Dorothee Sölle (1929-2003)





Antje Vollmer: "Dass es heute Bischöfinnen gibt, ist nicht zuletzt ein Werk von Dorothee Sölle." Sölle habe den ganzen Weg der westdeutschen Nachkriegskirche geprägt: Von der einstigen Sonderstellung der Frauen in den kirchlichen Ämtern bis zu ihrer prägenden Bedeutung für den deutschen Protestantismus, vom Stuttgarter Schuldbekenntnis bis zum klaren Votum für eine Kirche der Armen und des Friedens. "Radikal im Denken und charismatisch in der Wirkung verfügte sie über eine wunderbare Sprache", schrieb Vollmer.


Landesbischöfin Käßmann bezeichnete Sölle als "kreative theologische Denkerin" und Streiterin für die feministische Theologie. Ohne sie hätte die feministische Theologie wohl kaum den Weg auf die Kirchentage und von dort in die Gemeinden gefunden. Fragen von Gerechtigkeit und Frieden hätten Sölle stets umgetrieben. "Sie wollte im besten Sinne des Wortes die Welt verbessern", meinte Käßmann. Ihr Tod sei ein großer Verlust für die Kirche, "da wird eine heilsame Unruhe fehlen".
 

Gabriele Zimmer, Parteivorsitzende der PDS, schrieb: "Das Veränderbare zu benennen und als veränderbar zu kennzeichnen"
gehört zu den mobilisierenden Hinterlassenschaften dieser  mutigen und eigenwilligen Frau.


Auch die Reformbewegungen Wir sind Kirche (Hannover) und die Initiative Kirche von unten (Bonn) bezeichneten die evangelische Theologin als wichtige Vordenkerin. Sie habe sich mit den Armen und Unterdrückten solidarisiert und große Bedeutung für die neue politische Theologie wie auch für die Ökumene- Bewegung gehabt.


  Dorothee Sölle - Theologin, Schriftstellerin und Feministin. 


Dorothee Söllee wurde am 30. September 1929 in Köln geboren. Ihr Vater war Hans Carl Nipperdey, ein Arbeitsrechtler.
Ab 1949 studierte Dorothee zunächst klassische Philologie, dann Philosophie, Literaturwissenschaften und Theologie. 

Trotz ihrer Habilitation im Jahre 1971 und obwohl sie im Ausland Gastprofessuren bekam - wie z. B. von 1975 bis 1987  als Professorin für Systematische Theologie am Union Theological Seminary in New York -, erhielt sie in Deutschland niemals eine ordentliche Professur. Ihre Thesen und Ansichten stießen in den Institutionen nicht nur auf Gegenliebe. Erst 1994 wurde sie zur Ehrenprofessorin der Universität Hamburg ernannt.

Sölle zählte zu den bekanntesten Theologinnen Europas, war vielleicht sogar die bekannteste Theologin Europas schlechthin. Sie hinterlässt ein breites theologisches Werk (siehe auch Literaturliste unten) und gilt als meistgelesene theologische Schriftstellerin.

Sölle hat sich nie auf die akademische Tätigkeit beschränkt. Inspiriert von den zeitgenössischen Befreiungstheologen - ob Helmut Gollwitzer oder Ernesto Cardenal - hat sie sich immer auch politisch engagiert. Sie reiste nach Nicaragua und El Salvador. 

Für die linke Theologin waren christliche Lebensführung, politisches Engagement und Theologie nicht zu trennen. Als Aktivistin der Friedensbewegung wandte sie sich gegen den Vietnamkrieg und gegen den Nato- Doppelbeschluss zur Nachrüstung, sie probte den zivilen Ungehorsam und praktizierte gewaltfreie Illegalität: Sitzblockaden vor den Massenvernichtungsmitteln in Mutlangen oder dem Giftgasdepot in Waldfischbach trugen ihr Verurteilungen wegen versuchter Nötigung ein.
Zuletzt wirkte sie mit bei Protesten gegen den Irak- Krieg.

Von 1968 bis 1972 war sie Mitinitiatorin des "Politischen Nachtgebets" in Köln. Bei Kirchentagen trat sie auf Alternativveranstaltungen der „Initiative Kirche von unten“ auf.

Sölle, vierfache Mutter und Grossmutter, lebte zuletzt  als freie Schriftstellerin in Hamburg.
Verheiratet war sie mit Fulbert Steffensky, einem ehemaligen Benediktinermönch.

Dorothee Sölle starb am Sonntag, den 27. April 2003 im Alter von 73 Jahren in einem Krankenhaus in Göppingen (Baden- Württemberg). An dem Wochenende hatte sie als Hauptreferentin gemeinsam mit ihrem Ehemann an einem Seminar der Akademie Bad Boll zum Thema "Gott und das Glück" teilgenommen.

Die bewegende Trauerfeier fand am Montag, den 05. Mai 2003 in Hamburg statt. Anschließend wurde Dorothee Sölle auf dem Friedhof Hamburg- Nienstedten beigesetzt. 
     
    © 28. April 2003 & 06. Mai 2003, ja



 
Literaturauswahl:

„Stellvertretung - Ein Kapitel Theologie nach dem Tode Gottes“ (1965)
"Politische Theologie"
"Atheistisch an Gott glauben" (1968)
„Welches Christentum hat Zukunft?“ (1990)
„Mystik und Widerstand“ (1997)
"Gott im Müll"

Lyrik-Bände: 

"Die revolutionäre Geduld" 
"Zivil und ungehorsam"
"Verrückt nach Licht" 
 
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