Anna Seghers, Schriftstellerin




Auswahlbibliographie
1927 Die Erzählung "Grubetsch" wird unter dem Pseudonym "Seghers" veröffentlicht.
1928 "Aufstand der Fischer von St. Barbara"

1930 "Auf dem Wege zur amerikanischen Botschaft und andere Erzählungen".
1932 "Die Gefährten". Roman
1933 "Der Kopflohn. Roman aus einem deutschen Dorf im Spätsommer 1932"
1935 "Der Weg durch den Februar". Roman.
1937 "Die Rettung". Roman.
1939 "Das siebte Kreuz"
1940 "Die schönsten Sagen vom Räuber Woynok. Sagen von Artemis".
1944 "Transit". Roman
1946 "Der Ausflug der toten Mädchen und andere Erzählungen"
1948 "Sowjetmenschen. Lebensbeschreibungen nach ihren Berichten", Berlin.
1949 "Die Toten bleiben jung". Roman. "Die Hochzeit von Haiti". Zwei Novellen.
1950 "Die Linie". Drei Erzählungen.
1951 "Crisanta". Mexikanische Novelle. "Die Kinder". Drei Erzählungen.
1952 "Der Mann und sein Name". Erzählung.
1953 "Der Bienenstock". Ausgewählte Erzählungen in zwei Bänden und "Frieden der Welt".
1958 "Brot und Salz". Drei Erzählungen.
1959 "Die Entscheidung". Roman
1961 "Das Licht auf dem Galgen". Erzählung.

1963 "Über Tolstoi. Über Dostojewski". Essays.
1965 "Die Kraft der Schwachen". Neun Erzählungen.
1967 "Das wirkliche Blau. Eine Geschichte aus Mexiko"
1968 "Das Vertrauen". Roman
1969 "Glauben an Irdisches". Essays
1970 "Briefe an Leser"; "Über Kunstwerk und Wirklichkeit".
1971 "Überfahrt. Eine Liebesgeschichte"
1977 "Steinzeit". Wiederbegegnung." Zwei Erzählungen.

1980 "Drei Frauen aus Haiti"



Anna Seghers - Stiftung
Von 1986 bis 1994 vergaben die Akademie der Künste der DDR, später Pierre und Ruth Radvanyi jährlich Stipendien an Künstlerinnen und Künstler.
1995 wurde die Anna Seghers- Stiftung errichtet., in dessen Vorstand auch die Tochter Ruth Radvanyi sitzt.
Stiftungszweck ist die Förderung noch wenig bekannter Nachwuchsautorinnen und -autoren aus deutschsprachigen und lateinamerikanischen Ländern durch die Vergabe des dotierten Anna Seghers-Preises. Der Anna Seghers-Preis ist derzeit mit jeweils 15.000 DM dotiert. Die PreisträgerInnen sollen wie Anna Seghers den Wunsch haben, mit den Mitteln der Kunst zur Entstehung einer gerechteren menschlichen Gesellschaft beizutragen, in der gegenseitige Toleranz und Hilfsbereitschaft der Menschen aller Kulturen im Mittelpunkt stehen.
Im Jahr 2000 ging der Anna Seghers-Preis an Melanie Gieschen aus Berlin (BRD) und Alonso Cueto aus Lima (Peru).


Anna-Seghers-Gedenkstätte
Anna-Seghers-Str. 81
12489 Berlin-Treptow.
Tel: 030- 677 4725
geöffnet ab Januar 2001:
Di, Mi 10-16 und Do 10-18 Uhr.

  Netty Reiling, später bekannt als Anna Seghers, wurde am 19. November 1900 in einer jüdischen, wohlhabenden Familie geboren. Die Mutter Hedwig Reiling (geb. Fuld) war mit dem Kunsthändler Isidor Reiling verheiratet.
Als 1914 der Erste Weltkrieg beginnt, nimmt Netty Reiling zusammen mit ihren Mitschülerinnen an Kriegshilfsdiensten teil. Während ihres Studiums der Kunstgeschichte und Sinologie in Heidelberg nahm sie an marxistischen Diskussionszirkeln teil und lernt ihren späteren Ehemann, Laszlo Radvanyi, einen ungarischen Emigranten, kennen. Anschliessend folgen zwei Semester in Köln und 1924 ihre Dissertation ("Jude und Judentum im Werke Rembrandts") und Promotion zum Doktor der Philosophie.

