Wer war Edith Stein?




Edith`s Mutter hatte bereits zehn Kindern das Leben geschenkt, als Edith Stein am 12. Oktober 1891 in einer jüdischen Familie in Breslau geboren wurde. Über ihre Mutter fand ich keine weiteren Angaben. Ediths Vater war ein wohlhabender Holzhändler. Edith hatte eine behütete Kindheit. Hochbegabt studierte sie Philosophie und engagierte sich für die Rechte der Frauen. Sie promovierte in Freiburg bei Edmund Husserl und arbeitete als dessen Assistentin. Zu der Zeit verlor sie ihren Glauben und bezeichnete sich als Atheistin.

Im Herbst 1921 las sie ein Buch der Heiligen Teresa von Avila aus dem 16. Jahrhundert, daß sie so beeindruckte, daß sie sich einen Katechismus kaufte und zur Messe ging. Am Neujahrstag 1922 ließ sie sich taufen.
1932 wurde sie Dozentin im katholischen Institut für Pädagogik in Münster und war damit Deutschlands erste Dozentin für Philosophie. Weil sie "Nicht-Arierin" war, musste sie ihren Lehrstuhl 1933 bereits wieder aufgeben.

Am 14. Oktober 1933 trat sie dem Orden Karmel in Köln bei und hiess von nun an Schwester Teresia Benedicta a Croce. Sie hatte gehofft, als Ordensfrau Einfluß auf die Kirche nehmen zu können, besonders hinsichtlich deren Antisemitismus. Ihr Ersuchen um eine Audienz bei Papst Pius XI. lehnte dieser ab.
Mit der zunehmenden Repression wurde der Karmeliterin ihre jüdische Herkunft immer bewußter. Die Priorin des Kölner Klosters verriet schliesslich den Nazis, dass Schwester Teresia Benedicta Jüdin war.
Nach der Reichsprogromnacht 1938 floh Edith Stein in die Niederlanden, ins Kloster Echte.

Die Nazis hatten derweil 1942 erklärt, daß sie jeden Protest gegen Judendeportationen im Keim ersticken würden. Die Kirchen lenkten ein, bis auf die katholischen Bischöfe. Von den katholischen Kanzeln wurde am 26. Juli 1942 ein entsprechender Hirtenbrief verlesen. Die Nazis reagierten sofort, in dem sie alle jüdischen KatholikInnen deportierten. Edith Stein wurde am 02. August 1942 aus dem Kloster Echte von den Nazis verschleppt. "Komm, wir gehen für unser Volk", soll Edith Stein zu ihrer Schwester Rosa bei der Verhaftung gesagt haben. Eine Woche später traf ihr Gefangenentransport im Konzentrationslager Auschwitz ein. Edith Stein wurde in den dortigen Gaskammern wenige Tage später ermordet. Das genaue Todesdatum ist, wie bei so vielen, unbekannt.

Papst Johannes Paul II. sprach Edith Stein am 11. Oktober 1998 heilig. Erstmals in der Kirchengeschichte wurde eine Katholikin jüdischer Abstammung heilig gesprochen. Die Heiligsprechung wird in der Weltöffentlichkeit auch als Geste der Versöhnung des Vatikans mit den Jüdinnen und Juden gedeutet. Kritische Stimmen meinen, daß die Kirche versuche, Edith Stein ganz als Christin für sich zu vereinnahmen, und daß sich die Kirche mit der Ehrung eine Art "Alibi für mangelnden Widerstand der Kirche gegen die Nazis" verschaffen will.
Fest steht, daß Edith Stein starb, weil sie jüdischer Abstammung war. Der Vatikan hat in so fern Recht, dass diese Deportationen auch "aus Haß gegen die katholische Kirche erfolgten. Das ist Grund genug, um von einem Märtyrerinnentod zu sprechen".
 

© Oktober 1998 J. A.






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