
Fotografin & Chronistin: Gisèle Freund
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| Gisèle Freund wurde am 19.
Dezember 1908 in Schöneberg in einer bürgerlichen
Familie geboren, die der Kunst sehr aufgeschlossen war.
Ihr Vater war ein großer Bildersammler, der seine
Tochter oft in Museen mitnahm und durch den sie
befreundeten Maler kennenlernte. Nach der Schule wurde
sie in eine Haushaltsschule gesteckt, um auf ihre Rolle
als Mutter und Hausfrau vorbereitet zu werden: "Mein
Vater war der Ansicht, es lohne sich nicht, ein Mädchen
studieren zu lassen."¹ Dem entgegen beharrte Gisèle Freund auf ihren weiteren Schulbesuch, um ihr Abitur zu machen. Ihr in Frankfurt am Main begonnenes Studium der Kunstsoziologie musste sie 1933 unterbrechen, als ihre Familie nach Frankreich emigrierte. Um sich ihr Studium und ihren Lebensunterhalt in Paris zu verdienen, begann sie für Zeitungen zu fotografieren. Das Fotografieren wurde schliesslich zu ihrem Hauptberuf. Als 1936 das Magazin "Life" gegründet wurde, war Gisèle Freund eine der ersten Mitarbeiterinnen. Ihre ersten Reportagen erschienen in "Life". Zwei Jahre später verwendete sie als eine der ersten FotografInnen Farbfilme und begann Menschen zu fotografieren, "mit denen ich zu tun hatte, die um mich herum lebten, und da ich in einem sehr literarischen Milieu verkehrte, waren dies vor allem Schriftsteller. (...) Und weil diese Freundschaft und nicht das Geld uns verband, sind diese Fotos das geworden, was sie sind. Es war gewissermassen das goldene Zeitalter der Reportage."² Es entstanden Porträts von Virginia Woolf, Simone de Beauvoir, Adrienne Monnier, Colette, James Joyce, Sartre, Shaw, Matisse und vielen anderen. 1940 musste die Jüdin erneut vor den deutschen Nationalsozialisten flüchten. 1942 ging sie nach Argentinien (Fotografien von Evita Perón; Reportageaufträge für "Life") und weiter nach Mexiko (Porträts von Frida Kahlo). 1953 kehrte sie wieder nach Paris zurück, wo sie bis ins hohe Alter weiter arbeitete. Am 31. März 2000 verstarb Gisèle Freund im Alter von 91 Jahren in Paris an Herzversagen. |
| ¹/² zitiert aus: "Es ist ein unsicheres Gewerbe" von Marion Kalter (taz vom 01.04.2000) |
© 09. April 2000 J.A. |
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