Frauenhandel, der zu Zwangsprostitution führen kann



Facts


Frauen werden von illegalen Schlepperbanden in wohlhabendere Länder geschleust und dort praktisch ohne Entlohung zur Prostitution oder Schwerarbeit gezwungen.


Jährlich werden rund 500.000 Frauen und Mädchen zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung in EU- Länder geschleust.

Die Schlepperbanden machen allein in Europa jährlich etwa 7 Milliarden Dollar Gewinn mit der sexuellen Ausbeutung und sklavenähnlichen Behandlung der Frauen.
(Bericht der Sachverständigen im Familien- und Frauenausschuß des Parlaments in Bonn; 27. Mai 1998)

Unabhängig davon, ob die Ausübung der Prostitution erzwungen wird oder im "Konsens" erfolgt, werden die Frauen und Mädchen von den kriminellen Banden ihrer individuellen Rechte beraubt und durch das illegale Instrument der "Schuldknechtschaft" in eine Art moderne Sklaverei gezwungen.

Frauenhandel ist so lukrativ wie Drogenhandel, aber viel weniger riskant: während auf Drogenhandel bis über zehn Jahre Haft steht, steht auf Frauenhandel eine Höchststrafe von zwei Jahren.

Nach Schätzungen gehen in Deutschland täglich eine Million Männer in Bordelle.
 
 

Wie läuft Frauenhandel ab?

Die Mädchen und Frauen werden mit falschen Versprechungen, wie Arbeitsangeboten (als Köchinnen, Kellnerinnen, Haushaltshilfen, Aupairs) oder Heiratsaussichten, ins Ausland gelockt oder mit Gewalt verschleppt.
Die schlechten wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in den Heimatländern lassen die Mädchen und Frauen den Versprechungen Glauben schenken.

Meistens werden den Frauen nach der Einreise in das Zielland ihre Papiere weggenommen. Sie müssen zudem hohe Vermittlergebühren und Reisekosten bezahlen, und sind so sofort "hoch verschuldet" bei den Frauenhändlern. Von den Zuhältern beauftragt, beantragen die Frauen politisches Asyl oder sie müssen Scheinehen eingehen. So werden die Frauen oft durch mehrere Länder geschleust.

Die Hintermänner der kriminellen Banden erwartet nur selten Strafverfolgung. 1996 wurden lt. Angaben des BKA 1.094 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels eingeleitet. Oft ist den Männern nur eine Förderung der Prostitution oder Zuhälterei nachzuweisen, nicht aber der Menschenhandel.

Die Frauen werden nach ihrer Festnahme in ihr Heimatland abgeschoben. Meistens werden sie dort wieder von den gleichen Frauenhändlern aufgegriffen. Aus Angst kommt es selten zu Aussagen gegen ihre Peiniger. Als Zeuginnen bringen sie sich zusätzlich in Gefahr. Nur in Fällen schweren Menschenhandels wird den Frauen bis zum Prozeß Duldung gewährt. Von 380 Mark Sozialhilfe im Monat mit Arbeitsverbot warten sie mitunter zwei Jahre auf die Verhandlung. Nach ihrer Prozeß- Aussage werden sie abgeschoben.
 
 

Was kann gegen Frauenhandel getan werden?

Für die Frauen und Mädchen
- eine befristete Aufenthaltserlaubnis und sichere Unterkunft.
- Verträge zwischen den Prostituierten und Freiern sollen nicht mehr als "sittenwidrig" gelten.
- Telefonnotrufstellen
- soziale und medizinische Betreuung der Frauen und Mädchen
- Psychologische Hilfe für die Frauen, die verschleppt, vergewaltigt und gefoltert wurden und oft unter Schock stehen.
(In Deutschland arbeiten wenigstens sechs Beratungsstellen für illegal in Deutschland lebende Osteuropäerinnen.)
- Präventionsarbeit in den Herkunftsländern
- Einrichtung eines internationalen Registers mit den Daten verschwundener Frauen und Kinder.

Gegen die Täter
- Strafgesetzanpassung an diese Form der Gewalt: Die Gefängnisstrafen für Frauenhandel müssen mindestens der Höchststrafe für Vergewaltigung entsprechen.
- Kontrollen von grenzüberschreitend arbeitenden Ehevermittlungs- und Beschäftigungsagenturen
 
 

Wie sind die Größenordnungen?

Es wird geschätzt, daß mindestens 100.000 junge Ukrainerinnen im Ausland als Prostituierte arbeiten.

Mindestens 14.000 albanische Frauen arbeiten durch den Frauenhandel in Westeuropa als Prostituierte, hauptsächlich in Italien und Griechenland.
(Stand: 7/98)

10.000 bulgarische Frauen wurden zur Prostitution ins Ausland verschleppt. Die Bulgarinnen werden von den Vermittlern zu Preisen von 2.000 bis 3.000 DM als Prostituierte verkauft. Sie müssen dann in den EU-Ländern und der Türkei anschaffen gehen. In Polen arbeiten rund 3.500 Bulgarinnen.
(lt. Frauenorganisation Animus, 8/98)

Jährlich werden 5.000 bis 7.000 Frauen und Mädchen aus Nepal nach Indien zur Prostitution verschleppt. Insgesamt arbeiten mindestens 100.000 Prostituierte aus Nepal in Indien. Davon sind etwa 30 Prozent jünger als 18 Jahre und 70 Prozent können nicht lesen und schrieben.
(Stand: 12/97)

In Kambodscha werden jährlich etwa 17.000 Frauen und Kinder zu Prostituierten gemacht. Über 35 Prozent von ihnen werden entführt und in die sexuelle Sklaverei verkauft.



"Frauenhandel in Deutschland" von der Tübinger Projektgruppe Frauenhandel (Hgb.) (Dietz 1989 TB Bd. 30; ISBN 3-38012-3030-9; DM 19,80)
"Frauenhandel und Prostitutionstourismus. Eine Bestandsaufnahme zu Prostitutionstourismus, Heiratsvermittlung und Menschenhandel mit ausländischen Mädchen und Frauen" im Anhang Rechtsexpertisen zur Situation in der BRD. von agisra e.V. (Hgb.) (Trickster 1990; ISBN 3-923804-41-5; DM 35,-)
"Kolumbianische Prostituierte in Frankfurt. Ein Beitrag zur Kritik gängiger Ansichten über Frauenhandel und Zwangsprostitution" von Juanita Henning (ISBN 3-7841-0990-X; DM 44,-)
"Ware Liebe. Sextourismus- Prostitution- Frauenhandel- AIDS" von Regula Renschler (Hgb.) (Peter Hammer Wuppertal 1991; ISBN 3-87294-345-6; DM 18,80)
 
Eine Ausstellung zum Thema Frauenhandel (14 Teile Format DIN A1) kann kostenlos ausgeliehen werden bei: Fachberatungsstelle für die Opfer von Menschenhandel "Nadeschda", Hansastraße 55 in 32049 Herford.
 
Terre des femmes: Frauenhandel ist Frauenverachtung
Amnesty for Women, email: amnesty4women@t-online.de
Agisra e.V.
Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt  im Migrationsprozeß (kurz: KOK)
Zwangsprostitution als Kriegsmittel












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