
Verband der Komitees
der Soldatenmütter Russlands
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Komitees der Soldatenmütter - wichtiger Teil der Friedensbewegung in Russland Spätestens der erste Krieg in Tschetschenien, der von 1994 bis 1996 stattfand, hat gezeigt, dass es auch in Russland eine breite Friedensbewegung gibt. Bereits eine Woche nach Beginn des Krieges gab es einen Aufruf an Jelzin von 24 Menschenrechtsorganisationen. Sie forderten unter anderem: "... halten Sie die Kriegsmaschinerie sofort an, beginnen Sie mit Verhandlungen!". Zu den UnterzeichnerInnen gehörten auch die so genannten "Soldatenmütter". Die Gruppen und Organisationen der Friedensbewegung in Russland helfen Deserteuren, arbeiten an der Einführung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung, führen Friedens- und Beobachtermissionen durch und pflegen Kontakte in andere GUS-Republiken und nach Westeuropa. In dieser Friedensbewegung sind Frauen aktiv, die bereits einiges erreicht haben. Das 1989 gegründete Mütterkomitee engagiert sich für die Einhaltung der Menschenrechte in der Armee und für die Einführung des zivilen Ersatzdienstes. Die Soldatenmütter haben viele junge Männer vor der Rekrutierung gerettet, in dem sie ihnen Studienplätze verschafften. Das Komitee kümmerte sich um Zivilpapiere für Deserteure, damit diese arbeiten oder studieren können. Kurse informierten über die Wehrpflicht und den Kampf um das Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Kriegsdienstverweigerung seit Jahren nicht geregelt Die Zustände in der russischen Armee gelten seit Jahren als katastrophal. In den vergangenen Jahren wurden tausende Soldaten von ihren Offizieren zu Tode gequält oder in den Selbstmord getrieben. Bereits 1988 forderte eine Moskauer Bürgerrechtsbewegung die damalige Regierung auf, das Recht auf Kriegsdienstverweigerung einzuführen. Im Juli 1994 kam ein Kompromiß- Gesetzentwurf zustande, der zwischen dem Verteidigungsministerium und Nichtregierungsorganisationen (NGO`s) ausgehandelt worden war, um Alternativen für den Kriegsdienst zu regeln. Zwar schreibt die Verfassung mittlerweile eine Alternative zum Militärdienst vor, es fehlt jedoch ein Gesetzestext, der die Einzelheiten regelt. Der Wehrdienst in Russland dauert zwei Jahre. Alle jungen Männer im Alter von 18 bis 27 Jahren fallen unter die allgemeine Wehrpflicht. Die Soldaten in den Kriegen gegen Tschetschenien haben oft nur ein halbes Jahr militärische Ausbildung absolviert. |
Verband der Komitees
der Soldatenmütter Russlands - gegen
Militarismus und Gewalt Das "Komitee der Soldatenmütter Russlands" wurde 1989 von rund 300 Frauen als Nichtregierungsorganisation (NGO) zur Durchsetzung der Menschenrechte und gegen Militarismus und Gewalt gegründet. International wurden die Soldatenmütter vor allem 1994 nach Beginn des Krieges gegen Tschetschenien bekannt. Die Frauen fuhren damals in das Kriegsgebiet und holten Soldaten aus der Armee bzw. unterstützten Mütter bei diesen Aktionen. Mit den tschetschenischen Frauen tauschten sie Gefangenenlisten aus und koordinierten (Zu-)Fluchtsmöglichkeiten für Deserteure. Am 08. März 1995 begaben sich Frauen des Komitees auf den vielbeachteten Protestmarsch "Marsch der Mütter für Leben und Mitgefühl" von Moskau in die tschetschenische Hauptstadt Grosny. Die Mütter unterstützten Kriegsdienstverweigerer und machten zahlreiche Protesteingaben an die Regierung. Die Soldatenmütter setzten weiter Rentenzahlungen für die Hinterbliebenen gefallener Soldaten durch. 