
Die doppelten Verliererinnen Frauen
in Afghanistan
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Zum Vortrag von
Sohaila Alekozai am 23. Juni 1998 in der Otto-Friedrich
Universität Bamberg von Simone Preuß Gut 60 interessierte Frauen und Männer fanden sich am
Abend des 23. Juni 1998 ein, um den Vortrag der Afghanin
Sohaila Alekozai über die Geschichte der Frauen in ihrem
Land zu hören. Die etwas sterile Hörsaalatmosphäre war
angesichts der Fakten und der geschilderten persönlichen
Erlebnisse bald vergessen. Nie zuvor trat jedoch diese Art von geschlechtsspezifischer Benachteiligung im Englischen auch Gender Apartheid genannt so deutlich zutage wie unter der derzeitigen Herrschaft der Taliban. Sie bestreiten offen den Anspruch von Frauen auf Ausbildung, Arbeit und medizinische Versorgung und beschneiden damit massiv ihre Menschenrechte. Frauen haben in Afghanistan aber zu keiner Zeit tatenlos zugesehen, sondern sind im Untergrund aktiv geworden. Frauenbewegungen hat es in Afghanistan immer gegeben," betonte Sohaila Alekozai. Diese aber in das Modell des westlichen Feminismus pressen zu wollen, ist schon angesichts der unterschiedlichen Ausgangsbedingungen wenig sinnvoll. Die Kooperation von Frauen und ihr Aufbegehren gegen alltägliche Diskriminierungen zeigen sich vielmehr in lebensnahen und mutigen Aktionen wie dem Schulprojekt, das Frau Alekozai vorstellte. Dabei handelt es sich um Schulunterricht für Mädchen, den Lehrerinnen in ihren Privatwohnungen abhalten, um wenigstens einem kleinen Teil der weiblichen Bevölkerung Bildungschancen zu ermöglichen. Der Lohn von umgerechnet etwa 50 DM ist dabei gering, das Risiko, das mit der Mißachtung der Verordnung der Taliban einhergeht, dagegen hoch. Der Vortrag von Sohaila Alekozai machte sehr schnell deutlich, daß das Leben in Afghanistan wenig mit dem Bild zu tun hat, das die sensationshungrigen Medien vermitteln. Nicht selten wird die Berichterstattung über aktuelle Ereignisse - wie beispielsweise das Erbeben vor wenigen Wochen - von der politischen Situation getrennt und läßt so ein seltsam hintergrundloses Bild entstehen, das fast zwanzig Jahre Bürgerkrieg unterschlägt oder unzureichend darstellt. Daß auch der Alltag, der in Kabul und anderen
Landesteilen vorübergehend immer wieder einkehrt, von
Interesse ist, zeigten die zahlreichen Fragen der
überwiegend gut informierten Zuhörer/innen am Ende des
Vortrags. Frau Alekozai beantwortete spezielle Fragen wie
zur Finanzierung des Krieges hier sei nur darauf
verwiesen, daß 50% der Weltproduktion an Opium aus
Afghanistan kommen ebenso wie allgemeine zur
Tradition Afghanistans. |
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© 1998 Simone Preuß |
zur Situation der Frauen in
Afghanistan
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