(Massen-)Vergewaltigungen als Kriegsmittel




Vergewaltigung
Vergewaltigung ist sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen und damit die absolute Mißachtung ihrer körperlichen und persönlichen Integrität. In der Vergewaltigung von Eroberern kommt die allgemeine Frauenverachtung zum Vorschein.
Vergewaltigung als sexuelle Folter und auch als Kriegsmittel wird von der Justiz (siehe frauenspezifische Asylgründe), den Medien und seitens humanitärer Organisationen nicht genügend berücksichtigt. Wer die Frauen schützen will, muß die Täter benennen und anklagen.
Vergewaltigungen als bewußt eingesetztes Mittel zur Kriegsführung "ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte, unabhängig von Nationalität, geographischer Lage, kulturellem Niveau, von Rasse, Klasse, Kaste oder Ideologie."
(Ingrid Schmidt-Harzbach in "BeFreier und Befreite", s.u.)



"Ich weiß nur noch, daß ich der zwanzigste war, ihr Haar verklebt war, daß sie ekelerregend und voller Sperma war, und daß ich sie am Ende getötet habe."
Mit fünf Kugeln in den Bauch.

(Zitat eines Vergewaltigers aus dem Artikel "Universal Soldier" 1992 der Belgrader Feministin Lepa Mladjenovic)



Internationale Beispiele zum Thema "(Massen)Vergewaltigung als Kriegsmittel":

Während der siebenmonatigen Besatzung Kuwaits durch den Irak wurden ca. 5.000 Mädchen und Frauen mehrfach vergewaltigt. Die dabei geschwängerten Frauen werden von ihren männlichen Familienmitgliedern verstoßen und traktiert. Die Auslegung des Islam verhindert jedoch eine Abtreibung, wenn das Leben der Mutter nicht in Gefahr ist. Privilegiertere Frauen nehmen deswegen Abtreibungen im Ausland vor. Frauen, die den Terror gegen sie nicht länger ertragen, nehmen sich das Leben...
(aus einem taz-Artikel vom 13.11.1991)

In der indonesischen Unruheprovinz Aceh an der Nordspitze der Insel Sumatra bekämpft das indonesische Militär eine moslemische Unabhängigkeitsbewegung. Seit 1988 wurden dort mindestens 781 Menschen ermordet. 368 Fälle von Folterungen wurden bekannt. 102 Mädchen und Frauen wurden vergewaltigt. Indonesiens Armeechef General Wiranto entschuldigte sich Anfang August 1998 für die Grausamkeiten, die die Regierungstruppen angerichtet hatten. (AFP vom 25.08.1998)

Seit August 1998 kam es in der Demokratischen Republik Kongo zu bewaffneten Kämpfen zwischen den Streitkräften von Präsident Laurent-Desire Kabila und der Rebellenallianz RCD und deren Verbündete. Beide Seiten haben sich viele Verstöße gegen unbewaffnete Zivilistinnen und Zivilisten schuldig gemacht. Tausende sind Massakern zum Opfer gefallen, viele andere wurden entführt, gefoltert oder illegal inhaftiert. Viele Opfer gehören zum Stamm der Tutsi. Frauen und Mädchen wurden als gezieltes Mittel der Kriegsführung vergewaltigt worden. (dpa vom 23.11.1998)

Bei den Massenmorden an Tutsi in Ruanda sind 1994 auch systematische Vergewaltigungen begangen worden. Die Täter waren Angehörige der Volksgruppe der Hutu. Sie setzten die sexuelle Gewalt an Tutsi-Frauen als Form der Folter ein: "Wir werden dich vergewaltigen, bis du stirbst oder ein Hutu-Baby gebierst". (AFP vom 31.10.1998)


Von Frühjahr bis Herbst 1992 gehörten (Massen)Vergewaltigungen an vorrangig muslimischen Frauen zur Strategie bosnisch-serbischer Kriegsführung. Mädchen und Frauen im Alter von 12 bis 60 Jahren wurden vergewaltigt, mit Gewehrläufen und Flaschen penetriert sowie mit brennenden Zigaretten gefoltert. Bosnisch- serbische Soldaten, Polizisten und Paramilitärs wurden angeklagt, Frauen in bewachten Gebäuden, getrennt von ihren Kindern, festgehalten und allabendlich vergewaltigt zu haben. Frauen wurden bei Verhören vergewaltigt, Frauen wurden in Appartements eingesperrt, die als Bordelle dienten. Frauen wurden wie Sklavinnen verkauft.
Im März 1998 mußte sich erstmals ein Kriegsverbrecher vor einem internationalen Gericht wegen Massenvergewaltigungen verantworten. Der bosnische Serbe Dragoljub Kunarac (37) hielt lt. Anklageschrift 1992 als serbischer Militärkommandant mindestens 14 moslemische Mädchen und Frauen monatelang wie "Sklavinnen" gefangen. Fast täglich wurden sie vergewaltigt, zum Teil von 15 Männern hintereinander und "auf jede denkbare Art". Die jüngsten Opfer sollen 12 Jahre alt gewesen sein. Ein Teil der Mädchen und Frauen habe Selbstmord begehen wollen. Sie sind heute traumatisiert. Nach den Erkenntnissen der Anklage wurden die Massenvergewaltigungen auf Befehl der Führung der bosnischen Serben unter Radovan Karadzic als Mittel der Kriegsführung eingesetzt.
(dpa und Anklageschrift vor dem internationalen UNO-Tribunal in Den Haag, März 1998)