1998 billigte die Staatsduma eine durch die Soldatenmütter geforderte Amnestie für 40.000 dersertierte Soldaten. Mittlerweile sind 70 Gruppen von Soldatenmüttern in dem "Verband der Komitees der Soldatenmütter Russlands" organisiert. Durch ihre Aktivitäten schärften die Soldatenmütter das Bewusstsein in der Gesellschaft, in den Massenmedien und in der internationalen Öffentlichkeit für das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen, die durch Militarisierung und Kriegsführung verursacht werden. Für ihre friedlichen Menschenrechtsaktivitäten wurde der Verband der Komitees der Soldatenmütter Russlands mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet. Das Internationale Friedensbüro in Genf hat den Russischen Soldatenmüttern 1995 seinen "Sean MacBride"- Friedenspreis verliehen. Die Berliner Schauspielerin Käthe Reichel hat die Mütter für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. 1996 erhielt der Verband den Alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award): "Sie haben in Opposition zu Militarismus und Gewalt, durch die so viele Menschen sinnlos ums Leben kamen, auf normaler Menschlichkeit zwischen Russen und Tschetschenen bestanden." In Moskau nannte die Sprecherin des russischen Komitees, Valentina Melnikowa, den Preis eine "wichtige Anerkennung". Gegenüber einer deutschen Nachrichtenagentur sagte sie: "Wir sind sehr glücklich, daß unsere Standhaftigkeit und unsere Leistung wahrgenommen worden sind". Am 06. Juni 2000 wurde der "Menschenrechtspreis 2000" der Friedrich- Ebert- Stiftung an den Verband der Komitees der Soldatenmütter Russlands verliehen. Kontakt: Rossijinski Komitet Soldatskich Matereji (Russisches Komitee der Soldatenmütter) Luchnikov per. 4 RUS -101000 MOSKWA Rußland/ Rossija Tel: 007-095/ 9282505 und /9284732 |
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Herbst 1999 bis heute betreibt die russische Regierung
den so genannten zweiten Tschetschenienkrieg.
Wieder werden tausende ZivilistInnen und Soldaten diesen
Krieg nicht überleben. Die Regierungen Westeuropas
schweigen. Der Kaukasus scheint weit. Und Russland gilt
es als wichtigen politischen Faktor nicht zu verstimmen.
Auch mit tschetschenischen Flüchtlingsströmen ist in
Mittel- oder Westeuropa - im Gegensatz zum Krieg im
Kosova - nicht zu rechnen. Jede/r weiss: Das Schweigen der Medien und das Schweigen auf internationalem politischen Parkett hilft den Kriegstreibern und ist ein stilles ja zum morden und zerstören. |
Im zweiten
Tschetschenienkrieg haben die Soldatenmütter andere
Ziele für sich definiert: Sie fordern eine Berufsarmee, weil sie darin den einzigen Weg sehen, dass die jungen Soldaten nicht als Kanonenfutter benutzt werden, das sie besser ernährt werden und das das miese Strafsystem in den Kasernen abgeschafft wird. Der zweite Schwerpunkt ist immer noch der Kampf um das Zivildienstgesetz. Da die russischen Medien bei diesem Krieg die Soldatenmütter "wegschweigen" und die Frauen nicht auf tschetschenisches Territorium dürfen, setzen sie auf den Kontakt mit den Eltern und Angehörigen der Jungen und jungen Männer, die zur Armee berufen werden sollen. Ausserdem versuchen sie auf die Abgeordneten einzuwirken, die die Gesetze verabschieden. So konnten sie mit Unterstützung der Duma-Fraktion "Frauen Russlands" erreichen, dass die "Forschungsstelle für vermisste Soldaten" erstmals mit einem Budget ausgestattet wurde, damit diese Institution an der Identifizierung der Soldatenleichen aus dem ersten Krieg arbeiten kann. Irina Kuklina, Mitfrau des Verbandes der Soldatenmütter in Moskau, äusserte gegenüber der tageszeitung (Interview vom 06.06.2000): "Wir erfahren sehr viel Unterstützung aus dem Westen, aus Frankreich, der Schweiz und Deutschland. Besonders in moralischer Hinsicht hilft uns das sehr. Trotzdem reichen Druck und Mobilisierung nicht aus. Die Nichtregierungsorganisationen denken und handeln noch nicht global. Diesen Weg müssen wir erst noch beschreiten." Ein Schritt zur "Friedensglobalisierung" ist der Zusammenschluss der Soldatenmütter-Initiativen dreier Länder zum "Internationalen Mütterkomitee gegen den Krieg". |
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© 26. Juni 2000, Jana Arakeljan. |
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