterin einer Untergrundzeitung; hingerichtet am 05. August 1943)
- Cato Bontjes van Beek (Vervielfältigung und Verteilung von Flugblättern; hingerichtet am 05. August 1943)




"Ziviler Mut gegenüber einer totalitären Diktatur
hat eine `politische` Qualität auch dann [...]
wenn er keineswegs um eines bestimmten
politischen Zieles willen gezeigt wird."

(Grebing/Wickert)



Umfangreiche Literatursammlung
 
Die Weiße Rose
Der Widerstand Jugendlicher gegen den Nationalsozialismus von Michael Lichte
"Good Bye und Swing-Heil" von Jürgen Weber






Frauen im II. Weltkrieg/Nationalsozialismus








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