(Massen)Vergewaltigungen im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus




Während des Zweiten Weltkrieges und bis in die unmittelbare Nachkriegszeit kam es zu Vergewaltigungen von Mädchen und Frauen durch männliche Angehörige aller Truppen: Sowjetsoldaten, Deutschen, Polen, Franzosen, Marokkanern, US-Amerikanern, Briten, Tschechen, Serben, Slowenen...



Größenordnungen am Beispiel Berlin:
"Als 1945 über 450.000 Soldaten der Roten Armee in Berlin kämpften, lebten 1,4 Millionen Mädchen und Frauen in der Stadt. Zwischen Frühsommer und Herbst 1945 wurden mindestens 110.000 dieser Mädchen und Frauen von Rotarmisten vergewaltigt (7,1%). [...] Von den betroffenen Frauen im gebärfähigen Alter (18 - 45 Jahre) wurden 11.000 schwanger.
[...] Die Zahl der vergewaltigten Mädchen und Frauen ist dabei nicht identisch mit der Zahl der Vergewaltigungen. ....über 40 % [wurden] mehrfach vergewaltigt. [...] Reichling schätzt, daß in Berlin etwa 10.000 Mädchen und Frauen die Vergewaltigungen mit dem Leben oder einer bleibenden gesundheitlichen Schädigung bezahlt haben (Krankheit mit Todesfolge, Selbstmord, Mißhandlung mit Todesfolge, Tötung)."


(Barbara Johr in "BeFreier und Befreite. Krieg, Vergewaltigungen, Kinder", S. 54/55)



"Vergewaltigungen durch Männer der SS waren häufiger als durch Soldaten der Wehrmacht. Das Ausmaß der Taten insgesamt ist allerdings nicht zu vergleichen mit der Zahl der Vergewaltigungen durch Angehörige der Roten Armee. [...]
Die Bedenken zur Gefährdung der "Manneszucht", vor allem aber die Befürchtung, die Geschlechtskrankheiten könnten epidemiehaft zunehmen, führten im Verlaufe des Krieges in allen besetzten Ländern zur Einrichtung von etwa 500
Wehrmachtsbordellen mit einheimischen Frauen. [...] Ursache für die Einführung der Wehrmachtsbordelle war auch die Annahme, daß bei einem allgemeinen Verbot der sexuellen Kontakte Sittlichkeitsdelikte zunehmen würden."
(
Zur Erklärung: Mit "Sittlichkeitsdelikten" waren homosexuelle Handlungen und die "Unzucht mit Kindern" gemeint.)

(Barbara Johr in "BeFreier und Befreite. Krieg, Vergewaltigungen, Kinder", S. 65/66)



"In den Statuten der bisherigen Internationalen Kriegsgerichtshöfe (in Nürnberg und Tokio) wurde die spezifische Gewalt gegen Frauen ebensowenig als Straftatbestand benannt, wie Folter oder Internierung. In Nürnberg fanden Vergewaltigungen nur nebenbei Erwähnung in einigen Anklageschriften, zu Verurteilungen kam es jedoch nicht. Auch in den 12 Nachfolgeprozessen 1946-1949 gab es keine einzige Anklage wegen Vergewaltigung. In Tokio wurde das Ausmaß der Vergewaltigungen beim Überfall der japanischen Armee auf Nanking zwar in allen Einzelheiten aufgedeckt. Aber nur zwei Offiziere wurden als verantwortliche Vorgesetzte wegen Vergewaltigung verurteilt. Die zwangsweise Rekrutierung von vermutlich 200.000 Frauen aus Korea, China, Indonesien und den Philippinen zur Prostitution blieb völlig unerwähnt. Erst ein nachfolgender Militärprozeß auf Java im Jahre 1947 verurteilte einen japanischen Offizier für die Organisation von Zwangsprostitution. Bei den Opfern handelte es sich um niederländische Frauen. Die asiatischen Frauen fanden keinen Anwalt."

(Gabi Mischkowski in "Ein Tabu fällt. Vergewaltigung im Krieg unter Anklage" in "Das Kriegsverbrecher- Tribunal in Den Haag" von Medica mondiale e.V. Köln 1997)



"In den öffentlichen Trauerritus um den verlorenen Krieg werden die Opfer der Vergewaltigungen nicht miteinbezogen, sie werden nicht als ¨Heldinnen¨ verehrt und erhalten keine Entschädigungen. Männer haben sich mit Veteranenvereinen, Vertriebenenverbänden, in Film und Literatur Möglichkeiten geschaffen, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. [...] Für die Frauen war ihre persönliche Betroffenheit dadurch gemildert, daß es eine Kollektiverfahrung war, die anfänglich in einer spezifischen Frauenöffentlichkeit Raum hatte. Diese Möglichkeit bestand jedoch nur in der Zeit unmittelbar nach den Massenvergewaltigungen. Mit der Auflösung der Frauensolidargemeinschaften, als sich das Leben ¨normalisierte¨, erst recht in den fünfziger und sechziger Jahren, wurde das Erlebte verdrängt. Es lebt jedoch bei vielen Frauen als Selbst-Stigma weiter."

(Ingrid Schmidt-Harzbach in "BeFreier und Befreite", S. 43)



"BeFreier und Befreite. Krieg, Vergewaltigungen, Kinder" von Helke Sander und Barbara Johr (Dokumentarfilm, 1992)
 
"BeFreier und Befreite. Krieg, Vergewaltigungen, Kinder" von Helke Sander und Barbara Johr (Hgb.) (Fischer Taschenbuchverlag, ISBN 3-596-12644-4)
"Gegen unseren Willen. Vergewaltigung und Männerherrschaft" von Susan Brownmiller (Fischer Taschenbuchverlag, Band 3712)
"Eine Frau in Berlin" 1959 Autorin unbekannt
"Prostitution - Homosexualität - Selbstverstümmelung. Probleme der deutschen Sanitätsführung 1939-1945" von Prof. Dr. Franz Seidler






(Massen)Vergewaltigungen als Kriegsmittel


Gewalt gegen Frauen als Mittel der Kriegsführung








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