(Massen)Vergewaltigungen an Mädchen und Frauen in Algerien

(Massen)Vergewaltigungen an kurdischen Mäddchen und Frauen in der Türkei

(Massen)Vergewaltigungen an Mädchen und Frauen im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus



Die Vergewaltigungen haben für die Mädchen und Frauen...
physische Folgen: und psychische Folgen:
- akute Verletzungen
- bleibende gesundheitliche Schäden
- Amenorrhoe = Ausbleiben der Menstruation
- Gonorrhoe, Syphlilis (Geschlechtskrankheiten)
- unfreiwillige Schwangerschaften
- (verpfuschte) Abtreibungen
- Sterilität
- Traumatisierung
- Depressionen
- Selbstmordgedanken
- Abscheu gegenüber dem Sexualverkehr
- Unverständnis, Drohungen, Ächtung der Gesellschaft und/ oder seitens der Verlobten/ Ehemänner/ Familien
- eine ungewisse Zukunft als (alleinerziehende) Mutter
- Trennung vom geborenen Kind (Adoption; "Findelkinder")
- u.U. gestörtes Verhältnis zum Kind



Im Falle einer Vergewaltigung sind die institutionellen und strukturellen Konsequenzen für Frauen radikal anders als für Männer. Männer werden nicht von ihren Frauen fallengelassen, sie "entehren" auch nicht ihre Ehepartnerin und /oder die Familie, sie können nicht zur Schwangerschaft gezwungen werden, gelten auch nicht als von nun an unverheiratbar; man/frau unterstellt ihnen auch nicht, möglicherweise eingewilligt zu haben, und sie werden auch nicht als Repräsentanten einer Kultur gesehen.
(Sara Sharratt in "Das Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag" von Medica mondiale e.V., 1997)




"Der Krieg liefert den Männern den perfekten psychologischen Freibrief, um ihrer Verachtung für Frauen Luft zu machen. Die Männlichkeit des Militärs - die brutale Waffengewalt, ausschließlich in ihren Händen liegend, das geistige Band zwischen Mann und Waffen, die männliche Disziplin des Befehlens und Durchführens von Befehlen, die simple Logik der hierarchisch geordneten Befehlsgewalt- das alles bestätigt den Männern, was sie bereits lange ahnten, nämlich daß Frauen nur unerhebliche Nebensache sind in einer Welt, in der es auf andere Dinge ankommt."

Susan Brownmiller in "Gegen unseren Willen. Vergewaltigung und Männerherrschaft"



"BeFreier und Befreite. Krieg, Vergewaltigungen, Kinder" von Helke Sander und Barbara Johr (Dokumentarfilm, 1992)
"Frauen als Kriegsbeute" Susanne Bausch behandelt in ihrem Dokumentarfilm des Süddeutschen Rundfunks 1998 die Themen (Massen)Vergewaltigungen und Zwangsprostitution als Mittel zur Kriegsführung, u.a. Berichte zu Uganda, Bosnien und II. Weltkrieg (Deutschland, Sowjetunion).
 
"BeFreier und Befreite. Krieg, Vergewaltigungen, Kinder" von Helke Sander und Barbara Johr (Hgb.) (Fischer Taschenbuchverlag, ISBN 3-596-12644-4)
"Am Ende wünschst du dir nur noch den Tod. Die Massenvergewaltigungen im Krieg auf dem Balkan" von Maria von Welser (Knaur TB; ISBN 3-426-80030-6; DM 12,90)
"Gegen unseren Willen. Vergewaltigung und Männerherrschaft" von Susan Brownmiller (Fischer Taschenbuchverlag, Band 3712; DM 18,90)
"Massenvergewaltigung, Krieg gegen die Frauen" von Alexandra Stiglmayer (Fischer TB; ISBN 3-596-12175-2; DM 14,90)
"Vergewaltigung, Krieg, Nationalismus. Eine feministische Kritik" von Susanne Kappeler, Mira Renka und Melanie Beyer (Hgb.) (Verlag Frauenoffensive 1994; ISBN 3-88104-246-6; DM 22,50)
"Das Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag. Sexualisierte Gewalt im Krieg vor Gericht" von Medica mondiale e.V., Waisenhausgasse 65, 50676 Köln (Schutzgebühr DM 5,- plus DM 3,- für Porto)






Gewalt gegen Frauen als Mittel der Kriegsführung


Sexuelle Gewalt








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