1925 heiraten Netty Reiling und Laszlo Radvanyi. Radvanyi ist aktiv in der Bildungsarbeit der KPD (Marxistische Arbeiterschule). Er nennt sich zuerst Johann, ab 1952 Johann-Lorenz Schmidt.
Beide haben zwei Kinder: Peter (geb. 29.04.1926) und Ruth (geb. 28.05.1928).
In ihren schriftstellerischen Arbeiten aus dieser Zeit setzte sich Seghers mit den Lebensbedingungen der unteren Gesellschaftsschichten auseinander. Ab 1928 engagierte sich Netty Reiling in der kommunistischen Arbeiterbewegung und trat in die Kommunistische Partei Deutschland (KPD) ein. 1929 organisierte sie sich im "Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller" und nimmt das Pseudonym Anna Seghers an.
1932 nimmt sie am Antikriegskongreß in Amsterdam teil.
1933 spitzt sich die Situation in Deutschland für Anna Seghers zu. Es ist die Zeit der öffentlichen Bücherverbrennungen, Hetzkampagnen und Arbeitsverbote für Oppositionelle. Seghers wird 1933 kurzzeitig von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet. Sie sieht sich - wie viele andere oppositionelle, verfolgte jüdische und nicht-jüdische Kunstschaffende auch - gezwungen zu fliehen und geht mit ihren Kindern und ihrem Mann ins Exil in die französische Hauptstadt Paris. Hier spricht sie 1938 auf dem Außerordentlichen (III.) Internationalen Schriftstellerkongreß.
Ihr 1939 fertig gestellter Roman "Das siebte Kreuz" wird weltberühmt. In ihm beschreibt Seghers anhand eines Konzentrationslagers den Terror der NationalsozialistInnen. Das Symbol des siebten Kreuzes steht in dem Buch für den unausbleiblichen Untergang des Nationalsozialismus.

1940 erfolgt der Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Frankreich. Johann Schmidt wird im südfranzösischen Lager Le Vernet interniert. Nach gescheiterter Flucht vor der deutschen Wehrmacht muß sich Anna Seghers mit ihren Kindern im besetzten Paris verbergen. Ein zweiter Fluchtversuch ins unbesetzte Gebiet gelingt. Die Schriftstellerin bemüht sich um eine Ausreise nach Übersee und die Entlassung ihres Mannes aus dem Lager. Am 24. März 1941 verlässt die Familie Radvanyi Frankreich und gelangt mit einem Frachtschiff nach Mexiko. Hier arbeitet Anna Seghers - trotz der Schwierigkeiten des Exillebens - auf politischer und kultureller Ebene weiter.
Im November 1941 wird in Mexiko City der Heinrich-Heine-Klub (Club Enrique Heine) mit Anna Seghers als Präsidentin gegründet. 1942 erscheint "Das siebte Kreuz. Roman aus Hitlerdeutschland" in englisch in den USA und als deutsche Ausgabe beim Verlag der Freien Deutschen.
1943 erfährt Anna Seghers, dass ihre Mutter als Jüdin in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager ermordet worden war. 1946 erscheint "Das siebte Kreuz" zum erstenmal in Deutschland: beim Aufbau-Verlag in Berlin, Seghers zukünftigem "Haus-Verlag".
Zuerst kehrt Seghers Sohn nach Europa zurück. Er studiert in Paris. 1947 kehrt Anna Seghers aus dem Exil zurück. 1948 wird sie Vizepräsidentin des "Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands". 1950 zieht sie von West- nach Ostberlin.
Von 1952 bis 1978 ist Anna Seghers Vorsitzende des Schriftstellerverbandes der DDR. Wenige Jahre nach Seghers Rückkehr kehrt auch Johann-Lorenz Schmidt aus Mexiko zurück und wird Professor für Wirtschaftswissenschaften in Berlin.

Erst 1962 erscheint - nach öffentlicher Polemik - in Westdeutschland die erste Ausgabe des Romans "Das siebte Kreuz".
1975 wird Anna Seghers der Kulturpreis des Weltfriedensrates und die Ehrenbürgerschaft von Berlin (Ost) verliehen.
Am 3. Juli 1978 stirbt ihr Ehemann.
Die Schriftstellerin Anna Seghers stirbt 82-jährig am 01. Juni 1983 in Ostberlin. In ihrem Testament verfügte Anna Seghers, dass die Tantiemen ihrer Werke zur Unterstützung junger Künstlerinnen und Künstler aus der DDR und aus so genannten Entwicklungsländern dienen sollen. Diese Aufgabe erfüllt gegenwärtig die 1995 gegründete Anna Seghers-Stiftung (siehe Kasten links).

Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit war Seghers immer auch politisch aktiv, u. a. in der Weltfriedensbewegung. In ihrem Leben schrieb sie - unter oft widrigen Umständen - neun Romane und mehr als 60 Erzählungen. Anna Seghers zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen SchriftstellerInnen. Trotzdem versagte ihr die Adenauer-Ära in Westdeutschland eine gebührende Anerkennung. So verleiht die Geburtsstadt Mainz der Schriftstellerin erst kurz vor ihrem Tod die "Ehrenbürgerschaft" der Stadt.
Einige Jahre nach Seghers Tod wird ihrer Person und ihrem Schaffen wieder mehr Aufmerksamkeit zuteil, nicht zuletzt wegen dem 100. Geburtsjahr im Jahr 2000.

Anna Seghers war immer beides: eine schreibende Kommunistin, eine kommunistische Schriftstellerin.
Ihr Sohn Pierre Radvanyi lebte 1999 als Physiker in der Nähe von Paris. Ihre Tochter Ruth lebte 1999 in Berlin und ist u. a. Vorsitzende der Anna Seghers-Stiftung.
     

"Ein Volk, das sich auf die andren Völker wirft, um sie auszurotten, ist das noch unser Volk? [...] Ein Volk, das schweigend Progromen zusieht, Mord, Brandstiftungen, den raffinierten Quälereien Schwacher und Unschuldiger?"

     
   

© 13.12.2000 J. A.







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