Forderungen des bundesweiten Lesbenringes




Redaktion Lesbenring
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Wir wollen ein gesellschaftliches Klima in dem Lesben sich offen und überall zu ihrer Lebensweise bekennen können. Die Schaffung eines solchen Klimas setzt voraus, daß möglichst viele von uns offen zu ihrer Lebensweise stehen und sich kulturell, politisch, organisatorisch oder finanziell in Zusammenhänge einbringen, deren Ziel es ist, gesellschaftsverändernd zu wirken. Lesben, die ihre Lebensweise im Beruf, im Kreise von Freundinnen oder Freunden, im Verhältnis zu ihren Eltern, ihren Kindern oder gegenüber der übrigen Familie offen bekennen, leisten einen positiven Beitrag gegen Zwangsheterosexualität und Patriarchat.

Wir wollen, daß die nichtlesbischen Teile der Frauenbewegung lesbische Lebensweisen nicht länger aus ihrem Blickwinkel ausklammern, sondern sie stets mitdenken. Deswegen ist es notwendig, daß Lesben, die in der Frauenbewegung aktiv sind, dort verstärkt auch als Lesben auftreten.

Wir wollen, daß die lesbische Lebensweise in den Medien und im Bereich der öffentlichen Erziehung selbstverständlich und gleichberechtigt neben anderen Lebensweisen als positive Alternative für Frauen dargestellt wird. Dazu brauchen wir viele öffentliche Coming Outs. Lesben, die durch ihren Beruf, durch ihre künstlerische, sportliche, politische oder durch sonstige Tätigkeiten im Licht der Öffentlichkeit stehen und ihre Lebensweise dort deutlich machen, bestärken andere darin, sich ebenfalls nicht länger zu verstecken.

Wir wollen, daß die Bedingungen lesbischer Lebensweisen zum politischen Thema werden. Lesbische und nichtlesbische Frauen müssen deutlich machen, daß für sie nur politische Parteien interessant sind, die auf allen Ebenen eine konsequente Antidiskriminierungspolitik für Frauen machen. Dazu gehört, daß die lesbische Lebensweise in allen Bereichen der "Frauenpolitik" mit einbezogen wird.

 


© Anna Nym, K. Lahusen

Wir wollen, daß die Privilegierung der Ehe durch den Staat, die auf das eigenständige Leben von Frauen äußerst negative Auswirkungen hat, beendet wird. Als Feministinnen haben wir uns der Forderung nach der Homoehe bewußt nicht angeschlossen und fordern stattdessen gleiche Rechte für alle, unabhängig von ihrer Lebensform.

Wir wollen, daß die christlichen Kirchen ausdrücklich erklären, daß die lesbische Lebensweise kein Hinderungssrund für die Mitarbeit in kirchlichen Einrichtungen ist. So kann verhindert werden, daß tausende von lesbischen Frauen, die in solchen Einrichtungen arbeiten, ihre Lebensweise aus Angst um den Arbeitsplatz weiterhin verheimlichen. Gerade deswegen betrachten wir die lesbischen Zusammenhänge innerhalb der Kirchen als Ausdruck besonderen Mutes der daran beteiligten Lesben.

Wir wollen, daß die Gewerkschaften sich verstärkt gegen die Diskriminierung von Frauen und gegen sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz einsetzen. Dabei muß der speziellen Situation von Lesben besonderes Augenmerk gewidmet werden. In diesem Zusammenhang begrüßen wir es sehr, daß sich innerhalb der ÖTV und der GEW bereits lesbische Zusammenschlüsse gebildet haben, die kontinuierlich arbeiten.

Die inhumanen Gesetze, die Ausländerlnnen in der Bundesrepublik Deutschland das Leben erschweren bzw. unmöglich machen, treffen auch Lesben. Ebenso trifft jede Verschärfung des Asylrechtes Frauen, die wegen "geschlechtlicher Verfehlungen" oder wegen ihrer lesbischen Lebensweise aus ihren Heimatländern flüchten müssen. Der Lesbenring e.V. unterstützt alle Bestrebungen, die dazu geeignet sind, das Leben ausländischer Personen, insbesondere das Leben ausländischer Lesben, in der Bundesrepublik zu erleichtern. Wir bestehen nicht nur auf dem Grundrecht auf Asyl, sondern fordern seine Erweiterung auf die Verfolgung wegen des Geschlechts und wegen der sexuellen Orientierung.





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